Interview

„Man hat die Leser, die man verdient!“ – Der Modepilot im Interview

Bild: Kirsten Becken

Denkt man an Modeblogs in Deutschland, ist einer nicht wegzudenken: Modepilot, der deutsche Pionier unter den Modeblogs. Vor einigen Tagen wurde nun ein neues Design gelauncht. Grund genug, uns mit Kathrin Bierling, Barbara Markert und Isabelle Braun zu treffen und ein Interview über den Blog, über Kommentare und einen Sprung in die Spree zu führen. Es gab viel zu besprechen …

Horstson: Kathrin, wie kalt ist eigentlich die Spree?
Kathrin: Haha.

Kannst Du unsere Leser aufklären, welches besondere Verhältnis Du zur Spree auf Höhe des Grill Royals hast?
Kathrin: Wenn man mir von der Verrückten erzählt, die während der ersten Berlin Fashion Week bei der After Party im Grill Royal in die Spree gesprungen ist, dann sage ich entweder „ja, wie leichtsinnig, man weiß ja gar nicht, wie tief die Spree dort im Hochsommer ist und, wie dreckig!“ oder ich gebe Insider-Wissen preis und ergänze, dass sie das in einem Couture-Kleid tat.

Kommen wir zum Modepilot. Er wurde 2007 gegründet – also zu einer Zeit, als bloggen noch nicht sonderlich ernst genommen wurde. Was war die Initialzündung, Modepilot zu gründen?
Barbara: Ein guter Café au lait.
Kathrin: Wir wollten auch in Zukunft Menschen mit unseren Mode-Geschichten erreichen.

Kanntet ihr Euch vorher schon?
Barbara: Sabine kannte und ertrug ich schon lange durch den Job. Kathrin habe ich dann auf der Modewoche kennengelernt, weil wir damals beide für Fivetonine arbeiteten. Kathrin hatte die gleiche Idee wie Sabine und ich. Also haben wir uns DREI NOTGEDRUNGEN zusammengetan. Kathrin erzählte dann später, als wir Sabine endlich los waren, was von einer Isabelle.
Kathrin: Barbara hat mir Sabine in Paris vorgestellt. Isa lernte ich bei ihrer Abschlussarbeit fürs Studium kennen und nahm mir damals vor: Dir schnappe ich mir einen Tages.

Habt ihr zu den alten Modepilotinnen noch Kontakt?
Barbara: Sabine sagte zum Abschied: „Die anderen konnte ich eh nie ausstehen.“ Naja, ich habe leider immer noch mit ihr zu tun. Und die anderen, wie Blackforestoffice etc.. Das sind alles Freundinnen von mir.

Wie hat sich Modepilot sonst noch von Beginn bis heute verändert?
Barbara: Die Bilder sind größer und wir kaufen weniger.
Kathrin: Wir können jetzt auch mit Zahlen umgehen.
Isa: Früher hat man nur auf Modepilot erfahren, was die Moderedakteurinnen am Starnberger See tragen. Heute ist Instagram voll damit. Auch Runway Reviews oder, was in einem Showroom passiert – das erfuhr ich nur auf Modepilot. Bis heute hinterfragen wir unsere geliebte Welt der Mode mit Haltung und einem Augenzwinkern.

… und wie hat sich die Blogosphäre verändert?
Barbara: Ey, müssen wir EUCH das erklären?
Isa: Wenn ich noch einmal „Snapchat“ und „so amazing“ höre, rutscht mir die Hand aus.
Kathrin: Sag’s doch: mitten in die Fresse rein.

Apropos Veränderung, wie steht ihr (gerade aufgrund eueres Namens) zum ganzen Genderschreibwahnsinn?
Barbara: Echt? Darüber wird diskutiert? Ich bin aber auch gegen Frauen-Quoten!
Kathrin: Hä?

Kommen wir noch einmal zurück zum Thema „Snapchat“ … Wie sind dort Eure Namen?
Isa: „Namennerven“, mein Test-Account. Bis jetzt sehe ich persönlich keinen Grund, ein wirklich aktives Profil zu führen.
Barbara: Dank dieses Interviews lerne ich total viel Neues: Gender-Schreibwahnsinn, Profi-Fotografin, Snapchat… Musste erstmal gucken, was das ist. Nö, so was ist für die jungen Leute. Im Alter will man weniger von dummen Nachrichten genervt werden und muss sich auch nicht immer austauschen.

(Anmerkung: Kathrin schaut in ihrem iPhone nach und findet heraus, dass ihr Uralt-Konto dort „Kathrin Bierling“ heißt.)
Kathrin: Ich habe das damals, als es neu war, mit einem Freund aus New York tagelang getestet und letztendlich befunden, dass sich das niemals durchsetzen wird. Neulich habe ich es wieder aktiviert, als ich in der Zeitung vom Erfolg las und konnte nach längerer Prüfung keinen nachvollziehbaren Grund dafür finden. Ich finde neue Möglichkeiten immer spannend und kann mich fast immer dafür begeistern. Snapchat verschließt sich mir.

Habt ihr damals schon damit gerechnet, Relevanz zu erlangen?
Barara: Klar, was sonst! Das war auch so beabsichtigt.
Kathrin: Nö.
Isabelle Isa Braun Kirsten Becken Modepilot
Isabelle (Isa) Braun; Bild: Kirsten Becken

Welche Blogs habt ihr damals selbst gelesen? Die Auswahl war ja nicht sonderlich groß …
Isa: Ich habe übrigens „damals“ ganz ehrlich am liebsten Modepilot.de gelesen.
Barbara: Ich las damals gerne Garance Doré. Ich glaube, das hieß damals „Une fille comme moi“. Das war charmanter als heute und sie war eine echt Nette. Und auch Café Mode. Das wurde dann später von L’Express aufgekauft.
Kathrin: Ich kannte damals nur WWD und style.com.

Welche von diesen Blogs gibt es nicht mehr? Warum denkt ihr, haben die Blogger nicht mehr weitergemacht?
Isa: Es gab mal diesen großartigen Blog über Insider-Wissen der Modebranche. Er wurde offenbar von einer Person aus dem Business der Modebranche geschrieben und die plauderte ordentlich Indiskretionen aus. Der Blog wurde angeblich auf Druck eines großen Verlagshauses wieder geschlossen.
Barbara: Ich trauere um Jak & Jil. Und auch um Just another Fashion Blog. Ich denke, die Gründe sind immer die Gleichen. Es ist viel Arbeit und meist kommt finanziell wenig dabei rum, wenn man sich treu bleiben will.

Welchen dieser Blogs müsste es eigentlich noch geben?
Barbara: Jak & Jil.

Welche Blogs müsste man noch erfinden?
Barbara: Ich hätte gerne einen Blog, der sich durch Spendengelder oder Abo-Gebühren finanziert, weil er eine Leserschaft hat, die einfach immer nur die Wahrheit wissen will über die Mode. Und dort schreiben dann lauter freche, wie begabte Modejournalisten aus der ganzen Welt und diskutieren sich die Köpfe heiß über Schauen, Designerwechsel etc. Das würde ich sofort lesen. Das wäre sicherlich sehr lustig.

Wie viel Kommentare bekommt ihr ca. am Tag?
Isa: Eine Hand voll und das entspricht auch meinem eigenen User-Verhalten. Ich selbst überlege mir auch bei jedem Kommentar: Ist meine Meinung hier relevant oder kann ich auf einfach die Klappe halten?
Barbara: So was weiß die Isa.
Kathrin: Zu wenige. Ich werde oft in Restaurants auf unsere Inhalte angesprochen und bekomme tolle Kommentare. Wenn ich darum bitte, diese doch auf der Seite zu hinterlassen, dann zieren sich selbst bekannte Schreiber. Leider.

Warum muss man nicht, wie bei vielen anderen Blogs, warten, bis sie freigeschaltet werden?
Isa: Weil wir das Glück haben, anspruchsvolle aber sehr höfliche Leser zu haben. Bei uns wird – außer Spam – nichts gelöscht.
Kathrin: Wer bei uns einmal freigeschaltet wurde, kann immer und sofort kommentieren. Wie Isa schon sagte: Wir haben wirklich großes Glück mit unseren Lesern.

Oft diskutiert auf Blogs sind „Hater“-Kommentare. Manchmal hat man den Eindruck, als ob einige Blogger es gesetzlich verbieten lassen möchten, eine andere Meinung zu haben und diese ungeschönt auf einem Blog zu hinterlassen. Sind das in Euren Augen „Hater“ bzw. Trolle?
Isa: Es ist schon erschreckend, welche Abgründe sich in Kommentarfunktionen auftun. Da geht es mir wie früher bei den Talkshows um die Mittagszeit. Da sitzt man mit offenem Mund und weiß gar nicht, wo man beginnen soll, um den Kopf wieder geradezurücken. Bei all der (teilweise berechtigten) Kritik sollte man auch im Netz höflich und respektvoll sein.
Barbara: Kapiere ich nicht: Wer ist nun ein Troll? Die Blogger, die das verbieten wollen oder die Kommentarschreiber?
Kathrin: Konstruktive Kritik ist erwünscht. Haten, wenn es lustig ist, lasse ich auch durchgehen. Und eine Antwort gibt es auch gleich von mir – ich liebe es, wenn man mir einen Ball vorlegt, den ich ins Tor ballern kann. Immer her damit!

Was wäre für Euch ein Kommentar, welches unter die Kategorie „Hater“ fällt?
Isa: Den habe ich nicht selbst erhalten, aber Nike (thisisjaynewayne) berichtete einmal über einen Schuhkauf auf dem Flohmarkt. Dann warf man ihr erst mangelnde Hygiene vor und anschließend, dass sie Hehlerware kauft und das Gesundheitssystem ausnutzt, weil sie keine Angst vor Nagelpilz hat.
Barbara zu Isa: Hahaha, das ist ja superlustig. Nein, ich denke, bei so was muss man auf Durchzug schalten.
Kathrin: „Ihr seid hässlich“ – das habe ich bei uns (noch) nicht gelesen. Zum Glück.

Habt ihr sonst schon derlei Kommentare bekommen? Wie geht ihr damit um?
Barbara: Nö, nicht dass ich mich erinnere. Die netten, schlauen und wohlerzogenen Leser sind – wie Isa schon sagte – eben bei uns. Wie lautet der Spruch gleich noch mal? Man hat die Leser, die man verdient.
Kathrin: Wie lautet die nächste Frage?

Bleiben wir bei den Kommentaren … wie sind denn die drei beklopptesten/skurrilsten Kommentare, die ihr je bekommen habt?
Barbara: Ganz am Anfang gab es eine Leserin, die hieß Susi. Mann! Hatte die eine Klappe! Von ihr stammen Weisheiten, wie: „Wer Geschmack hat, kann sich auch günstige Klamotten leisten!“ oder „Es kommt mir manchmal so vor, als ob ein Kosmetikverkäufer mir für 150 Euro eine 100% wirksame Antipickelcreme verkaufen will und selber aussieht wie ein Streuselkuchen. Das will einfach nicht so recht überzeugen.“ oder „Ich lehne mich mal wieder aus dem Fenster und falle fast aus dem Haus, hier mein laienhafter Kommentar …“
Irgendwann kommentierte sie nicht mehr. Haben wir sie verschreckt? Unter uns: Mir geht sie echt ab. Susi, wenn du das liest, bitte kommentiere wieder. Du fehlst uns!
Kathrin: Ich kann mich an einen Fußfetischisten erinnern – lassen wir das.
Barbara Markert Kirsten Becken Modepilot
Barbara Markert; Bild: Kirsten Becken

Ihr seid Journalisten bzw. professionelle Fotografinnen, ihr arbeitet für Magazine etc. Gab es aber auch schon Einladungen, die ihr nur aufgrund des Blogs bekommen habt und nicht wegen der Magazine, für die ihr jeweils arbeitet …?
Barbara: Ui, wer ist die professionelle Fotografin?
Kathrin: Ja, das ging früh los mit den Modepilot-Einladungen. Manchmal hatte ich zwei Sitzplätze für ein und dieselbe Fashion Show – Modepilot bekam schnell die besseren Plätze.
Isa: Wenn jemand gute Arbeit macht, dann sollte man ihn unabhängig von der derzeitigen Position behandeln. Der Jungredakteur von heute ist vielleicht der Digital-Chef von morgen.

Zukunft von Blogs: sind Blogs noch en vogue oder werden sie von Youtube und Co. abgelöst?
Isa: Die Branche ist noch so unfassbar jung und viele Märkte sind, wie auch Deutschland, noch gar nicht richtig eingestiegen. Allerdings lösen neue Erscheinungsformen teilweise die „alten“ ab – reine Personal Styleblogs können mittlerweile nur über Instagram funktionieren. Am Ende geht es immer darum: Was will ich kommunizieren und wo erreiche ich die entsprechende Zielgruppe?
Barbara: Guter Hinweis, Isa. Hat jemand gerade mal eine Kristallkugel zur Hand?
Kathrin: Unsere Inhalte, also mehrere Fotos zu einem Thema und selbst recherchierter Text, können auf einer eigens dafür gebauten Seite (www.modepilot.de) sehr viel besser dargestellt werden als auf allen anderen Social Media Kanälen und von Google dauerhaft auch besser für Interessierte gefunden werden.

Zücken wir also mal die Kristallkugel: Wo steht Modepilot in 5 Jahren?
Barbara: Ach, ihr habt die Kristallkugel versteckt. Her damit.
Kathrin: Wir haben ein Incentive-Office in Tel Aviv am Strand.
Isa: Hatten wir uns nicht Venice Beach verständigt?
Kathrin: Auch das.

Wie schätzt ihr die Modeblogszene in Deutschland ein?
Barbara: Müssen wir dazu was sagen?
Ja!
Kathrin: Für alle etwas dabei.
… und jetzt die ehrliche Antwort?!
Barbara: Öhm.
Kathrin: Für alle etwas dabei.

Wie hoch war die höchste Summe, auf die ihr wegen Urheberrechtsverletzungen (oder wegen irgendwas anderem) abgemahnt wurdet?
Barbara: Die Summe war hoch und es war – nun haltet Euch fest – für ein Bild von Verona Feldbusch (so hieß die damals) auf dem roten Teppich (auf irgendeiner unwichtigen Berliner Veranstaltung). Sabine hat das auf den Blog gepostet. Der Himmel weiß, warum. Wahrscheinlich in der Rubrik: Irgendwie daneben. Das war gleich beim Start im Jahr 2007. Wir haben früh dazu gelernt.
Kathrin: Und neulich erst hat uns eine Luxusschuhmarke gerettet und das Thema mit dem Fotografen für uns geklärt.

Dran gedacht, alles hinzuschmeissen?
Barbara: 1000mal. Sabine hat es dann ja auch getan.
Kathrin: Ich nicht.

Barbara, wie siehst Du als Fotografin den recht lockeren Umgang von Blogs mit fremden Bildern? Hast Du auch schon abgemahnt?
Barbara: Danke für die Blumen, aber ich muss Euch enttäuschen: Ich bin seit 30 Jahren ein stinknormaler Journalist, der eine Kamera gerade in der Hand halten kann. Und das klappt auch nicht immer. Daher: Nein, ich habe noch nie jemanden für meine Schnappschüsse belangt.

Sprechen wir noch mal über Modeblogs: Ihr habt jetzt die einmalige Möglichkeit, einen Modeblog, den vielleicht noch keiner außer euch kennt, der Menschheit, bzw. den Lesern von Horstson vorzustellen und gnadenlos Werbung zu machen: los los – wir sind auf die Blogperle gespannt.
Isa: fashionprgirlproblems – hilft ungemein, falls man einmal Gefahr laufen sollte das Business zu ernst zu nehmen.
Barbara: Meinen kennt eh jeder: Der Postillon. Ich kann mich wegschmeißen vor Lachen.
Kathrin: Ich warte immer noch darauf, dass die Menschen aus unserem Umfeld, die viel Ahnung von Mode haben und sie auf den Punkt kommentieren (und das sehr unterhaltsam!) können, endlich einen Blog starten – das versprechen sie mir seit Jahren und nichts passiert.

Habt ihr eigentlich einen Trauminterviewpartner?
Isa: Ich freue mich über jeden von ganzem Herzen. Über jeden, der mehr zu sagen hat, als der PR Agent ihm vorgegeben hat.
Barbara: Karl Lagerfeld. Und auch Jean-Paul Gaultier, jetzt wo er nahezu in Rente ist. Der erzählt immer gerne von Trashfilmen, die er im Kino gesehen hat. Und von Stars, die niemand außer ihm gut findet (Beispiel: Jean-Claude van Damme). Das hätte ich gerne mal ausführlicher mit ihm diskutiert. Außerdem gibt es bei ihm immer leckere Pralinen.
Kathrin: Helge Schneider, Ben Stiller.

Wählt ihr ein Thema auch aus SEO-Gründen?
Isa: SEO ist ein Faktor, aber niemals der Einzige.
Barbara: Das weiß die Isa.
Kathrin: Andersrum: Wie mache ich das Thema auch SEO-relevant?

Viele Onlinemagazine lassen sich mittlerweile zu „Heftig“-esquen Headlines hinreißen. Müssen wir uns auch bei Modepilot auf „die 10 besten Outfits des Sommers – Nummer 6 wird Dich zu Tränen rühren“ einstellen?
Isa: Du wirst es vielleicht nicht glauben, aber was morgen auf Modepilot.de steht, wird Dein Leben verändern.

Taschen, Heels und Laufstegdramen – Wie sieht Euer Ausgleich vom Modezirkus aus?
Isa: Ein herrlich spießiger Spieleabend mit guten Freunden und gutem Essen. Wer spielt jetzt mit mir Kniffel?
Barbara: Herdplatte wienern, Wäsche aufhängen. Beides beruhigt mich ungemein. Und natürlich täglich Babyoffice knutschen.
Kathrin: Kochen zuhause, Zeitung lesen, Segelfliegen.

Bestgeklicktester Artikel bis dato?
Isa: Unerreicht: Modepilot testet den Philips Lumea .
Kathrin: Apropos. Isa, wann kommt eigentlich mal dein Test zum neuen Lumea-Gerät?

Männer und Mode…?!
Barbara: Mein Thema! Ich gehe seit Jahren lieber auf die Herrenschauen statt zu den Damen. Die Männermode kommt und zwar mit Wucht!

Eure liebste Offline-Destination?
Isa: … meinst du außerhalb des WWW oder müsste ich etwa tatsächlich ohne Wifi auskommen?
Barbara: Ich träume davon, noch mal nach Kauai zu fahren. Dort gibt es sicherlich kein Netz.
Kathrin: über den Wolken.

Größter Fashion-Fauxpas der letzten fünf Jahre?!
Isa: Kim Kardashian. Der Fauxpas ist nicht einmal ihr durchaus diskussionswürdiger Stil, sondern wie sie von ehrwürdigen Luxus-Häusern und Medien umgarnt wird, weil sie hoffen, ihre Reichweite nutzen zu können. Wer sie in die Front Row setzt, verschwindet von meinem Wunschzettel.
Barbara: Mein Fauxpas oder der von anderen? Oder grundsätzlich? Dann sage ich mal: Mom Jeans.
(Isa lacht und blickt auf Kathrins geliebte Roland Mouret-Hose)
Kathrin: Weiß gar nicht, was sie gegen das knalleng sitzende Leopardenmuster in Grün hat …

Habt ihr einen Modepilot/innen-Soundtrack?
Barbara: Für Musik sind die anderen beiden zuständig.
Kathrin: WIR haben leider keinen Modepilot-Soundtrack, weil keiner meinen Geschmack teilt. Vielleicht sollte ich mit euch eine Bürogemeinschaft gründen. Da würden dann so Lieder, wie „I’m Still Standing“ von Elton John, „Solid“ von Ashford & Simpson, „Inside & Out“ von Feist, „Maschin“ von Bilderbuch und „Alabama Song“ von The Doors laufen

Chiara Ferragni ist mittlerweile sehr erfolgreiche Unternehmerin, hat mehrere Assistenten – ist ein solcher Erfolg rein theoretisch auch in Deutschland möglich?
Isa: Ja, aber ich glaube nicht in dieser Form. Deutschland ist kein Land für Star-Kult.
Barbara: Gegenfrage: Wer könnte denn in ihre Fußstapfen treten aus Deutschland?
Kathrin: Als Deutsche schickt es sich, immer schön bescheiden zu bleiben und sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Den ersten Part übernimmt Barbara, den zweiten ich und Isa beides.

2015 sollte ein Blogger vor allem …?
Isa: Ruhig mal was wagen!
Barbara: Sich weniger ernst nehmen. Das sage ich aber auch schon seit Jahren in Interviews. Scheint aber niemanden zu interessieren.
Kathrin: Sehe ich, wie die beiden.

Der Modemoment eurer Kindheit?
Barbara: Das soll Kathrin beantworten. Die hat dazu massenhaft Geschichten auf Lager. Ich trug meine einzige Mustang Jeans und das Paar Adidas Gazelle solange, bis beides auseinander fiel. Bevor ich sie in den Müll schmiss, machte ich ein Erinnerungsfoto. Das hängt noch heute in meinem Kinderzimmer zuhause.
Kathrin: Die Kinderkleider, die ich von meiner älteren Cousine aus Chicago auftragen durfte: alle ein Traum! Meine Großmütter, die immer Kostüme und High-heels trugen und mir beibrachten, was Cashmere und eine gute Verarbeitung sind. Die Kinderboutique in Karlsruhe, die mich mit Oilily so nervte, dass ich nur noch in Strasbourg oder Basel einkaufen gehen wollte.

Modeblogs wirft man häufig eine gewisse, nunja, „Käuflichkeit“ vor – Kritik kommt, wenn überhaupt, in Spurenelementen. Im Gegenzug vermisst man eine kritische Auseinandersetzung auch in Print-Magazinen…. Das Unglück in Rana Plaza, bei dem 1.127 Menschen gestorben sind, fand zumindest in den Printausgaben der großen Modemagazine nicht statt. Warum muss die Leserin von dem Unglück aus dem Spiegel erfahren und nicht aus Magazinen, die sich der Mode verschrieben haben?
Isa: Weil die Leser es (noch) zulassen. Solange man Marken nicht durch seinen Konsum abstraft – das gilt auch für Mode und Beauty-Marken – gibt es keinen Anlass das System zu ändern.
Barbara: Weil dort
1. bei einem Vorlauf von zwei Monaten keiner dieser Blätter zeitnah reagieren kann und dann auch niemand mehr drüber lesen will. Leider.
2. vielleicht nicht die richtigen Journalisten für diese Themen arbeiten. Aber das gilt nicht für alle Frauenmagazine. Zeitschriften, wie die Brigitte, haben hervorragende Reportage-Leute.
3. die Optik über alles geht. Sprich die Art Direktoren, eher kündigen, also solche Bilder zwischen Modestrecken abzudrucken. Die Macht der Art Direktoren wird immer unterschätzt. Selbst die Chefredakteure zittern vor denen.
4. die Anzeigenleute um Anzeigenstornierungen fürchten, wenn die Firma XY dort im Text genannt wird.

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Kathrin Bierling; Bild: Kirsten Becken

Die Macht bei den Magazinen liegt im Anzeigenmarketing. Wann wird es bei Blogs auch soweit sein? Oder ist es vielleicht schon soweit gekommen?
Isa: Das wäre ziemlich unklug, dann nimmt man sich doch selbst die Daseinsberechtigung. Ich glaube generell ist die Entwicklung schon zurückhaltender, weil bei einem Blog die Person so eng mit den Inhalten verbunden ist. Kathrin würde sich eher die Finger abhacken, als über Philipp Plein etwas anderes als einen Verriss zu schreiben.
Barbara: Das wird kommen, befürchte ich. Aber man muss es ja nicht mitmachen. Doch dann braucht es alternative Finanzierungen. Siehe meine Antwort oben bei: Welche Blogs müsste man noch erfinden?
Kathrin: Bestechlich? Wir? Aber natürlich!

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  • søren
    21. Mai 2015 at 10:51

    Richtig cooles Interview!

  • Doro
    21. Mai 2015 at 11:01

    Merci für dieses Sahnestück!

  • Siegmar
    21. Mai 2015 at 11:53

    das Gespräch gefällt mir doch sehr, gutes Interview und mal einen Blick wieder auf “ Modepilot “ geworfen und festgestellt, dass ich wieder öfter mal dort lesen werden.

  • PeterKempe
    21. Mai 2015 at 12:06

    Gestandene Frauen, die kompetent sind und mit denen sich sicherlich viele Frauen, die an hochwertiger Mode interessiert sind, identifizieren können! Weitab von Blogger Klischee und mehr an Modejournalismus interessiert – schon immer meine Favoriten !

  • etdn
    21. Mai 2015 at 12:10

    Tolle Fotos!

  • Tim
    21. Mai 2015 at 13:01

    Sehr gutes und vermutlich auch sehr ehrliches Interview! Danke dafür.

  • Maria
    21. Mai 2015 at 18:35

    Der Blog, der eingestampft wurde, hieß „Business Fashion Insider“ oder so. Und er war wirklich genial!

  • Monsieur_Didier
    22. Mai 2015 at 17:02

    …GROßARTIG…
    selten soviel Eigenhumor gelesen…

  • There’s No Business Like Blog Business | Mangoblüte
    25. Mai 2015 at 09:04

    […] Abschluss will ich Euch noch das dazu passende Interview auf Horstson mit den wunderbaren Modepilotinnen empfehlen, die ihre Seite gerade neu gelauncht […]

  • Isa
    27. Mai 2015 at 22:03

    Vielen, vielen Dank für eure entzückenden Kommentare
    *machteinenknicks

    @Maria: Ja! Ich trauere ihm nach….