Zu sehen ist nicht das Lanyard, sondern die elegante Form des Bändchens – dezent am Handgelenk getragen, Zugehörigkeit wird eine Stilfrage. Horstson
Hamburg hat diese seltene Gabe, sich für kurze Zeit selbst als Bühne zu missverstehen. Dann zieht wie dieser Tage das OMR Festival durch die Stadt, und mit ihr eine neue Klasse von Passanten, die nicht einfach da sind, sondern sichtbar sein müssen.
Das Lanyard, das Erkennungszeichen dieser besonderen Spezies, ist dabei nicht einfach ein Stück Papier. Es ist eingeschweißt, an einem Band befestigt, als hätte schon die Verpackung verstanden, dass hier nichts zufällig hängt. Ein Artefakt der Zugehörigkeit, hygienisch versiegelt, bevor es überhaupt zur Haltung werden darf. Wer es trägt, zeigt weniger, wo er war, als dass er dort gewesen sein muss
Dazwischen diese aalglatte Gegenwart: Sneaker ohne Staub, Sätze ohne Reibung, Gedanken in Pitchform. „Man muss das größer denken“, sagt sicherlich irgendwann irgendwo irgendjemand, und niemand fragt mehr, warum eigentlich alles größer werden muss, außer der Unsicherheit, die man damit kaschiert.
Hamburg kennt solche temporären Überhöhungen. Der Schlagermove arbeitet ehrlicher: Kostüm, Exzess, Ende. Niemand behauptet dort, es gehe um mehr als den Moment. Beim OMR dagegen wird Bedeutung getragen wie ein Badge, das sich für wichtig hält.
Am Ende bleibt der kurze Hamburger Reflex: ein leichtes Rümpfen, ein Blick über den Rand der eigenen Gelassenheit. Beim Schlagermove legt man wenigstens die Blumenkette irgendwann ab. Im vergangenen Jahr hingegen sah man selbst im Grill noch das Band der Selbstvergewisserung am Hals baumeln.
Der Hamburger nimmt das zur Kenntnis, bestellt nach, und wartet. Nicht auf Erkenntnis. Nur darauf, dass es wieder vorbeigeht.

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