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H&M geht juristisch gegen Blogger vor …

HM Dandy Diary
Bild: Screenshot Pressemitteilung

Gestern kam es vermutlich zu Schnappatmungen bei einigen Modebloggern und Kunden der Bekleidungskette „H&M“: In einem Video, welches das Modeblog „Dandy Diary“ morgens veröffentlichte, wurde suggeriert, dass die gerade in den Läden ein eher trauriges Dasein fristende „Alexander Wang x HM“ Kollektion tatsächlich von Kindern zusammengenäht wurde. Das es sich um ein Fake handelt, war offensichtlich, da es mindestens 3 Lottogewinne an einem Tag bedarf, mehr oder weniger zufällig in eine Fabrik in Indien zu filmen, wo Kinder gut gelaunt die Klamotten der „Alexander Wang x HM“ Kollektion nähen, da „H&M“ in Bangladesch herstellt und die Etiketten im Video weiß waren, im Laden sind sie es hingegen nicht …

Einige Blogger, die dem schwedischen Konzern verdächtig nahe stehen, griffen daraufhin das Thema „Alexander Wang x H&M – Fair Trade Fashion“, so der schmissige Name des Videos, auf und empörten sich mehr oder wenige indirekt darüber, dass sich doch eigentlich hinsichtlich der Produktionsstätten und -Bedingungen etwas tun müsste – schließlich wurde es ihnen doch immer wieder von „H&M“ versichert und das sei doch auch der Grund, warum man „H&M“ und allen Labels, die noch zu dem Konzern gehören, die Treue hält. Inditex hat ihnen das allen Anschein nach nicht versichert und somit wurde, gewollt oder nicht, Inditex zum Buh-Mann.
Um nun auch nicht in die Rolle des Buh-Manns zu geraten, musste „H&M“ reagieren, schließlich galt es, ein mühsam erarbeitetes und durch große Events gut bezahltes Saubermann Image aufrechtzuerhalten und kündigte gestern Abend in einer Pressemitteilung an, juristisch gegen das veröffentlichte Video von „Dandy Diary“ vorzugehen:

Gegen das heute veröffentlichte Video von Dandy Diary geht H&M juristisch vor.

Die nach eigenen Angaben der Autoren in Indien aufgenommenen Videoaufnahmen zeigen nicht die Produktion von Teilen der Alexander Wang x HM Kollektion. Diese Kollektion wurde nicht in Indien produziert.

Zudem duldet H&M ausweislich seines im Internet unter http://about.hm.com/filearea/corporate/fileobjects/pdf/en/RM_DOWNLOAD_CODEOFCONDUCT_PDF_GERMAN_1165868712113.pdf abrufbaren Verhaltenskodex ausdrücklich keine Kinderarbeit und bezieht sich dabei auf die UNO-Konvention über die Rechte des Kindes und die Konventionen 138 und 182 der ILO (International Labour Organization).

Alle unsere Lieferanten verpflichten sich mit ihrer Unterschrift, den Verhaltenskodex von H&M zu befolgen. Unter anderem bedeutet dies, der Forderung von H&M nachzukommen, unter keinen Umständen Kinderarbeit einzusetzen. Unsere H&M Auditoren führen regelmäßige Kontrollen durch, um sicherzustellen, dass keine Kinder in den Fabriken der Lieferanten arbeiten.

Ich frage mich aus zweierlei Hinsicht, ob sich „H&M“ damit einen Gefallen getan hat: Zum einen gehe ich davon aus, dass es „Dandy Diary“ in erster Linie nur darum ging, möglichst viel Wirbel um sich zu veranstalten. Man könnte sagen, sie wollten provozieren. Das, was ihnen bei einigen anderen Themen nicht so richtig gelungen ist, scheint jetzt aufzugehen …
Zum anderen werden die beiden Blogger das Video als Kunst verstehen, die bekanntlich eine gewisse Freiheit in Deutschland genießt und die durchaus auch provozieren muss, oder?

Ich bin auf Eure Meinung gespannt!

Edit: Das Video ist mittlerweile gelöscht.

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  • Lars
    7. November 2014 at 12:32

    Hab das Video auch gesehen, ich drücke H&M die Daumen

  • Siegmar
    7. November 2014 at 14:47

    zumindest ist ein riesiger PR-Erfolg für Dandy diary. Das sich DD in 1. Linie über Werbung finanziert werden die zig-tausend Klicks mehr auch ein bißchen mehr Einkommen in die Kasse der beiden Jungs spülen. Ich finde das Video auch nicht gelungen, ebenso wenig wie damals der Flitzer bei eine Dolce & Gabbana Show.

  • Monsieur_Didier
    7. November 2014 at 15:10

    …Dandy Diary sind ja eher schwierig im Umgang mit kritischer Meinung, besonders wenn diese auf sie selber bezogen ist, aber grundsätzlich ist diese Reaktion, dass man gerade auf breiterer Front über H&M + Kinderarbeit spricht, möglicherweise sogar über Kinderarbeit ebenfalls anderer Hersteller, ist ja begrüßenswert…!!!

    ach ja, entgegen aller Erwartungen fristet die “Alexander Wang x HM” Kollektion gar kein sooooooo trauriges Dasein in den Läden…
    ich bin gestern (06. November) gegen 12:00 sowohl im Männer-Store als auch im Frauen-Store gewesen, um mir die Kollektion im Echtzeitmodus anzusehen, und da war überraschenswerterweise bei den Männern fast alles ausverkauft und bei den Frauen gab es riesige Lücken…
    und die ganze Friedrichstraße war bevölkert von Kids, die riesige “Alexander Wang x HM”-Einkaufstüten trugen…
    ich war, zugegebenermaßen, doch sehr überrascht…

  • Siegmar
    7. November 2014 at 17:18

    @ Monsieur_Didier

    Dandy Diary wird seinen Spass daran haben. Bei Alexander Wang war ich auch sehr überrascht, haben tatsächlich viel abverkauft. Im online Store gibt es aber sicherlich noch genügend. Die Kids wissen nicht wer Alexander Wang ist sondern ließen sich vom dem Hype beeindrucken. Genügend findest du sicherlich auch bei ebay da dort die Kollektionen ja gerne angeboten werden. Dir ein schönes WE.

  • Horst
    7. November 2014 at 18:35

    @Siegmar sie haben ja keine Werbung auf ihrem Blog geschaltet, insofern bringt eine kurzfristige Klickwelle nichts, außer so etwas wie PR. Ich bin mir auch nicht so ganz sicher, ob sie mit Porno, Flitzer und nun halt ein solches Video ein Umfeld schaffen, welches Unternehmen suchen … 😉

    @Monsieur vielleicht gibt es ein Berlin-Hamburg Gefälle – gestern Abend waren „H&M“ in HH noch recht gut sortiert und Online gab es heute Morgen auch noch alles.

    Das Video wurde übrigens mittlerweile von DD entfernt.

  • Monsieur_Didier
    8. November 2014 at 15:54

    …lieber Siegmar, lieber Horst, lieber Peter…
    Euch auch ein schönes, sehr besonderes Wiedervereinigungs-Wochenende…
    und allen anderen selbstverständlich ebenfalls 🙂

  • Adi W.
    2. Februar 2015 at 18:44

    das war eine ganz peinliche und armeselige Nummer von den selbstdarstellern – ich finde die sehen auch schon aus wie der crystal meth junkie bei breaking bad – wahrscheinlich bekommen sie deswegwn auch nicht mehr so viel mit außerhalb ihres stranges cosmos