Mein erklärtes Lebensziel ist (zumindest für die nächsten Tage), irgendwie an den Bart Simpson Sweater zu kommen. Nachdem ich Mittwoch schon einen Artikel zum Thema veröffentlicht habe, der allerdings noch nicht den richtigen Hinweis gegeben hat, wende ich nun eine bei einigen Online-Medien beliebte Variante an, um meinem Ziel etwas näher zu kommen: Ich feier einfach hässliche Dinge ab, um die Aufmerksamkeit der PR zu erhaschen – mit der Hoffnung, dass diese erbarmen mit mir haben und mir den Pullover schenken (oder zumindest sagen wo ich ihn bekomme…).
7. Dezember 2012
Nachhaltigkeit light? – H&M sammelt von Kunden ausrangierte Klamotten in den Shops wieder ein
Posted on 7. Dezember 2012Gleich vorweg – was mir an der Idee gefällt: H&M Kunden und die Verantwortlichen beschäftigen sich gemeinsam mit dem Thema der Folgen des Konsumierens von Klamotten. Vorerst auf einer sehr abstrakten Ebene.
Zur Aktion: Ab Februar 2013 können Kunden ihre gebrauchte Kleidung in H&M Shops rund um den Erdball (das sind immerhin 48 Länder, in denen man vertreten ist) zurückgeben.
Dazu sagen die Presseleute von H&M: „Nachhaltigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil von H&M, und H&M strebt danach, die Auswirkungen auf die Umwelt durch Kleidung, über den gesamten Lebenszyklus zu minimieren.“ So viel erst mal dazu. Wir denken immer gerne etwas weiter und daher steckt für uns und unsere Leser hinter dem Begriff Nachhaltigkeit weit mehr, als das brave Einsammeln dessen, was man zuvor unter nicht immer astreinen Bedingungen produzieren hat lassen. Muss man sich nicht viel eher mit dem Zuviel beschäftigen, das der typische H&M Kunde für normal hält? Klar ist das vielleicht ein Anfang der Bewusstseinsbildung bei Kunden, wenn der Chief Executive Office von H&M verkündet: “Unser Engagement für Nachhaltigkeit ist in unserer Verantwortung für die Gesellschaft und die Umwelt verwurzelt. Wir wollen der Umwelt Gutes tun, deshalb möchten wir unseren Kunden eine attraktive Lösung bieten: ihre ausgetragene, oder kaputte Kleidung bei H&M zu lassen“ Karl-Johan Persson. Aber, die alt bekannten Schönheitsfehler bei der Produktion und Vermarktung der Klamotten werden dadurch bekanntermaßen nicht ausgemerzt. Daran müsste mal dringend intensiv gearbeitet werden. Wenn man liest, dass es sich auf die Lohnstückkosten eines T-Shirts bloß mit weiteren 13 Cent auswirken würde, wenn man den ArbeiterInnen in den Textilfabriken einen Lohn von 45 EUR an Stelle der 30 EUR bezahlen würde (Quelle: Die Zeit), dann bekommt man auf H&M und die Textiler-Kollegen einfach immer noch eine Stinkwut.
In der Umsetzung ist die Sammelaktion natürlich auch ein Instrument der Marketingverantwortlichen. Eine Verkaufsförderungsmaßnahme. Kunden bekommen für jede Tüte Textilien (H&M akzeptiert Kleidungsstücke aller Marken und auch in jedem Zustand) einen Gutschein für 15 Prozent auf einen neuen H&M Artikel …. den man nach Gebrauch auch wieder bei H&M … und so weiter …. Im Klartext: Man kann dort sogar seine KIK Klamotten zu einem 15 Prozent Rabatt bei H&M wandeln.
Der Sammel, Entsorgungs- beziehungsweise Recycling-Partner der Aktion ist I:Collect. Das Unternehmen verfügt über die nötige Infrastruktur für eine Weiterverarbeitung. Was man da so vom Die Welt retten liest, auf der sehr professionell gemachten Website der Sammler, geht natürlich runter wie Öl. Die Zeit und weitere Erkenntnisse werden es weisen, ob das hochprofessionelle Recycling dessen, was von H&M Kunden zu viel und nicht mit dem nötigen Bewusstsein für Nachhaltigkeit und die Verantwortung für die Welt eingekauft wurde, wirklich etwas für uns alle besser machen kann.
In diesem Sinne lesen wir uns sicher wieder zu dem Dauerbrenner-Thema.
Bilde: Screenshot Pressemitteilung

