Liebling, wer hat denn unsere Tochter zu einer verzweifelten Hausfrau geschrumpft? ….
…will man beim wirklich grotesk-erbarmungswürdigen Anblick der bis zur Unkenntlichkeit überschminkten und getunten kleinen Mädchen auf den Fotos der Fotografin Susan Anderson fragen. Es waren deren völlig durchgeknallte Mütter, die den Boulevard Of Broken Dreams ausgerechnet mit Hilfe ihrer Töchter im Kindergarten-, Vorschul- oder Grundschulalter schnellstmöglich verlassen wollen. Und dafür ist ihnen jedes Mittel recht. In the middle of nowhere wird nicht lange gefackelt. Da werden fake tan, fake teeth, fake hair, fake nails, fake smiles von Mädchen im schönsten Knuddelalter zu Markte getragen, als handelte es sich um den Lieblingsteddy und die Schmusedecke.
Wie verrückt muss man als Mutter sein, das in den meisten Fällen geliebte Kind dem industriellen Wahn rund um Kinderschöheitswettbewerbe ohne jede Not auszusetzen? Ich will es mir aber nicht so einfach machen, diesen Auswuchs unserer in Sachen Schönheitsfokus verrückten Gesellschaft darauf zu reduzieren, dass es manchen US-Müttern am flachen Land vielleicht irrtümlich beim Schiesstraining mit den Freundinnen das Gehirn weggepustet hat….denn, im Prinzip ist es ganz ähnlich verrückt, dass so viele Eltern hierzulande darauf bestehen, ihre gerade gewachsene Tochter müsse mindestens Topmodel werden, so hübsch wie sie ist. Es steckt immer ein persönlich so empfundenes eigenes Scheitern dahinter, denke ich, wenn man denkt, eine solche Karriere sei die Erfüllung des größten Traumes jedes Mädchens. Was Mutti versagt blieb, weil sie zu früh geheiratet hat und sich ihre Figur mit den Schwangerschaften verdorben hat, soll das Töchterchen nun dank Muttis verbissenem Ehrgeiz retten.
Gibt es eigentlich auch Väter, die emsig daran arbeiten, dass ihr Sohn an Stelle eines Jurastudiums mit Promotion Männermodel wird? Ich kenne keinen einzigen. Da würde Alice Schwarzer jetzt geradezu aufschreien vor Ungerechtigkeits- oder Verblendungsschmerz, aber jeder extreme Fokus auf Schönheit, auch künstliche Schönheit, und sei es wie bei den hier gezeigten High Glitz Minimissen, an wehrlosen kleinen Mädchen ausgelebt, ist immer die fixe Idee von Frauen, die nichts anderes kennen oder können, als auf diese eine Trumpfkarte zu setzen. Man kann ja noch nicht einmal sagen, diese Bilder seien der Fantasie von kranken, weil pädophilen Männern entsprungen, obwohl sie diese naturgemäß auch irgendwie bedienen. Sind wir etwa generell zu indifferent gegenüber sexuell aggressiven Signalen? Die Robustheit, mit der heutige Eltern mitunter dabei zusehen, wie sich ihre Töchter im Kindesalter als sexy Minibeauties für die Schule und den Spielplatz beziehungsweise das Treffen mit Freundinnen im Park herausputzen, erzeugt bei mir ein heftiges Kopfschütteln, sobald ich so eine Minisexbombe entdecke.
Die Fotografin, Susan Anderson, fotografierte ihre High Glitz Beauties aber nicht aus Faszination für diesen fragwürdigen Kinderschönheitskult. Sie ist mehr oder weniger zufällig bei der Suche nach nationalen Schönheitswettbewerben für
Erwachsene auf eine Website für Child Beauty Pageants gestoßen; und machte sich dann ab einem Treffen mit Organisatoren und Müttern auf so einem Wettbewerb daran, Fotoproduktionen mit den Minimissen zu organisieren, bei denen sie die Pose den Mädchen überließ. Umso bizarrer muten die Bilder der irgendwie gar nicht glücklich aussehenden Mäuse an. Man möchte auf der Stelle dazu aufrufen, Kinder vor der Dummheit ihrer Mütter beziehungsweise ihrer Eltern zu schützen. Wenn es nach mir ginge müsste da der Jugendschutz greifen und dieser Zauber schlichtweg verboten werden. Denn solche frühen Karrieren als Minimiss führen immer in eine Sackgasse aus Neurosen – oder wenn es ganz schlimm kommt, aus Psychosen – also geradewegs in die Behandlung bei Fachärzten. Angesichts der Tatsache, wie schwer es im Kindes- und insbesondere im Teenageralter ist, zu erlernen, sich trotz aller kleinen Makel schön zu finden und so anzunehmen, wie man nun mal ist, schadet solcher Kram ja doch nur.
Wenn das so weitergeht mit den Topmodelträumen und den total verrückten US-Müttern, die ihre Töchter in absurden Aufzügen vor schmierigen Jurys für ein paar Dollar mehr verheizen, dann brauchen Eltern von Mädchen bald ein Coaching, bei dem man ihnen klipp und klar mitteilt, dass es wahrscheinlicher ist, den Jackpot zu knacken, als eine Topmodeltochter groß zu ziehen, die mal Multimillionärin durch diesen Beruf wird und deren Namen man rund um den Erdball kennt. Lasst den Quatsch also besser gleich.
Hier noch ein Interview mit der Fotografin:
ArtsBeatLA interviews photographer Susan Anderson
Und da ich euch, liebe Leser, nicht nur mit diesen High Glitz Gruselbildern alleine lassen will, hier noch ein wunderwunderschönes Foto von Mutter und Tochter. So in etwa sieht das aus, wenn aus der Tochter der Topmodelmutter, Frankie Rayder, später ein Model werden könnte. Aber wer weiß, vielleicht wird Sunny ja Profi-Beach-Volleyballerin oder Tierärztin, das kann sie dann selbst entscheiden.
Wie denkt ihr über High Glitz und diese Child Beauty Pageants?









