Im September ist alljährlich eine der größten Modeereignisse in Paris: die Vogue Fashion Night. 25.000 super gestylte und gekleidete Leute versammeln sich auf der Avenue Montaigne um mit Einladungskarten für zwei Personen bei Dior, Chanel, Nina Ricci, Valentino oder Diane von Fürstenberg bei Buffets und Cocktails und irrer Musik die neue Saison zu feiern. Vom Modeschüler im Kajagoogoo-Look bis zur gesetzten Couture-Kundin von jung bis alt ist alles vertreten. Auch die Designer wie Karl Lagerfeld, Galliano oder Mathew Williamson mischen sich unters Volk und man ist eine große Modefamilie. Der Andrang ist ungeheuer groß, und wenn man nicht um sechs da ist hat man das Nachsehen: Um acht ist noch nicht mal mehr auf die Seite des Bürgersteiges von Dior zu kommen, und die Leute stehen in Sechser-Schlangen 100 Meter Weise an. Es kommt nur noch jemand rein, wenn andere Gäste die Party verlassen.
peterkempe
Ohne Frage ist Jeanskauf immer so eine Sache, man experimentiert lange rum, wird immer wieder verführt von den Marken, oder kommt immer wieder auf die gute alte Levi’s 501 zurück. Aber eine Jeans die sitzt, chic ist und einen anständigen Preis hat, habe ich lange nicht gefunden.
Anfang 2000, als Hedi Slimane bei Dior die Männermode revolutionierte und auf ganz wenige Signature-Peices runterbrach, wie schmaler schwarzer Anzug,weißes
Hemd, schmale schwarze Krawatte und der Slimjeans war ich begeistert: genau meine Linie. Der Look setzte sich durch, wurde zum Klassiker und wird es noch ’ne Weile bleiben (The Kooples – Horstson berichtete – lebt davon). In Paris begann ein Massentrend und die Diorboutique in der Avenue Montaigne wurde gestürmt. Allerdings ein Wehrmutstropfen war und ist, daß die Jeans beispielsweise gerne mal 350€ kosten und die richtig coolen französischen Jungs sie sich nicht leisten konnten. Das ärgerte Brice Partouche in dem wunderschönen Städtchen Grenoble im Süden Frankreichs. Die hippe Studentenstadt, die im allgemeinen bekannt ist für ihre super guten Walnüsse und in der die Moncler Jacke erfunden wurde. Er war eher in der Rock ’n‘ Roller Szene zu Hause und ständig in Jeans perfecto und weißem T-Shirt unterwegs.
Die Firma Cire Trudon gibt es seit 1643, sie waren schon Hoflieferant von Ludwig
XIV und Napoleon Bonaparte. Sie machen Naturwachskerzen für Kirchen bis zum Vatikan und die schönsten Duftkerzen der Welt. In mundgeblasenen Gläsern mit wunderbaren goldenen Vignetten werden in Bienenwachs eingeschlossene Duftwelten präsentiert, dass unterscheidet sie von allen nachfolgenden Duftkerzen die nach Lavendel, Oleander oder Jasmin riechen. Bei Cire Trudon gibt es „Trianon“, die wie die Welt von Marie Antoniette riecht, „Odalisque“, die von dem berühmten Ingres Gemälde inspiriert wurde. „Ernesto“, die wie Che Guevara nach Tabak und cubanischen Rasierwasser riecht und „Balmoral“ ist nach dem Sommersitz der Queen benannt.
So tut sich immer eine neue Welt auf mit jedem Duft.
Sonia Rykiel versus Sonia Delaunay – oder Saint Germain des Pres Frühling/ Sommer 2011
Posted on 23. Oktober 2010Seit 1968 ist die Königin des Strickes und eine der pariserischten Modeschöpferin: Sonia Rykiel. Wenn man durch den Pariser Stadtteil St.Germain geht, trifft man
neben ihrem Stammhaus immer wieder auf Dinge, die sie beeinflusst haben oder die sie beeinflusst hat. So ist das Luxus Hotel Lutetia gegenüber dem Bon Marché von ihr renoviert ihr, Lieblingszeichner Hippolyte Romain überall ausgestellt und die Frauen die in den Cafés sitzen, versprühen den gleichen intellektuell bourgoisen Charme wie ihre Kollektionen. Sie ist dem Pariser Frauenbild verpflichtet und ihr Stil wird nicht von Trends oder dem schielen nach anderen Designern geprägt, sondern durch ihren ureigensten Instinkt und Geschmack. Weltberühmt sind ihre Streifen, meistens auf schwarz, ihre Baskenmützen, ihre Kirschen-Pullover und ihr Flou-Stil, der zu 99% auf Strick oder fließenden Jersey basiert.
Bis vor zwei Jahren gab es eine Herrenkollektion aus der ich jedes Teil, ob Streifenschal oder -Pulli, Parka oder Pullunder hüte wie meinen Augapfel, und die nächsten hundert Jahre weiter tragen werde.
Eines meiner liebsten Kleidungs- und Vintagestücke ist mein Wrangler Trucker Jacket von 1972. Vor zehn Jahren streifte ich durch Vintage & Rags (Horstson berichtete) und unter einem zu der Zeit nicht angesagtem Wust von Jeansjacken mein Traumstück: Das Wrangler Trucker Jacket von 1972. Für 29,80 DM.
Seit dem ist sie mein absoluter Favourite: ob zur Chino oder Samthose von Tom Ford mit venezianischen Slippern als Abendoutfit, diese Jacke begleitet mich ständig.
Ich werde nicht müde, mir immer wieder neue Kombinationen auszudenken. Und manchmal kauf ich auch Sachen, wo ich weiß, dass sie besonders gut zu der alten Jacke passen: Zum Beispiel eine Schottenweste von Polo in der letzten Woche.
Ein Münchner in New York: Tommi Parzinger – Ein deutsches Designschicksal im 20.Jahrhundert
Posted on 19. Oktober 2010Auf Tommi Parzinger war ich in den letzten Jahren immer mal wieder gestoßen, weil er gerne mit meinem Lieblingsmöbeldesigner Jean-Michel Frank in einem
Atemzug genannt wird. Als ich vor geraumer Zeit die Archive der Königlichen Porzellan Manufaktur in Berlin durchstöberte fielen mir einige Stücke von Tommi in die Hände, die er zwischen 1924 und 1930 für die KPM gestaltet hatte. Nun wurde ich neugierig und ihr wisst (Horstson berichtete): Wir haben gemeinsam mit der KPM die beiden wunderbaren Hunde Mr. Asta und den Scotch Terrier wieder aufgelegt. Viele seiner Entwürfe, wie die Stapelascher etc. sind noch heute richtungsweisend und werden in den nächsten Jahren peu à peu bei den Designessentials der KPM wieder aufgelegt. So – nun begann ich mich für Tommis Werdegang zu interessieren….
Wer war der Mann von dem ich nur ein Photo kannte, auf dem er ein bisschen melancholisch aber sehr interessiert ausschaute???
Zuerst war es gar nicht so einfach, etwas heraus zu bekommen, doch nachdem die erste Quelle aufgestoßen wurde, sprudelte es mir so zu, wie es immer ist, wenn man sich ganz feste in eine Welt wünscht und in sie eintaucht:
Im letzten Jahr las ich ein Interview mit Pierre-Alexis Dumas und Pascale Mussard, den beiden Creativ-Chefs von Hermès das mich begeisterte. Hermès, immer noch zu fast hundert Prozent in Familienhand und eine noch von den Nachfahren des Firmengründers geführte privat Firma, hatte in den letzten Jahren einen Generationswechsel vollführt und der Sohn des langjährigen legendären Clan-Chefs Jean-Louis Dumas und seine Nichte geben jetzt den Ton an, in diesem von manchem als Allround-Ausstatter gesehenen Unternehmen. Neben den weltberühmten Ledertaschen und Accessoires, Prêt-à-Porter, Art-de-la-table, den Sätteln und Möbeln gibt es bei Hermès viele viele Dinge aus den verschiedensten Bereichen des Lebens – inklusive einer ganzen Welt die in die Tasche passt: Vom Bandmass über Würfelspiele, Aquarellkasten bis hin zu Universalsteckern, kleinen Bällen und Spielkarten.
Betritt man den traditionellen Firmenstammsitz in der 24 ,Rue du Faubourg St.Honoré, kommt man sich vor wie in einem sehr sehr familiären Wunderkabinett oder der Werkstatt des Spielzeugmachers beim Weihnachtsmann. Überall ist die Liebe und die Sorgfalt zu spüren, und das innige Verhältnis zu den allen von Hand gemachten und traditionell handwerklichen Produkten. Von der von vielen Frauen so begehrten Birken-Bag in der genau soviel Liebe und Detailversessenheit steckt wie in einem kleinen sechseckigen 72er Portemonnaie oder der Sattlerabteilung, mit den wunderbaren handgefertigten Sätteln, denn bevor Hermès Menschen anzog und Taschen machte, zog das Unternehmen als Sattler zuerst die Pferde an.
Letztes Jahr in Paris stach mir ein kleiner Laden ins Auge, der ganz klar in schwarz und in weiß eingerichtet war, einfach gemacht, zwei Schaufensterpuppen in der Auslage.
Ein Mann und eine Frau. Skinny Jeans, Chelsea Boots, kleines Jacket, weißes Hemd – beide fast unisex und doch klassisch raffiniert sexy. Gute Materialien und
für Paris vernünftige Preise. Der Look gefiel mir auf Anhieb. Ein bisschen Saint-Gemain-Boheme, typisch Paris: Scharfe Schnitte und nen ganz klares Konzept. Farblich schwarz/weiß und als Akzentfarben Sandbeige. Eigentlich nichts besonderes, aber irgendwie wirkten die Sachen basic aber nicht blöd.
Neugierig geworden und wie es immer ist – hat man einmal etwas gesehen was man vorher nicht kannte, fällt es einem dann ständig ins Auge: Eine Anzeige mit einem Paar, und darunter wie lange sie zusammen sind, beide im Le-Kooples-Look, auf der nächsten Seite zwei Jungs und beide in identischen Looks, beide seit zwei Jahren zusammen. Okay – tolerant war man also auch.
Chanel Spring Summer 2011 – eine Legende kehrt zurück zu ihren Wurzeln
Posted on 7. Oktober 2010Am 5. Oktober morgens früh zeigte Chanel seine Frühjahrs 2011 Kollektion Boutique im Grand Palais in Paris.
Nachdem Tom Ford vor nur hundert Zuschauern in New York seine Kollektion vorgeführt hatte – an echten Frauen in verschiedenen Konfektionsgrößen, nur einen Photographen (Terry Richardson) zugelassen hatte und eine drei monatige Berichtssperre verhängt hat – wie es früher in der Couture bei Balenciaga und Givenchy üblich war – munkelte die Insider-Gerüchteküche wer in Paris diesen Weg zurück zu den Wurzeln aufgreifen würde und siehe da: Chanel tut es. Neben den üblichen 17 und 18jährigen Models hat das Haus, welches Mode macht, die von 17 – 85jährigen getragen werden kann (sofern man als Siebzehnjährige schon über den Geldbeutel dazu verfügt) Chanels 90er Jahre Modelikone Stella Tennant und vor allem das Comeback-Gesicht und die Chanel Identifikation der achtziger Jahre, Ines de la Fressange, engagiert.
Wenn der Klempner zweimal klingelt! Karl Lagerfelds Herbst-Winter 1983/84 Kollektion für Chloe
Posted on 21. September 2010Seit über 25 Jahren liegt in meinem Bücherbord ein Armreif in Form einer großen Schraubenmutter – Innen mit dem Aufkleber passage 72 ugo correani pour chloe 83/84 – es ist die Erinnerung an die erste Modenschau die ich jemals in meinem Leben live gesehen habe. Anfang Februar 1983 flatterte eine Einladung in unseren Briefkasten, wo auf feinstem Bütten das Haus Chloe in der Avenue Franklin D. Roosevelt in Paris Herrn Peter Kempe (damals 16) bat, im März am Defilee für den Winter 1983/84 teil zu nehmen. Ich war ausser mir vor Freude – hatte ich doch ein halbes Jahr vorher in sauberster Schüler-Handschrift den Createur des Hauses – Karl Lagerfeld – gebeten, dass ich einmal so gerne eine seiner Schauen sehen möchte. Natürlich hatte ich nichts gehört und es auch schon beinahe vergessen…
Dann kam die Einladung. Aufgeregt fuhr ich nach Paris und sollte mein blaues Wunder erleben













