Den Namen Hinnerk Baumgarten hat meiner eins nun dank Katja Riemann, der vermeintlichen DAS!-Skandalnudel, vorrätig. Davor hatte mich nicht interessiert, wie der blondierte (oder Strähnchen tragende) Moderator einer Sendung heißt, die ich sowieso nicht gucke. Besser gesagt, noch nie auch nur zwei Minuten geguckt habe. Das wäre ja noch schöner, kostbare Lebenszeit so gedanken- und humorlos zu vergeuden.
Die Schauspielerin Katja Rieman (Inga) hatte im Rahmen der üblichen Promotiontour für ihren neuen Film, Das Wochenende, in dem sie mit den Kollegen Tobias Moretti (Ulrich, ihr Ehemann), Sebastian Koch (Jens Kessler, der Jugendreund, früher bei der RAF und nach 18 Jahren Haft gerade entlassen) und Barbara Auer (Tina Kessler, eine Freundin und dessen Ehefrau) spielt, den fatalen Fehler begangen, sich neben Herrn Baumgarten auf das Rote DAS!-Sofa zu setzen.
Nun ist Katja Riemann nicht gerade als pflegeleicht oder besonders handsam bekannt, aber das spielte bei diesem „Skandal“ wirklich keine Rolle. Die Autorin Johanna Adorján beschreibt in Ihrem Artikel auf FAZ-Online, dass der Shitstorm, den Katja Riemann wegen Ihres vermeintlichen Fehlverhaltens in der Sendung nun über sich ergehen lassen muss, wohl eher Ausdruck dessen ist, dass wir von Stars in Talkshows ein Art stumpfe Freundlichkeit erwarten würden.
Auch lesenwert zum Thema, der Artikel „Die Zumutungen des Actressen-Interviews“ von Klaus Ungerer auf Der Feitag.
Den Zusammenschnitt der Gesprächskarambolage sollte man aber auf jeden Fall gesehen haben, um zu verstehen, dass hier ein Moderator, der seinen Beruf ganz offenbar nicht beherrscht, total daneben liegt, weil es ihm unter anderem trotz Sichtung des Filmes Das Wochenende, um den es ja eigentlich gehen sollte, nicht gelang, dazu ein ganz normales Gespräch mit der Schauspielerin zu führen. Was der Mann da so zusammen brabbelt, ist für mich absolut unerträglich.
Weshalb das für uns ein Thema ist, hat mit der Reaktion der Öffentlichkeit zu tun, die sich dank Onlineforen wie facebook heute regelmäßig verselbständigt und zum Boomerang für Personen de Öffentlichen Lebens werden kann und wird.
Wie sollen „Stars“ professionell damit umgehen, wenn die Geister, die zu PR-Zwecken bei der Kommunikation mit den Fans behilflich sein sollten, sich unerwünscht verhalten und nicht mehr zurück in die sinnbildliche Flasche wollen. Wäre es aus eurer Sicht besser gewesen, Katja Riemann hätte sich auf die dämliche Plauderei aus unzusammenhängenden Fragmenten eingelassen? Muss man als Star, der sein Gesicht auf Roten Teppichen und in Talkshows gerne und oft in die Kamera hält, um in Erinnerung zu bleiben und für Filme und Bücher zu werben, dann auch robust genug sein, auszuhalten, wenn man auf facebook und anderswo gemobbt wird?
Als vor wenigen Wochen Riemanns Beufskollegin Anna Loos den Übeltätern mit folgendem Text „An alle Mitmenschen, die hier auf meiner Seite Ihre Langeweile bekämpfen und Ihren Frust ablassen wollen: Ich werde Euch löschen und ignorieren!“ ankündigte, dem bösen Treiben ein schnelles Ende zu setzen, da war sie wohl etwas naiv unterwegs und verwechselte das Internet mit ihrer Puppenküche, in der sie der Chef ist.
In den Folgetagen musste sie feststellen, dass sich Schmähkommentare gar nicht so schnell wieder löschen lassen, wie neue hinzukommen und sich wie ein Stachel ins Fleisch bohren. Wer A sagt, muss auch B sagen können, so heißt es doch. Du kannst die Vorteile (noch) kostenloser PR und Kontaktpflege mit den Fans auf facebook nicht nutzen, ohne damit zu riskieren, dass auch gemeiner und unfairer Gegenwind kommt. Facebook ist nicht die Mensa. Da schreiben auch viele total bekloppte den lieben langen Tag das Dümmste von allem Dummen und jede Menge Gemeinheiten hinein (persönliche Wahrnehmung).
Und wenn Frau Loos, so jedenfalls meine Meinung dazu, sich dagegen wehren will, dann ist das erst mal eine Frage des Geldes, das sie für einen Anwalt, der gegen derlei Rechtsverstöße wirksam vorgehen könnte, auszugeben hätte. Niemand muss sich im Internet als „Arrogante Schlampe aus dem Osten“ titulieren lassen, aber es kann langwierig, nervig und teuer werden, wenn man erst mal freiwillig damit begonnen hat, aus Eitelkeit auf facebook mit den „Schmuddelkindern“ de Internets zu spielen.
Schauspieler sollten ein Stück weit verinnerlichen, dass die Kommunikation mit der Öffentlichkeit eine Fachdisziplin ist, die einem als „selbstgestrickter Dialog mit den Fans“ auf facebook nicht immer ganz wunschgemäß gelingen kann.
An Stelle eines Fotos der attraktiven Schauspielerin Anna Loos der Stein des Anstosses, ihre Band Silly, zu der ich mich nicht äußern werde ;-), bei Inas Nacht
Was sagt ihr dazu, liebe LeserInnen?
Katja Riemann ist nun mal nicht George Clooney, der ganz sicher charmant und als Sieger vom Roten Sofa in DAS! hätte aufstehen können …. hat ihre Sache aber dennoch würdevoll vertreten, oder zu wenig Contenance an den Tag gelegt? Und was raten wir der tendenziell etwas facebook-naiven Anna Loos für die rosige Zukunft im Netz?