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Was macht eigentlich François Girbaud?

François Girbaud; Foto: Neil Bedford

Eine Kampagne ist dann gut, wenn sie entweder den Betrachter in den Bann zieht, eine Geschichte erzählt, die Kollektion (oder das Dargestellte) begehrenswert macht oder überrascht. So einfach ist das. Oder eben nicht.
Die neue Herbst-Winter-Kampagne von C.P. Company zählt zweifelsohne zu den Guten, nicht zuletzt, weil ein legendärer Modedesigner Teil des Casts ist. Doch von Anfang an: Das Luxuslabel hat sich entschieden, sechs Personen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen in Szene zu setzen.
Verantwortlich hierfür war Neil Bedford, der Menschen fotografiert hat, die sich in kulturellem Hintergrund, Alter, Geschlecht und Interessen sehr voneinander unterscheiden. Und so sind unter anderem Gué Pequeno, ein Eckpfeiler des italienischen Hip-Hop-Szenarios, und François Girbaud, eine lebende Legende dessen, was heute als Streetwear bekannt ist.

Es bedarf einer echten Vision und großer Weitsicht, um mit der Konzeption seiner Marke und den Produkten den Mitbewerbern um Lichtjahre voraus zu sein. So ein Visionär war François Girbaud: Gemeinsam mit seiner Frau Marithé kreierte er aus der Vorliebe für Denim und Jeans, der Liebe zur Architektur und dem Einfluss der japanischen Designer, die traditionelle asiatische Kimonoschnitte mit westlicher Kultur mischten, einen Sportswear-Stil, der Anfang der 1970er-Jahre absolut ungewohnt war. Marithé und François Girbaud verarbeiteten neue Materialien und entwickelten für ihre Kollektionen eigene Gewebe. Jeans und Denim bekamen durch die beiden Designer ein neues, zeitgemäßes Gesicht – eine neue Version der Sportswear wurde plötzlich alltags- und generationstauglich, nicht zuletzt durch das Label „Closed“, das Girbaud 1978 als „ÇA“ gegründet hat (das allerdings umbenannt werden musste, um Namensproblemen aus dem Wege zu gehen).

Seine Herangehensweise, zusammen mit seiner Frau Marithé, an Workwear und insbesondere Denim, ähnelt in Bezug auf Militäruniformen und Outdoorbekleidung der von C.P. Company. Die Wege von Girbaud und Osti kreuzten sich, die Modewelt war damals noch etwas überschaubarer, in den 1980er-Jahren immer wieder, als sie Lieferanten, Techniken, Fabriken und Ideen in der Emilia Romagna, Italien, teilten und „um sie kämpften“.
Nach einem kleinen Comeback bei Closed vor vier Jahren ist der 76-jährige Girbaud so kreativ wie eh und je und bringt nicht nur Kleidungsdesigns hervor, sondern ganze Herstellungs- und Einzelhandelskonzepte, die er unbedingt in die Tat umsetzen möchte.

In seinem Porträt für C.P. Company trägt Girbaud den neuen herausnehmbaren Flatt Nylon Parka mit militärischen Referenzen, kombiniert mit einem Paar Mokassins der amerikanischen Ureinwohner – entworfen von Girbaud mit dem Künstler Scott Bold in Santa Fé in den frühen 1980er-Jahren – Andenwolle-Sturmhaubenmasken aus der peruanischen Stadt Cusco und Hosen, die Techniken wie verschmolzene Nähte und Laserschneiden mit einem handgefertigten Ansatz kombinieren.

Neben Gué Pequeno und François Girbaud sind die bildende Künstlerin und Filmemacherin Alina Akba, Linus Nutland, der Gründer der Nike-Resell-Plattform Servershop, dem Schüler Marvin Miller sowie dem Autoren und Lehrer Riaz Khan aus Leicester, England.

1 Comment

  • Carsten
    22. September 2022 at 17:50

    Girbaud, C. P. Company und Stone Island waren ja bereits Ende der 80er gute beste Freunde bei Maison G by Mantelhaus Goertz. Dazu gehörte aber weniger das Skateboard unter die Füße als vielmehr die Vespa unter den Hintern.

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