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Peter’s Cutting – Jockey or Nothing

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Bild: Jockey

Dass ausgerechnet ein pensionierter Pastor zusammen mit seinen beiden Söhnen im Mittleren Westen der USA 1876 die wohl populärste Wäschemarke der Welt gründete, ist nur eine der vielen ungewöhnlichen und revolutionären Geschichten, die mit der legendären Unterhose von Jockey verknüpft sind …

Samuel Thrall Cooper wusste nicht, wie groß und bedeutend seine Firma einmal werden würde und stellte, wie viele Menschen in den Vereinigten Staaten, das her, was am meisten gebraucht wurde – nämlich Arbeitskleidung, vornehmlich Strümpfe für Waldarbeiter. Bereits nach kurzer Zeit hatte die Firma 90 Angestellte und hätte eigentlich genau die Entwicklung nehmen können, die typisch für die aufkommende Industrialisierung war. Kurze Blütezeit und dann irgendwann, spätestens zur Weltwirtschaftskrise, der Fall in die Bedeutungslosigkeit.
Aber die Coopers waren immer schon schlauer als andere Unternehmer und setzten von Anfang an auf Innovation. 1898 wurde die Produktpalette um genau den Artikel erweitert, der die Firma eigentlich zum Synonym für Unterwäsche für Männer macht. Über hundert Jahre später kennt mittlerweile jeder kennt das Emblem des Pferde-Jockeys, und doch wissen nur die wenigsten, dass schon seit 1951 in Hechingen im Schwarzwald die Wäschestücke für den europäischen Markt hergestellt werden – immer auf absolute erste Qualität bedacht.
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Bild: Jockey

Intelligentes Wachsen um eine Weltmarke zu werden, praktizierten die pfiffigen Amerikaner, indem sie Lizenzen vergaben und ihre hohen Qualitätsstandards gleich mitlieferten. So wurde unter Jockey nie etwas produziert, das nicht genau den Maßstäben entsprach, die sich das Unternehmen auf die Fahne geschrieben hat. Das führte dazu, dass, egal ob in Australien oder auch Fernost, Produkte von Jockey niemals anders ausfielen, als sie einmal gedacht waren. Die Coopers passten immer darauf auf, dass, trotz Expansion, ihre Marke einen tadellosen Ruf hatte. Eine Eigenart, die ihnen bis heute zugutekommt, denn immer noch ist Jockey etwas, was man international gerne drunter trägt und auf das man sich verlassen kann.
Natürlich gibt es auch modische Kollektionen und allerlei Ausflüge in Freizeit- und Nachtwäsche-Mode, aber die eigentliche Revolution und die Kultobjekte, die man auch heute noch haben möchte, sind die Klassiker und die haben nicht nur brillante Qualität und ein zeitloses Design, sondern auch noch eine wunderbare und damals regelrecht „skandalöse“ Geschichte.
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Bilder: Jockey

1934 führte man – inspiriert von einer Postkarte von der Französischen Riviera, auf welcher ein Mann mit einem eng anliegenden Herren-Badeanzug abgebildet war – einen knapp geschnittenen, modernen Slip ohne Oberteil unter dem Namen Jockey Brief (benannt in Anlehnung an den Jockstrap) ein. Den Markennamen „Jockey“ ließ sich das Unternehmen rechtlich schützen. 1935, also nur ein Jahr später, kam dann statt des schlichten „Eingriffs“ das, was den eigentlichen Siegeszug des unaussprechlichen, zu damaliger Zeit fast unanständig kurzen Höschens zu Weltruhm verhalf – die „Y-Front“.
Brief with Y-Front
Bild: Jockey
Zur Markteinführung des Produktes dekorierte ein großer Departmentstore in Amerika direkt nach Neujahr ein ganzes Fenster mit den neuartigen Unterhosen. Es war einer der kältesten Winter mit vielen Blizzards und das Management erklärte den Dekorateur für verrückt, ausgerechnet so etwas promoten zu wollen. Doch bevor die Dekoration wechselte, waren schon über sechshundert der damals „heißen“ Hosen verkauft und gerade die jüngeren, modernen Amerikaner stürzen sich seit damals auf die Briefs – lange vor Calvin Klein und Co. lag die Sexyness wahrscheinlich in der Keuschheit …
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Bild: Jockey

Große spektakuläre Werbeaktionen und legendäre Anzeigen folgten Schlag auf Schlag. So ist das ganz in durchsichtige, fast surrealistisch wirkende Zellophan Kleidung gehüllte Paar, bei dem man die Wäsche sehen kann, nur eine der Kampagnen, die bis heute Maßstäbe setzt.
Für das Cover des Rolling Stone Albums „Sticky Fingers“ kreierte Andy Warhol, der selbst als Jockey-Träger bekannt war, 1971 eine mit einem $-Zeichen verzierte Y-Front Brief von Jockey, welche bis heute als Kunstwerk erhalten blieb.
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Bilder: Jockey

Levi’s Jeans, Hanes T-Shirt, Chucks und Briefs von Jockey – sicherlich die amerikanischste Art, sich einfach aber klassisch anzuziehen. Und ehrlich gesagt find ich es wesentlich schöner als die andere Alternative, die Jockey in den Neunziger Jahren mit dem Spruch „Jockey or Nothing“ lancierte – dann bleiben wir doch lieber bei den weißen Y-Slips, denn auspacken macht ja auch viel mehr Spaß. Und das sicherlich auch noch in hundert weiteren Jahren …

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  • Siegmar
    13. Juni 2014 at 10:38

    Die Archiv-Bilder von Jockey sind toll, die weißen Briefs mit der Y-front sind klasse, leider nicht an jedem 😉 .

  • Claus
    13. Juni 2014 at 10:47

    Bin ich der einzige der einzige der die Bilder sexy findet?

  • blomquist
    13. Juni 2014 at 12:13

    Die klassischen Y-Fronts der Marke sind super.

  • monsieur_didier
    13. Juni 2014 at 17:05

    …nein, Du bist nicht der einzige, Claus…
    dem schließe ich mich vorbehaltlos an… 😉

  • peter
    13. Juni 2014 at 17:47

    Moi aussi:-)))

  • Horst
    14. Juni 2014 at 11:16

    Sehr cool und die Zellophan Kampagne ist super!

  • Die Woche auf Horstson | Horstson
    15. Juni 2014 at 11:19

    […] Ecuador; 18 Uhr) – genug Zeit also, die Woche auf Horstson Revue passieren zu lassen: 1) Sexy: Peter stellte uns die Geschichte des Wäschelabels “Jockey” vor. 2) Sehr 90er: […]