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26. Februar 2012

Milan Fashion Week

Jil Sander Womenswear Fall/Winter 2012

Mensch Mr. Simons, was für eine großartige und elegante Kollektion!
Der Modewelt noch einmal zeigen, was eine Harke ist … ob Raf Simons da schon wusste, dass das seine letzte Kollektion für Jil Sander sein würde? Egal. Auf jeden Fall knüpft er mit diesem Befreiungsschlag an seine allerersten Kollektionen für das Haus an, bei deren Anblick man aus dem Ahhhh und Ohhhh sagen gar nicht mehr rauskam.
Ich muss zugeben, nach seiner Jil Sander Menscollection, mit all den Schwarzen Leder- und PVC-Outfits etwas ganz anderes erwartet zu haben. Welch Ironie doch darin liegt, dass diese letzte Kollektion nun vielleicht seine beste für das Haus sein könnte.

Jedenfalls dürfte sie ganz nach dem Geschmack der Jil Sander Kundin sein und sich bombig verkaufen. Das war ein ununterbrochenes Defilée von wunderschönen Mänteln und Kleidern, die einen Hauch der Eleganz von Grace Kelly – aber auf der Höhe unserer Zeit – versprühten. Schon die zarten Farben, das vorherrschende Blush-Rosé, ein ganz helles Grau, etwas klares Rot und dunkles Blau, ein Milchkaffeeton, mal dunkler, mal ganz hell, und natürlich etwas Weiß und Schwarz wirkten als bewusst gesetzter Eleganz-Rundumschlag. Den Charakter der Kollektion dominieren die pudrigen Töne, mit denen man auch jenseits der Zwanzig immer jünger und frischer aussieht. Wäre es ein Nachteil für seinen Ruf als kreativer Kopf in der Branche gewesen, hätte er die Kundin und den Kunden immer so gut im Blick gehabt, wie diesmal? Gewiss nicht. Diesen Wettstreit absurd untragbarer Kollektionen können nur Modekonzerne führen, deren Parfum- und Kosmetiklinien nicht in Lizenz vergeben wurden.

Man wird Mühe haben, unter all den schönen Mänteln, die entweder als vollkommen verschluss- und kragenlose Double-Face Modelle oder als lange und glatte Trenches, nur einmal mit Gürtel, ansonsten offen getragen, zu haben sind, seinen Traummantel zu identifizieren. Ich rechne selbst mit einem fröhlichen aber längeren Anprobieren. Obwohl leichte Wollstoffe mit Kaschmir als Stoffe verwendet wurden, sind das wohl eher Mäntel für den Übergang zum Winter oder vom Winter zum Frühling. Warum nicht, das macht ja auch farblich Sinn, von Kopf bis Fuß in Puderrosé gekleidet, als vornehm-elegante Kirschblüte ins Frühjahr 2013 zu schweben.

Mit einem der sehr gelungenen Kleider darunter. Simons hat hier wie ein Komponist seine Ideen aus vergangenen Kollektionen wieder aufgegriffen und zu neuem Leben erweckt. Es gibt Cut-Outs, die sich aus eloquenten Schnitt- und Linienführungen ergeben, aber auch ganz feenhaft zarte Oberteile und daran angesetzte, mäßig schwingende Röcke, alles wirkt sehr modern, aber nie aufgesetzt und um Originalität bemüht. Das gibt diese Leichtigkeit, die man beim Anblick der Outfits empfindet, die der Trägerin bei ihrem Auftritt nicht die Schau stiehlt, sie nur schöner macht. Und dafür kauft man teure Designerlabels schließlich, oder?

Irgendwie schade, dass es nun – nach sieben Jahren Raf Simons für Jil Sander – mit dieser durch und durch brillanten Kollektion zu Ende ist …. Die Namensgeberein wird bei ihrer ersten Schau im Winter jedenfalls trotz ihres Genies Mühe haben, dem etwas nachfolgen zu lassen, das genauso akklamiert wird, wie Rafs letzte Symphonie …. frenetisch bejubelt, mit Standing Ovations von Ana Wintour, Suzy Menkes und der ganzen Fashion Crowd bedacht. Man darf gespannt sein, wohin das Schicksal den Könner Raf Simons trägt, der nun doch wieder zu seinem Genie zurück gefunden hat.
Das war der emotionale Abschied, aus dem Blickwinkel von Scott Schuman:

Und bitte, schaut euch auch diese fantastischen Schuhe an, wenn ihr euch traut und den Mut habt, dann schon jetzt in der Fantasie in einen Kaufrausch zu verfallen…

Allgemein

Die Woche auf Horstson

Weil Blomquist zur Zeit für seinen Job in Mailand bei den Schauen ist, ist die ganze Arbeit wieder an mir hängen geblieben – nach langer Abstinenz muss ich mal wieder den Wochenrückblick schreiben. Das mache ich natürlich gerne und als kleine Wiedergutmachung hatte mir Blomquist gestern Nachmittag von der Jil Sander Schau ein Handy-Bildchen geknippst. Dank dieses Bildchens weiß ich auch endlich, was ich ihm zum Geburtstag schenke: Ein Handy, was bessere Bilder macht …
Wie dem auch sei – hier die Highlights der Woche:
1) Auch hier in Deutschland war Jil Sander Thema: Die Labelgründerin kehrt zur Jil Sander Gruppe zurück
2) Habt ihr es gesehen? GNTM startete am Donnerstag und Daisydora schaute sich für uns die erste Folge an
3) Das Highlight der London Fashion Week war definitiv Burberry Prorsum. Wir streamten die Schau und für alle, die nicht „live“ am Rechner mit dabei sein konnten, hat Daisydora einen Kollektionsbericht geschrieben
4) Peter überraschte uns mit einer ganz besonderen Tasche: Der Hermès’Sac haut à Courroies‘ in transparenter Variante
5) Jan wollte zur Gerhard Richter Ausstellung. Oh Wunder – er war an diesem Tag nicht der einzige Berliner der sich „Panorama“ anschauen wollte…
6) Was trägt eigentlich der Mann in Düsseldorf? Entgegen einiger Gerüchte kein Bling Bling – zumindest nach der Meinung von Daisydora…

Milan Fashion Week

Die Rückkehr des Chasuble – Prada Womenswear Fall/Winter 2012

Dass ein jahrzehntelang aus der Mode gekommenes Kleidungsstück, dessen Name ich von meiner Großmutter väterlicherseits kenne, ausgerechnet bei Miucca Prada seine fulminante Rückkehr feiern würde, hätte ich mir nie träumen lassen. Das Chasuble ist wieder da! Lang und offen vor sich hin flatternd. Praktischerweise für den Winter und ohne Bluse oder Pulli drunter – so ärmellos wie es ist, getragen. Kann kühl werden, aber das kümmert echte Fashion Victims ohnehin nicht.
Was für eine exaltierte Kollektion, die sich aber ganz cool und supermodern verkaufen will. Am besten, ihr schaut erst mal hier rein, bevor ich euch die Bilder der schönsten Looks zeige und ein paar Worte darüber verliere.

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