Wenn Hermès etwas macht, hat das in der Regel Hand und Fuß. So entschloss sich das Haus, dass für famose Taschen, die berühmten Carrés und seine hochkultivierte Mode berühmt ist, im letzten Jahr sich seiner alten Tradition zu besinnen und Möbel und Wohnaccessoires wieder aufzunehmen.
In den zwanziger und dreißiger Jahren hatte Hermès für die großen Innenausstatter dieser Zeit Jean-Michel Frank (Horstson stellte ihn Euch schon vor) und Leleu, sowie Jacques-Émile Ruhlmann schon Sessel mit Leder bezogen, Kommoden mit Parchemin (Pergament) überzogen und Strohintarsien aufs Feinste auf Paravents appliziert. In dieser Zeit suchten die Möbeldesigner zur Produktion ihrer Stücke die besten und feinsten Handwerker von Paris aus und das war auch schon zu der Zeit natürlich auf dem Sektor ‚Leder und textile Bespannungen‘ Hermès.
peterkempe
Da ich schon seit frühester Jugend eine Brille tragen muss, habe ich mich natürlich lebenslang mit dem Thema beschäftigt. Was Sonnenbrillen angeht fand und finde ich seit Top Gun die Ray Ban Brillen gut und hab diverse im Bestand – Pilotenbrille und Wayfarer sind einfach unbedingte musts. Tom Ford Brillen oder Persol sind cool und modisch und in den neunziger Jahren kam man an Oliver Peoples nicht vorbei. Jeder Designer hat mittlerweile ’ne Brillen-Lizenz und selbst das Haus Chanel, dass ja sonst überhaupt keine Lizenzen vergibt, kam an den schicken Sehhilfen nicht vorbei. Brillen wechseln genau wie die Mode ständig ihren Hip-Status aber Ray Ban und Persol haben sich als ewige Klassiker etabliert.
Am Parc Monceau in Paris nur einen Steinwurf vom Boulevard Malesherbes entfernt, liegt eine der schönsten Museen und Plätze in Paris: Das Museum Nissim de Camondo. Genauer gesagt in der Rue de Monceau 63. Wenn ihr in Paris seid, müsst ihr es unbedingt besuchen, weil es gar nicht wie ein Museum ist, sondern als wenn man privat bei einem steinreichen Onkel eingeladen ist, der gerade zufällig nicht da ist.
Das Haus ist gar nicht so alt wie es wirkt, man denkt das es aus dem 18.Jhd ist – es ist aber erst 1911 gebaut aber nach den damals neuesten Stand der Technik. So gibt es Aufzüge, Bäder eine Küche, die einen sofort an den Film Ratatouille denken lässt, Fernheizung und Bäder, die damals auf dem neuesten Stand der Technik waren ein Hightech-Haus made in 1911. Aber betritt man es, denkt man man ist in einem Hotel Particulier vor der französischen Revolution 1789 eingeladen.
Was nun Monsieur Lacroix? Oder: Es gibt ein Leben nach der Couture
Posted on 7. Februar 2011Zunächst einmal muss ich euch Horstson-Lesern erklären, weil ich ja schon ein bisschen älter bin, was ein Brieffreund ist.
In meiner Generation, als die Europäische Union noch nicht so groß war und man nicht andauernd mit dem Flugzeug für vier Tage dreizehn Stunden irgendwo hinflog, gab es, wenn man so 13 /14 Jahre alt war, das man einen Brieffreund in einem europäischen Nachbarland hatte, mit dem man sich regelmäßig schrieb, oder mit dem man regelmäßig Kontakt hatte. Einmal im Monat schrieb man sich einen längeren Brief oder tauschte Musikkassetten aus. Mein Brieffreund war natürlich in Frankreich und hieß Christian Lacroix.
Er studierte damals Kunstgeschichte, war frisch aus seiner südfranzösischen Heimatstadt Arles nach Paris gekommen und wagte nicht im Traum daran zu denken, dass er einmal Modeschöpfer werden würde – genau wie ich damals – ausser das ich wusste, dass ich Mode mochte und für Chanel schwärmte, auch noch keinen blassen Schimmer hatte, was ich mal werden wollte. Die Jahre vergingen, die Post kam regelmäßig und ging regelmäßig ab und durch den Austausch war ich über die kulturellen Tendenzen in Frankreich doch immer recht klar im Bilde.
Husch, Husch ins Körbchen – Oder: Mir wäre so nach Picknick im Grünen
Posted on 3. Februar 2011Trübe Februartage und das Bewusstsein, dass wir mindestens noch drei Monate Winter haben konnte ich heute an meinem Schreibtisch irgendwie nicht ertragen. Deswegen, voller Sehnsucht, dachte ich mir gerade so, was ich gerne machen würde, wenn es jetzt Sommer wäre und ich durch die Landschaft radeln würde und was ich dafür einpacken würde: Bereits im letzten Jahr konnte man feststellen, dass, ob bei Ferragamo oder auch bei Dolce und Gabbana Korbtaschen und viel geflochtenes an Portemonnaies und Accessoires in den Kollektionen war.
Das Boccia Spiel im Korbkoffer von Chanel fand schon damals meine Zuneigung und unbändige Sehnsucht des Besitzes.
Bleus d’Ailleurs – was das neue Geschirr und Le Corbusier bei Hermès machen.
Posted on 31. Januar 2011Wenn Hermès eine Präsentation von neuen Artikeln aus Ihrer bunten Zauberwelt des Handwerks macht – in diesem Jahr steht das Handwerk im Jahresmotto bei den Sattlern aus dem Faubourg St. Honore absolut im Vordergrund – dann ist es einfach immer eine Spur besser, eine Klasse für sich und etwas ganz besonderes.
So wurden wir am Sonntagabend überrascht von der Einladung von der Hermès
Familie und Yves Taralon, dem langjährigen Creativ-Verantwortlichen der Hermès Maison Linie. Die Präsentation des neuen Hermès Porzellans stand an. Die Einladung machte schon sehr sehr neugierig!! Yves-Klein-Blau die komplette Einladung und ein kleiner gelber Farbtupfer darauf. Die Location der Präsentation: Die berühmte Villa Lipchitz, die le Corbusier in skandalöser Moderne in den zwanziger Jahren im Stadtteil Boulogne gebaut hatte, in dem auch sein berühmtes Atelier liegt. Das Besondere ist, dass diese Villa sonst nicht zugänglich ist – weil in Privatbesitz zweier Künstler, die dort ihre Ateliers und Wohnräume unterhalten – also eine einmalige Gelegenheit um eine Ikone der Moderne zu besichtigen.
Flügelschläge der Libellen – CHANEL Haute Couture Frühjahr Sommer 2011
Posted on 29. Januar 2011Karl Lagerfeld ist als Norddeutscher präzise wie ein Uhrwerk und man hätte wetten können, dass auf den byzantinischen Feldzug der Paris–Byzance-
Kollektion eher der Hauch von Schlichtheit und Reduziertheit die neue Haute Couture Kollektion prägen würde. Bingo – Karl hält was er verspricht: Schon die Einladung in silberfarbenen Karton zeigt mal wieder etwas aus der Historie von Chanel: Das hölzerne vergoldete Tor von Christian Bellos zierte einst den Haute Couture Salon in der Rue Cambon und bildete die Trennwand zwischen der Umkleidekabine der Mannequins und dem Couture-Salon im ersten Stock, den man über die berühmte Spiegeltreppe erreicht.
Nachdem die letzten Schauen eher großangelegt im Grand Palais inszeniert waren (ich erinnere an den meterhohen Löwen mit der Perle, die große Chaneljacke oder das Karussell), wurde die neue Haute Couture Kollektion für das Frühjahr im Pavillon Capucine Cambon gleich neben Chanels Stammsitz präsentiert. Eher eine angenehme, intime Präsentation in schlichtem Dekor nur durch Chanels Bellos-Tor akzentuiert.
Der Herzog von Windsor und ehemalige König von England, Edward, ist ja bekanntlich eine meiner Stilikonen. Seine gestreiften Strümpfe, 70 Jahre vor Paul Smith, zum Anzug verzückten die Modewelt ebenso wie seine Tweedanzüge, Norfolk-Saccos oder seine schönen Pullover die wie aus der Ralph Lauren Welt wirken. Wenn man in eine Königsfamilie Anfang des 20. Jahrhunderts geboren war, blieben einem bestimmt auch nicht viel mehr Möglichkeiten, als durch bunte Socken zu rebellieren.
Als der Nachlass von David, wie ihn seine Freunde nannten, versteigert wurde, bezahlten Modehäuser wie Brioni selbst für sechs Paar gebündelte Socken ein paar tausend Pfund. Die Anzüge hängen in den bedeutendsten Kostümsammlungen der Welt.
Mein absolutes Lieblingsstück, für das ich meinen rechten Arm geben würde, ist allerdings die Royal-Stuart-Tartan-Extra-Anfertigungs-Tasche, die ihm Wallis Simpson, seine Frau, Anfang der 50er Jahre zu Weihnachten bei Hermès machen ließ.

Sollte man die Adresse angeben von Ali Babas Schatzhöhle würde man immer an
das Stammhaus von Cartier in der Rue de la Paix 13 in Paris denken. Cartier, 1847 als Juwelier gegründet, verarbeitet die gößten und reinsten Steine, macht den opulentesten Schmuck und seitdem Monsieur Cartier 1904 auch noch für seinen Freund den Flieger Santos Dumont die erste Armbanduhr seines Hauses gemacht hat ist das Haus auch dafür weltberühmt.
Seit 1909 ist das Stammhaus von Cartier an der Rue de la Paix Nummer 13 und seine obsidian-grüne Marmorfassade mit den dezenten Wappen – so etwas wie der Eingang zur Höhle des Ali Baba.
Wie Karl Lagerfeld zu Chanel kam – Haute Couture Spring/Summer 1983
Posted on 10. Januar 2011Im Herbst 1982 war – heute unvorstellbar – bei Chanel das Geld knapp. Im Jahre 1971, also kurz nach dem Tod der Gründerin Coco Chanel, hatte die letzte Modenschau noch tausende Zuschauer angelockt und der frz. Staatspräsident und Madame Pompidou das Defilee posthum für Coco beendet.
Die Assistenten von Chanel, Philippe Cazaubon und Yvonne Dudel, entwarfen in den folgenden Jahren ganz im Sinne von Chanel Haute-Couture-Kollektionen. Doch das Klientel wurde immer älter und das Haus geriet langsam in Vergessenheit, während alle anderen Modeschöpfer Prêt-à-Porter-Kollektionen entwarfen, initiiert durch YSL’s Rive-Gauche-Gedanken im Jahr 1966. Vor allem beherrschten Labels die Szene, die nur fertige Boutiquen-Mode machten wie Chloé, Rykiel, Beretta und Co..
Zeitgleich lancierte Karl Lagerfeld sein Chloé-Parfum und die Chloé-Kollektionen – mit Erfolg: alleine das Parfum machte umgerechnet über 50 Millionen Euro Umsatz im ersten Jahr. Zaghafte Versuche, eine kleine Boutiquen-Kollektion für Chanel zu starten, begannen die Gebrüder Alain und Pierre Wertheimer, die 1974 von ihrem Vater das Haus Chanel übernahmen, 1978 mit dem Designer Philippe Guibourge. Ehrlich gesagt war, bis auf das Stammhaus in der Rue Cambon von Chanels Weltflair, außer dem berühmten Parfum No. 5, nicht mehr viel übrig.
Sicherlich ist es ein bisschen so wie bei der Queen von England: Für die meisten geneigten Horstson-Leser steht Karl Lagerfeld einfach für Chanel, allein weil er schon immer da ist und man sich die Marke schwer ohne den Designer vorstellen kann. Aber da ich der älteste Horstson-Schreiber bin, kann ich mich noch an meinen ersten Besuch in der Rue Cambon erinnern – vor Karl Lagerfeld und mit dem heute weltumspannenden Imperium, das über die größte Kapitaldecke aller Modehäuser verfügt.
Die Wertheimers überlegten sich damals, wenn die Chanel-Parfums und die Kosmetik sich auch in der Zukunft am Markt behaupten sollten – und das war bitter nötig, weil sie die Haupteinnahmen des Hauses darstellten – musste etwas unternommen werden.
Man überlegte sich, was zu tun sei. Einflussreich in der Führungsebene bei Chanel war damals Guy Douvier.
Douvier hatte schon 1955 Coco Chanel beraten und, wie das Leben so spielt, 1969 die Kollektion von Karl Lagerfeld Tiziano-Rome übernommen, eine Firma, die zu den Favoriten von Elisabeth Taylor gehörte. Tiziano entwarf Prêt-à-Porter, war besonders erfolgreich in Amerika und Lagerfeld hatte 1969 Guy Douvier empfohlen, weil er durch die Arbeit für Fendi und Chloé keine Kapazität hatte. Das hatte Guy nie vergessen.
Also brachte Guy Douvier bei den Wertheimers Lagefeld ins Spiel. Diese waren zunächst ablehnend, weil der Designer damals schon eher berühmt für luxuriöses Prêt-à-Porter und „jüngere Mode“ bekannt war, als für das damals aussterbende und verstaubte Haute-Couture-Gewerbe.
Trotzdem wurde er engagiert, was zu einem Tumult führte, weil, wie es damals in der VOGUE hieß, „… kann man so etwas einem Konfektionsdesigner anvertrauen ..?“
Laut Lagerfeld besteht der Vertrag mit Chanel nur aus einer Seite und er hat sich verbürgen lassen, dass er machen kann was er will. Es war die schlauste Entscheidung, die die Wertheimers je getroffen haben – das wissen wir ja heute.
Am 05. Februar 1983, die „5“ wegen des Parfums, präsentierte Lagerfeld seine Frühjahr/Sommer-Haute-Couture-Kollektion für Chanel in der Rue Cambon. Lagerfelds Freund, Jaques de Bascher, Antonio Lopez, Anna Piaggi – alle waren da und die Kollektion wurde mit großer Spannung erwartet. Ein junges Mädchen, was überhaupt nicht dem Typ des landläufigen Models vom Anfang der 80er-Jahre entsprach, lief in der Show mit: Ines de la Fressange. Sie faszinierte sofort. Die Kollektion griff alle Erfolge von Chanel auf – das Kostüm, die Spitzenkleider und die unzähligen englischen Tweeds garniert mit Kaskaden von Modeschmuck. Lagerfeld hatte seine Prüfung bestanden.
Über die nächsten zwei Jahre und in den Prêt-à-Porter-Kollektionen wurde Karl wesentlich mutiger und persiflierte die Wurzeln des Hauses immer mehr. Chanel wurde langsam aber sicher wieder das einflussreichste Modehaus der Welt und erlebte einen ungeheuren Boom. Heute munkelt man von 10 Milliarden Umsatz im Jahr, die Firma ist immer noch in Privathand und eine der bekanntesten Marken der Welt. Die Geschichte des Markenrevivals diente Gucci als Vorbild mit Tom Ford und die Geschäftspolitik von Chanel ist das Vorbild unzähliger unternehmen. Es ist die Erfolgsgeschichte der Mode schlechthin.
Lagerfeld ist jetzt 77 und wenn er so lange wie Mademoiselle arbeitet – sie starb mit 87 Jahren über ihrer letzten Kollektion – haben wir noch viele Überraschungen zu erwarten.
Vive Karl – er chanelisierte die Welt mehr, als Chanel es je getan hat!








