Die geneigten Horstson-Leser wissen ja, dass mein Herz neben den neuesten Creationen sehr stark für Vintage-Sachen schlägt, die man immer wieder mit aktuellen Teilen und Accessoires mischen kann die aber ein Leben lang im Kleiderschrank bleiben.
Ausgelöst durch meine Begeisterung für den Tweedrun (Horstson stellte ihn euch vor) entsann ich mich einer meiner Lieblingsstücke ganz im Stile des alten London und brandaktuell durch den genialen Film „The Kings Speech“: Dem Harris Tweed Karo Sakko.
Mein Harris Tweed Sakko ist ein echter Klassiker aus unverwüstlichen, fast schussfestem Tweed, der von den Webereien im nördlichen Schottland auf uralten Webstühlen ganz fest gewebt ist. Gefüttert mit dickem Futter, dass nicht wie heute aus leichtem Taftfutter sondern aus schwerem Seidenduchesse hergestellt wurde.
peterkempe
Gestern zeigte Karl Lagerfeld die Prêt-à-porter Kollektion für Chanel für den nächsten Winter. Während wir uns auf etwas wärmere Temperaturen freuen und die Sonne genießen wirds bei Chanel ziemlich neblig und streng zur nächsten Saison.
Eben noch flatterten Libellen in der Haute Couture Show über den Laufsteg in hunderten fragilen Pastellabstufungen, nun dreht der Meister den Spieß um – sofort kommen Assoziationen an Stummfilmzeiten, Existenzialismus und die Filme der Nouvelle Vague, aber irgendwie musste ich die ganze Zeit an das Meisterwerk Quai des Brumes mit Jean Gabin denken, wo der ganze Film wie die Schau in tiefstem mystischen Nebel liegt. Farben außer einem herbstlichen Marron-Ton? Fehlanzeige!
Christophe Lemaire hat in den letzten Jahren nicht nur durch eine sehr gute eigene Kollektion überzeugt, sondern auch die Kultmarke Lacoste, durch Berufung auf den Gründer Rene Lacoste, mit einem zeitgemäßen Imagewechsel total wieder nach vorn gebracht. Seine Britpop-Linie im Zeichen des Krokodils machte den Dauerbrenner modern. Nun folgt Christophe Lemaire, der eher schlicht und puristisch ist und dessen Linien häufig eher an eine Helmut Lang Tradition anknüpften, auf den Thron des Créateurs für die Damenmode und die Accessoires beim Traditionshaus Hermès auf den unglaublichen und phantasievollen Jean Paul Gaultier.
Die Modewelt war gespannt wie er den Spagat lösen würde und nun ist das Geheimnis enthüllt.
Eigentlich ist Horstson ja ein Männermodeblog – aber heute haben wir was für die Frauen: Nicht nur Barbies Herz wird höher schlagen, sondern auch das von dutzenden japanischen Fashion-Victims.
Die Kult-Taschen Kelly, Birkin, Polochon und Constance von Hermès gibt’s jetzt auch in unglaublichen Farben und man sollte eine Lupe zur Hand nehmen – sie sind so klein als wären sie als Exportschlager für Lilliput geplant.
Teilweise nur 12 cm groß aber genau wie ihre großen seriösen Schwestern in feinstem Handwerk und Präzision per Hand gefertigt wirken die Stiche so klein, als wenn es eine Puppe genäht hat und die Farben blitzen wie aus einem Kaugummiautomaten. Beim Ausgehen sollte man sich auf eine französische Zehnerpackung von Zigaretten und ein Mini-Feuerzeug beschränken sonst quillt die Tasche über.
Seit gestern widmet sich Arte die ganze Woche dem schönen Thema Mode, zeitgleich zu den bereits seit Tagen tobenden Defilees in Mailand und dem Beginn des Prêt-à-Porter Kleidermarktes in Paris.
Modesendungen, normalerweise auf öffentlich rechtlichen Sendern eine Fehlanzeige und seit den frühen neunziger Jahren mit dem Ausscheiden von Antonia Hilke eine ausgestorbene Spezies.
„Neues vom Kleidermarkt“ war die Modesendung der ARD und würde von heutigen Programmchefs gar nicht mehr als Konzept gekauft werden: Zu nischig, zu intellektuell und wahrscheinlich auch nicht Unterschicht-orientiert genug.
Die Sendung war simpel gestrickt: Frau Hilke moderierte sach- und fachgerecht in schwarzer Saint Laurent Schluppen-Bluse an einem Schreibtisch in der Art einer Berufsschullehrerin und machte auch auf die Quote von Angora-Unterwäsche im Export nach Japan aufmerksam oder erklärte und Anfang der neunziger Jahre das die Videopiraterie bei den Schauen immer mehr zunimmt. Yves Saint Laurent war ihr Gott und Anne Marie Beretta und Sonia Rykiel, als Zeichen der Emanzipation, in jeder Sendung vertreten.
Sie zeichnete zwischen den stoisch abgefilmten Defilees in den Zelten im Louvre (damals fanden die schauen dort statt) Modesilhouetten der Kollektion die darauf gezeigt wurde mit kleinen Hunden an der Leine, die die passenden Outfit trugen. Von Japanerschwemme in Paris war die Rede – Kenzo Takada, Yoshi Yamamoto, Miyake und Rei Kawakubo; die Sendung, fünfundvierzig Minuten lang, endete traditionell mit einem Newcomer-Porträt von Claude Montana oder Thierry Mugler.
Das ist zwanzig Jahre her und seit dem ist die Mattscheibe schwarz was Mode betrifft. Jedenfalls seriöse Berichterstattung von hochwertiger Mode- ich meine nicht Germanys Next Topmodel oder ähnliche Formätchen, die sich an die Glamourwelt andocken wollen.
Arte hat in den letzten Jahren schon häufiger sehr sehenswerte Einzeldokumentationen gezeigt, die wir überwiegend dem genialen französischem Regisseur Loic Prigent zu verdanken haben. Am Anfang stand eine ganze Woche im Hause Chanel, wo die Entstehung der Haute Couture Winterkollektion 2004 von Anfang bis Ende verfolgt wurde und wir gelernt haben das Madame Pozieux die Bortenmacherin von Chanel erst die Heuernte vom Filmteam einholen lässt, bevor sie sich an die Galons für die Tweedkostüme macht oder das der Sticker Lesage sich einen Wolf am Hochzeitskleid stickt und das Monsieur Massaro etwa 60 mal die Absätze an den Kappenschuhen erhöht und verringert. Herr Prigent hatte dann die Sogwirkung seiner tadellosen Doku gespürt und Herr Jacobs wollte dann auch sowas – so gab es Louis Vuitton und Marc Jacobs in einer Doppel-Doku.
In dieser Woche hat man sich dann entschlossen, die Serie „vor der Schau“, die bereits im letzten Jahr lief und die Tage vor den Defilees in Paris bei Sonia Rykiel und Jean Paul Gaultier in Paris, bei Fendi in Rom (auch von Karl Lagerfeld) und bei Proenza Schouler in New York um Donatella Versace und Diane von Fürstenberg zu erweitern.
Ausserdem gibt’s Spielfilme rund um die Mode: Marie Antoinette und Belle de Jour, der eine meisterhaft inszeniert von Sophia Coppola der andere ausgestattet von Modegott Yves Saint Laurent persönlich.
Karl Lagerfelds einfühlsames Porträt „Lagerfeld Confidential“ (Bild Header) gewährt Einblicke in sein Privatleben und erzählt auch mal was von seinem Freund Jaques de Bascher und über sein berühmtes Kuschelkissen, und Anekdoten aus dem wilden Saint Germain der Sechziger.
Alle Sendungen sind auch auf DVD im Arte-Shop erhältlich und wirklich immer wieder sehenswert.
Die Doku über Yves Saint Laurent ist ein zeitgeschichtliches Dokument sondergleichen – ergreifend und voller Werte, die die Mode bestimmen und bestimmt haben.
Zitate wie „Chanel hat die Frauen befreit und Yves Saint Laurent die Mode“, Weggefährten wie Betty Catroux und Loulou de la Falaise und Mode Augure Edmonde Charles Roux bringen einem die Werte und die Unsterblichkeit von Saint Laurents Lebenswerk auf eindrucksvolle Weise nahe.
Der Film ist wie ein Schlüssel zu Saint Laurents Meisterwerken und bringt uns auf erschütternde und wunderbare Art die Kreationen und die Welt seiner Kollektionen und Farben nahe. Die russische Kollektion in seiner Opulenz genau so wie seine revolutionären Ansätze von Prêt-à-Porter und Rive-Gauche-Chic der sechziger Jahre – wer es gestern verpasst hat, hier nochmal der komplette Stream der Sendung:
Ein Sender wagt sich eine ganze Woche unter das doch „ach so unbedeutende Thema Mode“ zu stellen ohne Quoten-Druck, ohne einstellen auf die Masse und ohne Barriere, dass es sich nicht jeder leisten kann. Bravo Arte!
Ich freu mich auf jede einzelne Minute dieser Woche.
Im Zuge von César- und Oscar-Verleihung und der Anhäufung von A-,B- und C- Promis, denen teilweise ihre geliehenen Kleider gar nicht passen, ob nun von der Kleidergröße oder dem Stil, fiel mir doch meine alte Freundin Caroline von Monaco ein, die seit ihrer Geburt eine Fashion-Ikone ist und gleichzeitig eines der prominentesten Paparazziopfer der Welt.
Als Caroline geboren wurde, waren es ihre Eltern, die gerade eine gigantische Marketingstrategie für den maroden Zwergstaat an der Côte d’Azur ersonnen hatten und die die Photorechte an dem Kind an die Paris Match verkauften.
Chanel zieht über die Strasse – Colette und Chanel Pop-up-Store Paris
Posted on 26. Februar 2011Nächste Woche wird es für die Dauer der Fashionweek in Paris einen Pop-up-Store von Chanel und Colette geben. Nun fragt man sich, warum das berühmteste Modehaus der Welt, deren Stammhaus um die Ecke etwa 150 Meter entfernt von Colette in der Rue Cambon liegt, das braucht.
Die Antwort kommt schnell, zu Chanel gehören ja auch die wunderbare Wäsche- und Badeanzugfirma Éres und die tollen Hutmacher von Maison Michel, die Blumen- und Federkünstler Lemarié und viele Kunsthandwerker, Goosens für den Schmuck, Monsieur Massaro für die Schuhe und und und. Außerdem aus der Entourage von Karl Lagerfeld der Soundstylist Michel Gaubert.
Russel Wright American Modern – Das meistverkaufte Geschirr der Welt
Posted on 26. Februar 2011(Sauciere aus der Kollektion des Milwaukee Art Museum; Bild: Sailko; CC BY 3.0)
Manchmal wurden Dinge weit über 250 Millionen verkauft und trotzdem kennt sie kaum jemand. Das heißt in diesem Fall kaum jemand in Europa, denn von dem wunderbaren American-Modern-Geschirr des amerikanischen Industriedesigners Russel Wright (1904-1971) sind in Europa kaum Möbel, Lampen oder andere Designstücke bekannt oder gar groß herausgekommen.
Zwischen 1939 und 1959 wurde in der Steubenville Pottery in Ohio eine der genialsten Schachzüge von Russel Wright und seiner Frau gefertigt. Eine Serie von Keramikgeschirr für den amerikanischen Familienhaushalt – die Form „American Modern“. Das an organische Formen erinnernde Design ging auf die Bedürfnisse der amerikanischen Hausfrau ein und es gab eine schier unendliche Farbpalette – ähnlich und dazu passend zu dem gerade aus dem Boden sprießenden Produkten des Earl Tupper, genannt „Tupperware“.
Jeder konnte sich seine Farben zusammenstellen – Cadillac Pastelle, Meeresfarben und Technicolor-Farbfilm-Farben. Außerdem wurde es einer Großfamilie gerecht und passte auch noch in die gerade in amerikanischen Haushalt siegesgewiss einziehenden Spülmaschinen. Das Geschirr war leicht stapelbar und billig herzustellen – so kostete eine Grundausstattung 29,90 $. Es war für alle leistbar und glich einer Epidemie, die von New York über Texas bis Florida die ganze Föderation überzog. Die Vorstädte mit amerikanischem Mittelstand waren komplett in den Einbauküchen mit Russel Wrights Geniestreich gefüllt.
Die Serie „Madmen“ fand Dank der großen Verbreitung noch unausgepackte Pakete mit Teekannen und Tassen, die in das Geniereich gemachte Set in der Agentur Sterling Cooper zieren.
Gibt man bei Ebay Amerika den Begriff ‚Russel Wright‘ ein, findet man viele Einzelteile zu sehr niedrigen Preisen, doch Vorsicht – die richtig guten alten Teile haben eine tiefe Signatur und keine Aufkleber.
Das Geschirr ist heute Kult und wird von Designsammlern gesucht – besonders die Teekannen und die Wasserkrüge sind Mid-Century-Ikonen.
Ich finde das Geschirr genial und habe eine hübsche kleine Sammlung davon Zuhause; es ist ein Beweis, dass ein gutes Design, das zum Massenprodukt wurde, durchaus Klassikerpotential hat und echt total heutig sein kann.
Viel Spaß beim Entdecken von American Modern.
Es gibt Kollektionen die einen überraschen, die eine ganz eigene Sprache sprechen und wie eine Insel mit eigenen Gesetzen wirken. Es sind nicht viele besonders bei den Herrenkollektionen, die doch häufig austauschbar wirken und tendenziell kommerziell ausgerichtet sind. Wie ein Wunder erscheint mir dort die Vollkommenheit und die Besonderheit der Signature Baldessarini Kollektion für den Winter 2011 von Markus Brunner und Karl Zimmermann.
Als ich die Looks der in sich geschlossenen und gut durchdachten Kollektion das erste Mal sah, kamen mir tausend Gedanken in den Sinn und ich war ergriffen davon, das man eigentlich wenn man fünf – sechs Teile aus der Kollektion kombiniert und besitzt, so gut wie keine anderen Kleidungsstücke mehr braucht.
Das Chanel No 5 das erfolgreichste Parfum auf der ewigen Bestenliste der Düfte ist, ist ja bekannt und alle kennen ihn. Aber manchmal hat der größte Erfolg auch ein Geheimnis in seinem Schatten und es gibt eine Reihe von Düften, die nur in den Chanel eigenen Boutiquen verkauft werden und die nur in einer Größe erhältlich sind. Die haben zwar nicht so einen Bekanntheitsgrad, sind es aber doch mal wirklich wert, sie zu entdecken.
Aus der Reihe Les Exclusifs de Chanel gibt es eine Reihe von Düften, die immer unmittelbar mit der Geschichte des Hauses oder deren Begründerin Coco Chanel zu tun haben – So gibt es einen Duft, der nach der Adresse des Stammhauses benannt ist 31, Rue Cambon, eins was nach ihrem Sommerhaus duftet, 28 la Pausa oder eins, dass nach ihrem Haus in Garches, dass sie in den zwanziger Jahren bewohnte: Bel Respiro. Es gibt den Duft der die Lackparavents aus der Rue Cambon beschreibt: Coromandel und so weiter.









