Wir dürfen unsere Nasen mal wieder in die erlesene Szene der Parfumeure und ihrer geheimnisvollen und betörenden Parfumschöpfungen stecken. Am kommenden Samstag, um 19:30 Uhr, also kurz vor Ladenschluss und noch vor dem Beginn des Hauptabendprogramms strahlt ARTE die 360°- GEO Reportage – Exzentriker der Düfte von Maja Dielhenn aus.
In dieser GEO-Reportage geht es um Lubin Paris von 1798 – eines der ältesten Dufthäuser der Welt. Weil die Szene der Parfumkreateure auch in unserer globalisierten Welt noch immer sehr klein ist, war es Gilles Thévenin, der zuvor 15 Jahre bei Guerlain als Creative Director gearbeitet hatte, der das Dufthaus 2004 vor der endgültigen Schließung bewahrte. Heute besitzt er mit überlieferten Duft-Rezepturen (u.a. von Marie-Antoinette) ein Stück französische Kulturgeschichte. Der Film zeigt das Entstehen neuer Düfte und die Menschen, die dahinter stehen.
Man kann sich darüber streiten, ob es die Haute Couture oder diese alten Parfumhäuser sind, deren Bestehen und Schaffen Zeugnis lebendiger französischer Identität und Kultur sind. Wahrscheinlich sind es beide Künste, wer wollte eine davon missen.
Mit dem Haus Lubin gewinnen wir Einblick in ein Unternehmen, das sich seit 1798 mit der Herstellung von Parfums befasst. Am Anfang von allem stand das auch bei Hofe berühmte Eau Vivifiante, das spätere Eau de Lubin, mit dem der Gründer Pierre Francois Lubin die Gunst von Kaiserin Joséphine, Pauline Bonapartes und Prinzessin Borgheses gewinnen konnte. Königin Marie Amélie widmete er nach dem Sturz Napoleons alle seine Duftkreationen. Der Hof war damals einfach tonangebend für Luxusprodukte.
Heute generiert die globale Parfumindustrie Milliardenumsätze und überschwemmt mit immer neuen Düften den Weltmarkt. Doch fernab des Mainstreams gibt es auch immer noch jene kleine, sehr feine Szene der Parfumeure, die ohne Millionenbudgets auf Qualität und Tradition setzen und sich keinen Duft-Trends unterwerfen.
Gilles Thévenin zählt zu den erfahrenen Kennern der Branche. Heute kreiert er gemeinsam mit der 41-jährigen Delphine Thierry, einer unabhängigen Parfumeurin aus der Provence, einen orientalischen Duft für die Luxusmarke, inspiriert vom sagenhaften Mesopotamien, der Göttin Ischtar und dem Herrscher Sargon.
Die 360° – GEO Reportage eröffnet uns den exklusiven Blick in die Labore der „Nasen“ und wir können darin die Geburt einer neuen Komposition miterleben. Gilles Thévenin sitzt in seinem Pariser Büro mitten im Viertel Les Halles. Hier regiert der Schick der Dreißiger Jahre, die eine ruhmreiche Epoche für das Parfumhaus Lubin waren. Große Düfte wie „Nuit de Longchamp“ entstanden in dieser Zeit und gingen in die Geschichte ein – eine Geschichte, deren erstes Kapitel Pierre-Francois Lubin vor über 200 Jahren geschrieben hat. Sein Portrait hängt heute in Gilles’ Büro, direkt über seinem Arbeitstisch, auf dem es nur so wimmelt von glitzernden Fläschchen mit geheimnisvollen Flüssigkeiten. „Ein Parfum zu kreieren, dazu bedarf es zweier Begabungen: Man muss ein Architekt sein, aber auch ein Dichter…“ Entscheidend sind auch die Rohstoffe, von denen einige der kostbarsten noch immer aus den Blüten der provenzalischen Felder gewonnen werden. Um den Tisch versammelt sitzen Gilles Thévenin, der kreative Kopf Lubins, und
Thomas Fontaine, eine seiner „Nasen“. Vor ihnen auf dem Tisch liegt ein uraltes Buch von unschätzbarem Wert: das handgeschriebene, über 200 Jahre alte Formelbuch von Pierre-Francois Lubin. Wird der neue Duft aus Weihrauch, Kardamom und Muskatellersalbei den Markt erobern können?
Nun denn, wir werden es erleben. Davor gucken wir erst mal die Reportage und freuen uns gemeinsam darüber, dass der aggressive Marketing-Mainstream der Billig-, Star- und Designerwässerchen nicht schon alles aufgefressen hat, was sich um Individualität und das eigentliche Wesen des Duftes bemüht: Das Geheimnis unnachahmlicher Duftschöpfungen, die ihre Zeit lange überdauern. Und deren Schöpfer. Ein guter Duft lebt ewig!
Hoch lebe Lubin, Caron, Chanel, Guerlain und so weiter …!
„Exzentriker der Düfte“ läuft am 22.12.12 um 19:30 Uhr auf ARTE








