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Ein Museum der Extraklasse – Cristóbal Balenciaga in Spanien

Heute ist Balenciaga eine Modemarke in Paris, die von Nicolas Ghesquiere entworfen wird und einen seit 2000 avantgardistischen und sehr chicen Ruf hat. Die Wurzeln dieses Hauses, das 1968 offiziell von seinem Schöpfer Cristóbal Balenciaga mit dem Ausspruch „Ich ziehe mich zurück weil die Eleganz der Frauen in der heutigen Welt keine Bedeutung mehr hat“ geschlossen wurde, war einmal eines der eigenwilligsten und einflussreichsten Couture Häuser der Welt.
Balenciaga machte keine Kollektionen die immer etwas neues boten, sondern er war sozusagen wie ein Architekt in der Mode: Er hatte seinen Stil, der auf die Einflüsse seiner baskischen Heimat fußte und den großen spanischen Malern wie Goya und Velasquez verhaftet war. Er perfektionierte von Saison zu Saison seinen Stil und seine Schnitte sind bis heute unnachahmlich.

Bei seinen Kollektionen waren nur die Kundinnen anwesend, die Presse hatte drei Monate nach der Vorführung erst das Recht, Bilder bzw. Photos zu veröffentlichen, wenn die Orders seines sehr geschlossenen Kundenkreises bearbeitet waren. Neue Kundinnen wurden nur im Einzelfall aufgenommen und zu seinem erlauchten Kreis gehörten Diana Vreeland, Mona Bismarck, Gloria Guiness und die Vicomtesse de Ribes.
Seine Models waren nicht die hübschesten von Paris, sondern sahen aus das sich die Kundinnen mit Ihnen identifizieren konnten. Das Haus in der 10, Avenue George V. glich eher einem strengen spanischen Konvent als einem flirrigen Modehaus.
Chanel sagte einmal das Balenciaga der einzige wirkliche Couturier sei und man munkelte, daß er ein Kleid in jeder Kollektion noch höchstselbst schneiderte. Disziplin, Formvollendung und die kostbarsten bestickten Stoffe und Brokate wurden für ihn extra gewebt. Balenciaga konnte Mäntel machen,indem er überbreite Stoffe weben ließ, die nur eine Naht hatten.

Seine Kleider glichen eher Kunstwerken als Bekleidung. Als er sein Haus schloss, führte er die meisten Kundinnen an der Hand über die Strasse zu Givenchy –  dem einzigen Designer den er anerkannte und vertraute.
Ein Haus von der Güte, der Perfektion und der Wualität ist heute in der Mode nicht mehr existent und wäre heute wahrscheinlich unwirtschaftlich. Aber so etwas hat ja auch mit Stil zu tun und nicht mit Kommerz.

Nun hat in Guteria, nahe San Sebastian, in Spanien, an der baskischen Küste, in dem Ort in dem Balenciaga 1895 geboren wurde, eines der schönsten und klarsten Modemuseen aufgemacht, die existieren. Das Haus ist ganz dem Werk des Meisters gewidmet und stellt nicht nur Kleider aus, sondern beleuchtet auch die Inspirationen und zeigt dank moderner Technik und Animationen auch zum Beispiel die Schnitte, die sich virtuell dann zu den Modellen zusammenfügen wie kompliziert Balenciaga gearbeitet hat.

Diana Vreeland widmete schon ihre erste Modeausstellung 1973 im Metropolitain Museum in New York ihrem Gott, wie sie sagte. Balenciaga ist nie einem Trend gefolgt oder hat sich auf fahrende Züge begeben. Seine Linie war stets eigensinnig und total der Frau und ihrer Silhouette gewidmet. Es gab so gut wie keine Accessoires bei ihm außer speziell auf das Modell abgestimmte Hüte oder Schmuckstücke.

Das Museum erscheint durch seinen klaren Bau und seine Weiträumigkeit ähnlich wie die Creationen des Meisters zeitlos und beleuchtet auf eindrucksvolle Weise das Schaffen eines Mannes, der vielleicht mehr für die Mode getan hat als man vermutet.
Er hatte Stil und war ein Meister seines Faches, der Ikonenhaft bis heute über seinen fast unbegreiflichen skulpturalen Kleidern steht. Seine Kundinnen flüsterten ebenso wie seine Mitarbeiter in seiner Gegenwart. Ein Mythos der starken Einfluss auf viele Modeschöpfer bis heute hat.
Das Museum hat viele internationale Preise für den schönsten Museumsbau bekommen und ist unbedingt sehenswert –  auch wenn es nicht gerade im Zentrum Spaniens liegt.
Der nächste Flugplatz ist Bilbao. Aber wenn man einmal das Licht an der Küste des Baskenlandes gesehen hat dann versteht man die Farben Balenciagas, dass Tête de nègre, das Magenta oder das Rot der Kinderhauben auf Renaissance Gemälden – Er war eine Ausnahmeerscheinung und ist deswegen auch doppelt Wert mit einem eigenen Museum geehrt zu werden.

Bilder: Balenciaga Musuem, Chairs via

  • Karin
    27. September 2011 at 09:35

    Oh Peter, ganz wundervolle Mode!

  • siegmarberlin
    27. September 2011 at 11:35

    toller Bericht und irgendwie witzig, daß du jetzt einen Artikel über Balenciaga schreibst, da ich mir gerade einen Bildband über ihn gekauft habe. Das Museum ist sicherlich ganz wunderbar und wenn man nach Bilbao fliegt, hat man ja die Chance sich gleich noch das imposante Guggenheim-Museum v. Gehry anzusehen.

  • Daisydora
    27. September 2011 at 11:42

    Mir dir ist das so wunderbar, als könnte man Mode und ihre Historie leben und alles nochmals miterleben … ein toller Bericht und ich fliege definitiv hin, danke Peter 🙂

  • peter kempe
    27. September 2011 at 11:46

    @siegmarberlin
    balenciaga war schon imemr mein gott und das buch was du dir gekauft hast ist ebstimmt das tolle das es schon mal vom skira verlag gab.er ist eigentlich egnau das gegenteil von dem was modekonzerne heute sind und machen uns beschämt wenn wir das heute sehen.seine konsequenz und disziplin haben mir immer als vorbild gedient

  • blomquist
    27. September 2011 at 13:09

    Auf nach Guteria!
    Das Museum will ich sehen!

  • siegmarberlin
    27. September 2011 at 14:28

    @ peter Kempe

    genau das ist es mit dem s/w. Poträt auf dem Umschlag, ganz wunderbar