Was tut sich denn da..? Ich bin seit einigen Tagen in Maspalomas vor Ort, sitze meist am Rand eines der besten Restaurants am Platz – was hier weniger Übertreibung als Grundhaltung ist – und betrachte das Treiben aus jener privilegierten Distanz, die es erlaubt, alles zu sehen, ohne selbst Teil davon zu werden. Ein stiller Beobachter also, mit Blick auf eine Szenerie, die sich Abend für Abend neu inszeniert.
Es beginnt wie nach einem unsichtbaren Zeitplan. Sie strömen vom Strand und aus den Dünen heran, zunächst vereinzelt, dann in dichter werdenden Formationen, bis sich eine Art Einflugschneise ergibt – zielgerichtet, fast choreografiert. Der Weg führt unweigerlich Richtung Restaurants, später weiter ins Yumbo. Eine Bewegung, die so verlässlich ist, dass man die Uhr danach stellen könnte.
Am Strand selbst herrscht dabei ein bemerkenswerter Minimalismus. Stoff scheint hier eher ein optionales Accessoire zu sein als Notwendigkeit. Wenig bis gar nichts ist die vorherrschende Devise – eine Ästhetik der maximalen Sichtbarkeit. In den Dünen wiederum entscheidet der Zweck über die Garderobe: als Durchgangsraum eher pragmatisch, als Rückzugsort dann oft ganz ohne textile Zwischenschicht. Es ist ein Ortswechsel, der gleichzeitig ein Stilwechsel ist.
Was dabei auffällt – und vielleicht das eigentlich Bemerkenswerte ist – ist die radikale Vielfalt der Körper. Dick, dünn, drahtig, weich, durchtrainiert oder völlig unbeeindruckt von Fitnessstudios. Körper mit Ambitionen und Körper ohne jeden Ehrgeiz, irgendetwas darstellen zu müssen. Auch in den Details: groß, klein, präsent oder zurückhaltend – alles existiert nebeneinander, ohne sichtbare Hierarchie. Und vor allem: ohne Kommentar.
Es ist diese beiläufige Selbstverständlichkeit, die irritiert, wenn man sie mit anderen Orten vergleicht. Anders als etwa in Mykonos, diesem zu perfekten Sehnsuchtsort, an dem der Körper oft wie ein Projekt wirkt – durchoptimiert, geschniegelt bis ins letzte Detail –, scheint hier etwas anderes zu gelten. Weniger Pose, mehr Existenz. Weniger Inszenierung, mehr Gleichzeitigkeit.
Natürlich gibt es auch hier Codes, Looks, kleine Uniformen des Dazugehörens: die knappen Shorts, die Tanktops, die bewusst gesetzten Accessoires zwischen Ironie und Ernst. Aber sie verlieren an Strenge in dem Moment, in dem klar wird, dass sie nicht Voraussetzung sind. Niemand muss hier mithalten. Und genau das verändert den Blick.

Wenn sie dann am Abend in die Restaurants einfliegen, geschniegelt, geduscht, wieder in Stoff gehüllt, wirkt das Ganze fast wie ein zweiter Akt. Aus der körperlichen Offenheit des Tages wird eine stilisierte Abendversion, als hätte man gemeinsam beschlossen, jetzt wieder eine Rolle zu spielen – allerdings ohne den Zwang, sie perfekt auszufüllen.
Und während ich all das sehe, dieses Kommen und Gehen, diese Körper, diese beiläufige Akzeptanz, wird mir fast unmerklich bewusst, wie selten so etwas ist. Wie leicht es hier wirkt, wie nebensächlich – und wie wenig selbstverständlich es andernorts noch immer ist. Vielleicht liegt genau darin eine leise Melancholie: dass diese Freiheit, diese entspannte Gleichzeitigkeit von allem, nicht einfach überall existiert.
Und ich sitze weiterhin an meinem Tisch, schaue hinaus in die warme Dämmerung – und denke, dass es schade ist, dass nicht jeder Ort auf der Welt ein Stück weit diese Leichtigkeit in sich trägt.

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