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Klappe ab, Kreativgeist

Margiela, Margiela — Ich stelle gerade mit großem Entsetzen fest, dass mein letzter Beitrag auf Horstson schon beinahe einen Monat zurückliegt, mon dieu! Ist es nicht unheimlich, wie schnell die Zeit vergeht? Seit bald acht Wochen bin ich in Kalifornien und musste mich arbeitstechnisch erst mal akklimatisieren aka einfinden. Hier ist alles tipp-top und endlich finde ich auch wieder mehr Zeit zum Tippen von Artikeln. Heute gibt es eine kleine, aber feine News. Es geht um den Film des Jahres, eingefleischte Modefans aufgepasst: Mit „We Margiela“ sorgt eine Dokumentation der Oberklasse für Gesprächsstoff.
Bislang kursiert zwar erst mal nur ein Trailer durch die Irren und Wirren des Internets, trotzdem sind alle Branchenblätter angefixt bzw. berichten seit Tagen von nichts anderem. Dem schließe ich mich gleich mal an und fasse ein paar lose Informationen zusammen. Wie man es sich schon denken kann, wird es in der Dokumentation um das öffentlichkeitsscheue Modehaus Margiela gehen. Stück für Stück wird die Geschichte anhand von Aufnahmen und Interviews mit Beteiligten des Kreativteams sowie, der im Juli diesen Jahres verstorbenen, Mitbegründerin Jenny Meirens erzählt. Den ganzen Film habe ich leider auch noch nicht schauen können, Recherche auf der Webseite und anderen Publikationen haben jedoch einstimmig ergeben, dass es 2018 eine große Margiela-Retrospektive in Paris geben wird. Passt also zeitlich, nach bald 30 Jahren Unternehmensgeschichte, ziemlich gut, Vorfreude zu streuen.

Auch soll endlich in Sachen abruptes Ende der Zusammenarbeit Hause Margiela und Genie Martin Licht ins Dunkeln gebracht werden. Der sagenumworbene Designer hatte 2009 das Modehaus verlassen und bis heute ist nicht 100% geklärt, warum und wie es zum Ende der Zusammenarbeit kam. Wichtiger Punkt, der immer wieder als Gerücht kursierte: Mitbegründerin und geschäftliche Strippenzieherin Jenny Meirens und er hatten nach dem Verlassen Martins aller Wahrscheinlichkeit nach keinen Kontakt mehr zueinander, das ist nach den vielen Jahren der intensiven Zusammenarbeit augenscheinlich auffällig, nicht?
Bevor wir hier jedoch in Sachen Klatsch und Tratsch vom Thema abkommen, habe ich euch noch ein passendes Zitat von der Website (auf Englisch) rausgesucht: „We Margiela tells the untold story of the enigmatic and singular fashion house Maison Martin Margiela. For the first time, co-founder Jenny Meirens and the members of the creative team that stood at the heart of the house talk extensively about the creative processes and unique philosophies of the Maison. Their stories, told through detailed and intimate interviews, offer unprecedented insight into the genesis and unravelling of one of the most influential fashion houses of our time.”

Ich für meinen Teil bin mehr als gespannt, was die Dokumentation an Hintergrundinformationen mit sich bringen wird, jahrzehntelang galt Margiela als Vorreiter gegen das Etablishment der großen Platzhirschmarken. Es verwundert nicht wirklich, dass der filmische Beitrag just bis zum Moment des Verkaufs an Konzernriesen Renzo Rosso berichtet — für viele war spätestens ab diesem Zeitpunkt jeglicher Zauber der diskreten label free Marke verflogen. Der Titel „We Margiela“ verdeutlicht zudem, dass es bei der Arbeit von Martin Margiela, Jenny Meirens und dem Kreativteam in erster Linie um das „We“, also das Zusammen ging. Entwickelung und Durchführung von Ideen wurden im Team bewältigt, Risikobereitschaft und Bauchentscheidungen inklusive.

Wann und wo der Film zu sehen sein wird, habe ich noch nicht herausfinden können. Alsbald wir die Informationen jedoch haben, werden die Daten in diesem Beitrag natürlich angepasst. In dem oftmaligen Glitzerzirkus und Bäumchen-Wechsel-Dich vermeintlicher Stardesigner aka „Genies unserer Zeit“ (wo meiner Meinung nach viel zu häufig in Hintergrund gerät, worum es eigentlich geht) ist es doch mehr als erfrischend, etwas Substantielles in Form einer Dokumentation festzuhalten: Das Handwerk des Modemachers, ganz ohne Tamtam, Klickzahlenreichweite oder Celebrity-Freundschaften. Dem Trailer nach zu urteilen, scheint genau diese Herausforderung der Regisseurin Menna Laura Meijer und Produktionsfirma Mint Rotterdam Film Office zu gelingen.

Am 22. Oktober feierte „We Margiela“ im Rotterdamer Museum Boijmans van Beuningen und LantarenVenster Premiere. Unter wemargiela.com gibt’s weitere Infos.

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1 Comment

  • Monsieur Didier
    6. November 2017 at 18:35

    …wow…
    den möchte ich gerne sehen! Ich hoffe, irgendwann gibt’s den auch auf DVD oder irgendwo im Netz…

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