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Hola Barcelona – Miriam Ponsa

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Fotos: 080 Barcelona Fashion/ Press

Angst, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung – Die Designerin Miriam Ponsa ehrt mit ihrer neuen Kollektion die Opfer des Spanischen Bürgerkriegs. Beinahe 500.000 Kriegsflüchtlinge wurden alleine 1939 ihrer spanischen Heimat beraubt und in Frankreich interniert. Ponsa entscheidet sich bei ihrer Hommage für eine einführende Foto- und Videovorschau, die genau dieses Leid visualisiert – ich bekomme einen Kloß im Hals. Ist das der richtige Ort, um Hundertausenden Kriegsopfern zu gedenken und anschließend sektglasklirrend zur nächsten Modenschau zu hetzen? Ich bin ratlos, nein, vielmehr voreingenommen: Das Publikum zückt die Kameras und wartet auf den ersten Look der Kollektion. Es geht los: Zhenya Katava, elfengleiche Erscheinung mit stechend-blauen Augen, eröffnet die Show. Keine Überraschung, sie sieht in etwa so aus wie eine Vertriebene. Vielleicht keine Vertriebene aus dem Jahre 1939, vielleicht eher aus einem Science-Fiction-Blockbuster? Lagenlook rules, obgleich die Intention eine Hommage an Kriegsflüchtlinge ist oder nicht. Wieder einmal bin ich voreingenommen, diesmal aber von mir selber: Wer sagt mir eigentlich wie eine Vertriebene auszusehen hat? Lässt sich der Anblick dermaßen platt pauschalisieren? Relativ schnell entscheide ich mich für ein Kopfschütteln und knipse vorerst jegliche Inspiration von Miriam Ponsa aus:
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Fotos: 080 Barcelona Fashion/ Press
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Fotos: 080 Barcelona Fashion/ Press

Ich notiere jede Menge gelungene Oversize-Ausführungen, maximales Volumen dank Latex- und Wollgemischen sowie Strickarbeit. Apropos, die Strickarbeit scheint im höchsten Maße perfektioniert: Ein Blick auf den grau-schwarzen Pullover genügt. Generell habe ich den Eindruck, dass beinahe alle Kollektionsstücke unisex tragbar sind, gut für uns! Die spanische Designerin beehrt schon seit mehreren Saisons die 080 Barcelona Fashion und überrascht jede Saison mit einer anderen Inspiration: Mal sind es die „Mule Woman“ aus Afrika oder die Sherpa des Himalayas. Diesmal also die Vertriebenen des Spanischen Bürgerkriegs, die Farbauswahl soll Melancholie versprühen (so steht es zumindest im Pressematerial): Grau, Khaki und Schwarz. Die Show ist vorbei, es wird frenetisch gejubelt und Miriam lässt sich für einen kurzen Moment auf dem Laufsteg blicken. Ich klatsche ebenfalls, bin begeistert von der hochwertigen Verarbeitung der Mode und doch etwas misstrauisch über die Inspiration und mich selbst: Kann mich irgendjemand verstehen? Wie dem auch sei, ich nähere mich einfach mal mithilfe von einem Kurzgespräch und Notizen an…
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Fotos: 080 Barcelona Fashion/ Press
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Fotos: 080 Barcelona Fashion/ Press

Gesprächsbedarf:

Wie lässt sich deine Kollektion in einem Satz beschreiben?
Meine Kollektion beschreibt den langen Weg von der Heimat zur Hoffnung. Ich beschäftige mich viel mit dem Thema Exil: Menschen müssen ihre Heimat verlassen und leben in einer zerreißenden Ungewissheit. Sie sind auf der Suche nach einer Zuflucht, Hoffnung.

Dein absolutes Lieblingsteil?
Der Einsatz vom sogenannten „Smoke-Strick“ gefällt mir sehr gut. Damit sind die Oberteile gemeint, die netzartig gestrickt worden sind und beinahe geometrisch wirken.

Für die kommende Saison unverzichtbar…
Strickarbeit, garantiert ein saisonübergreifender Trend!

Deine Inspirationsquelle?
Für die Lieblingsteile? Sie sind, in Anlehnung an mein Thema, eine Metapher für Schutzbekleidung. Für die gesamte Kollektion? Eine Hommage an die Flüchtlinge des Spanischen Bürgerkriegs.

Du liebst deinen Job, weil…
Ich liebe es, das Fitting vorzubereiten. Zu diesem Zeitpunkt sind wir so gut wie durch mit der Kollektionsarbeit und können uns auf die bevorstehende Show freuen. (lacht)

Zukunftspläne?
Gemeinsam mit Designerkollegen, mitunter mit Josep Abril (das Interview gibt es hier zum Nachlesen), planen wir gemeinsame Neueröffnungen von Stores. Das kann hier vor Ort sein, gerne aber auch woanders!

Irgendwelche Barcelona-Tipps für unsere Leser, obwohl du aus Valencia kommst?
Kommt gerne in meinen Läden vorbei: Ganz in der Nähe, in der c/Princesa 14 (08003 Barcelona/Born) findet ihr meine Kollektion zum Beispiel.
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Fotos: Julian Gadatsch

Notizen zur Schau:

Sehr berührende Fotos/ Toller erster Look/ Starstruck: Zhenya Katava, das bildhübsche Model aus Weißrussland, ist mir erstmals bei Dolce&Gabbana aufgefallen und sieht auch hier bezaubernd aus/ Jon trägt Decke und Koffer spazieren/ Die Looks der Damen wirken diesmal stärker/ Sehr viele dunkle Farbtöne/ Lagenlook/ Der Materialmix gefällt mir ausgesprochen gut/ Fokus aufs Schuhwerk/ Unentschlossen, ob mir die Pantoffelausführung zusagt/ Pinselstriche: Wieder einmal Margiela als Inspiration?/ Großstadtnomade/ Einmal das Cape zum Mitnehmen bitte!/ Wiedererkennungsstickereien von Kinder auf der Brust
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Fotos: Julian Gadatsch
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Fotos: Julian Gadatsch

Backstage-Moment:

Ähnlich wie bei den letzten Gesprächen, bleiben mir nur wenige Minuten für meine Fragen. Es herrscht Hektik, die Kollektion wird ein letztes Mal inspiziert: Miriam antwortet sehr interessiert und hat ebenfalls Kinder um sich herumtollen. Sie stellt mir ihren kleinen Sohn vor, der kurzerhand das Kurzinterview mitverfolgt. Nach ein paar Minuten brechen wir auf, sie möchte keinesfalls die Show eines befreundeten Kollegen verpassen: Das Gespräch endet auf den Sitzplätzen, Licht aus. Weiter geht’s!
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Fotos: Julian Gadatsch

Mein Modehighlight:

Der XXL-Strickpullover darf sofort in meinen Schrank wandern und bringt mich garantiert durch die letzten Winterwochen in Hamburg. Ich bin etwas stutzig, wird es in Spanien überhaupt so kalt?! Wie dem auch sein, ich bin begeistert von Miriam Ponsas Strickarbeit…

Weitere Informationen unter miriamponsa.com

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  • Horst
    11. Februar 2015 at 12:00

    Ehrlich gesagt find ich die Inspiration etwas schwierig … Ich find‘ auch das „Weltkriegskostüm“ für Kinder komplett daneben: http://www.n-tv.de/panorama/Onlinehaendler-irritiert-mit-Weltkriegskostuem-article14485006.html

    Den Pulli find ich auch super!

  • Julian Gadatsch
    11. Februar 2015 at 12:03

    Den bitteren Beigeschmack habe ich auch verspürt, obwohl die Designerin das bestimmt nicht in der Form beabsichtigt hat: Im Nachhinein denke ich, dass sie die Chance nutzen wollte, um das Thema im Bewusstsein zu behalten.. Naja, es ist und bleibt schwierig – Kloß im Hals garantiert!

  • Siegmar
    11. Februar 2015 at 15:56

    Der Ansatz mit den Flüchtlingen ist absolut daneben, in der Kollektion sind ein paar schöne Teile der Pullover ist klasse.