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Joko Winterscheidt wird „Chief Curiosity Officer“ bei GQ

(v.l. André Pollmann, Johannes Patzig, Michalis Pantelouris, Joko Winterscheidt; Bild: © GQ/Basti Mowka)

„Wir müssen unsere Marken und unseren Content künftig anders denken“, sagte Jessica Peppel-Schulz, CEO von Condé Nast Germany, vor einem halben Jahr in einem Mediengespräch. Wie anders in dem Verlagshaus gedacht wird, zeigen jetzt die neuesten Personalentscheidungen: Nach dem Ausscheiden von Tom Junkersdorf im Herbst 2019, wurde gestern bekannt, dass auch Marco Rechenberg und Marcus Lucas, beide gehören der GQ-Chefredaktion an, „auf eigenen Wunsch“ Condé Nast verlassen.

Neuer GQ-Markenchef wird André Pollmann sowie Joko Winterscheidt, der sich Chief Curiosity Officer (CCO) nennen darf. Ergänzt wird die GQ-Chefredaktion, die sich gar nicht mehr Chefredaktion nennt (in der Pressemitteilung ist von „Content-Team“ die Rede), um Michalis Pantelouris der fortan stellvertretende Chief Creative Director (stellv. CCD) sein wird und um Johannes Patzig, der den Posten des „Head of Editorial“ übernimmt.
Die personellen Entscheidungen überraschen nicht, schließlich sank die Auflage der GQ auf 79.368 Exemplare (Quartal III/2019). Zum Vergleich: Im 4. Quartal 2016 lag die Auflage der GQ lt. des Medienmagazins „Meedia“ bei mehr als 95.000 Exemplaren.

Schlussendlich gilt es auch bei Condé Nast Germany, sich neuen Lesegewohnheiten zu stellen. Doch braucht es dafür eine TV-Persönlichkeit wie Joko Winterscheidt, um den Leser wieder an den Kiosk zu holen bzw. ihn auf GQ.de klicken zu lassen? Nein, ich glaube nicht. TV gilt bei der jungen Generation als out und die Sehdauer geht lt. GfK ähnlich bergab, wie es auch die Auflagen von Printmagazinen machen. Nun gehören die 14- bis 19-Jährigen noch (!) nicht zur klassischen Zielgruppe der GQ, doch die User sind lt. 360°-Mediadarstellung „jung und dynamisch“ (zwischen 24-45 Jahre alt und „well-educated“). Konsequent wäre es demnach, dass sich Medien ihre eigenen Chief Curiosity Officer aufbauen und nicht auf ein Pferd setzen, dass schon ein Image hat, auch um sich auf neue Pfade zu begeben: Mit 84,1 Tausend Instagram-Followern steht die deutsche GQ im Vergleich zur internationalen GQ (5,2 Millionen Follower) nicht wirklich gut da, während der Youtube-Channel mit 8840 Abonnenten auch nur vor sich hin dümpelt.

  • Manfred
    28. Januar 2020 at 13:23

    Hat schon bei Jwd nicht geklappt, warum also jetzt? Danke für die erfrischende Einschätzung!

  • thomash
    28. Januar 2020 at 14:51

    Ich würde ja vielleicht einen wirklich jungen Menschen für so einen Job einstellen und keinen berufsjungen. Der dazu gerade sein eigenes Magazin beerdigt hat.
    Ob es noch ein anderes Land gibt, wo Leute, die an einer Aufgabe krachend scheitern, als nächstes für genau die gleiche Aufgabe von jemand anderem engagiert werden?

  • Holger
    28. Januar 2020 at 15:21

    Das ist meiner Meinung nach ein ziemlich schlechter Versuch, das Magazin aufzupolieren. Wenn man auf ein neues Publikum schielt, dann sollte man auch dies mit neuen Gesichtern tun. Aber bei uns in Deutschland sind immer die gleichen Gesichter zu sehen. Nur in immer neuen Funktionen….

  • Oliver
    28. Januar 2020 at 19:05

    Steht GQ für Mode? Ja! Steht Joko für Mode? Nein.
    Trotzdem findet er in der Kommunikation der News auf allen Kanälen (selbst bei den GQ Verantwortlichen) überwiegend um diese eher nebensächliche Entscheidung. Dabei geht es doch um einen Neustart. So wird das leider nichts.

  • Hannes
    28. Januar 2020 at 22:50

    Solange die deutsche GQ weiterhin wie ein Playboy ohne Bunnies wirkt, solange können sie sich ihren „Chief Curiosity Officer“ sparen.

  • Stephanberlin
    1. Februar 2020 at 14:31

    Die Phrasen der Verlags-Statements (auch nachzulesen auf kress.de) klingen wie von vor 10 Jahren, irgendwie oll! Von neuen Ideen kein Wort…aber vielleicht kommt ja noch was, wer weiß?