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Glanz und Grauen – Mode im Dritten Reich

Glanz und Grauen Mode NS Zeit
© LVR-Industriemuseum

Was trug die Frau der Nazizeit? Bevorzugte sie Tracht und Dirndl, vielleicht sogar mit Gretchenzopf? Oder kleidete sie sich elegant wie die Filmstars dieser Zeit? Mit diesen und anderen Fragen setzt sich das LVR-Industriemuseum Euskirchen auseinander. Nun war mir Euskirchen bis vor Kurzem ehrlich gesagt gar kein Begriff und ich musste erst mal nach dieser Stadt googlen, da ich nicht wusste, wo sie überhaupt liegt (im südlichen Rheinland, Nordrhein-Westfalen).
Auf die Stadt wurde ich aufmerksam, da im LVR-Industriemuseum Euskirchen zurzeit die Ausstellung „Glanz und Grauen – Mode im Dritten Reich“ läuft …
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Alltags- und Straßenkleidung, um 1940; © LVR-Industriemuseum

„Glanz und Grauen – Mode im Dritten Reich“ zeigt auf, wie die Kleidung der 30er und 40er Jahre aussah. Eine interessante Frage, auch in Hinblick darauf, dass die NS-Zeit zwar so gut wie keine andere historische Epoche erforscht wurde, aber mit der Kleidung hat sich bislang kaum jemand befasst. Ein interessantes Thema für eine Ausstellung, denn wenn man heute durch die Trendviertel der Großstädte spaziert, fällt auf, dass sich in derzeitigen Trends stilistische Zitate an die NS-Zeit finden – ein Phänomen, dem sich Marcus Stiglegger in seinem Buch „Nazi-Chic und Nazi-Trash, Faschistische Ästhetik in der Populärkultur“ ausführlich widmet.
Denkt man an die typische Kleidung an diese Zeit, bzw. an die Kleidung, die man für typisch für diese Zeit hält, fällt einem eine Mischung aus kitschigen Trachten und widerlichen Uniformen ein. Die Ausstellung geht der Sache auf den Grund und zeigt auf 600 Quadratmetern über 100 Originalkostüme und Fotos, Modeillustrationen, Zeitschriften, Kinderbücher und Spielzeug zum Thema.

Einen ersten Eindruck kann man sich hier in diesem kleinen Video machen und vielleicht ist ja einer von Euch mal in der Nähe von Euskirchen, oder wohnt sogar dort – von den 55.000 Einwohnern liest vielleicht auch der ein oder andere Horstson – und kann aus erster Hand von “Glanz und Grauen – Mode im Dritten Reich” berichten …

Glanz und Grauen – Mode im Dritten Reich
LVR-Industriemuseum
Tuchfabrik Müller
Carl-Koenen-Straße
53188 Euskirchen-Kuchenheim
www.industriemuseum.lvr.de

Die Ausstellung läuft noch bis zum 26.10.2014

Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag 10 – 17 Uhr
Samstag und Sonntag 11 – 18 Uhr

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  • Daisydora
    12. April 2014 at 15:08

    Ein sehr guter Tip, definitiv eine Ausstellung für mich … und da sollten auch Schulklassen in ganzen Heerscharen hinpilgern, weil das ein sehr guter „Aufhänger“ ist, sich mit dem Driten Reich zu beschäftigen.

  • beat
    12. April 2014 at 16:28

    Für Europa war der zweite Weltkrieg eine Katastrophe. Er hatte das Leben so vieler Liebschaften, Familien und Existenzen (wirtschaftlich wie leiblich) gekostet.
    Ich schreibe dies als Bürger eines Landes, der vom direkten Krieg unbehelligt blieb (Schweiz).
    Jedoch gingen die Spuren dieses Desasters hier nicht unbemerkt vorbei. Ich selber habe sie nicht erlebt. Meine Eltern am Rande. Jedoch von längst verstobenen Leuten habe ich ein recht prägnantes Bild über diese Zeit. Und natürlich aus literarischen Quellen.
    Ich glaube, die Zeit ist noch nicht gekommen, wo man diese Epoche unbeschwert aus ästhetischen Aspekten (obwohl es Bemerkenswertes gab, wenn auch nur mit politischem Kooperieren) allzu publizistisch breit walzen sollte. Die Wunden liegen noch heute tief.

  • vk
    12. April 2014 at 19:00

    sensationelles thema. weiss nicht, ob ich das hier schon mal sagte, aber die uniformen waren natuerlich alles andere als grauenvoll gemacht. sie waren der neid der ganzen welt. besonders in england sorgte es fuer eine veritable identitaetskrise, als die witzfiguren des WWI nun tausendjaehrig aufgestylt den stolzen offizieren des empire mit so leichter hand den schneid abkauften. wo der rest der welt sich gerade im schlachtfeld dem utilitaristischen diktat der moderne gerne unterwarf, zeigten nun ausgerechnet die krauts, dass sich funktionalitaet und selbstbewusster offiziersglanz keinesfalls ausschliessen muessen. dass das natuerlich ein ganz grosser wurf war, in sowohl gestalterischer wie emanzipatorischer hinsicht, darf vollkommen ideologiefrei festgestellt werden.
    um so groesser natuerlich der triumph der ‚greatest generation‘, die ueber den atlantik mit kaugummi, cigaretten und hershey bars kam und in ihren uniformen und kampfjacken im besten sinne demokratisch und hirarchiefrei erschien. den einzigen unterschied machten ein paar sterne auf schultern und helm. hier waren alle gleich. und unter den star spangled banner alle der gleichen aufgabe verpflichtet. tshirt-moderne mit bruderschneid und jazzmusik. was fuer ein grosser, was fuer ein wunderbarer, was fuer ein einmaliger sieg.

  • PeterKempe
    12. April 2014 at 20:20

    Eine super-wichtige Ausstellung – vielleicht sollte man auch noch ergänzen, dass während des Dritten Reiches die einst kreative und produktive Berliner Konfektion und fast die gesamte deutsche Textilindustrie ausgerottet wurde; alle jüdischen Konfektionäre mussten emigrieren, wurden ermordet oder ihre Betriebe „arisiert“ – das bedeutete Enteignung und das Berliner Konfektionszentrum damit komplett vernichtet. Viele der bekannten Nachkriegsmarken gingen aus solchen Betrieben hervor und die Überlebenden oder Erben haben bis heute keine Entschädigungen erhalten. Die Einstellung, dass Mode etwas unwichtiges bzw.auch oberflächliches ist, hat sich aus dieser Zeit in Deutschland nie erholt. Eine Lücke, die bis heute ausstrahlt.

  • PeterKempe
    12. April 2014 at 20:23

    Lesetipp dazu ergänzt:

    „Berliner Konfektion und Mode“ von 1980 antiquarisch über die zvab.com erhältlich oder „Ariesierung in Hamburg“ Dölling und Galitz Verlag.

  • vk
    12. April 2014 at 20:53

    hochinteressant was du sagst, peter. und komplett sinnfaellig. hab das thema natuerlich oben leicht verfehlt, da es hier ja primaer nicht um militaerkleidung ging. die uniformisierung und tendenzielle militarisierung eher ziviler gesellschaftsbereiche war in der tat durchaus widerwaertig und laengst nicht mehr so flott anzuschauen. erinnere mich auch, dass die mutter meine vaters, eine mondaene dame, zeitlebens ihren extravaganten kleidungsstil ausschliesslich in den eigenen vier waenden pflegte, was auch dazu fuehrte, dass sie bis zu ihrem tod in den 90er jahren das grosse haus quasi nie verlies, und wenn doch einmal, dann ganzkoerperverschleiert im grauen strassenmantel.
    hochinteressant. komplett sinnfaellig, was du schreibst, peter. war mir so nicht bewusst.

  • monsieur_didier
    13. April 2014 at 13:56

    @ Peter: …das Buch habe ich auch 🙂
    absolut lesenswert…!

  • gerold brenner
    13. April 2014 at 14:18

    auch Merci für diesen interessanten Einblick – ein Thema, ausser bei Filmen dieser Zeit, wo man sich wenig Gedanken macht. und leider auch wenig Dokumentation. Schade….
    Ich werde gleich mal Ostern bei meinen Eltern durch die Familenalben graben und auch meine Eltern zu diesem Thema befragen, was ich weiss das meine Grossmütter selbst nähten, eine war ja Schneiderin, und das es Schwierig war an Stoffe zu kommen… immer wieder schön wie Horstson das denken und weiterforschen und in dem Fall auch wieder Lesen anregt.

  • Siegmar
    14. April 2014 at 11:22

    eine zum Thema “ 3.Reich “ sehr wichtige Ausstellung die auf Wanderschaft durch Deutschland gehen sollte. Es fand ja augenscheinlich auch eine zivile Uniformierung statt.