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Die Flügel wurden gestutzt

Victoria’s Secret Store in Orlando, Florida; Foto: Miosotis Jade; Lizenz: CC BY-SA 4.0

Es ist noch gar nicht so lange her, dass sich eine der Personen, die für Victoria’s Secret am Showkonzept und dem Model-Cast arbeiteten, ggü. der New York Times äußerte, wie sie – äußerst uncharmant – über die damalige Newcomerin Kate Upton denkt: „Wir würden Upton nie für eine Victoria’s-Secret-Show buchen.“ Mehr noch: Upton sei für diese Show nicht gut genug. „Ihr Look ist zu durchschaubar. Sie ist wie ein Seite-3-Mädchen … wie die Frau eines Fußballers, mit den viel zu blonden Haaren und der Art Gesicht, wie es sich jeder mit genug Geld kaufen kann.“
Diese Nachricht von 2012 beschreibt recht gut, warum es irgendwann mit dem Unterwäschelabel nicht mehr so rund lief. Schon seit längerer Zeit hat Victoria’s Secret mit Imageproblemen zu kämpfen – zuletzt durch den Skandal um Jeffrey Epstein. Der Sexualstraftäter soll im Kontakt zu Les Wexner, dem CEO, Gründer und Vorstandsvorsitzenden von Victoria’s Secret Mutterkonzern „L Brands“, gestanden haben.

Überhaupt war vom Glanz des US-Dessouslabels nicht mehr viel übrig – da konnte auch der „Fantasy Bra“, ein juwelenbesetzter BH, der alljährlich den Höhepunkt der jährlichen „Victoria’s Secret Fashion Show“ markierte, nichts mehr retten. Da passt dann auch die neueste Nachricht gut ins Bild: Vergangene Woche sagte der Konzern die „Victoria’s Secret Fashion Show“ – also die Modenschau, bei der alljährlich in der Vorweihnachtszeit die Models mit Flügeln auf dem Rücken über den Laufsteg schritten – ab.

Über die Gründe für die Absage und über die Frage, ob die Schau in den kommenden Jahren stattfindet, kann man nur spekulieren, wenngleich ein flüchtiger Blick auf vergangene Jahre reicht: Das in der „Victoria’s Secret Fashion Show“ gezeigte Frauenbild ist in die Jahre gekommen und gilt in Zeichen von Diversität und wandelnder Gesellschaft als unmodern – da nützt es auch nichts, dass 2018 Winnie Harlow ihr Debüt auf dem Victoria’s-Secret-Laufsteg gab.

Ganz unerwartet kommt das Aus für die „Victoria’s Secret Fashion Show“ allerdings nicht: Schon im April 2019 gab es laut der „New York Times“ eine Bekanntmachung an die Mitarbeiter der Marke, in der verlautet wurde, die Schau nicht mehr im TV zeigen zu wollen: „Wir glauben nicht, dass das Fernsehen die richtige Lösung für die Zukunft ist.“
Da möchte ich ein Veto einlegen: Das Fernsehen wird auch weiterhin die richtige Lösung sein. Allerdings müsste Victoria’s Secret an den richtigen Stellschrauben drehen – neben mangelnder Diversität, einer „Sex Sells“-Vermarktung und dem Verschlafen des „Athleisure“-Trends scheint es lt. Spiegel auch zu Problemen in der Kundenzufriedenheit gekommen sein.

Zwar wurden die Flügel von Victoria’s Secret gestutzt, doch das Ende des Dessouslabels wird dieser Schritt mit Sicherheit nicht bedeuten. Wieso auch? Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Marke früher oder später wie ein Phönix aus der Asche steigen wird – dann allerdings mit einer ganz anderen Marketingstrategie. Die Kunden scheinen in Zeiten von boomenden Onlinehandel schnell zu verzeihen.
Ob sich Kate Upton bis dahin allerdings versöhnlich zeigt, bleibt abzuwarten. Im August äußerte sie sich im TV kritisch bzgl. Victoria’s Secret: „Wir haben es satt, immer den gleichen Körpertyp zu sehen.“

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