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Happy Easter, liebe Leser x Papst Benedikts Sixtina Spring/Summer 2011

Es ist Ostern und ich darf euch allen – naturgemäß überkonfessionell gemeint – Happy Easter zurufen und schöne – für die meisten sogar sonnige – Feiertage wünschen. Wir haben ja fast alle frei, während der oberste Vertreter der Kirche, Papst Benedikt, richtig gut zu tun hat dieser Tage. Der päpstliche Segen Urbi et Orbi am Ostersonntag ist sowas wie die jährliche Hauptveranstaltung der Christen und los ging es ja schon mit dem traditionellen Kreuzweg am Kolosseum am Karfreitag und den Fusswaschungen. Den Höhepunkt der Oster-Feierlichkeiten im Vatikan bildet die Messe zur Osternacht am Samstag-abend. Da sind der Vatikanstaat, der Petersdom, der Petersplatz und die Sixtinische Kapelle voll und jeder Pilger oder Glaubenstourist will zumindest einen flüchtigen Blick auf den Heiligen Vater erhaschen. Auch wenn den meisten der Bewunderer des Papstes das nicht bewusst sein dürfte, weil der Heiligen Vater ja kein Karl Lagerfeld der Kirche auf Erden ist, gibt es da sehr viel an modischen Traditionen und Gestus, wie Daisy beim Sichten von Bildern und kleinen Filmchen aufgefallen ist. Dass die jeweilige Bedeutung des christlichen Festes eine dementsprechend festliche Garderobe des Pontifex erfordert, leuchtet ein.

Man gewinnt aber den Eindruck, dass die Kirche es über das Erfordernis würdiger Kleidung zu zelebrieren versteht, der Welt und den Gläubigen stets einen besonders gut gekleideten Papst präsentieren zu können. Mein unangefochtener Favorit aller päpstlichen Outfits ist das weiße Mantelkleid für alle Tage – getragen mit den Roten Schuhen vom päpstlichen Schuhmachermeister Adriano Stefanelli (www.adriano-stefanelli.it). aus Novara. Die bequemen Loafers des Heiligen Vaters sind aus feinstem Nappaleder und können auch von unsereins mit den eigenen Initialen versehen bei Signor Stefanelli geordert werden. Mir stehen solche Schuhe nicht, sonst würde ich ein Paar feine Himbeerrote Daisy Loafers mit Monogramm bestellen und damit durch Hamburg schweben und heimlich nachts an der Außenalster versuchen, ob man damit eventuell auch über Wasser gehen könnte….

Nein, ganz im Ernst: Ältere Herren, mit weißem Haar, wie der von mir als theologischer Philosoph sehr geschätzte und gemochte Papst Benedikt, sollten öfter ganz in Weiß gekleidet auftreten. Das sieht einfach sehr elegant und gut aus, lenkt nicht vom Wesentlichen, den Botschaften, ab. Aber zu gucken gibt es modisch gesehen insgesamt sehr viel, da der Heilige Vater, die Kardinäle, Erzbischöfe und anderen kirchlichen Würdenträger es im Kleiderschrank streng genommen nicht einfacher haben wollen und müssen, als ihre Tage in einer Art Haute Couture Kollektion zu verbringen, die ich der Einfachheit halber Sixtina nenne. Ganz wie bei den bekannten Kollegen der letzten Couturehäuser in Paris, werden nach Maß von Hand gefertigte Mäntel und Kleider aus feinsten italienischen Wollstoffen mit geklöppelten oder gehäkelten Spitzen und kostbaren Stickereien versehen, nicht selten mit echten Goldfäden prachtvoll gestaltet. Knopflöcher und Kanten sind von Hand mit kontrastierenden Farben paspeliert – kurzum, alles, das in der normalen Konfektionsherstellung viel zu aufwändig und teuer wäre, wird zu Fertigung der Gewänder des Heiligen Vaters und seiner Gefolgschaft immer benötigt. Dementsprechend gut sitzend sind die Outfits der Geistlichen. Daisy hat noch nie ein Bild gesehen, auf dem die Schulterpartien des päpstlichen Mantels an Ostern nicht richtig saßen…. und ich wünsche mir ehrlich gesagt auch nicht, dass er den Segen Urbi et Orbi in etwas weniger perfekt sitzendem spenden müsste. Für mich ist das ja auch so eine Art Folklore. In prachtvollem Kirchenambientes will ich ehrlich gesagt nur vollkommen entrückt erleuchtete ältere Herren in solchen Gewändern sehen, die vom Altar oder der Kanzel herunter ihre Predigt halten, die ich aus Gründen meiner schon sehr lausigen Lateinkenntnisse und deren Mantra-artigem Artikultations-Stil ohnehin nicht verstehe… schließlich ist die Musik oft ganz großartig, das, und der elegante Anblick reichen mir in aller Regel.

Regisseur Franco Zeffirelli sieht das mit den prunkvollen Gewändern anscheinend etwas anders als ich. Der hatte Gelegenheit dazu, den Heiligen Vater zu treffen und in der päpstlichen Garderobe zu schnüffeln und meinte dann gegenüber La Stampa in Kürze zusammengefasst: Die Auftritte des Papstes seien zu prunkvoll „Die päpstliche Garderobe muss neu organisiert werden. Wir leben nicht in einer Zeit der hochstehenden kirchlichen Schneiderei.“ Nach Angaben des Regisseurs braucht es bei den päpstlichen Auftritten mehr Schlichtheit und Nüchternheit, wie das schon jetzt bei Kardinälen und Bischöfen der Fall sei… „Die päpstlichen Gewänder sind zu prunkhaft und mit einer zu auffälligen Art erneuert worden.“Nach Angaben des Regisseurs gäbe es auch eine Dreiergruppe, die bereit wäre, das Außenbild der öffentlichen Auftritte von Papst Benedikt XVI. zu verbessern. Papst Benedikt mit einem homosexuellen Regisseur als Imageberater, Daisy glaubt ja, dass vieles heute möglich ist, aber das, definitiv nicht.

Und ich denke auch, es gibt in der Kirche großen Reformbedarf, auch wenn ich keine weiblichen Kardinäle in modischen Roben in der Kirche sehen will, weil diese Klamotten den älteren Herren ohnehin viel besser stehen und der Singsang von deren Stimmen pure Meditation sein kann… aber die Klamotten der Geistlichen dürfen von mir aus ohnehin bis zum Jüngsten Gericht so bleiben.

Der Papst braucht weder einen Imageberater noch einen Imagewechsel, aber die Welt braucht viel mehr Toleranz und wesentlich weniger religiösen Wahn und Scheinheiligkeit, ganz egal, um welche Konfession es geht. Wir müssen spätestens jetzt lernen, Religion als reine Privatsache zu handhaben und zu kapieren, dass das Glaubensbekenntnis rein gar nichts darüber aussagt, ob wir auch einen guten Mensch vor uns haben. Und wenn wir dann einen guten Mensch vor uns haben, dann hat das auch nicht immer damit zu tun, dass der auch gläubig sein könnte. Als guter Mensch schafft man es in der Regel nicht bis in die Kirche, so viel gibt es auf der Straße für alle zu tun. In diesem Sinne hofft Daisy auf bessere Zeiten mit weniger Kriegen, deren Ursachen mittelbar mit Glaubensdifferenzen zu tun haben und Regierungschefs, die es bitte endlich bleiben lassen, bei der Angelobung dieses vollkommen überflüssige: So wahr mir Gott helfe, auszusprechen. Ihr habt euren Job aus eigener Kraft und ganz professionell auszuüben, ganz so, als wäret ihr nur die Chefs von BMW oder der Deutschen Telekom, denen Gott ja auch nicht helfen muss….

Wer von euch während der Osterbesinnlichkeit mal kurz in die privaten Gemächer des Papst hinein linsen will, der kann das hier tun:

  • Katharina
    24. April 2011 at 10:31

    😉
    Euch auch schöne Ostern!

  • Rene Schaller
    24. April 2011 at 10:49

    Eure österliche Themenvielfalt ist bewunderwert. Von den Cavalli Eiern zu denen der Models bei Klein wars ja schon ein Sprung, und nun auch noch der Papst (glücklichweise ohne Eier)… Frohe Ostern!

  • siegmarberlin
    26. April 2011 at 11:20

    mit dem habe ich vor Jahren schon Schluss gemacht! Nicht mein Typ, ich stehe nicht auf rote Schuhe u. rosa Mäntelchen

  • Horstson » Blog Archiv » Die Woche auf Horstson
    1. Mai 2011 at 09:43

    […] sind in der neuen Spring Kollektion, oder? 5) Der Papst braucht evtl. einen neuen Look – die Sixtina Spring/Summer 2011 6) Auch wir haben uns ausgiebig dem TV Highlight des Jahres gewidmet – Valencia Vintage zieht […]