Es gibt Dinge, die passieren einfach und man hatte vorher nicht die leiseste Ahnung davon, dass es so bedeutend werden könnte und so schön dazu.
Eine solche Überraschung erlebte man auf der Fashion Week in Berlin. Das Defilee des Designers Dawid Tomaszewski, der seine Prêt-à-Porter Kollektion für das Frühjahr Sommer 2013 zeigte, könnte man nicht nur als das Ereignis und Highlight bezeichnen, sondern auch als ein internationales Fashion-Trafalgar.
peterkempe
Wenn das Haus Chanel auf seiner Einladung zur Haute Couture Schau für den Herbst und Winter 2012 letzte Woche das Motto der Kollektion ‚New Vintage‘ angibt, denkt man sofort, dass Karl Lagerfeld einige sensationelle Modelle der letzten dreißig Jahre in veränderter Form wie eine Bestenliste des Hauses defilieren lässt – Es gäbe ja mehr als genug Stoff dafür.
Aber weit gefehlt und Herr Lagerfeld wäre nicht er selbst, wenn er nicht eine total eigenständige und völlig andere Philosophie daraus entwickeln würde.
Christian Dior Haute Couture Winter 2012 – Die Zukunft der Couture hat begonnen
Posted on 4. Juli 2012Zeitenwende im Hause von Christian Dior. Gestern wurde endlich die neue Herbst Winter Haute Couture Kollektion von Raf Simons gezeigt. Ähnlich ungeduldig erwartet wie damals, als Gianfranco Ferré Marc Bohan ablöste und die Premieren-Kollektion von John Galliano erschien, brodelte die Gerüchteküche kräftig im Vorfeld. Simons, ein begnadeter Prêt-à-Porter Designer, der für seinen Modernismus bekannt ist, scheute die Feuerprobe nicht, sich einer dreifachen Problematik auszusetzen: zum Einen sich an das ungeheuer anspruchsvolle Metier des Handwerks der Couture zu wagen, einem Klientel zu stellen, das sich, wenn es mehrere zehntausend Euro für ein Kleid oder Kostüm ausgibt, eher opulent und auf den ersten Blick erkennbar „couturig“ kleiden will und an ein Haus zu wagen, dessen Couture immer noch von den Grundelementen des 1957 gestorbenen Genies Christian Dior zehrt und deren Symboliken unverkennbar den Stil des Hauses symbolisieren.
Jean Paul Gaultier Spring/Summer 2013 – A Passage to India
Posted on 3. Juli 2012Altmeister Jean Paul Gaultier lädt für das kommende Frühjahr 2013 zu einer lässigen Reise nach Indien ein. Auf seiner Fashion-Show, die vor wenigen Tagen in Paris stattfand, dominierten Turbanträger mit gewürzfarbenem Dekor. Aber Gaultier wäre nicht Gaultier, gäbe es da nicht einen kleinen Haken. Seine Kollektion kombiniert ganz frech zu den indischen Kopfbedeckungen alles andere als indische Kleidung. Eher waren Gaultiers Inder in Europa zum Studium und tragen noch immer den globalisierten Look. Und so kombiniert Gaultier seine Klassiker wie die Biker-Jacke, die gibt es für den kommenden Sommer jetzt auch als Mantel, mit seinen berühmten Streifenhosen und den geringelten Pullis im St.James Marine-Stil.
Parka in ganz modernen Toile-de-Jouy Optiken werden zu monochromen Hemden und Hosen kombiniert. Die Farben Rot und Schwarz treten gegen Marineblau an. Dazu gesellen sich weitere alte Bekannte aus Gaultiers Kollektionen der letzten 25 Jahre: die Keypieces wie Hosenrock, Trenchcoat, Halbarmsakko und Bänderweste.
Diese Kollektion startet keine Mode-Revolution, ist aber in den Einzelteilen äußerst kommerziell und sehr tragbar, die Farben sind ganz besonders gelungen. Die blaustichigen Rottöne sind ein absoluter Traum. Häkel-Pullover und mit Spitzen versehene Hemden runden das typische Gaultier-Bild ab. Hemden mit geknöpften Passen und Ras de Cou-Krägen erinnern an die urtypischen französischen Uniformen des 19.Jahrhunderts. Besonders gut gefallen mir die Anzüge mit den Pünktchen und auch die Oberteile haben es mir angetan und sind gekonnt gemacht. Außerdem kann man bei Gaultier auch immer wieder Dinge finden die man zu jedem anderen Teil aus den Vorsaisons kombinieren kann.
Das Outfit mit dem roten Trenchcoat, dem rot-schwarzen Pulli und der marineblauen Hose ist mein absolutes Highlight. Ich bin gespannt welcher Look Euer Favorit ist.
Jean Paul Gaultier hat für mich einen Status erreicht – er darf seinen Stil einfach nur noch perfektionieren. Eine ruhige, durchaus ausgewogene Kollektion die unaufgeregt daher kommt und keine billige Effekthascherei benötigt. Er hat sich ja früher gründlich ausgelebt und braucht heute niemandem mehr etwas zu beweisen.
Heute ist es wieder soweit – es ist Haute Couture Woche in Paris und Karl Lagerfeld stellt wie seit fast genau dreißig Jahren (am 5.Februar 1983 stellte er seine erste Chanel Kollektion vor) die Couture Kollektion für Herbst-Winter vor. Unter dem verheißungsvollen Titel New Vintage wird im Grand Palais das Defilee stattfinden und wir werden ausführlich darüber berichten.
Alles was dort gezeigt wird, entsteht nur einige hundert Meter davon, im Zentrum von Paris, in der Rue Cambon Nummer 31. Chanel hält es seit 1919 vom Keller bis zum Dach besetzt und hat Ende der zwanziger Jahre die Nummer 29 noch dazugenommen. Eigentlich gar nicht so groß, denkt man wenn man davor steht, immerhin eine der größten in Privathand befindlichen Modehäuser beherbergend, schlängelt sich das Haus in unendlichen Tiefen über mehrere Höfe bis zur Rue Duphot. Hier schlägt seit fast einem Jahrhundert das Herz der weiblichen Mode und seiner unzähligen Helfer.
Die Rue Cambon ist wie ein Bienenstock und im Erdgeschoss ist heute fast alles Boutique um die Angebote des Prêt-à-Porter, der Accessoires und die Welt der Chanel Kosmetik zu präsentieren. Früher war das Haus ein richtiges Hôtel Particulier, wie man es auf dem Foto des berühmten Pariser Chronisten Eugène Atget um 1890 sieht. Das große Tor, seit den zwanziger Jahren der Aufgang zu den Couture Salons, dem Apartment von Mademoiselle und den Ateliers und Werkstätten, war früher die Durchfahrt für die Kaleschen und Kutschen und dort, wo sich heute ein Großteil der Boutique befindet, standen in Remisen die Wagen und die Pferde.
Lässt man das Raunen und das Summen der Verkaufsräume, die am Abend nach einem Gemisch aus den Parfums und Tuberosen duften, steigt man die Treppe in den ersten Stock hinauf, in der vor zehn Jahren der große Vorführsalon umgestaltet wurde.
Seit Mitte der achtziger Jahre ist der Andrang der Modenschauen zu groß geworden, um ihn im eigenen Haus zu zeigen. Früher, als es nur Couture gab und die Welt noch nicht so globalisiert war, saßen bei der Premiere auf Thonet Stühlen die Damen und Herren der Presse und die Kundinnen. Dichtgedrängt auf den Treppen und jedem Winkel die Lieferanten, dass Personal und die Zulieferer. Mittlerweile hat man die gesamte Couture Ebene in bequeme, Zimmer-große Kabinen umgewandelt und lichte Anprobensalons geschaffen. Peter Marino hat mit Möbeln von Christian Liaigre und Baccarat Lüstern ein helle, einladende Atmosphäre geschaffen. Wenn keine Kunden-Termine gemacht sind, werden hier auch Defilees vorbereitet oder auch die eigene Modenschau für die Mitarbeiter und Direktricen finden hier unmittelbar nach den großen Spektakeln im Grand Palais oder Pavillon Cambon statt.
Schon auf dieser Etage gibt es ein unendliches Labyrinth, hinter den repräsentativen Räumen und Büros über Büros von Presseabteilungen und den einzelnen Departements schließen sich an. Steigt man die legendäre Spiegeltreppe weiter hoch, gelangt man vor die Tür die das Allerheiligste von Chanel verbirgt – das Appartement von Mademoiselle Chanel (Horstson berichtete).
Alle bis heute gültigen Metaphern und Zeichen, die den Chanel Stil ausmachen, sprechen aus diesen Räumen und würde man ein Haus wie einen Körper aufteilen, wäre dies sicherlich die Seele.
Vorbei am Appartement, ein paar Stufen weiter hinauf gestiegen, kommt die letzte Etage, die genauso großzügig wie die unteren ist. Hier wird in den Studios Chanel die gesamte Konzeption der mittlerweile acht Kollektionen des Hauses, nebst den vielen Linien von Accessoires, Schuhen und Taschen, geschaffen. Hier sitzen die Mitglieder des Studio-Teams und koordinieren von der Zeichnung, über die Anproben bis zu den Zulieferern alles bis Baustein für Baustein aus einer Grund-Idee von Karl Lagerfeld ein kompletter Look und schließlich eine ganze Kollektion wird.
Während der Entstehung der neuen Linie werden auch alle Accessoires gesammelt, um schließlich, wenige Tage vor der Schau, wie aus einem Füllhorn heraus den einzelnen Durchgängen und Outfits zugeordnet zu werden. Die große Accesoirisation findet dann auch hier seinen Abschluss, bevor alles in den Keller geschickt wird um dann von den Chauffeuren und Expedienten verladen zu werden.
Über der dritten Etage geht es dann wesentlich ältere, schmalere und „verwinkeltere“ Treppen hinauf, die zunächst zu den Ateliers Flou (Kleider, Abendkleider und alles was aus fließenden Stoffen ist) und Tailleur (Kostüme, Mäntel) führen. Darüber dann verzweigte Stiegen, die zu den Dach-Ateliers führen, wo viele Schneiderinnen und ihre Gehilfen Schnitte erstellen, Stoffe zuschneiden und für die Couture auch noch Arbeitsplätze für die zusätzlichen Handwerker sind, die zu Stosszeiten (eine Couture Kollektion wird in wenigen Wochen erstellt) als freie Mitarbeiter zu Chanel in die Ateliers kommen.
Überall im Haus spürt man den Stolz und die Würde, die dieses Metier ausstrahlt und Chanel ist eigentlich von seiner Aufteilung wie der Prototyp eines klassischen Modehauses. Abseits von Medienrummel und der Weltbekanntheit der Marke schlägt sein Herz immer noch trotz einiger Umbauten so wie in Vorkriegszeit, wo die Kundinnen, die aus Amerika kamen, teilweise bis zu drei Wochen im gegenüberliegenden Ritz wohnten, um alle Anproben zu machen.
Obwohl Chanel es gut beherrscht, besonders in den von Peter Marino ausgestatteten Boutiquen einen großen Teil des Spirits der Rue Cambon zu transportieren, gibt es keinen Ort der so ‚Chanel‘ ist, wie dieses Haus. Es ist das Haus in der Mitte der Rue Cambon, wo man meinen könnte, dass die Eleganz, der Witz und der Esprit der Mode geboren sein könnten und der den Geist atmet, der einen immer wieder aufs Neue fasziniert. Für mich ist das Haus in der Mitte der Strasse ein verzauberter Ort, den ich seit dreißig Jahren immer wieder gern besuche und die Inspiration die er verströmt ist unendlich. Wenn ich vor der Tür stehe, gehen dutzende faszinierende Kollektionen vor meinen Augen ab. Vielleicht liegt das Geheimnis des Erfolgs auch ein bisschen an der Adresse und dem Haus in der Mitte der Rue Cambon. Mal sehen was als nächstes kommt…

Arny’s – Rue de Sèvres – Paris.com
Wie ich soeben erfuhr, wurde eines meiner Lieblings-Geschäfte, der Herrenausstatter Arny’s an der Rue de Sèvres, vom französischen Modemagnaten Bernard Arnault aufgekauft.
Arny’s wurde Mitte der dreißiger Jahre gegründet und das Geschäft ist echt eine Sehenswürdigkeit. Es ist komplett mit Vertäfelungen im Louis XV. Stil ausgeschlagen und in den Farben Grau und Weiß gehalten. Die obere Etage ist mit kostbaren Noyer-Holz ausgestattet.
Als Marcel Boussac 1946 beschloss, dass er mit dem jungen Christian Dior zusammen ein Modehaus begründen wollte, gingen die beiden in die Rue de Sèvres und nahmen sich Arny’s als Vorbild für den Stil, der das Haus von Christian Dior bis heute prägt.
Wir von Horstson beschäftigen uns ja gern mit schönen Dingen jeglicher Art, wie Mode, Interieur, Musik etc. Heute wollen wir uns mal der Küchen-Couture widmen, denn in Zeiten des Erschlagen-werden mit Starköchen, Kochsendungen, Rezeptbücher-Fluten und der inflationären Verteilung von Sternen in der Gastronomie, ist es meistens ganz gut, wenn man sich mal die Dinge anschaut, die immer schon gut waren und, mit Verlaub, unschlagbar bleiben – Vergleichbar auch mit der Mode beim Essen: je mehr Hype und Angebot es gibt, je mehr Varianten werden angeboten, bis sich die meisten Leute eher von Fertig-Gerichten oder Convenience Food ernähren. Manchmal ersetzt das Konsumieren von Medien rundherum um das Kochen, dann scheinbar das Handwerk und den Genuss. Kreativität hin oder her – es gibt so Adressen, die „old school“ und einfach unschlagbar sind und so einen Klassiker stellen wir euch heute vor.
Aus der Palette der Accessoires von Hermès für den nächsten Herbst fällt es mir diesmal besonders schwer, euch die Highlights vorzustellen, weil es so viele hübsche Sachen gibt. Dabei möchte ich mich auf die eher ausgefallenen, nicht so häufig gezeigten Teile beschränken, die mir besonders gut gefallen. Wie immer raffiniert und doch so klar von der Linie, gibt es für die verschiedensten Anlässe, mal praktisch – mal verspielt, einige neue Taschen, die weit weg von den Klassikern Kelly und Birkin sind und eine ganz eigene Sprache sprechen.
Anfang der 80er Jahre vollzog sich ein großer Wandel in der Welt des Pariser Prêt-à-Porter. Bei den Schauen im Cour Carrée des Louvre zeigten 14 japanische Modeschöpfer, die ihre Ateliers und Firmensitze in der französischen Hauptstadt hatten.
Japan war nicht nur der aufstrebendste Markt für Mode und Accessoires europäischer Herkunft, sondern förderte auch seine Talente, indem sie zum Beispiel eine der besten Modeschulen der Welt hatten: das Bunka Institute of Fashion.
Überhaupt brachten die Japaner einen neuen Stil und eine andere Auffassung von Kleidung mit nach Europa, die sie dann aber teilweise geschickt mit der europäischen Kultur vereinten. Zu den vom Stil eigenständigsten zählten Rei Kawakubo, die ihrer Firma den französischen Namen ‚Comme des Garçons‘ gab, völlig neue Elemente, Materialien, skulpturale Silhouetten und mehr Kunstwerke kreierte Issey Miyake aus Hiroshima. Hiroko Koshino, Yohji Yamamoto, Matsuda um nur einige zu nennen, starteten und wagten den Sprung sich in Paris zu etablieren.
Why don’t you buy? – Diana Vreeland Legacy Collection von Atelier Swarovski
Posted on 20. Juni 2012
Diana Vreeland; Bild via
„Die einzig wahre Eleganz besteht im Verstand. Wenn Du ihn hast, kommt der Rest von ganz allein,“ sagte einmal Diana Vreeland – Fashion Legende und Chefredakteurin von Harper’s Bazaar und Vogue. Sie hatte allerdings mehr als
das und ihre Exentrik und ihre Akribie trieben ganze Generationen von Moderedakteurinnen, Photographen und Models in den Wahnsinn.
Als im Oktober 1987 bei Sotheby’s in New York aus ihrem Nachlass der Modeschmuck versteigert wurde, Liebesgaben von Saint Laurent, Coco Chanel, Cristóbal Balenciaga war allein schon der Katalog ein absolute Objekt der Begierde. Neben den weltberühmten Malteser-Kreuz Armreifen von Fulco di Verdura,sie hatte sie selbst von Coco bekommen, waren aber auch Jungdesigner wie Billy Boy oder Avantgarde Designer wie Mary Mc Fadden vertreten. Die Ergebnisse der Auktion übertrafen alle Erwartungen und Vreelands berühmten Schlangen-Glieder-Gürtel ging für ein Vielfaches seines angesetzten Wertes weg.
Ihre Stilmaximen sind Legende und keiner verkörperte Eleganz so wie sie. Ihren Modeschmuck, meistens von Kenny Lane, hatte sie immer in ihren Schubladen und kombinierte ihn über Jahrzehnte in immer sich verändernden Varianten






