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Die perfekte Garderobe* …

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Createurs by Ruben Toledo

Was ist schon absolut perfekt?

Man schaut in den Schrank und die Blicke streifen die Fehlkäufe flüchtig-verlegen, bleiben an wenigen Highlights und Lieblingsstücken hängen. Das könnte man heute auch mittels Eye-Tracking beweisen. Aber wir schreiben hier ja nicht an einem Businessplan, wollen nur System in vorhandenes bringen und eine Stilstrategie entwickeln, mit der sich die Neuanschaffungen länger bewähren und mehr Freude machen.
Natürlich nur dann, wenn eine annähernd perfekte Garderobe gewünscht ist. Denn von mir aus kann in fremden Schränken alles so bleiben. Nur für die drei bis vier unter euch, die das verfügbare Budget für Bekleidung und Accessoires so anlegen wollen, wie es auch der Fachmann empfiehlt, könnte „Die perfekte Garderobe“ ganz nützlich sein. Ihr seid live dabei, während der Prozentsatz richtig entschiedener Kleidung steigt. Das ist ganz im Sinne Vivienne Westwoods, die schon seit immer empfiehlt: „Kaufen Sie weniger, wählen Sie sorgfältiger aus und kombinieren Sie dann alles miteinander!“
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Die perfekte Garderobe by Ruben Toledo

Zur Einstimmung und Inspiration hatte ich die wunderbaren und kurzweiligen Büchern von Nina Garcia gelesen. In Ihrem modernen Ratgeber „The Style Strategy“ steckt die Sorte Pragmatismus, die man entwickeln sollte, um den Schrank endlich so durch zu organisieren, dass kein Griff zum Outfit des Tages mehr ein Fehlgriff wird.
Ich fand das sehr unterhaltsam zu lesen, auch wenn ich nicht eben zu den Frauen zähle, die Frauen-Ratgeber gleich regalweise verschlingen. In ihrem Einkaufsbuch „The One Hundred“ schwingt für meinen Geschmack etwas zu viel Dogmatismus und Uniformismus mit. Kann aber auch daran liegen, dass ich für mich mit Animal Prints, Loafers, Fake-Siegelringen und so weiter nichts anzufangen weiß. Nicht jede Frau braucht Ballerinas und Animal-Prints, nur die, denen dieser Stil auch tadellos steht. Bikerboots, ein Cape, und Vans schon mal gar nicht. Das ist ein wenig zu sehr mit der Gießkanne verteilt.

Aber unter den 100 Style-Klassikern von Nina Garcia, die jede Frau braucht, sind fast zwei Drittel wirklich für fast jede Frau richtig und auch relativ wichtig.
In so ferne, nehme ich mir die Freiheit heraus, die überaus fabelhafte Nina Garcia zwar nicht zu „verbessern“, aber eine für Horstson und unseren Umgang mit Mode stehende Version zu bringen, die alles noch Mal bis hin zur Essenz verdichtet. Und wie das bei Leuten mit meinem Hintergrund so ist, bekommen die Kategorien griffige, anlassbezogene Namen, die gleich Bilder vor den Augen erscheinen lassen. Auf Horstson wird eben alles nach unserer Tradition ein wenig verfeinert und auf den Typ zugeschnitten, auch präzisiert. Ihr kennt das ja schon: noch nicht mal das Kleine Schwarze oder das Little Black Jacket, stehen allen Frauen.
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Die perfekte Garderobe by Ruben Toledo

Wir bebildern die Berichte (leider, kann man sagen) nicht mit dekorativen Illustrationen von Ruben Toledo, sondern mit Beispielen aus aktuellen Kollektionen.

Da gibt es das Paradekleid à la Carrie Bradshaw, das 90-60-90 Kleid, den guten neuen Sonntags- und einen Paradeanzug, den Ganzjahres-Trenchcoat, das Abendkleid in der besten Farbe, das Große Weiße, den Lieblingspulli, den legeren Cardigan und den Cardigan zum Anzug, also getrennt, das A-Linien-Kleid, den Abendmantel, den Wollspitzenrock, den Tüll- oder Plisseerock (einen von beiden sollte man besitzen) und so weiter… Alles Sachen, die man losgelöst von den Trends immer braucht.
Und jedes Thema ist ein Bericht. Insgesamt werden im ersten Durchgang mehr als 60 Themen (Einzelberichte) für euch Männer und zirka 80 Themen für die Damen unter uns erscheinen. Alles wie immer High-Fashion, aber schon auch mit etwas Vernunft (habe ich mir für 2014 vorgenommen, nicht nur absolute Mondpreise zu zeigen). Aber wir bleiben dennoch ein Ort, an dem Luxusbienen gerne ein und aus fliegen …
Und wenn Horst dann mal Zeit hat (gell Horst, das sagt sich so einfach ;-), werde ich ihn darum bitten, „Die perfekte Garderobe“ als eigene Menükategorie anzulegen. Da kann man dann alle Teile dieser Reihe wie Klamotten im Kleiderschrank geordnet finden. Das gibt vielleicht jetzt noch nicht so viel her, wenn die Reihe läuft, bin ich sicher, dass ihr die deutliche Verbesserung zu meinen „Schöne Sachen-Berichten“ schätzen werdet, weil hier alles so gezeigt wird, wie wir Entscheidungen für Klamotten treffen (oder manchmal auch treffen sollten) …
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Die perfekte Garderobe by Ruben Toledo

Nicht noch einen weiteren ähnlichen Anzug, der sich nur durch das innen getragenen Etikett von allen in Grau unterscheidet … lieber auf den Paradeanzug hin sparen oder direkt beim Anblick desselben zuschlagen. Los geht es aber mit dem Paradekleid à la Carrie Bradshaw … da werdet ihr gucken. Braucht jede Frau, für die Mode auch etwas mit Fantasie, einem eigenen Stil und Allure zu tun hat. Und nach dem Paradeanzug für verwöhnte Männer kommt das gemusterte Hemd. Ich will öfter so richtig schön blaue Hemden oder auch herzkirschenrote mit weißen Punkten zu toll karierten Anzügen sehen. Denke ich mal. Vielleicht sogar Männer mit richtigen Schluppenhemden, nach Maß von Charvet, wer weiß das schon …
Aber so viel ist sicher und versprochen, auch für Männer und Frauen, die schon so einiges an schönen Designerklamotten besitzen, und manches bewusst nicht mehr brauchen, will „Die perfekte Garderobe“ mit der Sorte Überraschungen und Stilanregungen aufwarten, die zu neuen Looks inspirieren.

Und auch wenn nicht ganz jede Frau eines meiner 90-60-90 Kleider tragen kann und sollte (man kann dafür auch zu dünn sein!!), werden die, die es tun, darin umwerfend aussehen und es nicht bereuen. Horstson liebt die Avantgarde (am liebsten, wenn die Schnitte annähernd was mit menschlichen Proportionen zu tun haben), schwelgt in handwerklicher Opulenz, kann Stil von modischem Getue ganz gut unterscheiden und schwimmt am liebsten mit seinen modeverrückten und geschmackssicheren Lesern gegen den Mainstream!
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Garderobeschrank von Cabinet Schranksysteme AG, Kerpen

Bei Nina Garcia steht das Zitat eines Ausspruchs von Gore Vidal geschrieben: „Style is knowing who you are, what you want to say and not giving a damn“ … Viel Freude beim Stöbern in „Die perfekte Garderobe“ (ich habe das Ding so angelegt, dass meine umwerfend begabten Schreiberkollegen auch mal mitmachen können, wenn sie denn wollen)!

*und lest bitte ruhig alles, was Nina Garcia zwischen stets toll gestaltete Buchdeckel geschrieben hat.

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  • Jana H.
    5. Februar 2014 at 10:16

    Genau das ist es. Kate Moss ist da ein Beispiel, sie trägt nie etwas was nur gerade treny ist, nur was sie mag. Ich mach’s auch so seit ich denken kann. Und die in den meisten Schränken hängt zu viel mist, der raus muss!!!! Weniger und besser, ist mehr!!

  • Siegmar
    5. Februar 2014 at 10:47

    das werden sehr interessante Berichte, da freue ich mich drauf. Ich habe für mich entschieden, alles was ich seit ca. 2 Jahren nicht mehr angezogen habe, kommt weg. Ausnahme sind, gute Schuhe und Kaschmirpullover und mein Lieblings-Gucci-Hemd.
    Die meisten Sachen bringe ich in ein Franziskaner-Kloster ganz in meiner Nähe (mitten in Berlin , in der Wollankstr. ). Bei ebay zu verkaufen bringt meist nichts od. Ärger. Wichtig ist aber, nachdem aussortieren, nichts in Kleidercontainer zu entsorgen, weil damit noch richtig Geld gemacht wird ( aber nicht im positiven Sinne ) sondern zu überlegen, wo kann ich gut erhaltene Sachen hinbringen und bei den meisten ist in der Nähe eine soziale Einrichtung die sich darüber freut. Das gehört auch zum Thema „Nachhaltigkeit“

  • Daisydora
    5. Februar 2014 at 11:11

    @Jana H.

    Kate Moss finde ich auch sehr selbstbestimmt mit ihrem Stil und darauf kommt es an … Weniger und beser, ist mehr! ist eine sehr gute Headline (vielleicht sollten wir mal einen Bericht zusammen machen, was sagst Du dazu?) 🙂

    @Siegmar

    Ich hoffe doch, werde jedenfalls einige Gänge höher schalten, damit wir bei meinen Querbeet-Modeberichten keine Langeweile haben … und danke für den Hinweis zur Weiterverwendung, das finde ich sehr gut. eBay kannst Du in der Tat vergessen, ich will ja, dass nette Leute meine schönen Sachen bekommen und keine Nassauer … und ja, das gehört in der Tat zum Thema Nachhaltigkeit. Dankeschön! 🙂

  • vk
    5. Februar 2014 at 16:23

    rigoros konservativ und mehrfach (zigfach) identisch im zentrum: hemden, anzuege, schuhe, jeans.- flamboyant, zufaellig, opulent in der peripherie: krawatten, pocket squares, schals, stiefel, jacken…
    wenig kaufen. alles tragen. 90% der garderobe bis zum bitteren ende – und darueber hinaus – runterreiten. keine scheu vor patching, mending und home repair.
    alles mit allem kombinieren.

  • Siegmar
    5. Februar 2014 at 17:01

    @ vk

    ganz toll, besonders gefällt mir “
    keine scheu vor patching, mending und home repair“
    muss ich auch machen.

  • vk
    5. Februar 2014 at 19:31

    danke dir, siegmar. – munter ran! ein sinnliches hochvergnuegen.

  • Daisydora
    6. Februar 2014 at 15:15

    @vk

    Feuilleton in den Kommentaren, sehr schön. Wenn Du so weiter machst, „musst“ Du hier mal einen philosophischen Essay zum Thema schreiben 😉 … vielen Dank für den erhellenden Kommentar!

    @Siegmar

    Als Nachtrag zu Deinen Anregungen passt auch vk’s Home Repair oder die Rettung durch Maßschneider und so weiter. da muss ich gleich drüber nachdenken … 🙂

  • vk
    6. Februar 2014 at 18:06

    von wegen feuilleton! – alles echt.

    grazie.