Paris Fashion Week

Dior Homme Spring-Summer 2015: Kris‘ Artificial Menswear

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Bild: Dior Homme; PR

Die Verbindung von Mode und Kunst wird immer populärer und schwappt jetzt auch zu den Designerlabels für rüber. Ein Trend, der Anfang des Jahrtausends durch Kooperationen wie Marc Jacobs für Louis Vuitton mit Stephen Sprouse und Takashi Murakami begründet wurde und durch den die Kunst jetzt ihren festen Platz in der Mode bekommen hat.
Während in den Neunziger Jahren Designer wie Helmut Lang oder Hussein Chalayan eine starke Verbindung von Kunst und Mode suchten (vielleicht auch, weil sie weniger vergänglich ist) gehört heute zu jedem Luxuskonzern meist eine eigene Kunststiftung. Miuccia Prada unterhält die Fondazione Prada, Louis Vuitton hat weltweit eigene Espaces Culturel eröffnet und die Fondation Cartier feiert bereits ihr 30. Jubiläum. Förderung von Künstlern und der Aufbau von eigenen Kunstsammlungen sind der positive Nebeneffekt des Milliardengeschäftes …
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Bilder: Dior Homme; PR

Warhol und Co. sind heute bereits auf jedem T-Shirt zu sehen. Keith Harings Popularität wurde hunderttausendfach durch Sweatshirts und T-Shirts verfestigt. Klar, dass sich Luxuslabels eher avantgardistischen oder exklusiv verpflichteten Künstlern widmen – schließlich kommt es dann zu einer positiven Wechselwirkung für Künstler und Designer.
Ungewöhnlicher als im Damenbereich ist allerdings das Auftauchen von „Art Kollektionen“ in der klassischen Menswear. Kris Van Assche hat jetzt für Dior Homme eine reizvolle Kollektion für das kommende Frühjahr 2015 in Paris vorgestellt, die die Handschrift von Dior Homme mit den Einflüssen der Kunst spannungsreich verbindet, ohne untragbar zu sein.
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Bilder: Dior Homme; PR

Kris Van Assche zeigt bequem geschnittene Anzüge mit raffinierten Details und auf zwei Knöpfen geschlossene Zweireiher, die ein wenig an die lässigen kalifornischen Anzüge der Fünfziger Jahre erinnern. Knebelknöpfe und gut ausgearbeitet Details, sowie eine neue Linienführung bei Sakkos und Anzügen lassen die Silhouette schmal und doch bequem erscheinen. Die Bundfaltenhosen und Shorts sind ganz weit vorn und es kommt einem sofort der „Easy Chic“ der Vierziger in den Sinn.
Zu den wässrigen grau und bleu Tönen setzt er neu als Akzent Colourblocking Streifen bei über den Hemden getragenen Jersey Pullundern und Pullovern ein. Teilweise wie Tank Tops geschnitten, sind sie eine reizvolle Novität bei Dior Homme. Das Sweatshirt schrumpft bei Van Assche zu einer Art Cache Coeur zusammen und wirkt, als wenn man sein Lieblings-Sweatshirt aus der Schulzeit einfach behalten hat.
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Bilder: Dior Homme; PR

Kris arbeitet mit totalen Klassikern wie Collegejacke oder Mariniere Pullover aber spielt mit klein-groß Varianten, was der Kollektion eine absolute Modernität verleiht. Ringel-Shirts und -Pullover wirken durch ihre Kombinationen von Rot, Weiß und Schwarz oder Gelb und Schwarz in breiten Streifen wie starke Signale eines neuen Männerbildes.
Die Hemden mit weichen ungesteppten Krägen à la Jil Sander, pur bis oben hin zugeknöpft, wirken ein wenig wie die Leinwand des Künstlers, auf denen die Looks aufgebaut sind. Sgraffito Allovers überziehen wie ein Gedicht die Looks und an Jackson Pollock und Jasper Johns erinnernde Artworks bilden immer wieder den wirkungsvollen Kontrapunkt, der irgendwie nicht dominant oder aufgesetzt wirkt, sondern sich den Looks anpasst.
Jeans und Hosen gehen neue Wege weg von Skinny und Co. und bringen die Formen der 90iger zurück. Dazu ein neuer Dior Sneakers Typ mit Klettverschlüssen, der sich sicherlich sofort zu einem der Bestseller entwickeln wird. Viel Weiss, Blau und Grau akzentuiert mit Rot, Gelb und Schwarz geben der Kollektion etwas Optimistisches und lässt sie offensiv wirken, ohne bunt oder gar schrill zu sein.
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Bilder: Dior Homme; PR

Der neue Dior Mann gibt ein modisches Statement ab, das sich zur Kunst aber auch zur absoluten Tragbarkeit bekennt. Jedes Einzelteil passt perfekt in den Alltag und bildet für sich gesehen häufig ein Basic oder ist zu vielerlei vorhandenem kombinierbar. Der Avantgardismus findet in der Einstellung und im Kopf statt und nicht auf dem Körper, ohne beliebig zu sein. Ein Spagat, den Kris Van Assche fabelhaft hinbekommt und für Dior Homme eine sehr eigenständige und selbstbewusste Kollektion zeigt. Lässig, aber sehr gepflegt und mit Könnerschaft … eben Menswear mit anspruchsvollem Twist versehen – Kris Van Assche kann es!
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Bild: Dior Homme; PR

Ich freue mich auf einen „Artificial Summer“ mit der Dior Homme Kollektion.

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  • Manfred
    16. Juli 2014 at 10:30

    Ich verstehe die Länge des Pullovers nicht. Ohne Hemd wäre es bauchfrei. Ansonsten sehr schön

  • blomquist
    16. Juli 2014 at 10:53

    Super!

  • Siegmar
    16. Juli 2014 at 11:46

    schöne Kollektion und ich gebe Manfred recht, die Länge der Pullover geht überhaupt nicht, hoffentlich nur ein Gag für die Show.

  • Horst
    16. Juli 2014 at 17:55

    Super, ich liebe liebe liebe die Shirts und die Tasche!! 🙂

  • monsieur_didier
    16. Juli 2014 at 18:52

    …sehr farbintensiv…
    wird bestimmt ein Verkaufserfolg…

    ansonsten erinnern mich viele der Muster an New Wave Varianten…
    alles kommt irgendwann wieder 😉

  • Junikäfer
    16. Juli 2014 at 20:17

    …nur die Schuhe kommen vom Orthopädietechniker…

  • Horst
    17. Juli 2014 at 09:38

    @Junikäfer wenn man sich den Klettverschluss wegdenkt sind die doch super! 😉