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Haute Couture

Haute Couture

Fendi Haute Couture – East of the Sun and West of the Moon

Am 7. Juli 2016 fand in Rom eine der spektakulärsten Haute Couture Schauen statt, die sowohl von der Location als auch von der Kollektion einen traumhaften Höhepunkt der Herbst/Winter-Saison in diesem delikaten Metier, das die Krone der Schneiderkunst darstellt, bildete. Das Haus Fendi hatte mehrere Gründe, um zu diesem, einem Sommermärchen gleichenden Veranstaltung einzuladen: Zum einen das neunzigjährige Jubiläum des Hauses, von denen 51 Jahre Karl Lagerfeld für die künstlerische Leitung und die Kreation zuständig ist, und zum anderen natürlich der frisch renovierte Palazzo Fendi, der nur einen Steinwurf von einer der Touristenattraktionen der Ewigen Stadt gelegen ist, der Fontana de Trevi – dem „Trevi-Brunnen“.

Die Fontana de Trevi gilt als eine der imposantesten Brunnenanlagen der Welt. Sie ist im Barock als eine Art „Weltwunder“ zwischen 1732 bis 1762 von dem Architekten Nicola Salvi errichtet worden. Brunnen spielen gleichermaßen für Rom und Fendi eine große Rolle. Karl Lagerfeld drehte dort bereits in den Siebziger Jahren zusammen mit seinem Lebenspartner Jacques de Bascher einen Film für das Pelzmodehaus und ließ sich immer wieder davon inspirieren.
Fendi finanzierte in den letzten Jahren die Grundsanierung des Denkmals, das spätestens seit dem Film „La Dolce Vita“ mit Marcello Mastroianni und Anita Ekberg, in dem der Brunnen eine zentrale Rolle spielt, jedes Kind kennt. Dass die Ekberg damals in den Brunnen sprang, ist unvergessen und wäre heute sicherlich keinerlei Skandal mehr. Die Gesellschaft der Nachkriegsjahre sah das etwas anders …
Ein Modedefilee eines römischen Couture Hauses hat hingegen noch nie an diesem Ort stattgefunden. Seit dem letzten Jahr zeigt Fendi auf Betreiben Karl Lagerfelds jedes Jahr im Juli eine Haute Fourrure Kollektion, die zwar Pelze enthält, aber eigentlich eine komplette Haute Couture Range bietet. Es handelt sich hierbei um „die Meisterschaft der Handwerker der Pelzateliers des Hauses und das artisanale Handwerk“, wie Karl Lagerfeld erklärt – also „Made in Italy“ mit dem „Made in France“ der Künstler von Stickereien von Lesage oder Blumen- und Federkreationen von Lemarié vereinigt.

Die „Legends and Fairytale Haute Fourrure Collection“ wurde auf einem Plexiglas-Runway präsentiert, der über das erleuchtete Becken der Riesenfontäne im Licht des Sonnenuntergangs führt. Als wenn das noch nicht genug Romantik ist, zeigte Karl Lagerfeld eine märchenhafte Kollektion, die an Details nicht zu überbieten ist. Topmodels, wie Kendall Jenner oder Bella Hadid, schwebten wie Feen über den Laufsteg und zeigten das, wofür Karl Lagerfeld steht: nicht „nur“ Mode, sondern eine ganzheitliche literarische und kunstgeschichtliche Interpretation.

Jugendstil und deren Illustratoren haben es in dieser Saison Karl Lagerfeld besonders angetan. Dabei greift er in die Tiefe der Kiste seiner Lieblingsbücher. Schon als Kind liebte er zwei Bücher besonders. Er verwahrt sie bis heute: Das Buch „Der kleine König“ von Fritz von Ostini mit den Illustrationen von Hanns Pellar und dann natürlich die berühmte Sammlung skandinavischer Märchen „Östlich von der Sonne und westlich vom Mond“, aufgeschrieben von Peter Christen Asbjoernsen und illustriert von Kay Nielsen aus dem Jahre 1914. Genau diese Zeichnungen durchziehen in ihrer Opulenz die Fendi-Kollektion und erzählen von unglücklichen Liebenden, edlen Prinzen, magischen Winden, unterirdischen Palästen, hohen Burgen und abscheulichen Trollen. Lagerfeld lässt die Prinzessinnen in den Kreationen erwachen und in einer magischen Welt, übersetzt in Mode und komplizierteste Techniken und Materialien, schmücken sie sich mit kostbaren Pelzen und elfenhaften Kleidern. Wie tief er im Thema drin ist, zeigt, dass er nur kurz zuvor Haute Couture Stickereien zeigte, die von Kay Nielsens Vorbild, dem englischen Illustrator Aubrey Beardsley, angeregt waren. Es gibt nur Perfektion bei Karl Lagerfeld – eine Herangehensweise, die ihn zu einem Ausnahmekünstler werden lässt.
Das Buch ist übrigens auch Nicht-Modefreaks zu empfehlen und glücklicherweise in der Originalversion im TASCHEN Verlag wieder aufgelegt.

Was dann auf dem Laufsteg zu sehen war, erfordert im Durchschnitt 200-600 Stunden Arbeit in den Ateliers und setzt die Vision von Lagerfelds Entwürfen und der erfahrenen Umsetzung der Fendi-Codes durch Silvia Venturini Fendi, die seit vielen Jahren an seiner Seite weilt und die Accessoires entwirft und koordiniert, voraus. Die Ergebnisse kann man nur als „Coutureträume“ und als ein Feuerwerk der Ideen bezeichnen. Die Passage der Looks markierte genau den Übergang vom Tag zur Nacht.

Das Farbspiel reichte von Tageslicht Pastellen wie zartem Pink und Weiß in Organza und transparentem Tüll. Dazu handgemalte Stoffe, bestickte Spitze und leichte samtige Jacquards.
Wenn die Sonne untergeht, kommt der Wald näher und dunkelblaue Töne kommen hinzu. Die leichten Materialien werden mit Kaschmir und Pelz gemischt und bekommen so mehr Gewicht. Die aus- und eingelassenen Pelze (so nennt man die Technik der Verarbeitung) sind eine Spezialität der Ateliers und sind in dieser Kollektion sogar bemalt oder zu „Patchwork“ verarbeitet.

Die Nacht wird symbolisiert durch das vermehrte Aufkommen von Schwarz, das die Verzierungen und Ornamente in Schichten wie Scherenschnitte in Reliefs erscheinen. Samt, gecuttetes Leder und Kaschmir dominieren auch hier. Blumengärten als Motive vor dem Nachthimmel lassen die nordischen Märchen auf der Fontana de Trevi zur Couturelegende werden.

Opulenz und eine märchenhafte Reizüberflutung mit unendlichen Details, die Traumwelten auferstehen lassen und uns zeigen, dass in der Couture so viel möglich ist und das sicherlich auch von der Klientel, die so viel Geld für ihre Maßkreationen bezahlt, erwartet wird. Fast alle Kreationen sind lang und voluminös. Die Kleider romantisch linear und es finden sich nur wenige kurze Mäntel und Kleider bei den Layerlooks. Feen tragen eben nicht kurz, das gibt es in keinem Märchen …

Eine weiche, wie ein Halbmond geschnittene Eidechsenleder Pochette, entworfen von Silvia Venturini Fendi, erscheint bestickt mit den Hauptmotiven der Märchen oder barocken Elementen. Prinzessinnen, Bäume und Insekten tummeln sich auf den Taschen. Die Schuhe erinnern an viktorianische Schnürstiefel, die, ebenfalls mit ihren Motiven bestickt, wie einer fantasievollen Mary Poppins gestohlen wirken.

Eine Kollektion zum Träumen und mit dem Hinblick darauf, dass die Ateliers von Fendi beweisen möchten, dass sie in ihrer Nische das Unmögliche können und seit nunmehr 90 Jahren auch dafür stehen, das Rom das Zentrum für die Alta Moda, dem italienischen Gegenstück zur Haute Couture, ist. Während Mailand für das Prêt-à-porter steht und auch Fendi dort seine Kollektionen zeigt, gewinnt Rom auch durch die Rückkehr der Valentino-Couture an Bedeutung. Früher wurden unter dem Motto „Donna sotto le stelle“, was so viel wie „Frauen unter den Sternen“ heißt, von mehr als 15 Couturiers, wie Pino Lancetti, Valentino oder Rocco Barocco auf der Spanischen Treppe gezeigt, wie die italienische Sicht auf das Metier war …

Die Fendi-Modenschau auf dem transparenten Laufsteg, der die Models über das Wasser gehen und ein Stoff gewordenes Märchenbuch auferstehen ließ, werden die meisten Gäste bestimmt nicht vergessen, so beeindruckend und romantisch war es …

Karl Lagerfeld und Silvia Venturini Fendi arbeiten kongenial und zeigen, dass die konsequente Individualität und das Bekenntnis zu Handwerk und Qualität die Zukunft der nächsten 90 Jahre ist und ihre Accessoires und ihr Prêt-à-porter durch die Alta Moda eine noch stärkere Strahlkraft bekommen …

Ein römisches Sommermärchen auf der Fontana de Trevi – Fendissime!

Haute Couture

Chanel Haute Couture Winter 2016/17 – Inside Couture Ateliers

(Bild: Olivier Saillant)

Was macht Haute Couture aus und was unterscheidet sie von der von unglaublicher Perfektion besessenem Prêt-à-porter? Eine Frage, die wir immer wieder auf Horstson zu erklären versuchen. Am besten lässt sie sich natürlich beantworten, wenn man die vier Couture Ateliers in der Rue Cambon Nummer 31 in Paris besucht. Die vielen Handwerker der Paraffections Ateliers arbeiten der anspruchsvollsten Gattung von Kleidung zu, die zwar auf Modellen vorgeführt wird, die aber nach den individuellen Maßen, den Bedürfnissen und der Vorstellung der Kundin angefertigt wird. Teilweise benötigt ein Kleid, inklusive Stickereien und Hunderten Arbeitsschritten bis zu 1.500 Stunden. Dabei sind bei den Vorbereitungen mehrere der, wie der Franzose sie nennt, „Petit Mains“ beschäftigt. Das Nähen liegt aber bei einer Kraft mit langjähriger Erfahrung, der sogenannten „Premier Main“. Dazu gibt es in den vier Ateliers zwei „Flou“-Ateliers für fließende Stoffe, Kleider, Abendroben und den Brautkleidern und den zwei „Tailleur“-Ateliers jeweils die Direktrice, die Karl Lagerfelds Zeichnungen lesen und sie in die Schnitte technisch umsetzen kann. Sie ist die Schnittstelle zwischen der Fantasie des Entwurfs und der dreidimensionalen Umsetzung in die Stoffe.

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Damenmode

Angezählt x Saint Laurent Fall 2016 – „La Collection de Paris“

Bild: Courtesy of SAINT LAURENT PARIS

Es ist schon schwer, eine Kollektion und Präsentation auf die Beine zu stellen, die es schafft, den aktuell in der Luft schwebenden Gerüchten entgegen zu wirken. Glücklicherweise ist Hedi Slimane immer für eine Überraschung gut. Das ging 2013 mit der Grunge-Kollektion los und erreichte nun bei der diesjährigen Herbst-Winter Kollektion einen neuen Höhepunkt. Diese war der Teil 2 der Herbst-Winter Kollektion, da ein überraschend großer Teil bereits als Pre-Fall Kollektion in Los Angeles präsentiert wurde. Warum dieser so groß war, wurde nun klar.
Das, was Hedi Slimane nämlich im Hotel de Senecterre 24 in der Rue de L’université in Paris präsentierte, war Couture. Vom Haus selbst wird die Show zwar nicht als Couture-Show bezeichnet, allerdings lassen Details, Verarbeitung wie auch Präsentationsform keinen Zweifel offen. Erst verlagert Slimane also die Männershow komplett nach Los Angeles und nun Couture zur Prêt-à-porter-Woche. Ich würde an dieser Stelle gern neue Musik präsentieren oder irgendwelche Rockstars in der ersten Reihe, aber auch hier: Fehlanzeige. Lediglich ein Begrüßungswort von Pierre Bergé selbst eingesprochen, sowie die Stimme von Bénédicte Ginestous, die bereits zwischen 1977 und 2002 die einzelnen Modelle ankündigte, waren zu hören. Wo bisher laute Rockmusik herrschte, waren nur die Absätze der Paris Pumps zu hören, die in den jüngst von Hedi Slimane erneuerten und wieder eröffneten Couture-Ateliers gleichmäßig klackerten.

Die Kollektion selbst war stark von Yves Saint Laurent beeinflusst, hatte aber einen großen Hedi Einschlag. Die Kleider und Röcke weiterhin ultrakurz mit starkem 80ies Einschlag. Haare und Make-up erinnerten an die 80er Helmut Newton-Ästhetik. Glamuröse Pailletten-Jumpsuits und die dramatische Schultern der Fuchs-Mäntel und Kleider, welche sprichwörtlich bis in den Himmel reichten, waren nur einige Highlights. Die sehr knappen Kleidchen waren perfekt auf die sehr dünnen Models geschneidert und wurden oftmals mit dem Lieblings-Stück Slimanes, der Lederjacke, aufgemischt. Diese waren wahlweise mit Herzchen-Nieten oder Graffitis verziert. Eine große Auswahl von breiten Statement-Gürteln komplettierten wie schon bei der Pre-Fall Kollektion die Looks.

Was die Show allerdings ausmachte, waren Looks wie Nummer 38 oder 42 mit denen Slimane etwas bewies, was man ihm seit jeher vorwirft: Nicht Yves Saint Laurent konform zu sein und lediglich Streetstyles teuer neu aufzulegen. Spätestens als Pierre Bergé beim herzförmigen Fuchsmantel applaudierte, war klar, dass diese Kollektion nicht nur für den ehemaligen Lebensgefährten ein Highlight war. Auch Catherine Deneuve, die Gerüchten zu Folge angeblich während der Grunge-Show 2013 den Raum verlies, gratulierte Slimane im Anschluss an die Show. Als Slimane zudem persönlich nach vorne kam und Pierre Berge ein kleines Küsschen gab, wurden die Gerüchte natürlich weiter angefeuert. Bleibt also die Frage: Abschiedskuss oder Beginn einer neuen Ära?

Saint Laurent Fall 2016 – „La Collection de Paris“

Allgemein

Inside Chanel – Das Vokabular der Mode



Während viele Marken mit Identifikationsproblemen kämpfen und versuchen, eine eigene Linie zu finden und trotz kurzfristig gesteckter Ziele von Aktionären und Shareholdergruppen über Jahrzehnte erfolgreich zu bleiben, scheint ein Modehaus davon unberührt zu sein: Chanel. 
Das Haus agiert seit mehr als hundert Jahren – nur mit einer Unterbrechung von 1939 bis 1953 – und hat mit Coco Chanel, ab 1983 dann mit Karl Lagerfeld, nicht nur einen Stil kreiert, sondern auch eine Art Baukasten, der wie ein Memoryspiel mit vielen Karten in mittlerweile acht Kollektionen Saison für Saison neu gespielt wird.

Jedes Teil, ist es auch noch so klein, enthält immer mehrere dieser Karten, sodass es immer hundertprozentig Chanel entspricht. Obwohl es so einfach wirkt, scheint es für andere Marken unmöglich, dieses Prinzip – auch wenn sie es verstanden haben – zu kopieren.

Die Codes von Chanel scheinen nur in der Rue Cambon zu funktionieren. Dabei macht das Haus überhaupt kein Geheimnis aus den benötigten Zutaten.
 Im Gegenteil: Jede Kollektion wird genau erklärt und selbst Menschen, die sich in keinerlei Hinsicht für Mode interessieren, sind fasziniert von den „Behind the scenes“-Videos aus den Ateliers und können den Aufwand und die Fertigkeiten, die zur Entstehung einer Kollektion führen, kaum fassen. Als Beispiel sei die letzte Haute-Couture-Kollektion genannt, die von Karl Lagerfeld erst Weihnachten gezeichnet und Ende Januar präsentiert wurde. In den dazugehörigen Videos sieht man dann, wie einzelne Blütenblätter per Hand eingefärbt oder Sägespäne zu Stickereien verwandelt werden. Bienen werden aus kleinen Federn gepatcht und aufgestickt. In der Métiers d’Art-Kollektion „Paris in Rom“ wurden kleine Satinbänder in Farfalle-Form zu Allover-Stickereien verwandelt. Kein Aufwand scheint zu groß, keine Technik zu kompliziert.

In der mittlerweile fünfzehnteiligen „Inside Chanel“-Serie, die chronologisch die Geschichte des Hauses, das Leben von Mademoiselle Chanel, das Werk Karl Lagerfelds und die Haute Couture erklären, wird klar, mit welchem Aufwand aber auch mit welcher Stringenz in Paris gearbeitet wird.
Alles ist begründbar, leitet sich von einer Lebensstation oder einer Inspiration von Coco Chanel ab. Karl Lagerfeld fügte seine eigenen Codes hinzu, die aber mittlerweile so sind, dass man gar nicht mehr sagen könnte, ob sie nicht vielleicht doch von Mademoiselle wären. Was auf einen flüchtigen Blick fast altertümlich wirkt, wie die 30 verschiedenen Maße, die für eine Anfertigung einer Jacke an der Kundin genommen werden müssen, erlebt bei genauerem Blick eine Renaissance sondergleichen. All das, was wie aus einer anderen Zeit wirkt, steht heute für den wahren Luxus. Die Couture ist der einzige Weg, sich noch von sofort verfügbarer Masse zu unterscheiden. Das Coutureatellier boomt wie nie – der Grund liegt auf der Hand: Die Menschen, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügen, wollen mit dem Geld gleichzeitig etwas ‚Exklusivität‘ erlangen. Das Ritual der Anproben, also der Entstehungsprozess, ist der Mehrwert, der eine Beziehung zu dem Kleidungsstück aufbaut und gerne bezahlt wird. Die meisten Couturestücke bleiben lebenslang bei ihren Besitzern oder landen als Zuwendung in den Modesammlungen von Museen. Die Nachhaltigkeit bei Couture ist eben sagenhaft …



Fast alle Modelle aus 100 Jahren Chanel sind in privaten oder öffentlichen Sammlungen nachweisbar. Auch die Prêt-à-porter-Modelle und die Accessoires verbleiben fast immer in den Kleiderschränken und werden nicht aussortiert. Ein Blick auf Vestiaire Collective oder die zahlreichen Vintage-Auktionen bei Artcurial genügt und man sieht, was gut gepflegt und in tadellosem Zustand durchgängig aus jeder Schaffensperiode bewahrt wurde. Fast hat man das Gefühl, das Kollektionsteile von Chanel mit einer Art Respekt behandelt werden, der sich aus seiner Zeitlosigkeit und Herkunft ableitet. 
Wird etwas weggegeben, dann erzielt es meist den Preis, den es einmal gekostet hat. Manchmal aber auch wesentlich mehr …



Ein Mirakel, das sich durch den Wert erklärt – und zwar nicht den monetären, sondern den Wert, für den die Codes fast wie Gesetze stehen. Genau diese Codes erklärt das neueste Video aus der „Inside Chanel“-Reihe. Die Codes des Hauses, wie die Tasche (die sich aus der Soldatentasche des ersten Weltkrieges ableitet), der Tweed, die Perlen, das kleine Schwarze und die Nummer 5, haben alle eine Signalwirkung. Sie geben der Trägerin die Sicherheit, Geschmack zu besitzen und sich nicht zu irren. Obwohl der Chanel-Stil weiblich ist, sind die Codes streng, pur und einfach. Nur die Ausführung ist extrem aufwendig und von perfekter Qualität und Handwerk. Es gehört zu den Grundsätzen des Hauses, „die Schlichtheit bemerkenswert zu machen“.


Etwas, was einfach erscheint, ist kompliziert und aufwendig – der Franzose nennt es ‚raffiniert‘. Das ist genau das, was die Ausstrahlung und das ungeheure Begehren der Dinge auslöst. Die Codes sind einfach und stehen fest, aber die Ausführung macht sie modern und die Arbeit dahinter unvergleichbar und unkopierbar. Die Filme erklären die Details – die der Kunde und wir sonst nie sehen würden – und grenzen auch die Marke klar ab. Keine Firma erklärt so viel und lässt sich gleichzeitig so viel hinter die Kulissen schauen. Chanel baut komplett auf das Handwerk auf. Deswegen auch die Paraffection-Ateliers, weil das „System Chanel“ nicht darauf verzichten kann.



Der Aufwand zahlt sich aus: 30 Couture-Kundinnen kommen Saison für Saison dazu. Die Couture, von vielen als Imageträger belächelt, ist eine gewinnbringende Abteilung bei Chanel und an den Tagen nach der Schau werden riesige Umsätze mit den Orders der Kunden gemacht. Es ist der Bereich in der Textilkette, der schon tausendmal totgesagt wurde und heute, wo alles erhältlich ist, eine beispiellose Renaissance erlebt.
Bemerkenswert auch, und das kommt in den Videos auch ganz klar raus, dass die Couture ein Handwerk repräsentiert, das einer der Exportschlager von Paris ist und das man ausschließlich mit Paris verbindet. Es ist ein Stück europäische Kultur, die auch nur dort gemacht werden kann. 

Wer sie noch nicht gesehen hat, die „Inside Chanel“-Videos sind unter Inside.Chanel.com abrufbar und die beiden neuesten könnt ihr im Anschluss gleich anschauen …

Haute Couture

Wahre Werte – CHANEL Haute Couture Frühling-Sommer 2016

Bild: Olivier Saillant

Karl Lagerfeld präsentierte am Dienstag im Grand Palais eine der schönsten CHANEL Haute Couture-Schauen der letzten Jahre. Es war seine Reaktion auf eine Welt, die sich immer schneller dreht. Gleichzeitig lieferte Lagerfeld seine Antwort auf die politischen Krisen: Die Entschleunigung und die Rückbesinnung auf die nordische Klarheit – immer unter Berücksichtigung der Codes des Hauses.
Das Dekor der Show, ein großer Schrein aus Naturholz, gab erst zum Ende der Show sein Geheimnis preis: Ein zur Entspannung einladender Grasgarten, der einen mit Wegen aus Naturholz abschalten und die Hektik vergessen ließ.
Was viele der jüngeren asiatischen Besucher, die eine neue Generation der Couture-Kundinnen bilden, für einen japanischen Zengarten hielten, war eine Hommage an den Norden mit seinem endlos blauen Himmel und die große Liebe von Karl Lagerfeld zu Dichtern wie August Strindberg und Henrik Ibsen.

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Haute Couture

Yves Saint Laurent Couture – Neustart 24, Rue de l’Université

Bild: Hedi Slimane; Saint Laurent Paris

Es liegt auf der Hand, was Saint Laurent jetzt bekanntgegeben hat: Auf ganz eigene Art und ganz im Sinne des eigenwilligen Hedi Slimane belebt das Haus seine Haute Couture neu. Das Potenzial lag, nach der letzten Schau von Yves Saint Laurent im Jahre 2002, im Grunde genommen brach, und das, obwohl es, wie die Umsätze aus den Couture-Abteilungen von Dior, Chanel und Valentino deutlich machen, weltweit immer mehr Couture-Kundinnen gibt. Die Couture-Kollektionen sind zu einem wirklichen Umsatzfaktor geworden und tragen nicht nur, wie häufig niedlich heruntergespielt, zum Image des Hauses bei …

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Haute Couture

Die andere Haute Couture – Viktor & Rolf Winter 2015

Bild: Viktor & Rolf; PR

„Wearable Art“ nennen Viktor & Rolf ihre Haute Couture Kollektion für Winter 2015. Für mich ist sie nicht nur ein Augenzwinkern und der totale Gegensatz zu den arrivierten Couture Häusern, vielmehr zeigt sie auch die Fantasie und Kreativität, die eigentlich Mode ausmacht. Die beiden Holländer verfolge ich in ihrem Schaffen schon lange und besonders gern, weil sie die gleichen Wurzeln und Inspirationen meiner Generation mitbringen, die sie dazu brachten, sich mit Mode zu beschäftigen und sich dafür zu begeistern. Die Endvierziger begannen in einer Zeit, als Informationen aus anderen Modehäusern noch schwer zu bekommen waren und als es populärer wurde, sich mit Mode und Design zu beschäftigen. Als ihre Initialzündung geben Viktor Horsting und Rolf Snoeren an, die damals auch in den Niederlanden ausgestrahlte Sendung „Neues vom Kleidermarkt“, eine NDR-Produktion mit Antonia Hilke, verschlungen zu haben. Horsting und Snoeren träumten davon, eines Tages ihre Kollektionen in Paris vorzuführen.
Immer auf dem Boden geblieben, überraschen sie bis heute mit ständig neuen Ideen und gleichen in ihrer Arbeit eher Modekünstlern, als nur an Kommerz interessierten Designern.

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Allgemein

Dior Haute Couture Winter 2015 – Rafs flämische Meisterwerke

Dior_Couture_AW1516_Group Shot © Pierre Debusschere
Foto: © Pierre Debusschere

Die Dior Couture Kollektion, die am Montag vergangener Woche in Paris gezeigt wurde, war in den bisherigen Kollektionen eine der ganz großen Sternstunden von Raf Simons. Bei Simons wird deutlich gezeigt, dass er sich mit der Heritage und der Stilistik des Gründers voll identifiziert. Es ist ihm aber möglich, nicht nur seine eigene Handschrift, sondern auch seine Kultur und sein ureigenes Design spielerisch in die Entwürfe einzubringen und trotzdem très Dior 2015 zu sein.

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Chanel Haute Couture Winter 2016 – Cercle Privé

Die wohl heißeste Couture Woche ging in Paris am Mittwoch zu Ende. Einer der Höhepunkte war die Show von Karl Lagerfeld im Grand Palais. Schon die Einladung machte neugierig. Wer Karl Lagerfeld kennt, weiß natürlich, dass nichts im Vorraus verraten wird und dass das Motto „3D“ nicht bedeutet, dass alle Zuschauer plötzlich mit 3D-Brillen aufsetzen müssen oder es sehr grafisch in der Kollektion zugeht.
Kein Metier ist zurzeit so nah am tatsächlichen Empfänger der Kollektions-Message dran, wie die Couture. Die Kundinnen sitzen direkt im Auditorium und schon während des Defilees kann man an ihren Gesichtern ablesen, wie es ihnen gefällt und wie sich in den Tagen nach der Schau die Orderbücher der Couturiers füllen werden. Nachdem Termine vereinbart werden und auf den Hausmodels, auf deren Maße die Kleider angepasst sind, im Salon noch einmal die Modelle gezeigt werden, bestellen die Kundinnen ihre Favoriten. Die Kundinnen machen, je nach Verfügbarkeit vor Ort, zwei Anproben und bekommen dann nach sechs bis acht Wochen das fertige Kleid geliefert. Je nachdem wie lange eine Kundin schon dem Haus verbunden ist, liegen die Maße entsprechend vor. Bei Erstbestellung ist der Aufwand natürlich größer, da eine Stockman Büste mit der individuellen Proportion der Trägerin für das Atelier gefertigt wird.

Die Kunden aus der ganzen Welt strömten letzte Woche ins Grand Palais. Sie wurden von einem ein kompletten Spielcasino im Art Déco-Stil, das an das alte Casino von Nizza erinnerte, überrascht – inklusive Slotmaschinen auf den Rängen, die natürlich Kamelien oder N°5-Flaschen in den Sichtfenstern zeigten.
Lagerfeld geht bei der Konzeption einer Kollektion vom Bild der Präsentation aus. Seine Vorstellung einer intimen Spielrunde wird durch Freunde des Hauses dargestellt, die echten Diamantschmuck aus der Kollektion tragen. Coco Chanel selbst war es, die 1931 in ihrem Appartement in der Rue du Faubourg Schmuck zeigte und damit den Grundstein zur Juwelentradition des Hauses legte. Geraldine Chaplin, Stella Tennant, Julienne Moore, Vanessa Paradies, Isabelle Huppert aber auch Nine d’Urso, die Tochter von Inès de la Fressange und viele mehr. Irgendwie bleibt es bei Karl Lagerfeld doch in der Familie und ein Blick über die Ränge zeigt, dass ihm viele Weggefährten der letzten sechzig Jahre treu begleiten. Fast wirkt die Couture wie ein Familientreffen, wenn nicht in den letzten Jahren augenfällig viele Menschen dazugekommen wären, die die „gehobene Schneiderei“ als eine Art Instagram- und Social Network-Platform nutzen wollen, um das Signal auszusenden, dass sie an einer Art Happening teilnehmen.
Dabei verpassen viele, worum es bei der Haute Couture eigentlich geht. Es geht um die Details und die permanente Verbesserung und Verfeinerung des Handwerks – gewürzt mit einer Art „Labor“, um die neuesten Techniken und Materialien auszuprobieren. Materialien, die nur in diesem Metier funktionieren und deren serielle Herstellung zu kostspielig wären. Lagerfeld ist ein Meister darin und schon bei den ersten Durchgängen der insgesamt 67 Looks wird einem das 3D-Thema klar. Was bei den typischen klassischen Chanel-Kostümen mit kniekurzem Rock und „Bord à Bord“-Jacke wie Stoff bzw. Bouclé aussieht, ist in neuester 3D Laserdruck-Technik entstandenes Material, was verschmolzen, gelocht und ohne Nähte verarbeitet ist. Jede Jacke wird individuell auf die Maße der Kundin mit Hightech hergestellt. Dabei sind die Jacken federleicht. Beim näheren Betrachten am nächsten Tag beim Re-See sieht man dann deutlich, dass Hightech auf Handwerk trifft. Vieles ist noch überstickt oder mit Applikationen, Pailletten oder anderen Materialien kombiniert. Haute Couture und die Paraffections Ateliers, die heute zu Chanel gehören, wie Desrues, Lesage, Lemarié oder auch Lognon, waren die Hightech Betriebe im 19. Jahrhundert. Lagerfeld passt dieses durchaus zeitgemäße Handwerk immer der heutigen Zeit an. Tradition bewahren heißt nicht, an Altem festzuhalten, sondern immer das zu nutzen, was Abläufe und Prozesse verbessert. Die meisten Materialien die Chanel zeigt, wären vor zehn Jahren noch gar nicht für Couture einsetzbar gewesen. Viele Stickereien werden auf Neopren, das Volumen und Großzügigkeit erzeugt, ausgeführt. Die Stickereien werden durch Glasfaser oder spezielle Folien, die auch bei opulentestem Dekor die Trageeigenschaften und die Leichtigkeit der Kleider nicht beeinflussen, leichter.

Die Linie bei Chanel wird durch breitere Schultern, gerade Schnitte und der Betonung bei Kostümen und Mänteln mit Schulterklappen unterstrichen. Auch die Bouclés sind gestickt und neben Sackkleidern mit drapierten Effekten im Rücken und leichten Watteau-Falten steht (auch) der Couture Bestseller ‚Kostüm‘ im Vordergrund. Kostüme, die aber auch Outdoor getragen werden können und deren Jacken einen sportlichen Touch haben. Die gepolsterte Schulter und die Verbreiterung mit etwas zweidimensionalen Touch hält Einzug und erinnert an Lagerfelds Kreationen Anfang der Neunziger. Kurze Trapez-Schnitte und Trench-Details werden in weiche Materialien übersetzt und neben Beige, Wollweiß und Schwarz in Nachtblau oder Schwarz-Gold gezeigt. Klassische Farben neben Couture Nuancen wie Mauve oder warmen Brauntönen: Die Klientel mag schmeichelnde Farben.

Die Atmosphäre des Casinos nimmt Karl Lagerfeld bei den vielen verschiedenen Cocktail- und Abendkleidern auf und zitiert die zwanziger und dreißiger Jahre mit fließenden seidigen Lamé Kleidern im Stile von Madeleine Vionnet und Jean Patou mit der sich nach hinten verlängernden Silhouette. Chanels Aubazine Spitzenkleid mit weißem Kragen ist ebenso vertreten, wie Chiffon- und Gazar-Kleider mit ausgestellten Röcken und opulenten Stickereien mit Collier Motiven oder Mikromosaiken. Zu den Highlights zählten auch die zwei- oder dreistufige Gatsby-Kleider mit angedeuteter Schleppe, Capuchon oder komplett mit Federn bestickte Tüllroben.
Die Zwanziger und Dreißiger Jahre hat Lagerfeld wie kein anderer studiert und so wird Poirets Schirmkleid genauso „chanelisiert“ wie die Stilkleider von Madame Lanvin. Sein Mode- und Kulturwissen ist einfach unendlich …

Racing Green, Oliv und viel Schwarz und Weiß – was manchem wie ein bunter Ablauf vorkommt, trifft exakt die Bedürfnisse und Lebensumstände, die das Couture Klientel benötigt. Sie sind es, die schließlich und endlich die Kollektion bestellt. Auch wenn es die internationale Presse anzieht, gibt es nicht wie in der Prêt-à-porter den Vorlauf des Filterns durch Presse und Einkäufer, die im Endeffekt bestimmen, was gekauft werden kann. Couture ist eine Verkaufsmodenschau. Wenn Vogue oder Harper’s Bazaar ihre Strecken zeigen, treffen die Pakete aus der Rue Cambon bereits in Los Angeles, New York, Peking oder Beirut ein und die Kundinnen haben längst gewählt.

Die Cercle Privé-Schau ist mehr als 3D. Man muss oft hinschauen und jedes Teil anfassen, um es komplett zu erfassen. Keine Schau hat es bisher so schwer gemacht, die Modelle richtig zu begreifen. Aber genau das will Karl Lagerfeld ins Bewusstsein bringen. Was oberflächlich wirkt, muss tief erfasst werden und man muss sich intensiv damit beschäftigen – darin liegt die ungeheure Passion und Qualität von Couture. Ein Kleid oder Kostüm begleitet die Trägerin über viele Jahre und wird immer wieder rausgeholt. Und es werden einige Modelle später als Dotationen in Textilsammlungen, wie dem Metropolitan Museum oder dem Fashion Institut of Technology in New York, gegeben.
Karl Lagerfeld lässt nichts unerklärt und in der Pressemappe wird ein Kostüm drei Mal fotografiert, damit auch alle seine Interpretation von 3D verstehen. Lagerfeld sieht die Welt immer mit den neuesten Augen, um sie dann ins Handwerk zu übertragen.

Die Braut erscheint im Satin-„Safari Anzug“ mit kleinem Schleier zu Barry Whites „Love Theme“ und die Chanel Couture Welt setzt sich am nächsten Tag in den Salons bei den Anproben fort. Auch wenn sich die Locations der Schauen vergrößert haben, das Medieninteresse schneller und größer geworden ist und die Materialien sich verändern – der Reiz liegt immer noch darin, dass individuell und mit ungeheurer Akribie etwas ganz allein für einen einzelnen Menschen gemacht wird. Die Zeit spielt scheinbar keine Rolle. Das ist es, was die Frauen, die sich die Haute Couture leisten, mit jedem Cent gern bezahlen.
Haute Couture ist zum Träumen da und das geht in jeder Dimension …

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Modeschätze – Karls erster Chanel Winter

Die Ausstellung „Karl Lagerfeld – Modemethode“, die noch bis September in Bonn läuft, haben wir euch ja schon ausgiebig zur Eröffnung vorgestellt. Letzte Woche hatte ich nun Zeit, der Ausstellung einen Besuch abzustatten. Die Exponate erklären nicht nur auf großartige Weise den Kosmos von Karl Lagerfeld mit den Kreationen für Fendi, Chloé und Chanel. Sie zeigt auch das „Drumherum“, wie Pressemappen, Filme und Einladungen bis hin zu den Knöpfen und Zeichnungen der einzelnen Modelle Lagerfelds ganzheitlichen Arbeitsmethode.

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