Interview

Nachgefragt bei … Karin Gustafsson und Martin Andersson von COS

(Karin Gustafsson; Bild: COS)

Ganz COS’e Nummer – Zugegeben, das einleitende Wortspiel ist weder besonders einfallsreich, noch ist es kreativ. Und doch, es passt zum Kontext. Ich darf Euch an dieser Stelle nämlich meinen Horstson-Herzenswunsch, vielmehr eine „ganz große Nummer“ vorstellen: Ich bin Kunde seit erster Stunde, stöbere regelmäßig mitsamt Schwester im Schlepptau durch das Sortiment und freue mich riesig, dass ich Karin Gustafsson und Martin Andersson von COS zum Gespräch bitten durfte. Die beiden stecken als Kreativchefs hinter den Entwürfen des Ästheten-Ausstatters und sorgen saisonübergreifend für bezahlbare Mode – funktional, zeitlos und modern. Karin ist für die Damenkollektion verantwortlich, während Martin (mit-)entscheidet, was kommende Saison in meinem Kleiderschrank wandern wird. An dieser Stelle verrate ich lieber nicht zu viel über die beiden, sondern lasse sie selber zu Wort kommen. Interview ab, ich habe jede Menge neugierige Fragen parat.

Lasst uns zum Aufwärmen mit einer Standardfrage anfangen: Beschreibt Eure Arbeit bitte in zwei, drei knackigen Sätzen!
Martin Andersson: Seit unserem Launch im Jahr 2007 ist die Essenz einer jeden COS-Kollektion gleichbleibend modern, zeitlos und funktional. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, lassen wir uns bei unserer kreativen Arbeit von den unterschiedlichsten Dingen inspirieren. Wir orientieren uns weniger an klassischen Trends, vielmehr werden aus unterschiedlichsten (Inspirations-)Quellen des Design- und Kunstbereichs Ideen geschöpft.

Das musst Du mir bitte näher erklären…
Wir folgen seit Anfang an, neun Jahre müssten es mittlerweile sein, unserer ganz eigenen Ästhetik und den damit verbundenen Gestaltungsprinzipien. Zudem werden jede Saison neue Ideen in die Kollektion miteingebunden: Wir arbeiten ständig daran, Stoffe zu entwickeln, die technologisch fortschrittlich sowie qualitativ hochwertig sind und sich vom Material her gut anfühlen.

Bei jedem COS-Besuch fallen mir dieselben Begriffe ein: Minimalismus und Neuinterpretation!
Karin Gustafsson: Der Gedanke an Minimalismus und (Re-)Interpretation hat uns zuletzt bei der Erarbeitung der Frühjahr-Sommer-Kollektion beschäftigt, da wurde beispielsweise aus dem Schnitt eines Trenchcoats anschließend ein Wickelkleid entworfen.
Als Modelabel beschäftigen wir uns zudem immer mit dem Thema Funktionalität und schauen, welche Details konkret von Interesse sein könnten: Beim Entwerfen eines Mantels fragen wir uns beispielsweise bei den Taschen, ob sie wirklich nötig sind oder doch nur als Verzierung dienen? Da ist dieser ganz bestimmte Instinkt, dem wir als Team mit unserer Designsprache folgen – sinnbildlich könnte man sagen, dass wir Kleidung gewissermaßen entkleiden. Wir konzentrieren uns bei unseren Entwürfen aufs Wesentliche und interpretieren Klassiker aus vergangenen Kollektionen wie z.B. das weiße T-Shirt jede Saison neu.

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Martin Andersson; Bild: COS

Wo habt Ihr studiert, vielmehr: Habt Ihr überhaupt Mode studiert?
MA: Ich kann mich daran erinnern, dass ich schon in jungen Jahren Designer werden wollte. Ich bin damals in Schweden aufgewachsen und habe es geliebt durch Magazine wie FACE oder i-D zu blättern, die gezeigte Mode hat mich besonders fasziniert. Meine Mutter ist gelernte Schneiderin, sie hat mich auf meinem Weg immer unterstützt. So habe ich früh angefangen zu experimentieren und konnte meine eigenen Entwürfe umsetzen. Irgendwann bin ich dann an die Central St Martins gekommen und habe mich dementsprechend weiterentwickelt. Nun zu dir, Karin!
KG: Mir war immer klar, dass ich später einmal im Bereich Modedesign arbeiten werde. Ich bin im Jahr 2000 nach London gezogen, um an mein Studium in Schweden anzuknüpfen. Am London College of Fashion habe ich einen Einführungskurs belegt und mich dabei in den `London Lifestyle’ verliebt. Ich bin der Stadt treu geblieben und habe anschließend am Royal College of Art weiterstudiert.

Ist Euer Studio auch in London?
KG: Richtig, unser Headquarter ist mitten in London. Von hier aus arbeiten Martin, unsere Designteams und ich an neuen Entwürfen. Die Stadt habe ich in mein Herz geschlossen und nach mehr als 16 Jahren kann ich sagen: „Hier fühle ich mich zuhause!“

Martin, Deine liebste Modemetropole?
MA: Ich kann mich ortstechnisch nur bei Karin anschließen, ganz klar: London. Die Stadt ist kulturell so vielfältig und bietet eine Bandbreite an Galerien und jeder Menge anderer Inspirationsquellen – deshalb ist auch unser Headquarter vor Ort.

Ihr sprecht von verschiedenen Designteams: Wie viele Mitarbeiter gibt es und wie sind die einzelnen Gruppen aufgeteilt?
MA: Wir haben insgesamt 25 Mitarbeiter in den Teams der Damen- und Herrenkollektion. Mit inbegriffen sind Kollegen, die sich in den einzelnen Bereichen spezialisiert haben: Das wären zum Beispiel Farb- und Druckauswahl, Jersey-, Strick- und Wollentwürfe sowie Kinderbekleidung.
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Bild: COS

Wie fühlt es sich an für ein Unternehmen wie COS zu arbeiten?
KG: Als ich 2006 als Assistenzdesignerin angefangen habe, war das Potential hinter dem Label noch nicht komplett verwirklicht. Es war jedoch immer schon klar, dass die COS-Ästhetik modern, zeitlos und funktional sein wird – ähnlich dem schwedischen Stil, mit dem ich aufgewachsen bin. Ich konnte mich ab der ersten Minute mit den Gestaltungsansprüchen identifizieren und spürte gleich zu Beginn eine starke Affinität. Rückblickend bin ich mehr als froh, dass ich seit nunmehr zehn Jahren Teil dieses Teams sein darf.

Das kann ich mir gut vorstellen! Wie viele Kollektionen müsst Ihr pro Jahr eigentlich stemmen?
KG: Wir arbeiten jede Saison, also jeweils Frühjahr-Sommer und Herbst-Winter, an neuen Kollektionen. Dabei lassen wir uns von den verschiedensten Dingen inspirieren. In unseren Teams sammelt jeder seine Ideen in Form von Aufnahmen, Ausstellungen, Büchern, Farben oder Zeichnungen. So finden die unterschiedlichsten Einflüsse von der ganzen Welt zueinander, jedes Mal aufs Neue ein spannender Prozess für uns.
MA: Wir fördern unsere Teams dahingehend und ermutigen sie, ihre Inspirationen breitgefächert zu suchen. Karin und ich haben das Glück in den letzten Jahren viele spannende Orte und Architekturformen kennenlernen zu dürfen, an diesen Erfahrungen knüpfen wir bei der Recherche immer wieder an. Gemeinsam im Team überlegen wir uns in einem nächsten Schritt in welche Richtung wir bei der Kollektionsgestaltung thematisch gehen könnten – natürlich haben wir dabei immer auch unsere zeitlosen Klassiker im Hinterkopf.

Martin, was sind Deine Lieblingsstücke aus der aktuellen Herrenkollektion?
MA: Diese Saison haben wir jede Menge experimentiert und das Handwerk aus bereits bestehenden Stücken weitergeführt. Das lässt sich besonders gut an unserem Mantel Jacquard City erkennen, ein graues Modell aus Seidenbaumwollmaterial. Er ist mit handgemalten Linien versehen und unglaublich vielseitig einsetzbar.

Auf welche Farbe setzt Du bei deiner eigenen Garderobe?
MA: Privat trage ich überwiegend Schwarz und Weiß! Bei der COS-Kollektion haben wir uns für die bevorstehenden Sommermonate jedoch vom Industriebereich und Denim inspirieren lassen: Indigo- und stahlfarbene Entwürfe treffen auf Navy- und Grüntöne, dazu warme Rot- oder Sandtöne.

Du hast soeben das Thema Handwerk angesprochen, arbeitet Ihr auch mit digitalen Techniken?
MA: Klar, das ist ein wichtiges Thema für uns. Wir setzen uns viel mit den neusten Fertigungstechniken und digitalen Möglichkeiten auseinander. Laserschneidetechniken und der Einsatz von qualitativ hochwertigem Nylon waren und sind Bestandteil unserer Kollektionen.
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Bild: COS

Ihr kennt es mittlerweile, ich muss einen passenden Cut zur Unterbrechung des Gesprächs finden. Das Interviewmaterial ist wieder einmal zu umfangreich für einen einzelnen Beitrag und so habe ich mich entschieden, einen kurzen Break einzubauen. Auf diese Weise kann ich wirklich allen gestellten Fragen samt Antwort gerecht werden. Ich hoffe die Umsetzung gefällt Euch und apropos: Wie immer freue ich mich über Feedback! Anbei auch ein paar Impressionen aus der aktuellen Frühjahr-Sommer-Kollektion von COS…
Teil II des umfangreichen Gesprächs folgt in Kürze!

  • Siegmar
    31. Mai 2016 at 12:55

    sehr gut, danke Julian. Ich mag COS habe aber dann im Laden meist ein Problem mit der Qualität, akutell wieder mit einem dünnen Pulli aus Seide/Wolle der sieht nach 3 x tragen aus wie ein Lappen. Das ist dann schon ärgerlich, da der preislich auch um die 100€ kam.

  • Nachgefragt bei … Karin Gustafsson und Martin Andersson von COS / Teil II des Interviews | Horstson
    7. Juni 2016 at 10:19

    […] nicht zu viel über die beiden, sondern lasse sie selber zu Wort kommen und verweise auf den ersten Teil des umfangreichen […]