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Dries Van Noten initiiert offenen Brief an die Modeindustrie

(Open Letter to the Fashion Industry; Bild: Screenshot)

Dries Van Noten initiiert einen offenen Brief an die Modeindustrie und holt hierfür einige Schwergewichte der Branche ins Boot: Designer und Vertreter von Häusern wie Jil Sander, The Corner Berlin, Burberry, PUIG, Selfridges, Proenza Schouler, Christian Louboutin und Bergdorf Goodman unterzeichneten die Forderung: „Wir sind uns einig, dass die gegenwärtige Situation zwar herausfordernd ist, die aber auch eine Chance für einen grundlegenden und willkommenen Wandel bietet. Dieser Wandel vereinfacht unsere Geschäfte, macht sie umwelt- und sozialverträglicher und richtet sich letztlich stärker auf die Bedürfnisse der Kunden aus.“

Konkret wird angeregt, die Saisons und den Verkauf sowohl von Damen- als auch von Herrenkollektionen, beginnend mit der Saison Herbst/Winter 2020, den Bedürfnissen des Kunden anzupassen. So soll nach den Vorstellungen der Unterzeichner die Herbst/Winter-Saison wieder in den Winter (August/Januar) und die Frühjahr/Sommer-Saison wieder in den Sommer (Februar/Juli) verschoben werden – die Kollektionen wären also erst dann in den Läden, wenn auch das entsprechende Wetter mitspielt und man müsste sich noch nicht im Hochsommer entscheiden, was man zum Winterspaziergang anziehen möchte.
Preisnachlässe gäbe es dann auch erst am Ende der Saison und nicht in der Hochphase, wie es aktuell geschieht, wodurch mehr Vollpreisverkäufe ermöglicht werden können.
Zudem soll, so die Idee, der Lieferstrom gleichmäßig auf die Saison verteilt werden.

Die Unterzeichner werden sich dafür stark machen, die Nachhaltigkeit in der gesamten Lieferkette und im Verkaufskalender durchzusetzen. Die Vorteile liegen demnach auf Hand: Es müssten weniger unnötige Produkte produziert werden, weniger Reisen wären nötig, es entsteht weniger Abfall und es würde der Modebranche „den Zauber und die Kreativität zurückzubringen, die die Mode zu einem so wichtigen Teil unserer Welt gemacht haben.“ Unternehmen wie Zara und H&M haben den Brief übrigens nicht unterschrieben …

  • thomas
    14. Mai 2020 at 15:00

    Es wäre ein Traum!
    Wünsche mir, dass er in Erfüllung geht ❤️

  • Stephanberlin
    14. Mai 2020 at 19:57

    CHAPEAU !

  • Peter Kempe
    14. Mai 2020 at 20:31

    Super toll ! und der einzige Weg, der schon lange, lange fällig gewesen wäre !

  • Irmy Wilms-Haverkamp
    15. Mai 2020 at 21:30

    Endlich!

  • Jeroen van Rooijen
    15. Mai 2020 at 22:39

    Zu wünschen, dass diese Stimmen erhört werden! Logisch und richtig wäre es auf jeden Fall. Aber eben, der letzte Satz des Beitrags benennt das Problem bei der Umsetzung bereits…

  • Glencheck
    16. Mai 2020 at 09:22

    In den letzten Wochen wurde von vielen Seiten gebetsmühlenartig wiederholt, dass die Gesellschaft nach Corona nicht mehr die gleiche sein werde und dass wir unseren Lebensstil überdenken müssten. Dries van Notens Initiative ist der erste KONKRETE Schritt, von dem ich höre, der diese pauschale Worthülse mit Inhalt füllen möchte. Dafür verdient er auf so vielen Ebenen Bewunderung und Respekt.

    Oft sind es nicht die Vorläufer, die am Ende den Richtungswechsel veranlassen und vielleicht scheitert die Initiative. Aber erst, wenn einer den Mut hatte den ersten Schritt zu tun, können andere folgen. Dries van Noten hat mit seinem Brief eine Tür aufgestoßen.

  • Mark P.
    17. Mai 2020 at 15:19

    Gute Idee! Aber genauso gut könnte man einen entsprechend angepassten Brief an die Fleischindustrie oder die Kreuzfahrtreedereien schicken, in dem man letztendlich vorschlägt, weniger Geld zu verdienen. Das werden die nicht sofort machen wollen.

  • vk
    17. Mai 2020 at 17:59

    ganz ernst gemeinte frage:
    hat ueberhaupt jemand bock, auch nur irgendetwas zu kaufen ggw?
    moechte sich, wer genug zeug aus unbescherteren tagen im schrank hat – wir alle – ueberhaupt in der „neuen realitaet“ durch neues zeug zeitgenoessisch veroerten?
    ich hab leise zweifel.

  • Hannes
    17. Mai 2020 at 20:52

    @VK Aber sicher. „Shopping is a cultural activity“ und dieses Vergnügen lasse Ich mir von so einem dahergelaufenen Virus nicht nehmen.Online noch stationär. So sehr wie Ich Serien, Filme, Musik, Bücher, Kunst in dieser seltsamen Zeit konsumiere und geniesse, so sehr erfreut mich der Erwerb und Besitz schöner Dinge.

  • Horst
    17. Mai 2020 at 22:02

    @Hannes sehe ich ähnlich, wobei die Masken einem z.T. die Lust trüben (als Brillenträger im wahrsten Worte).

  • Vk
    18. Mai 2020 at 09:46

    @hannes danke für deine anstwort. that’s the spirit!

  • Glencheck
    27. Mai 2020 at 09:04

    Überraschung; es scheint sich tatsächlich was zu bewegen. Laut Iconist wird Gucci zukünftig nur noch zwei Modenschauen im Jahr präsentieren und zwar passend zu den Saisons. Wobei ich mich frage, wie das funktioniert, wenn Australien, Südamerika und Afrika umgekehrte Jahreszeiten haben, aber vielleicht sind das nicht die eigentlichen Absatzmärkte.
    Armani hat sich angeblich ähnlich geäußert. Somit wären zwei der größten Unternehmen dabei.