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Peter’s Cutting – Die fabelhafte Welt des BillyBoy*

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Bild: Courtesy of Fondation Tanagra

Dass manchmal eine etwas schrille und exzentrische Schale durchaus Geniales und Fundiertes enthält, dafür gibt es viele Beispiele. BillyBoy* ist so etwas wie das Paradeobjekt dafür. Heute betreibt er mit seinem Mann, dem Künstler Lala Jean-Pierre Lestrade die Fondation Tanagra in der Schweiz. Die Fondation Tanagra ist eine Kunststiftung, die sich neben der Förderung von Künstlern, um den Aufbau eines Museums für die Sammlungen des Paares engagiert.
Aber BillyBoy* ist eines der größten Phänomene der Fashion-Geschichte des 20. Jahrhunderts, und wenn man seinen Lebenslauf liest, hat man das Gefühl, dass er die „Dauereintrittskarte“ in die Welt der Mode und der Kunst vom lieben Gott verliehen bekommen hat. Keine Verbindung blieb ihm verschlossen, er kannte alle wichtigen Leute und ist so etwas wie einer der umfassendsten Experten was die Couture und die Kunstgeschichte angeht.
Margit J.Mayer fasste es in einem prägnanten Satz in ihrem Interview für die Vogue 1989 zusammen „BillyBoy* ist ein Selfmade-Star der warholschen Schule. Sein Schicksal heißt Barbie und um seine Couture-Sammlung beneiden ihn die Modemuseen der Welt.“
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Bild: Courtesy of Fondation Tanagra

BillyBoy* ist z.Zt. gerade dabei, ein umfassendes Buch über Schiaparelli vorzubereiten, das 2014 bei Rizzoli in New York erscheinen wird. Das Buch wird schon mit großer Spannung erwartet, denn keiner weiß so viel über „seine Muse und große Liebe Schiaparelli“, wie der 1960 geborene, mit österreichischen Wurzeln ausgestattete BillyBoy*. Seine Kindheit verbrachte der von Amerikanern adoptierte BillyBoy* halb in Europa, halb in Amerika. Er besuchte die Montessori Schule in New York, wo die Anlagen für alles Musische und Künstlerische aufs Beste gelegt wurden. Aber es scheint auch ein großes Potenzial an Freiheitsdrang, Selbstbewusstsein und Mut in ihm gelegen zu haben, denn sonst wäre sein Leben, was einem modernen Fashion-Märchen zu entsprechen scheint, nicht möglich gewesen.

Mit 16 macht er sich bereits in New York mit einer Galerie für seine eigenen Collagen und Zeichnungen selbstständig. Betreibt danach eine Interieur- und Kunstgalerie in Newport / Oregon und interessiert sich schon damals für Vintage Couture und beginnt zu sammeln und damit zu handeln. Seine Liebe zu Fashion Dolls und „Barbie“ verschafft ihm die ersten Jobs für Designs der Mattel Puppe und er gründet gleich eine Collectors Club. Für Fiorucci und andere Firmen konzipiert er Window Displays und designt für viele bekannte Firmen.
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Bild: Courtesy of Fondation Tanagra

Seine große Liebe beim Sammeln gehört aber absolut „Elsa Schiaparelli“. Viele damals hochbetagte Damen hatten die Kreationen der Designerin noch im Schrank und BillyBoy* kann die spektakulärsten und wichtigsten Schöpfungen erwerben. Natürlich, damals noch nicht so ein Hype, interessierte sich kaum jemand für diese Sachen und er hatte wahnsinniges Glück, noch viele Dinge zu akzeptablen Preisen zu bekommen.

1978 eröffnet er in New York „Surreal Couture“, ein alternatives Couture Haus, das schrille und neuartige, vom Surrealismus und vor allem seiner Muse „Elsa Schiaparelli“ inspirierte Modelle und vor allem Accessoires, wie flamboyanten Modeschmuck, herstellt. Diana Vreeland trägt nicht nur seinen Schmuck, sondern liebt und förderte ihn auch. Später engagiert sie ihn sogar, für den von ihr initiierten Aufbau der Kostümsammlung des Metropolitan Museum of Art.
Nicht nur dass er für das MET die spektakulärsten Kreationen der 30er Jahre herbeischafft, auch seine Schmuckstücke nehmen bis heute einen festen Platz in der Kollektion der Sammlung ein. BillyBoy* ist in der Warhol Clique und aufgrund seines unnachahmlichen Stylings bereits eine Art Ikone der Popkultur in New York.
Es dauert nicht lange und Womens Wear Daily, Harper’s und Vogue widmen ihm Artikel und ganze Strecken und er prägt stark den späterer aufkommenden Trend der New Romantics.

Anfang der 80er Jahre fasst er den Entschluss, von New York in das damals von starkem Aufbruch gezeichnete Paris zu gehen. Aber BillyBoy* wäre nicht BillyBoy*, wenn er nicht seine Ankunft in Paris auf spektakulärere Weise geplant hätte. Er landete mit der Concorde und wurde von einem TV-Team und Journalisten empfangen – dank seiner spektakuläreren Looks und seines Rufes als Designer und Künstler eilte ihm ein gewisser Ruf voraus und so bringt das damals unglaublich snobistische Trendmagazin „Actuel“ kure Zeit später eine 14-seitige Story über ihn: „At last, a normal young men“ – welch ein Entrée in die Welthauptstadt der Mode …

Zur richtigen Zeit am rechten Ort zu sein, scheint eines von BillyBoy*s besonderen Glücksphänomenen zu sein. Er verbringt mit der Illustratorenlegende Erté (eigentlich Romain de Tirtoff) viel Zeit auf Mallorca, lernt dort Denise Poiret, die Witwe des großen Paul Poiret, kennen und viele andere Menschen, die ihre Mode-Raritäten in seiner Sammlung am sichersten aufbewahrt finden. Die Kollektion von Couture Kleidern, aber vor allem auch eine mehr als 7.000 Stücke umfassende, mit allen wirklich wichtigen Key Pieces ausgestattete Modeschmucksammlung, dürfte einmalig auf der Welt sein. Seine Looks machen in Paris solche Furore, dass zum Beispiel Jean Paul Gaultier von ihr zu seiner ersten Herren Kollektion inspiriert wird.
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Bild: Courtesy of Fondation Tanagra

BillyBoy* schreibt für die kurzzeitig erscheinenden Vogue Beauté einen Artikel über Elsa Schiaparelli. Schiaparelli, damals fast vergessen, wurde so wieder in das Gedächtnis der Modewelt gerufen. Der Artikel bildet später die Grundlage der ersten Schiaparelli Retrospektive des Musée des Arts Décoratifs …
In Paris begegnet ihm zu dieser Zeit auch die Liebe seines Lebens, mit der er bis heute zusammen ist – der Künstler Lala Jean-Pierre Lestrade. Lestrade war damals Mitglied einer New Wave Band und die beiden Männer suchten sich ziemlich schnell eine gemeinsame Wohnung und zogen zusammen.
Die Organisation der Schiaparelli Ausstellung ließ BillyBoy* immer mehr in die Welt der Kreativen eintauchen und viele Zeitzeugen wurden so nach und nach zu seinen engen Freunden – Jean Schlumberger, Diego Giacometti, René Gruau, Bernard Buffet, André Beaurepaire, Eliane Bonabel, Hubert de Givenchy, Philippe Venet, Yves Saint Laurent und viele andere. Er führte Interviews mit Marlene Dietrich, Arletty, Balmain und Courrèges.
Gemeinsam mit Jean-Pierre gründete er dann in der legendären Rue de la Paix, gegenüber von Cartiers Stammhaus, seinen Showroom und die Werkstatt mit Namen „Surreal Bijoux“.
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Bilder: Courtesy of Fondation Tanagra

Die Einweihung, bei der „tout Paris“ ab den Rothschilds aufwärts anwesend war, wurde in der legendären „Maison Jansen“ (wir berichteten) inszeniert. Tausend Schmuckstücke, alle handgemacht, surrealistisch und von Pop Art inspiriert, funkelten in der glamourösen Inszenierung. Gogo Boys, überladen mit den Juwelen, tanzten in den Schaufenstern und schnell trugen alle Berühmtheiten ihrer Zeit den neuartigen Modeschmuck: Lauren Hutton, Arielle Dombasle, Marisa Beresnon, Jackie Onassis, Liz Taylor, Lauren Bacall, Diana Vreeland, Andy Warhol, Ray Charles, Boy George, Guns N’Roses, Michael Jackson, Madonna, The Communards und und und.
Zusätzlich machte der Wirbelwind aber noch Accessoires Kollektionen für Emanuel Ungaro, Thierry Mugler, Bernard Perris, Hanae Mori, Francesco Smalto und Charles Jourdan zählten zum Beispiel zu BillyBoy*s Kunden.

Seine vielen Barbie Kollektionen, die Mdvanii Puppe, seine Bücher und seine Motivation, alle bedeutenden Modeschöpfer Frankreichs – inklusive des großen Yves Saint Laurent – dafür zu gewinnen, für die immer ein wenig sexistisch wirkende Barbie Puppe Kollektionen zu entwerfen, würde den Rahmen des Artikels zusätzlich sprengen. BillyBoy* ist so vielschichtig, dass man ihm eigentlich ein ganzes, wahrscheinlich tausend Seiten umfassendes Buch widmen müsste, mit einem extra Kapitel über seinen Verdienst, dass Mode sich immer wieder neu erfindet, aber immer wieder auf seine Wurzeln besinnt.
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Bild: Courtesy of Fondation Tanagra

BillyBoy* ist nicht nur eine der wichtigsten Zeitzeugen und Kuratoren der Mode, auch ist er durch seine Kreativität und Flamboyanz eine der prägenden Figuren des Zeitgeistes und der der Popkultur der 80er Jahre. Er ist ein Genie und ein absolutes Multitalent und ich hoffe, dass er viele Bücher schreibt, um sein Wissen weiterzugeben. Auch hoffe ich, dass er seine wunderbare Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich macht, denn dann gibt es für uns alle unendlich viel zu entdecken …

Für mich hat BillyBoy* das Paradies betreten – das Paradies der Mode. Er nimmt Mode ernst, aber mit unnachahmlichen Humor – vielleicht ist das ja der Schlüssel zu seiner Kreativität.

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  • monsieur_didier
    26. August 2013 at 10:58

    …ach wie großartig, dieser Artikel…
    ich habe das Buch „Barbie und ihre Welt“ von BillyBoy, in dem er Barbie in die Creationen der jeweiligen Designer einkleiden ließ…
    und da sind eigentlich alle dabei, die Rang und Namen haben…
    Jean Paul Gaultier, Dior, Valentino, Sonia Rykiel und und und…

  • Jörg
    26. August 2013 at 12:13

    Was ich mich gerade frage, wie heißt er ursprünglich? Ist ja wohl ein Künstlername?

  • Daisydora
    26. August 2013 at 12:47

    Ein toller Reminder, mit vielen neuen und schönen Details – vielen Dank dafür, tolle Geschichte 🙂

  • Shout-Outs: Der Blick an andere Luxus-Blogs | Luxury-First
    26. August 2013 at 13:41

    […] wir am Ende in der Welt der Kunst: „Horstson“ liefert uns kleine Einblicke in das Leben bzw. in die Welt von BillyBoy*, einem Gesamtkunstwerk aus der […]

  • Horst
    27. August 2013 at 10:00

    Ach toll, spannende Person!
    Wenn ich ehrlich bin – ich kannte ihn bis gerade gar nicht!

  • peter
    27. August 2013 at 10:43

    @Horst
    dafür bin ich ja da, euch von solchen Leuten zu erzählen … macht die Welt nämlich bunter:-)))

  • jürgen
    27. August 2013 at 18:46

    danke peter 🙂