Männermode

Modisches Pferdeportait

(Uli Weber, „Mano Mora 1“, 2019)

Heute ergab sich folgende Situation: Ich auf dem Rennrad, vor der Realität flüchtend Richtung Altes Land, rasend schnell unterwegs. Hamburg gerade hinter mir gelassen und sämtliche bad vibes aka Zukunftsbedenken temporär auf off geschaltet. Ich lüge nicht, wenn ich sage, dass ich sehr schnell war. Vielleicht auch zu schnell, egal. Voller Elan wollte ich meine Bestzeiten knacken und ein Ventil zum Auspowern finden – kennt ihr das? Kaum in der Natur angekommen, hatte sich das Ganze dann schnell von selbst erledigt. Just innerhalb weniger Sekunden taten sich Pferdewiesen auf, Schnappatmung. Kennt ihr das auch? Vermutlich nicht!

Das ist nämlich so: Wenn ich irgendwo Pferde sehe, ist alles andere nebensächlich. Total egal und ausgeblendet, Mann, Familie und Freunde wissen Bescheid über meine Passion. Das können berittene Polizisten sein, Kutschen oder Ponys am Wegesrand – alles muss bestaunt und gestreichelt werden. Hin da, sofort und schnell. Ich also von gefühlten 100 km/h ran an den Zaun. Weiche Pferdenasen en masse gestreichelt, nichts gefüttert. Das mache ich nicht, niemals. Aus eigenen Erfahrungen weiß ich, dass man das mit dem Füttern tunlichst nicht tun sollte: denn Kolik- und Krankheitsgefahr gehen damit einher. Die Fellnasen bleiben immerzu bei mir stehen, auch heute. Ich also gute 40 Minuten gestreichelt, gekrault und massiert. Hinter den Ohren, am Hals und zwischen den Augen.

Mein Rennradausflug war somit schnell passé, die Motivation war schneller auf dem Rückweg als ich vorher in die Natur gespurtet war. Kaum zurück in Hamburg, erreicht mich dann diese bildgewordene Nachricht im Postfach: Pferdeportraits, krass ist das ein Zufall. Krass sind die gelungen. Warum aber kriege ich als Modeschreiber Fotos von Pferden geschickt? Fragender Blick meinerseits! Meine Ratlosigkeit wurde schnell aufgelöst, denn darunter folgte eine sehr ausführliche Pressemitteilung: Zusammengefasst geht es um die langjährige Partnerschaft zwischen Hackett London und dem britischen Army Polo Team. Unter dem Titel „Polo 150“ werden 150 Jahre des Army-Polo-Reitsports in UK gefeiert. Genau hier kommt es nun zu besagten Bildern der edlen Vierbeiner: Hackett London engagierte nämlich niemand Geringeres als Uli Weber für ein Fotoshooting der besonderen Art.

Vor der Linse des gebürtigen Deutschen – der sonst Künstler wie Sting oder Stephen Fry fotografiert – stand kein hochdotiertes Supermodel im Vordergrund, sondern primär stolze Vierbeiner im Poloeinsatz. Wow, sind die gut gelungen. Ich klicke mich durch die fünf exklusiven Fotografien, ein zweites und drittes Mal. Findet ihr die Bilder auch so gut? Oder bin ich – wie oben bereits beschrieben – bei solchen Motiven zu eindimensional pferdeverrückt? Ich werde die Fotografien mal für sich sprechen lassen und binde lieber noch ein Zitat von Uli Weber ein, dass aus der Pressemitteilung stammt: „I wanted to create a set of iconic and striking images that celebrates 150 years of Army Polo by highlighting the raw and powerful nature of equine power versus human strength, yet also show the beauty and grace of that relationship. The inspiration came from the relationship between horse and rider and the mysterious, symbiotic, and ancient relationship between man and beast. I am very honoured to be collaborating with Hackett to celebrate 150 years of Army Polo and what better way is there to raise awareness and funds for such an excellent cause.”

Die fünf Aufnahmen hätte ich gerne, also alle zusammen und sturzsicher verpackt, nach Hamburg geschickt. Dass es dazu nicht kommen wird, ist mir und meinem Geldbeutel glasklar und umso erfreulicher ist es für andere Interessenten zu hören, dass die schicken Schwarzweißfotos und noch weitere Poloaufnahmen aktuell online versteigert werden. Die Erlöse fließen allesamt an die UK Armed Forces Polo Association. Hackett London, langjähriger Partner ebendieser, stellt parallel zum 150. Geburtstag eine Capsule Collection vor: Für Spring/Summer 2019 wird eine zehntteilige Kollektion erwerbbar sein. Die ist wiederum nicht nur für das Team des „königlichen“ Pferdesports angedacht, sondern auch für die interessierte Käuferschaft. Das schaue ich mir auf jeden Fall mal an, auch wenn dann wohl kaum Poloponys in der Boutique stehen werden.

Anbei einmal die Fotografien zur Zusammenarbeit von Uli Weber x Hackett London. Ich freue mich über euer Feedback und vielleicht gibt’s ja hier auf Horstson noch mehr Pferdeenthusiasten? Hallo, hier, ihr seid nicht alleine!

  • fred
    6. Juni 2019 at 14:45

    @JULIAN

    Das mit der Bestzeit kenn ich. Bei mir ist das aber, wieviel Schokolade kann ich essen.