Das Leben eines Bloggers kann sich nicht jeden Tag nur um Tom & Terry drehen. Nachdem mein Schreiberkollege Jan seinen Bericht zu Bottega Veneta und Costume National mit der Headline “Alles außer Armani“ überschrieb, war mir klar, dass ich die Ehre haben würde, ein paar Worte zur edlen und jüngeren Zweitlinie von Giorgio Armani zu verlieren. Nun gut, mache ich gerne! Was mir beim Durchschauen der Fotos sofort aufgefallen ist: Bei Emporio Armani gibt es Männermode auch noch für solche Männer, die keine muskellosen Bleistiftbeinchen haben und regelmäßig Sport machen. Weit und breit keine Androiden zu sehen. Die Schau wurde durchwegs von gesund und vital aussehenden Männern ohne Fusselhaare mit Topfschnitt, deren Schultern breiter als die Hüften waren, gelaufen. Damit ist sie für Daisy schon eine der besten Schauen in Mailand.
Daisydora
Wellcome To Balmoral Castle Mr. Browne – Moncler Gamme Bleue FW11/12
Posted on 18. Januar 2011Im Jubeljahr der Windsors wollen es scheinbar auch einige Labels so richtig krachen lassen. Wenn man die Kollektion von Moncler Gamme Bleue so sieht, dann erwartet deren Designer Thom Browne erstens in diesen Tagen die Einladung von Prinz William und Kate Middleton und eine große Nachfrage nach den stets jagd- und reittauglichen Lieblingslooks der Windsors und ihrer Gäste aus aller Welt…… Wer erst gar nicht eingeladen ist zur Hochzeit des Jahres, dem bleibt immer noch ein spontaner Besuch beim verarmten Landadel, den man ohnehin in seiner Verwandtschaft haben sollte, weil die Leute so schön im Grünen Brandenburgs oder Mecklenburg-Vorpommerns auf ihren im Vergleich zu einer auch noch überteuerten Zweizimmerwohnung in Hamburg, bei Horst und Blomquist um die Ecke, äußerst weitläufigen Landsitzen, immerhin mietfrei wohnen. Ach ist das herrlich zu bestaunen!


Daisy hat ja ein sehr gestörtes Verhältnis zu Trachten, zu Reituniformen und Mode für die Jagd in Wald und Flur. Ganz ehrlich – diese Klamotten machen meistens älter und dicker, sind nie in Tintenblau, Blaugrau, Himbeerrot oder einem eleganten Petrol oder Schwarz zu bekommen und man sieht darin an schlechten Tagen wie ein verkleideter Depp aus…
Elegante Trapper und italienische Entdecker – Ermenegildo Zegna AW11
Posted on 17. Januar 2011Werden chinesische Männer in Zukunft zunehmend italienischer? Wer weiß das schon. Der asiatische Markt steht jedenfalls ganz im Fokus auch dieser Saison. Bei einer sehr aufwendig inszenierten Schau, deren Perfektion genauso zurückhaltend war wie das zu Ermenegildo Zegna und dem zutiefst italienischen Verständnis von männlicher Eleganz der Mailänder Modedynastie passt, war der Einfluss unübersehbar, den die immer zahlungskräftigeren und nach prestigeträchtiger westlicher Mode hungrigen Chinesen auf das Label nehmen. Man befindet sich aber ohnehin in bester Gesellschaft, da alle namhaften Modehäuser ihr Augenmerk verstärkt auf das Modepublikum der ehemaligen Schwellenländer richten. Und das schadet der Kollektion von Zegna überhaupt nicht. Während die Altkunden der westlichen Hemisphäre zwischendurch gelangweilt sind oder wenigstens so tun, weiß man die außerordentliche Qualität der Schnitte, Materialien, die Originalität der Entwürfe und deren elegantes Design in den neueren Märkten noch richtig zu schätzen. Wie auch immer, es sind Weltmänner, die dem Designer hier vorschwebten. Selbstredend ebenfalls mit großen Taschen unterwegs, die auch bei Burberry Prorsum unübersehbar waren.
Auffallend ist, dass man sich die Klamotten von Zegna viel weniger als die so mancher Kollegen nicht nur in Berlin Mitte oder dem Meatpacking District, also in urbanen Räumen mit Straßenzügen voller Szenelokale getragen, vorstellen kann. Der Zegna-Mann ist für alle Orte der Welt gerüstet, sprich passend angezogen. Ob Nowosibirsk, Tokyo, Shanghai, Oberammergau, Rom oder Düsseldorf – es wirkt ohnehin hauptsächlich der Mann… der angenehm zurückhaltend und elegant, auf jeden Fall aber dem Anlass entsprechend, also perfekt beziehungsweise einfach passend gekleidet wirkt.
Im Prinzip ist es das, wofür italienische Männer – modisch gesehen – weltberühmt sind: Man kann sich zwar nicht immer erinnern, was der Mann da gerade getragen hat, als er wie eine Erscheinung vorbeischwebte, aber er hat gut ausgesehen, hat diese natürliche, alterslose Eleganz ausgestrahlt. Die unübersehbare Affinität zu guten und edlen Wollstoffen, mal als Glenchecks und Tweeds, dann wieder uni aber mit interessanten Texturen, tut da ein Übriges. Man schwelgt in sowas wie Mustermix, aber auf überaus zurückhaltende Art… so dass man manchmal fast zweimal hingucken muss, um das Raffinement der Kombination zu erkennen. Bestimmt nichts für Männer, die starke modische Statements setzen wollen. Sei es mit modischen Farben, mit auffallenden Schnitten und einem nur dieser einen Saison zuordenbaren großen Idee. Wer aber auf der Suche nach einem tollen Mantel, einem ausgefallenen, gemusterten Pulli in Grau und einem ganz tiefen Oxblood, einer Jacke für jeden Anlass, auch aus Tiefdunkelrotem Leder oder gleich als Trapperuniform mitsamt Gürtel und Gürteltaschen ist, zu der es praktischerweise die Sibirische Fellmütze für den nächsten strengen Winter gibt, der sollte ruhig einen zweiten Blick auf die Kollektionsfotos riskieren.
Mit der Farbe American Pink verbinde ich die im Langzeitgedächtnis abgespeicherte Erinnerung an eine Großtanten-Lippenstiftfarbe von Estée Lauder. Bis hierher nicht gerade ein heißer Farbtrend für Herbst und Winter 2011. Wäre da nicht das große Talent von Raf Simons, Farben, die auch richtig scheußlich aussehen können, so in den Kollektionen, die er für Jil Sander designt, einzusetzen, dass moderne Eleganz mit hohem Raffinement entsteht. Manchmal frage ich mich, wie er das macht. Es gelingt dem Designer zwar nicht immer so gut wie diesmal, aber in der soeben in Mailand gezeigten Kollektion gab es wahre Farborgien ohne einen einzigen Schnitzer.
Keine Sorge, liebe Horstsonians, Tratschberichte über Flavio Briatores Billionaire
Club in Porto Cervo auf Sardinien würde uns Horst gar nicht durchgehen lassen… Der Billionaire Boys Club, um den es hier geht, ist ein Modelabel. Warum ich unbedingt die Kurve von Streetfashion hin zu einer Behausung bekommen wollte, seht ihr in Kürze. Also, ich habe mir aus gutem Grund erst mal den Produzent und Musiker Pharrell Williams geschnappt, um mit Hilfe der Erwähnung seiner zusammen mit dem japanischen Produzenten und DJ Nigo verantworteten Labels Billionaire Boys Club und Ice Cream, zur lichtdurchfluteten Behausung des Musikmillionärs Pharrell Williams zu kommen… Ich hatte schon bei der Gründung der Labels vor vielen Jahren davon gehört, hatte die Kollektionen aber trotzdem nicht regelmäßig auf dem Radar… erst als die bei Colette präsentierten Kollektionsteile immer mehr wurden, ist mir wieder eingefallen, wer dahinter steckt. Die Lookbooks der aktuellen Kollektionen für Frühjahr-Sommer könnt ihr HIER sehen.
…drei Menschen, die sehr gerne und auch einigermaßen viel lesen. Magazine, Zeitungen und natürlich Bücher. Und manchmal lesen wir eben das gleiche Buch
simultan, um dann ein – naturgemäß sehr bescheidenes und an das Original nicht annähernd heranreichendes – literarisches Terzett bilden zu können. Diesmal war „Modestrecke“ (Unterwegs mit LesMads, Berliner Taschenbuchverlag) dran, das erste Buch der Modebloggerinnen Julia Knolle und Jessica Weiss. Ich wollte erst mal nicht, weil ich an sich schon Schwierigkeiten mit „Frauenliteratur“ habe, die nicht wenigstens von Literaturnobel- preisträgerinnen geschrieben wurde. Ich hielt es daher für unfair, wenn ausgerechnet ich das erste Buch zweier junger Frauen lesen und rezensieren würde. Dann hat mir aber Max, meine amerikanische Freundin, Mut gemacht, mit Mantras in der Art: Du verstehst ja Einiges von der Materie und bist im wirklichen Leben die netteste Person, die ich kenne, wenn es um junge Leute – deren Förderung und Unterstützung geht. Nun ja, ob das stimmt, darüber können wir uns mal an anderer Stelle unterhalten. Meinen Freund haben wir dazu genommen, weil er ein Mann ist und solchen Themen erstens ganz pragmatisch und zweitens mit Verstand begegnet und er darüber hinaus noch nie Nutzer von Modeblogs war… daher beide Autorinnen ein unbeschriebenes Blatt für ihn waren. Für mich sollte das Lesen von Modestrecke aber auch eine Art Therapie werden, mit der ich mir die Chance geben wollte, menschlich gewinnende und modisch interessante Seiten an beiden Bloggerinnen zu entdecken, die mir wirklich gut gefallen. Und das hat – zumindest teilweise – geklappt.
Frau Ingenieur ist nichts zu schwer – Lady Gaga und die Polaroid Grey Label Kamerabrillen
Posted on 8. Januar 2011Unsereins, also jener Teil der knapp sieben Milliarden Menschen auf dem Planeten, die rein wirtschaftlich gesehen der westlichen Hemisphäre angehören, hat es gut: Erstens gibt es nichts, dass es nicht zu kaufen gibt, und dann kümmern sich auch noch glamouröse Popstars wie Lady Gaga höchstpersönlich um Produktinnovationen. Aber nicht etwa um Glitzertops, Lip Gloss oder Ledercatsuits. Der Kamera- und Brillenhersteller Polaroid hat sich Lady Gaga als Creative Director für den Produktinnovationsbereich Grey Label schon vor einem Jahr ins Boot geholt. Und nun, pünktlich zur Eröffnung der International Consumer Electronics Show in Las Vegas, werden die ersten Früchte dieser Zusammenarbeit der Öffentlichkeit vorgestellt.
Zusammen mit dem von Creative Director Robert Brunner geleiteten Team des US Designspezialisten Ammunition LLC hat Lady Gaga das Design einer Spiegelbrille mit übergroßen Gläsern entwickelt, die als Digitalkamera funktioniert und in die zwei 1.5″ LCD Displays integriert wurden. Man hat die Brille auf dem Nasenrücken, fotografiert das, was man im Sichtfeld der Brille fokussiert und kann das Ergebnis in den Displays überprüfen. Wenn das mal kein Gimmick für große und kleine Jungs ist. Entstanden ist die Idee zu dem Design und der Kollaboration mit Stefani Germanotta beim Betrachten von Lady Gagas Video zu Poker Face, den großen Pop Culture Brillen, die sie darin trägt, so Polaroid. Von nun an kann man sich seine Polaroid also ganz einfach auf die Nase setzen… Frau Inschenör ist nichts zu schwör… fragt Lady Gaga jetzt aber bitte nicht, ob es sowas auch mal mit integrierter Ton- und Musikspur geben wird…
Bilder: Polaroid
Als unverbesserliche Optimisten, die wir nun mal sind, gehen wir fest davon aus, dass die bonbonbunten Farben einiger Kollektionen für das kommende Frühjahr und den Sommer die sonnige Großwetterlage, die uns erwartet, ankündigen. So bunt sind Männer zumindest der Planung einiger Labels nach schon lange nicht den ersten Sonnenstrahlen entgegen getreten, wie Raf Simons für Jil Sander und Kollegen in knalligen Farben schwelgen, für die so mancher Mann, erst allen Modemut zusammennehmen muss. Raus aus den dunkelbunten Nadelstreifuniformen und all den Businessanzügen in gedeckten Farben und rein in Gelbe Hosen und Bonbonrosa T-Shirts, die so aussehen, als seien sie aus Barbies Schrank gehüpft. Für mich noch sehr gewöhnungsbedürftig, ich gebe es zu, das verwegene Farbkonzept von Raf Simons noch nicht verstanden zu haben.
An das süßeste Kompliment, das ich jemals bekommen habe, wurde ich genau in dem Moment erinnert, als ich die Charlie Chaplin Schuhe sah, die John Galliano für die kommende Saison bereithält… eine winzig kleine, ganz zierliche ältere Dame, bemerkte beim Blick auf meine Füße, die in viel zu großen Chucks steckten: Sie haben aber schöne kleine Füße. Unglaublich! Dazu muss man wissen, dass ich mir mit meinem Gardemaß von 1,80, den eher athletisch breiten Schultern und meiner Schuhgröße 40 ½ neben solchen fragilen Persönchen vorkomme wie Nikolai Valuev… Und genau hier kommen die Charlie Chaplins von Galliano ins Spiel, die einem nicht gerade zierliche Füße zaubern… Wieso nicht mal Männerschnürschuhe kaufen (nur ein Paar), die wirklich ausgefallen oder sogar originell sind. Natürlich sieht man dann, dass meine Füße in Wirklichkeit nicht klein sind, aber ich bin ja auch nicht 1,65… und wenn ich mich dann doch nicht getrauen sollte, sie öfter zu tragen, kann ich sie ja immer noch an mutige Männer ausleihen. Ich kaufe sie glaube ich am besten mal wieder zu groß… Horst, Blomquist, Peter, Jan und ihr, liebe Leser da draußen, wie findet ihr die ausgefallenen Chaplin-Schuhe von John Galliano (Preis: nicht ganz spaßige 307 Euro)?
Mit Zitaten um mich werfen, liegt mir gar nicht. Aber manchmal verlangt es der Anlass, Anleihen zu nehmen. Dann nämlich, wenn mir die passenden Worte und das grundlegende Wissen fehlen. Und zu diesem Text brauche ich gleich Hilfe von zwei Philosophen, von denen leider nur noch einer lebt: Aber nun erst mal zur Sache: Stellt euch vor, ihr macht euch die Mühe, regelmäßig Blogberichte zu lesen. Dabei denkt ihr was Kritisches, bildet euch eine Meinung. Und diese Meinung postet ihr dann höflich aber pointiert formuliert bei dem Bericht. Schon beim Schreiben hegt ihr den Verdacht, dass ihr mit dieser Meinung nicht alleine dastehen könnt, da die Dinge klar sind und Jedem ins Auge springen müssten. Ihr freut auch auf regen Austausch mit dem Autor und anderen Bloglesern. Und dann, ja dann, passiert folgendes:











