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H&M als „Neo-Skandalnudel“?

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Bild: Eylon Aslan-Levy

Von American Apparel kennen wir das: da sitzen die sicher auch wahnsinnig gut bezahlten „Marketingfuzzis“ auf ihren ergonomisch designeten Stühlen von Vitra* herum und denken scharf nach, womit man das Unternehmen mal wieder in die weltweiten Breaking-Fashion-News katapultieren könnte. Muss ja nicht immer gleich was mit Mode und gutem Geschmack zu tun haben!
Das dürfte sich nunmehr Magareta van den Bosch, der Head Of Design bei H&M zum Vorbild genommen haben – und schwupps, gab es Männer Tanktops mit Totenkopfmotiv mitten auf einem Davidstern. Brilliant, eine denkwürdige Glanzleistung der Designabteilung der Schweden, die geschätzt eine Hundertschaft gut ausgebildeter Wohlstandsbürger mit schrankenlosem Zugang zu Printmedien, der Presse und dem Internet beschäftigen. Oder?
Kann so was Zufall sein? Wohl kaum! Da muss man ja schon hinter dem Mond leben, wenn man nicht merkt, dass so was eigentlich gar nicht geht. Mal davon abgesehen, dass ich lange nachdenken muss, um mich zu erinnern, wann ich zuletzt ein so hässliches Tanktop gesehen habe …

Dass hier die Grenzen des guten Geschmacks mit einem klar rassistischen Motiv verletzt werden, das hatte nicht etwa jemand aus der Geschäftsleitung bei H&M erkannt, dort hat man wichtigeres zu tun. Der Blogger Eylon Aslan-Levy hatte in einem Beitrag für die Zeitung „The Times Of Israel“ über das T-Shirt berichtet, das er in einer H&M Filiale in London entdeckt hatte. „Totenköpfe und Davidsterne passen nicht zusammen“, so beschrieb er das T-Shirt in seinem Artikel und forderte die Leser gleichzeitig dazu auf, sich bei H&M zu beschweren.

H&M hat auf den Skandal reagiert: erstens mit einer „Rückholaktion“ und man hat sich auch dafür entschuldigt. Die Subline des Artikels in der Times Of Israel: „Retail giant apologizes for controversial tank top“. Soso: umstritten ist das und es tut uns sooooooooo leid.

Irgendwie kann ich bei dem Entwicklungsstand unserer Informationsgesellschaft nicht verstehen, wieso, wenn schon solche „Designer“ bei H&M ihrem Job nachgehen, die Marsmännchen sein dürften, warum da Margaretha van den Bosch nicht mal kurz zwischen zwei Red Carpet Terminen und den Vorbesprechungen für die nächste Collaboration, drauf schaut … was alles so an „Designmüll“ in die Läden raus geht. H&M bezeichnet den Vorgang als Kontrollroutinen, die diesmal nicht ausreichend gewesen sein sollten … Abraham Cooper, der stellvertretende Leiter des Simon Wiesenthal Centers hatte zurecht genau das kritisiert.

So viel Ärger und schlechte Presse kann ein Tanktop für 10 Euro machen. Zum unpassenden Zeitpunkt, da der Kurs der H&M-Aktie wegen der laufenden Probleme bei der Expansion des Onlinehandels gerade leicht einbricht. Hier der Horstson-Service für die zwei unter unseren Lesern, deren schusselige Investmentberater irrtümlich kauften: minus 3,6 Prozent (donnerstags). Der Gewinn vor Steuern steig im ersten Quartal des Jahres, das bei den Schweden immer im Dezember des Vorjahres beginnt um 8 Prozent auf 3,5 Milliarden Kronen (393 Millionen Euro), aber ach, die Analysten hatten mit 3,8 Milliarden Kronen gerechnet. Der Umsatz, das ist sicher nicht die um die Expansion bereinigte Zahl, stieg um 12 Prozent.

Genug der Börsennachrichten der Schweden – was sagt ihr dazu? Kann schon mal passieren, bei einem so großen Sortiment. Oder, das hat man absichtlich nicht sehen wollen … oder?

*wir wünschen allen Arbeitnehmern nur das beste, daher sind das in meiner Fantasie bei AA Bürostühle von Vitra

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  • Mia
    29. März 2014 at 14:35

    glaub die haben sie einfach im Photoshop geirrt und die falsche Sternvorlage ausgewählt.

  • Eveline
    29. März 2014 at 21:08

    Ich glaube auch, da wollte ein überarbeiteter Designer ein Pentagramm oder so haben. Aber das ist natürlich keine Entschuldigung.

  • Siegmar
    31. März 2014 at 12:25

    ich weiß nicht ob die sie geirrt haben oder nur ein „bißchen“ provozieren wollten. So was darf einfach nicht passieren, das ist besonders schlimm in Zeiten wo die „Rechten“ europaweit wieder auf dem Vormarsch sind, siehe Wahlen in Frankreich.

  • Daisydora
    31. März 2014 at 15:20

    @Mia

    Möglich ist alles, aber wenn das Teil aus dem Designstudio kommt, muss man ja drauschauen, um zu wissen, ob der Entwurf überhaupt gut ist ….

    @Eveline

    Pentagramme sind sehr beliebt auf rockigen T-Shirts, das stimmt … aber, es ist, wie Du sagst, für so einen Konzern, sehr doof …

    @Siegmar

    Man ist hin und her gerissen, ich tendiere auch zu der Vermutung. Erstens ist das Schweden, wo man Vorbild sein will gegen rassismus und zweitens ein Megakonzern …. die politische Entwicklung sehe ich ebenfalls mit Sorge …

  • dahi.
    5. April 2014 at 13:28

    das ist wirklich makaber und total geschmacklos. ich frage mich auch wirklich, wer sich das hat einfallen lassen können … stimmt mich sehr nachdenklich.