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ESC 2015 – Einheitsbrei mit schwedischem Topping

Was war das für ein Abend. Herzschmerz, Weltfrieden, Mord und die drei Tenöre. Früher hatte man sich neben den Outfits während der Punktevergabe noch auf ein paar nuttige Fummel gefreut oder wie im letzten Jahr auf polnische Pornopuppen, die sicher nicht nur die Butter auf der Bühne hart gemacht haben. Das ist vorbei. Dieses Jahr war es „politisch“ und dramatisch bis zum Erbrechen. Früher übergab man sich höchstens nach dem ganzen Sekt und den Massen an Knabberzeug, was man über den Fernsehabend hinweg konsumierte. Dieses Jahr musste man zwischendrin wegschalten, damit man nicht konstant aufgrund des Balladen-Einheitsbreis aufstoßen musste. Und als man gerade dachte, man könne mal wieder in die gerösteten Nüsschen greifen, kamen die drei Tenöre.

Als Favorit galt Schweden. Also wartete man, sofern man den Song nicht eh schon vorher per Spotify gestreamt, geladen oder sonst wie gehört hatte, auf den großen Favoriten. Bis dahin musste man schon so einiges ertragen, wie zum Beispiel Electro Velvet (UK) und Monika Linkyte & Vaidas Baumila (Litauen). Die rothaarige Lorde aus Dänemark besang dann mit ihrem Gesangspartner noch einen Mord aus Kindertagen und anschließend waren Gemütszustand sowie Stimmung daheim so gut wie im Keller.
Dann kam Måns Zelmerlöw aus Schweden und wohohohohoho war das ne Nummer. Wie man unschwer hören konnte, wenn man sich nicht von seinem Aussehen komplett verblenden ließ, war der Songtext ziemlich große Grütze. Was bewertet man also sonst? Die Show. Aber Moment: Die Interaktion mit Projektionen und Bühnenshow zeigte uns Beyoncé bereits 2011 bei den Billboard Awards in etwas größerem Maße und was die Gestaltung seiner kleinen süßen Strichmännchen (oh Gott waren die süß) anbelangt, hat Måns anscheinend in den 90ern zu viel Gigi D’Agostino Videos geschaut. Und im Angesicht seines überirdisch guten Aussehens war dann irgendwie alles andere an Auftritt wie auch Song egal. Danach dachte man sich: Wenn das der Favorit ist, könnte man jetzt eigentlich abschalten. Bis auf Australien, Österreich, Belgien und ja, Deutschland gab es dann bis Startnummer 19 auch nichts, was man nicht auf lautlos hätte stellen können, bis Aminata Savadogo kam. Die FKA Twigs aus Lettland, die (leider) auf Grund des doch eigenwilligen Songaufbaus natürlich von Beginn an für einen Sieg chancenlos, aber mit Sicherheit neben den eben genannten Acts das Highlight war. Immerhin schaffte sie es bis auf Platz 6. Loic Nottet (Belgien) schaffte es übrigens sogar höchstverdient auf Platz 4.
Über Deutschland kann man nur sagen, dass es einem Rätsel aufgibt, warum Elaiza Platz 18 und Ann Sophie mit Show und Song den letzten Platz belegt hat. Und auch Österreich war mit den Makemakes alles andere als der letzte Platz. Wieso kann man eigentlich nicht die ganze Veranstaltung auf den letzten Platz wählen? Eurovision: Zero points.

Hier nun nochmal die besten Auftritte des Abends zusammengefasst. Fast hätten wir Elina Born und Stig Rästa aus Estland vergessen, die zusätzlich dazu beitrugen, dass man durchgehalten hat:

Aminata – „Love Injected“ (Lettland)

Elina Born & Stig Rästa – „Goodbye to Yesterday“ (Estland)

Loic Nottet – „Rythm Inside“ (Belgien)

The Makemakes – „I am Yours“ (Österreich)

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  • Siegmar
    26. Mai 2015 at 11:26

    @ Jan Who
    danke für diesen absolut treffenden Beitrag zu dieser Veranstaltung. Ich habe eh nur zwischendurch mal geschaut weil ich den gleichen Eintrag hatte und sag mal findest du den Schweden wirklich „überirdisch gut aussehend “ ? 😉

  • thomash
    26. Mai 2015 at 11:35

    hab gerade den siegersong zum ersten mal gehört. was ist das denn? klingt nach gar nichts.

  • blomquist
    26. Mai 2015 at 11:57

    Aber ganz ehrlich- wer nimmt denn den ESC ernst?
    Ich hatte einen wahnsinnig lustigen Abend….

  • Monsieur_Didier
    26. Mai 2015 at 12:38

    …es gab leider, für mein Empfinden, so gar nichts, über das man sich aufregen konnte oder wo man mitfiebern konnte…

    …ach ja, eins hat mir ausnehmend gut gefallen und ist mir in Erinnerung geblieben: die drei apokalyptischen Tempeldienerinnen habe wirklich sehr sypathisch und gekonnt moderiert und ich war ob der Erlesenheit ihrer kultischen Gewänder sehr begeistert…
    bitte mehr davon…! 😀

  • Horst
    26. Mai 2015 at 12:44

    Highlight war die Liveübertragung der Punkte von Australien. Die Dame fand ich sehr charmant und erinnerte mich an die Golden Girls 🙂
    The Makemakes fand ich auch super und das Bier hat während der Übertragung geschmeckt 😉

    Hin- und Hergerissen bin ich bei der Vorstellung, dass es zeitweilig so aussah, als ob in Russland der nächste ESC stattfinden würde.

    Und attraktiv ist Måns Zelmerlöw nu wirklich nicht … tz. 😀

  • Monsieur_Didier
    26. Mai 2015 at 12:50

    …by the way: …Electro Velvet waren doch toll, die hatten soviel Anstand und Mut und haben die ganze Zeit während ihres liebevoll „choreografierten“ Vortrages über sich selbst zu lachen…
    Danke an diesen humorigen Beitrag aus dem Mutterland der Pop-Musik…
    Großbritanien trägt ja auch ansonsten nichts zum europäischen Gedanken bei, warum sollten sie es da bei der Musik anders handhaben???

  • Tim
    26. Mai 2015 at 15:27

    Danke für den unterhaltsame und wahren Artikel 🙂

  • Die Woche auf Horstson – KW 22/2015 | Horstson
    31. Mai 2015 at 13:30

    […] am frühen Abend Hugo-beschwingt Schlager zu hören? Kommen wir zur Woche auf Horstson: 1) ESC 2015 – Einheitsbrei mit schwedischem Topping – Jan rechnet mit dem Eurovision Song Contest ab! 2) Lookbook: Balmain Men Fall-Winter […]