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Peter’s Cutting – John Lobb, Shoemaker of Dreams

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Bild: John Lobb; PR

England gilt seit jeher als das beste Land für Herrenschuhe. Bei den Briten hat der feste Auftritt in gutem Schuhwerk Tradition und genauso, wie es die besten Maßschneider in der Savile Row in London gibt, kommen die schönsten, klassischsten und mit jahrhundertealtem Know-how ausgestatteten rahmengenähten Schuhe von den britischen Inseln.
Während die Maßschuhmacher meist in London ansässig sind, werden die Konfektionsschuhe meist in der Region um Northampton hergestellt. Die Schuhmacher in dieser Region geben von Generation zu Generation ihre Tipps und Kniffe weiter. Eigentlich hat sich außer den Eigentümer-Verhältnissen in den letzten Jahrzehnten kaum etwas in diesem Metier verändert und Firmen wie Church’s, Edward Green oder Tricker’s genießen Weltruf. Ganz anders als italienische oder französische Firmen repräsentieren englische Schuhmarken etwas Seriöses und Gediegenes, das fernab von Mode zu stehen scheint …
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Bild: John Lobb; PR

Natürlich sind handgemachte Herrenschuhe meist klassisch und kostenintensiv, halten aber bei guter Pflege ein Leben lang, passen sich dem Fuß an und Pflegekurse für gediegenes Schuhwerk können sich vor Zuspruch in den Großstädten der Welt kaum retten. Viele Männer, vor allem die, die in erfolgreichen Positionen arbeiten, legen auf gutes Schuhwerk großen Wert. Doch auch bei jüngeren Männern setzt sich der Trend, für gute Schuhe gutes Geld auszugeben, zusehends durch und so landen immer mehr Brooks, Chelsea Boots, Monks und Budapester in den Kleiderschränken der Fashionistos.
Eigentlich wird bei hochwertigen Herrenschuhen schon lange das praktiziert, was wir heute als Nachhaltigkeit propagieren und so freut sich mein Schuhmacher königlich, wenn ich mit meinen teilweise Jahre alten Loafern oder Schnürschuhen um die Ecke biege, damit er nach ihrem Zustand schaut und neue Sohlen oder ein bisschen Wartung investiert, damit sie mich wieder famos durch den Alltag begleiten.
Eine Marke wirkt aber wie ein Zauberwort und ihr Prestige scheint den anderen noch ein bisschen vorauszueilen: John Lobb. Wie kommt es zu diesem guten Ruf und was macht diese Schuhe aus? Das zu ergründen beginnt damit, dass ich mit euch gemeinsam ein wenig in die Geschichte des Kultschusters eintauche …
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Bild: John Lobb; PR

Der Begründer der Maßschuhmacher-Werkstatt in der Londoner St. James’s Street, John Lobb, wurde als „Schuhmacher der Könige und König der Schuhmacher“ bezeichnet. Diesen fulminanten Ruf bekam er, da er das seltene Privileg des ‚Royal Warrant‘, also Hoflieferant, von Eduard VIII., tragen durfte und der bis heute das Prestige des Hauses ausmacht.
1849 begründet, werden im Londoner Geschäft über 30.000 angefertigte Leisten als Abdrücke von den Füßen der Kunden aufbewahrt, anhand derer weitere Modelle gearbeitet werden können. Nach dem Maßnehmen gibt es bis zur Übergabe der individuell gefertigten Schuhe keine weiteren Anproben. Die Fertigung der Schuhe kann bis zu sechs Monate oder länger betragen. Die derzeit zwei gültigen Royal Warrants gelten nur für das Geschäft in der St. James’s Street und zieren neben dem John Lobb Schriftzug in Schreibschrift und der Unterschrift „London, Paris, New York“ die Innensohlen der dort hergestellten Maßschuhe. Einer der bekanntesten Fans von Maßschuhen von John Lobb Schuhen aus der St. James’s Street ist zweifelsohne Prinz Charles, der sicher den Preis von 2.500 Pfund Sterling aufwärts nicht scheuen wird. Doch man muss nicht in die St. James’s Street reisen, denn die Vertreter von John Lobb begeben sich mehrmals im Jahr auf Handelsreise in Großbritannien, Kontinentaleuropa, den USA, Russland sowie in Japan und Hongkong, um Kundenwünsche vor Ort zu erfüllen.
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Das Werk in Northampton; Bild: John Lobb, PR

Das Familienunternehmen, das den Prozess der Schuherstellung seit 1863 nicht verändert hat, wird in fünfter Generation von Jonathan Lobb, Ur-Ur-Enkel von John Lobb, geführt. Dessen Vater, John Hunter Lobb, Ur-Enkel des Gründers arbeitet ebenso noch im Unternehmen.
Als die von John Lobb Ltd. 1902 eröffnete Pariser Filiale 1976 geschlossen werden sollte, erwarb der französische Luxusgüter-Konzern Hermès die Rechte am Namen John Lobb. Davon ausgenommen war und ist die Maßschuhwerkstatt in der St. James’s Street. Hermès baute in den Folgejahren ein weltweites Vertriebsnetz mit John Lobb Boutiquen auf und führte 1982 zusätzlich rahmengenähte Konfektionsschuhe von John Lobb ein, die nicht mehr maßangepasst werden.
Seitdem wird die John Lobb Konfektionslinie im sogenannten „Werk“ in Northampton über die Hermès-Tochtergesellschaft J. L. & Company Ltd. gefertigt.
Die Manufaktur sieht aus wie aus dem Bilderbuch der britischen Industrialisierung im neunzehnten Jahrhundert und Handwerker, alle Meister ihres Faches, sitzen in Reih und Glied, um den Herstellungsprozess des Schuhes entweder von A-Z allein durchzuführen oder von Spezialist zu Spezialist weiterzugeben.
Wenn man die edlen Materialien, schwierigen Verarbeitungsschritte und aufwendigen Techniken sieht, den ein Schuh langsam über Tage hinweg durchläuft, wird sich die Frage nach dem Preis vermutlich bei jedem erklären.
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Bild: John Lobb; PR

Die Maßschuhe hingegen werden in der Pariser Rue de Mogador gemacht, wo man sich auch zum Maßnehmen des ersten Paar Schuhes einfindet. Das erste Paar ist immer ein bisschen teurer, da ja die Leisten geschnitzt werden müssen und mehrere Anproben nötig sind, bis die Schuhe perfekt passen, aber jedes weitere Paar ist dann in Zukunft „etwas“ günstiger.
Übrigens, da beide Unternehmen auf denselben Gründer zurückgehen, man auch miteinander kommuniziert und sich auch empfiehlt, sind beide Unternehmen heute befreundet. Egal, ob man in der St. James’s Street kauft oder in einer der John Lobb Boutiquen, die es mittlerweile weltweit gibt, man erwirbt nicht nur Stücke für das Leben, sondern auch ein echtes Stück „Schuhkultur“.
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Bilder: John Lobb; PR

Der William II. Monk ist der Urvater aller Monks, die jetzt überall kopiert in der klassischer werdenden Herrenmode wieder auftauchen. Aber wir von Horstson sind ja für das Original und wenn, dann lieber sparen und einmal ein paar echte John Lobbs kaufen, es müssen ja nicht gleich Maßschuhe sein, obwohl das eigentlich ja das Pendant zur Haute Couture der Damen ist und vielleicht ein Traum ist, den man sich irgendwann mal erfüllt …

Für mich ist John Lobb der „Shoemaker of Dreams“.

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  • Claus
    7. Juli 2014 at 14:09

    Schöner Artikel. Ich besitze bisher nur Church’s, ein maßgeschneidertes Paar wäre mein Traum. 🙂

  • Julian Gadatsch
    7. Juli 2014 at 14:12

    „Schuhkultur“, einfach klasse geschrieben & inspirierend!!

  • vk
    7. Juli 2014 at 14:32

    mein erster lobb war ein brauner doppelschnallen monk. der hatte damals, als man ihn eigentlich nirgendwo sah, etwas lustig martialisches. schneidige fussprotese aus nem WWI lazarett. gefiehl mir extrem gut und war in den 80ern und 90ern mein persoenlicher style signifier, und irgendwann nach exzessivem dauereinsatz war er rettungslos durch. wurde ersetzt durch identisches modell, das dann der hund gefressen hat.
    nun bin ich ohne doppelschnalle und das wird sich, angesichts der inflationaeren omnipaesenz, so bald nicht aendern.
    andere lobbs, loafer zumeist, sind noch in der rotation, genau wie edward greens und trickers.
    trickers sind brot und butter schuhe, nen bisschen bott, nen bisschen grob und wirklich unverwuestbar – believe me, i ve tried. – lobbs, und das ist zumindest mein eindruck, sind eigentlich keine schuhe, sondern auch als halbschuh eher abgesaegte stiefel. die ganze konstruktion, die philosophie, ist tatsaechlich eher ‚bootmaker‘. kann es schwer erklaeren, aber wenn ich lobbs in der hand oder am fuss habe, sind sie viel naeher an reitstiefeln als zb meine ’shoes of dreams‘, die edward greens. green ist nen schuh. nicht mehr und beilebe nicht weniger. die stradivari der schuhe. zumindest fuer mich und in den 90ern, als mich das thema noch wirklich bewegte.

  • PeterKempe
    7. Juli 2014 at 14:50

    @vk
    Wie lustig, genau in der Zeit habe ich den auch gehabt und hatte auch immer diese WW1 Assoziation :-))) Du bist bei Edward Green und ich bei Church eingeschworen :-)))

  • Siegmar
    7. Juli 2014 at 15:03

    toller Artikel und natürlich wünsche ich mir ein paar „massgeschneiderte „. 🙂

  • thomash
    7. Juli 2014 at 15:46

    und wenn’s für maßgeschneiderte aus paris nicht reicht, bei görtz in der mönckebergstraße in hamburg gibt’s eine übersichtliche aber sehr ordentliche herrenschuhabteilung mit lobb’s und manchmal auch einen sale.

  • Paul
    7. Juli 2014 at 15:56

    Ich habe meine klassischen JL Oxfords vor Jahren bei engelhorn im Sale geschossen und liebe sie wirklich von jedem Tragetag an mehr

  • vk
    7. Juli 2014 at 16:51

    ha! – peter, kaum anders haet ich das erwartet.

  • vk
    7. Juli 2014 at 18:18

    ps
    edward green scheint uebrigens fuerchterlich eingeschlafen zu sein.
    church shanghai sind grossartig. moss man allerdings ordentlich gross kaufen. verlieren deutlich, wenn der fuss die gefakten gehfalten ausbuegelt.

  • Wolfram
    7. Juli 2014 at 23:22

    toller Bericht, persönlich gefallen mir Alden-Schuhe, die haben so etwas republikanisch, dazu gibt es einen schönen Aufsatz von Roger Willemsen in der Zeit:
    http://www.sueddeutsche.de/kultur/das-war-die-brd-der-alden-schuh-1.419139

  • Monsieur_Didier
    8. Juli 2014 at 22:49

    …ein typischer „Peter-Bericht“, der wie eigentlich immer ein paar neue Details an Wissen addierte…

    ich liebe die Detailarbeit, die hinter Lobb steckt, das hat für mich als modellmacher etwas wunderbares…

    bisher schaffte ich es nur zu Alden, die im „normalen“ Bereich ganz gute Tragequalität liefern, sowie natürlich Church’s…
    die liebte ich schon in den 80ern…
    die hatten viel Klassik mit dem gewissen Twist…

  • Monsieur_Didier
    8. Juli 2014 at 22:50

    @ Wolfram: …ich habe das Buch, es ist ganz großartig und wunderbar…
    eine papiergewordene Zeitreise…
    absolut lesenswert…

  • Wolfram
    9. Juli 2014 at 17:35

    @ Monsieur_Didier

    danke für den Tip, werde sofort bei Amazon ordern