Paris Fashion Week

French Riviera – Louis Vuitton Cruise by Nicolas Ghesquière

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Bild: Louis Vuitton; Jean-Marc Cedile

Als Anfang Mai im Hof des Grimaldi Palastes in Monaco geheimnisvolle Bauarbeiten begannen, um einen futuristischen Pavillon à la Pierre Paulin aufzubauen, dort, wo normalerweise die Garde des monegassischen Fürstenhauses paradiert, fragten sich alle Einwohner, was dort wohl passieren würde. Normalerweise ist dieser Ort für irgendwelche Aktivitäten tabu, doch die Gattin des regierenden Fürsten Albert III., Charlène Lynette Grimaldi, Fürstin von Monaco, hatte selbst die Schirmherrschaft für dieses Projekt übernommen. Nicht ohne Grund, denn die Firma, die dort ihre Cruise Collection für den Sommer 2015 zeigen wollte, hat einen langen Bezug zur französischen Riviera, an der ja bekanntlich auch der kleine Staat Monaco, mit seiner immer noch operettenhaft wirkenden Hauptstadt Monte Carlo, liegt …
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Bilder: Louis Vuitton; Jean-Marc Cedile

Dem Felsen, den die Grimaldis einst als Raubritter im 12. Jahrhundert eroberten, verwandelte der Vater von Albert, Fürst Rainier, mit der Hilfe seiner zum Kult gewordenen Frau Grace Kelly und der Unterstützung von Multimilliardär Aristoteles Onassis in eine blühende Wirtschafts- und Steueroase und machte Monte Carlo zum Anziehungspunkt für Reiche und Schöne aus aller Welt. Louis Vuitton erkannte früh, dass sie mit ihrem Sortiment von Koffern und Reisegepäck aller Art dicht an ihren Kunden sein müssen, und gründete bereits Ende des 19. Jahrhunderts eine seiner ersten Filialen im nahe gelegenen Nizza, das damals vor allem bei Engländern, Amerikanern und der russischen Society en vogue war. Als in Monte Carlo der Architekt Charles Garnier nach Vorbild der Pariser Oper das spektakuläre Spielkasino baute und das Hôtel de Paris nebenan eröffnete, verlagerte die Gesellschaft kurzer Hand ihren Standort und seit nun mehr ungebrochenen 120 Jahren ist Monte einer der Welt Anziehungspunkte für Reichtum und allerlei Exzentriker jeglicher Art. Auf der Fläche von Hamburgs Außenalster ist das Angebot der Luxusmarken aus Paris schon immer größer als in mancher Millionenmetropole. Louis Vuitton war einer der Pioniere und viele der festen Koffer und Schrankkoffer, die heute auf Auktionen auftauchen, tragen auch die mythischen Aufkleber der Hotel Legenden des Fürstentums wie dem Hermitage oder eben vom Hôtel des Paris.
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Bilder: Louis Vuitton; Jean-Marc Cedile

Die Verbindung zwischen Monaco und Louis Vuitton ist voller Traditionen, der Mai die ideale Zeit, um an die Côte Azur zu Reisen und Charlène ist eine großer Fan von Nicolas Ghesquière schon bei Balenciaga gewesen. Sie trägt gerne den Stil des Designers, den er stetig aus Elementen weiterentwickelt, die er sehr früh in den ersten Kollektionen festgelegt hat und experimentiert gern mit neuartigen Materialien. So war er lange bevor es üblicher wurde, der Designer, der mit Neopren-Stoffen und Hightech-Materialien versuchte, das Prêt-à-porter nach vorne zu bringen und in der hochwertigen Mode technische Stoffe zu etablieren. Sein Blick für Futurismus war sicherlich auch eines der ausschlaggebenden Argumente, ihn zu Vuitton zu holen. Da Louis Vuitton keine Textil-DNA besitzt, ist ein Designer wie Ghesquière, der seine ureigenen Klassiker hat, ideal, um für das Haus eine zu erschaffen. Er inszeniert sich niemals und kümmert sich, sicherlich zur großen Verwunderung des Hauses Vuitton, selbst, ähnlich wie Karl Lagerfeld, um jedes Detail. Ob Ladenstandorte, Fotografen von Shootings oder auch das Seating in Modenschauen – Ghesquière gestaltet jedes Detail mit. Alte Schule mit ungeheurem innovativem Gespür, das ist sein Alleinstellungsmerkmal, das jetzt langsam aber sicher die Linien der Damenkollektionen des Hauses Vuitton aufbaut.
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Bilder: Louis Vuitton; Jean-Marc Cedile

Wer nach Marc Jacobs mit einer Revolution eines ganz neuen Stiles und kurzfristigen Sensationen rechnete, kennt Nicholas Ghesquière nicht. Das ist auch nicht die Rolle, die er spielen will und die der Kontinuität des Hauses Vuitton, immerhin seit 1854 ohne Unterbrechung am Markt, gut tun würde. Stattdessen setzt Nicolas auf genau das, was seine Kundin gern in neuen Materialien und ungewöhnlichen Optiken in ihrem Schrank hat. Der typische Ghesquière-Look sind Basics in Mid-Seventies Optik oder Outfits mit raffinierten Schnitttechniken, die dann aber doch selbstverständlich wirken, wie zum Beispiel ungewöhnliche Farbkombinationen in Messing-Rost und Sandtönen, bei Seidenjumpern in grafischer Optik, seine kurze mit Teilungsnähten versehene Lederjacke mit Spatenkragen zur ausgestellten Ghesquière Hose (eine der best-sitzenden Hosen, die über Jahre im Schnitt optimiert wurde), grafischer Strick oder simpel wirkende Organza-Blusen.
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Bilder: Louis Vuitton; Jean-Marc Cedile

Die ganze Cruise Kollektion spielt mit Layer Effekten, die mit der Ungewöhnlichkeit und den Gegensätzen von Materialien, Strukturen und Farben kokettiert. Spitzenoberteile zu „Georgette-Röckchen“, besetzt mit Schleifchen, End-Sixties Muster, wie sie zu der Zeit auch gerne von Grace Kelly getragen wurden, bei Hosenanzügen und Tops und Oberteile mit Lochstickerei, die mit Lurexfäden eingefasst sind. Vinylspitze kommt genauso vor, wie beschichtetes Neopren, das an die Sky-Materialien der Siebziger Jahre erinnert. Kragenlose Blousons und die kurzen Jacken mit Krägen aus den französischen Spielfilmen begegnen einem, wie auch der kurze durchgeknöpfte typische Wildleder Rock des Rive Gauche dieser Zeit.
Der weiße kragenlose Pelzmantel in Rillen-Optik ist ein absoluter Hingucker und ein Teil, was sicherlich sofort zum Lieblingsstück von Nicolas‘ Fangemeinde wird – genau wie die Pailletten Blazer zu Stretch-Bell Hosen, die an frühes Armani erinnern. Absolut zeitlos und der Joker in jeder Garderobe.
Zum Abschluss werfen wir noch einen Blick zu den Taschen. Hier dominieren vor allem zwei Themen: Der Klassiker Alma mit dem Reißverschluss und der halbrunden Optik in einer Art gesteppt, die an Chesterfield Sofas erinnert und die Sitze der Oldtimer aufnimmt. Eine kleine Sammler- und Sonderedition von Minaudière in Bakelit mit Pelz oder Pailletten besetzt und eine wunderbar schlichte Taschenkollektion mit einem besonderen Gadget: einem drehbaren LV Verschluss, der sich, egal ob geöffnet oder geschlossen, wie ein Rubik’s Cube immer wieder in LV verwandelt.
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Bild: Louis Vuitton; Jean-Marc Cedile

2015 findet die Frau ihre Heimat bei Vuitton, die gerne kombiniert und sich mit den Wurzeln der lässigen Trägerinnen einer emanzipierten Bewegung im Paris der Siebziger Jahre identifizieren kann. Feminität, die nicht prätentiös ist aber sehr individuell. Die „Vuitton Frauen“ sind absolute Individualistinnen und das zeigen sie auch in ihren Looks, die bewusst immer ein bisschen was von Vintage haben und die man auf Reisen gerne einpacken möchte. Aber genau das ist ja die DNA von Vuitton und knittern tun die Looks in High Tech Materialien auch nicht.
Sehr individuell und sehr ‚Ghesquière‘ finden wir die Cruise Kollektion 2015 von Louis Vuitton, die ab November nicht nur im Store in Monte Carlo, sondern in allen Vuitton Boutiquen weltweit zu entdecken ist …

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  • Siegmar
    25. Juli 2014 at 12:34

    schöner Artikel und auf den 1. Blick sehr gut und genau die Farbkombinationen gefallen mir besonders.

  • monsieur_didier
    25. Juli 2014 at 13:05

    …ich muss gestehen (und das ist nichts neues, ich erwähnte es bereits) ich kann mit Nicholas Ghesquière nicht wirklich etwas anfangen…
    das war schon bei Balenciaga so…

    aber vielleicht ist mein Blick für seine Handschrift schlicht und ergreifend getrübt, weil er für mich so gar nicht „Balenciaga“ war…
    dieser war für mich ein wahrer Gott, Schnittkunst und Verarbeitung waren das beste und bewegenste, was ich jemals im Couture Bereich gesehen habe…
    wahre Juwelen…

    alles, was nach ihm kam reicht nicht mal ansatzweise an ihn heran…

    ihr merkt schon, mein Blick ist getrübt und ich bin ungerecht…

  • Siegmar
    25. Juli 2014 at 15:25

    @ Monsieur_didier

    ich mag die Entwürfe von Nicolas Ghesquière auch für Balenciaga, in einem gebe ich dir Recht an den Großmeister der Schnittkunst und Verarbeitung und atemberaubenden Entwürfe reicht keiner ran. Schöne WE 🙂

  • Horst
    26. Juli 2014 at 12:25

    Aus jedem Dorf ein Hund, aber jeweils der schönste! 🙂
    @Siegmar Dir auch ein schönes WE!

  • Shout-Outs: Der Blick in andere Blogs | Fashion Insider Magazin
    26. Juli 2014 at 14:20

    […] but not least stellt uns „Horstson“ die aktuelle Cruise Collection von Louis Vuitton näher vor, die natürlich aus […]

  • Die Woche auf Horstson | Horstson
    27. Juli 2014 at 12:44

    […] nach Monaco und hat bewiesen, dass er dem Label eine DNA verschaffen kann. Die Rezension gibt es hier zu lesen. 3) Endlich kommt mal wieder ein Film über Yves Saint Laurent ins Kino. Den ersten […]