Noch steht sie im Regal, die „Glamour“; Bild: Horstson
Condé Nast richtet sein Portfolio neu aus – mit direkten Folgen für den deutschen Markt: Der Medienkonzern plant, die publizistischen Aktivitäten der Marke „Glamour“ in Deutschland im Zuge eines strategischen Umbaus schrittweise herunterzufahren. Wie aus einer Mitteilung des Unternehmens hervorgeht, ist ein sogenannter „Wind-down“ vorgesehen, der sowohl Print- als auch Digitalangebote betreffen kann, ohne dass bislang ein konkreter Zeitplan oder ein vollständiger Rückzug im Detail bestätigt wurde.
Die Begründung hingegen ist klar: Deutschland gehört nicht zu den profitabelsten Märkten, der Fokus liegt künftig auf wachstumsstarken Regionen wie den USA und Großbritannien sowie auf digitalen Geschäftsmodellen. Strategisch mag das folgerichtig sein – publizistisch bleibt dennoch ein Verlust.
Denn mit „Glamour“ verschwindet ein weiterer Titel aus einer Printlandschaft, die eigentlich Qualitäten besitzt, die digital kaum zu ersetzen sind: kuratierte Inhalte, visuelle Tiefe, Einordnung. Umso auffälliger ist, wie selten diese Stärken zuletzt konsequent bei Printtiteln in ihrer Gesamtheit ausgespielt wurden.
Warum etwa sind im Print aber auch Online – und diese Frage sei erlaubt – fundierte Kritiken von Modenschauen rar geworden? Statt klarer Bewertung dominieren häufig wohlwollende Nacherzählungen von Pressemitteilungen. Gleichzeitig inszenieren sich viele Redakteurinnen und Redakteure selbst auf Plattformen wie Instagram – die Grenze zwischen journalistischer Distanz und persönlicher Marke verschwimmt.
Auch in vielen Printtiteln selbst zeigt sich die wachsende Nähe zur Werbelogik. Ein vertrautes Bild: Auf eine ganzseitige Anzeige folgt wenige Seiten oder eine Ausgabe später eine News, in der genau dieses Produkt oder diese Marke prominent auftaucht. Zufall? Wohl kaum. Wenn Inhalte erkennbar entlang von Werbekunden kuratiert werden, untergräbt das langfristig die Glaubwürdigkeit. Leserinnen und Leser merken, wenn redaktionelle Auswahl weniger von Relevanz als von Budgets gesteuert wird.
Ähnlich verhält es sich in Modestrecken, die oft wie verlängerte Kampagnen wirken: komplette Looks eines Labels, sauber inszeniert, aber selten gebrochen oder neu gedacht. Das kreative Potenzial – das Spiel mit Kontrasten, das Mischen von Luxus und High Street – bleibt dabei häufig auf der Strecke.
Der perspektivische Rückzug von Printtiteln ist deshalb mehr als eine ökonomische Entscheidung. Er wirft die Frage auf, ob Magazine ihre eigenen Stärken ausreichend verteidigt haben – oder ob sie sich zu sehr den Mechanismen von Werbung und Plattformökonomie angenähert haben.
Konsequent ist dieser Schritt allemal. Aber er zeigt auch, was verloren geht, wenn Print nicht mehr das leistet, was es eigentlich am besten kann.

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