Interview Kunst

Nachgefragt bei … Cory Arcangel

Cory Arcangel; Bild: Bennett Williams, Courtesy of the artist

Nicht einfach Kunst – Der Espace Louis Vuitton München präsentiert „Be the first of your friends“, die erste monographische Werkschau von Cory Arcangel in München. Der amerikanische Künstler lebt in Brooklyn und setzt sich in seinen Arbeiten überwiegend mit Medien wie Komposition, Performance, modifizierten Computerspielen, Internet bis hin zu Videoinstallationen auseinander. Die augenmerkliche Besonderheit an seinen Arbeiten ist dabei die Reflektion unserer kapitalistischen Konsumwelt, die er mithilfe zeitgenössischer Praktiken und digitaler Quellen aufzeigt. Egal ob YouTube oder Photoshop – als bildender Künstler ist Cory ganz nah dran an der Vernetzung von realer und digitaler Welt.

Was war deine Inspiration für diese Ausstellung?
Zuallererst setze ich mich immer mit den Räumlichkeiten, in denen meine Arbeiten gezeigt werden sollen, auseinander. Das ist ein ganz wichtiger Prozess für mich. Dabei würde ich jedoch das Wort Inspiration umgehen, denn primär beschäftige ich mich mit Dingen, die mich als Person umgeben. Ich wäge ab, was zu jenem Zeitpunkt am besten an den jeweiligen Ort passt. Statt mich auf die Suche nach Inspiration zu begeben, mache ich mich auf den Weg, die richtigen Arbeiten für den Raum zu finden.

Wie bist du damit vor Ort umgegangen?
Im Espace Louis Vuitton München verfügen wir über zwei verschiedene Ausstellungsebenen: Im Erdgeschoss bietet es sich an, einen Überblick meiner Arbeiten zu präsentieren. Ein Stockwerk höher würden sich prinzipiell klassische Malereien anbieten.

Deine Arbeiten sind dabei alles andere als herkömmlich: Wie definierst du Kunst in deinen eigenen Worten?
Ich muss zugeben, dass ich nicht so häufig darüber nachdenke, was Kunst genau ist oder vielmehr, was sie sein könnte! (lacht) Das interessiert mich ehrlich gesagt überhaupt nicht. Ich arbeite zwar als Künstler, jedoch wesentlich losgelöster von den herkömmlichen Prozessen.
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Bild: Julian Gadatsch

Computerprogrammierer, Komponist und Künstler – Cory Arcangel polarisiert mit seinen Arbeiten, soviel steht fest. Er bedient sich dabei jedoch nicht nur den gegenwärtigen Strömen der digitalen Welt, sondern versucht auch überholte Technologien aus den 1980er-Jahren zu erhalten. Apropos Vergangenheit, ursprünglich hat der sympathische Amerikaner eine klassische Musikausbildung im Fach Gitarre absolviert. Nicht umsonst spielt in vielen seiner Arbeiten die Geräuschkulisse eine entscheidende Rolle.

Wie bist du eigentlich auf Louis Vuitton gestoßen?
Sie sind auf mich zugekommen und haben nachgefragt, ob ich Interesse an einer Zusammenarbeit hätte. So einfach kann es manchmal gehen, es hat einfach alles gepasst. Die Institution sagt mir sehr zu, die Räumlichkeiten ebenfalls, warum also nicht?

Welche Rolle spielt dabei der Gedanke an Luxus?
Das sehe ich ähnlich wie bei der Kunst, ich denke einfach nicht besonders viel über Luxus nach. Ich mache mir selten darüber Gedanken, wie ich diese Begrifflichkeiten für mich selbst bestimme.

Stichwort Soziale Medien: Inwiefern beeinflussen sie heutzutage Kunst?
Ich kann nicht genau auf den Punkt bringen, wie soziale Medien den Kunstbereich prägen – das lässt sich per se nicht pauschalisieren. Ich kann jedoch versuchen zu erklären, wie sie mich in meinem eigenen Leben beeinflussen. Die letzten Jahre war ich immer mit dabei und hatte meinen eigenen Facebook-, Flickr-, MySpace-, Twitter- sowie Instagram-Account.

Das klingt umfangreich!
Das Spannende an den sozialen Medien ist die Tatsache, dass es für jedes Themen- und Interessengebiet eine andere Anlaufstelle gibt. Gesammelte Erfahrungen lasse ich in meine Arbeit als Künstler miteinfließen. Ach ja, das Onlineportal Delicious hat mir immer besonders gut gefallen.
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Bilder: Julian Gadatsch

Cory Arcangel ist seit Bruce Nauman (für alle, die ihn nicht kennen sollten: einer der bekanntesten Konzeptkünstler weltweit) der jüngste Künstler, dem 2011 eine galeriefüllende Solopräsentation im New Yorker Whitney Museum of American Art gewidmet wurde. Zusätzliche Einzelausstellungen und Stationen seiner Arbeiten lesen sich wie ein (Kunst-)Lebenslauf erster Klasse: Ob die Galleria d`Arte Moderna e Contemporanea in Bergamo, das Reykjavik Art Museum, die Fondation DHC/ Art in Montral, das Museum of Contemporary Art in Miami oder der Hamburger Bahnhof in Berlin – die Liste ist lang, sehr vielfältig und noch lange nicht fertig.

Lass uns die Uhr zurückdrehen! Gab es diesen einen Moment, an dem du dir gesagt hast: „Ich werde später einmal Künstler“?
Klar, es gibt jede Menge Leute die bereits als Kind diesen Impuls verspürt haben. Ich würde sagen, dass ich diesen Gedanken damals nicht unbedingt gehegt habe. Das ich irgendwann einmal als zeitgenössischer Künstler arbeiten möchte, kam mir erst später in den Sinn.

Wie und wann?
Ich habe irgendwann die Chance genutzt, meine Arbeiten und Ideen an verschiedenen Orten in New York vorzustellen. Egal ob Clubs oder Filmfestivals – ab einem bestimmten Zeitpunkt habe ich realisiert, dass sich dieser Weg bewähren wird. Mit der Zeit haben sich dann auch immer mehr Galerien für meine künstlerische Arbeit interessiert. So kam ich irgendwann zu diesem Moment, den du mit deiner vorangegangenen Frage angesprochen hast.

Hast du rückblickend irgendwelche Ratschläge für eine erfolgreiche Karriere im Kunstbereich?
Erfolg ist für mich ein weitreichender Begriff – man sollte seine Arbeit mit großem Interesse verfolgen, das ist doch eigentlich die Hauptsache. Ich würde sagen, dass man immer dranbleiben sollte! (lacht)

Ein gutes Abschlusswort! Wie sehen die nächsten Wochen bei dir aus?
Diesen Monat habe ich, neben dieser Ausstellung, jede Menge Projekte und Termine vor mir: Ich habe alleine drei Ausstellungseröffnungen eingeplant und bin ganz gespannt, was sich noch zusätzlich ergeben wird.

Vielen Dank für das kurzfristige Gespräch!

Bevor Cory Arcangel in den Menschenmassen der Ausstellungseröffnung verschwindet, berichtet er kurz von einem wichtigen, nicht zu vernachlässigenden Detail: Er erhielt den diesjährigen Preis für das Filmische Gesamtwerk, die zweite Auflage einer im Rahmen von KINO DER KUNST vergebenen Auszeichnung, die besondere Beiträge zur Verstärkung des Austauschs zwischen Kino und visuellen Künsten würdigt. Der Espace Louis Vuitton München ist gleichzeitig ein Austragungsort von KINO DER KUNST. Was hat es damit jedoch auf sich? Ich bitte um ein wenig Geduld, bald gibt’s mehr Informationen zu der Veranstaltung, die Ausstellung und Festival vereint…

Die Ausstellung „Be the first of your friends“ von Cory Arcangel kann bis zum 8. August 2015 im Espace Louis Vuitton München besucht werden. Der Eintritt ist frei.

Espace Louis Vuitton München
Maximilianstraße 2a
80539 München

Montag-Freitag 12 bis 19 Uhr
Samstag 10 bis 18 Uhr

Telefon: +49 89 55 89 38 100

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  • Siegmar
    7. Mai 2015 at 10:45

    Gefällt mir das Interview und sicherlich spannend solche Menschen zu treffen, Cory Arcangel ist ein toller Künstler, ich habe mal eine Video-Arbeit von ihm im Hamburger Bahnhof gesehen über Glenn Gould, war sehr beeindruckend.

  • Tim
    7. Mai 2015 at 14:43

    Gefällt, vielleicht schaffe ich es diesmal in die Ausstellung. Anfang August bin ich in München.

  • Ausstellung: "Be the first of your friends" im Espace Louis Vuitton München | Horstson
    8. Mai 2015 at 11:07

    […] angeschaut. Vor ein paar Tagen habe ich Cory noch zum Gespräch gebeten (das Interview gibt’s hier zum Nachlesen), trotz allem bin ich mir nicht wirklich sicher, was er mit vielen seiner Arbeiten […]

  • Die Woche auf Horstson – KW 19/2015 | Horstson
    10. Mai 2015 at 12:34

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