Kultur

Männer im Korsett

(Foto: Yan Revazov)

Es gibt wohl niemanden, der nicht zumindest als Kind Dornröschen gelesen, oder einen der zahlreichen Verfilmungen gesehen hat. Dementsprechend gemischt war an diesem Abend auch das Publikum in der Deutschen Oper in Berlin. Besonders die sehr jungen Besucherinnen wollten Tschaikowskys Traum über Liebe, Magie und einer Menge Schlaf live erleben.
Zum Glück war die Inszenierung alles andere als modern interpretiert. Der Prolog startet in einem beeindruckenden Setting des Palastes von König Florestan und seiner Gemahlin. Die Kostüme sind dabei zum Teil bis zur Grenze des Kitsches besetzt mit Steinen und Spitze, aber dennoch immer noch wunderschön. Für Kostüm und Bühne ist Angelina Atlagic verantwortlich, die u.a. schon für das Bolschoi Ballett arbeitete. Die Detailverliebtheit und die Atmosphäre des Bühnenbildes sind durchgehend beeindruckend und immer ein Hauch „too much“.

(Foto: Yan Revazov)

Aber zurück zum Prolog. Natürlich ist nicht alles bunt und süß, sondern es muss ja auch die böse Fee geben. Und diese wird interessanterweise nicht von einer Frau, sondern von Rishat Yulbarisov getanzt. Dieser in Korsett, lange Samthandschuhe und dramatischer Robe gekleidete Herr, stürmt begleitet von seinen schimmernd befederten Gehilfen und einer großen schwarzen Satinplane (anders kann man es einfach nicht beschrieben) auf die Bühne. Das sorgt dann doch beim ein- oder anderen Besucher für Diskussionen. Den Rest der Geschichte kennt man. Böse Fee verflucht Prinzessin Aurora nur, weil sie nicht eingeladen wurde. Prinzessin (getanzt von Iana Salenko) wird wunderschön, sticht sich aber irgendwann an einer in diesem Fall wirklich SEHR großen Nadel und fällt in einen tiefen Schlaf. Prinz Desiré entdeckt dank der Fliederfee im Dornenwald (erneut wunderschön als Bühnenbild dargestellt) die Prinzessin, Kuss, Happy End. Und natürlich riesen Party im Königshaus mit einer an dieser Stelle erwähnenswerten Einlage zweier weißer, um es mal vorsichtig zu sagen, „flauschigen“ Kätzchen am Ende, die hier und da für ein paar Lacher im Publikum sorgten.
Das war die Kurzversion des insgesamt 170 Minuten langen Stückes von (noch) Intendant Nacho Duato der damit beweist, dass er auch klassisch kann. Aber natürlich immer mit einem kleinen Ausreißer. Und was lehrt uns das? Cat Content und Männer in Frauenkostümen ziehen immer noch.

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  • Peterkempe
    23. Oktober 2017 at 23:09

    Super toll!

  • Monsieur Didier
    4. November 2017 at 19:14

    …das liest sich wirklich wunderbar und sehr verlockend…
    mal schauen, ob ich noch Karten für eine Aufführung ergattern kann…
    wenn ja, bin ich im sicherlich sehr berührten und begeisterten Publikum…

    danke für den Tipp…!