Paris Fashion Week

Louis Vuitton Homme Automne-Hiver 2015-2016 – Hommage to Christopher Nemeth

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Bild: Louis Vuitton

Bei Louis Vuitton ist die Herrenkollektion für den nächsten Winter so etwas wie eine geschlossene Veranstaltung. Kim Jones, als Artistic Director verantwortlich für die Männerlinie des Hauses, geht das Wagnis aber auch die Konsequenz ein, seine gesamte Kollektion einer Richtung und einem Thema zu widmen. Dadurch, dass nicht für jeden Trend und für Geschmack etwas dabei ist, präsentiert Jones eine sehr harmonische, in sich geschlossene Kollektion, die man eher wie eine sehr tragbare und luxuriöse Kunstinstallation sehen sollte.
Alle Looks und Accessoires sind dem vor fünf Jahren gestorbenem Londoner Künstler Christopher Nemeth gewidmet. Jones muss tief von ihm geprägt sein, dass er eine solch fulminante Hommage an Nemeth startet. Kleidung als freier Künstler zu sehen, ist eine Grundphilosophie von Nemeth. Natürlich wird das in Jones‘ Interpretation für Vuitton nicht ganz so ernst genommen und so ist in den Grundformen eher eine klassisch-sportliche Kollektion zu sehen, die als eine Art Leinwand genutzt wird.
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Bilder: Louis Vuitton

Christopher Louis Nemeth (1959 – 2010) wurde in Birmingham geboren und studierte in London Kunst. Kreativität und Handwerkskunst machten seine Grundwerte aus – ein erster Spannungsbogen zu Louis Vuitton, denn auch das französische Unternehmen vereint durch die Espaces Kulturell die Bereiche Mode und Kunst.
Bei Nemeth entwickelte sich aus der Kunst – besonders aus seinen Knotenmotiven, die stark vergrößert Fäden und die Entstehung von Stoffen symbolisieren – zuerst die Herstellung eigener Kleidung und später dann komplette Kollektionen. Er ging sogar noch weiter und übertrug, ähnlich wie das Bauhaus, seine Motive auch auf Interieur und Möbeldesign. So verwundert es dann auch nicht, dass das Dekor der Show auf den Laden basiert, den Nemeth am Londoner Kensington Market betrieb und damals gemeinsam mit den Architekten „Frick & Frack“ gestaltete.
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Bilder: Louis Vuitton

Die Kleidung von Christopher Nemeth prägte in der Zeit der Thatcher Ära London. Der Fotograf Mark Lebon hatte Nemeth zu dieser Zeit auf einem Fahrrad in seiner selbst geschneiderten Kleidung entdeckt und wenig später porträtiert. Mark Lebon war durch seine Arbeit für Magazine wie „The Face und „i-D“ schon damals eine feste Größe im Fashionbusiness und pushte Nemeth in den Zeitschriften, für die er arbeitete.
In diesem Geiste, den Nemeth auf eine so fantastische Art prägte, konzipierte Jones seine Herbst-Winter 2015 Kollektion für Louis Vuitton. Die Kollektion ist eine Hommage an die Trendstädte London, Paris und Tokio – also den Metropolen, in denen Nemeth seine letzten Jahre verbrachte.
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Bilder: Louis Vuitton

Die Knotendesigns sind auf der Prêt-à-porter natürlich allover: als Drucke auf feinsten Cashmere-Cabans sowie auf den Duffles. Die Pullover wurden mit Intarsien versehen oder sie wurden ihnen als Relief in den Flor geschoren sowie gelasert.
Bei den Taschen präsentierte Jones kleine Formen, die aus den Vuitton-Katalogen der Achtziger entliehen wurden, sowei Reporter-Taschen in klassischem Monogramm mit farbigen Feldern. Weitere Highlights sind die mit Shearling bezogenen Koffer und als Krönung dann ein Damier, das aus einer Verschmelzung von Nemeth-Grafiken und großem Vuitton-„Muster“ besteht.
Der Look der Kollektion ist äußerst urban und erinnert in den Grundformen an großstadt-taugliche Uniformen: schmale Hosen, bequeme Schuhe mit Schnürung und darüber klassischer Mantel, Dufflecoat oder breiter Wollflausch-Blouson. Flächig, grafisch und simpel – ein Design, was sich der Bildsprache damaliger Trendmagazine bedient.
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Bilder: Louis Vuitton

Durch die Konzentration und durch das konsequente Einhalten des Themas ist es eine geschlossene und darum sehr eigenwillige Kollektion, die keinen Anspruch darauf haben will, Trends zu bedienen. Auch will sie keine Garderobe sein, sondern mehr wie ein Projekt wirken. Sie steht völlig eigenständig da und grenzt sich – vielleicht bewusst – von allen anderen Männerkollektionen der Saison ab. Selbst die Armbanduhr, eine streng limitierte Uhr aus der Horlogerie des Hauses, wurde von Jones mit einem speziell gestalteten Zifferblatt versehen. Kim Jones scheint Carte blanche für die Kollektion und seiner großen Verehrung für Christopher Nemeth bekommen zu haben.
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Bilder: Louis Vuitton

Mir gefällt diese Eigenständigkeit. Die Kollektion versucht nicht, für jeden Mann etwas zu bieten. Vielmehr hat sie den Anspruch, sich zu einer Richtung und einem Thema zu bekennen … Es gilt wie so häufig im Leben: Entweder man mag es oder man mag es nicht. Ich mag es.

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  • Tim
    28. Januar 2015 at 11:21

    Bis auf die Funktionsjacken sehr schön. Ich muss also widersprechen- man kann es auch nicht mögen und gleichzeitig mögen 😉

  • Siegmar
    28. Januar 2015 at 11:51

    Diese Hommage an Christopher Nemeth ist sehr gelungen, selbst die Funktionsjacken gefallen mir und die Schuhe verdienen ein extra Lob.