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Daisydora

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Mehr als hübsche Wasserfarben-Pullis – Michael Bastian Spring/Summer 2013

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Michael Bastian Kaschmir-Sweater, über Mr.Porter

Noch gut zwei Monate ist Winter, da brauchen wir glaube ich eine kleine Vorausschau auf Frühlingsmode in zur Jahreszeit passenden Farben … und diesen Bericht hier habe ich euch zudem schon mit dem Michael Bastian-Interview angekündigt.
Manchmal ist das Schreiben eines kleinen Kollektionsberichts für mich auch so etwas wie eine Eigentherapie. Ihr wisst ja, mit meiner Affinität zu Männerklamotten, deren Herkunft man auf den ersten Blick einem der großen US-Designer zuschreiben kann, ist es dann nicht weit her, wenn der Look sehr adrett und frisch ist. Das böse P-Wort werde ich hier nicht in Gebrauch nehmen, weil Michael Bastian es nicht leiden kann, schon wegen seiner Arbeit als Designer für GANT dem Stereotyp zugeordnet zu werden.

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Fast Fashion Fools?

Das waren etwas mehr als die statistisch pro Amerikaner jedes Jahr weggeworfenen oder zumindest ausgemusterten zirka 32 Kilo Bekleidung. Nicht weniger als 354 Stück Klamotten, die eigentlich nicht gebraucht wurden und weg konnten. Die Autorin Elizabeth L. Kline nennt den Augenblick, in dem der Denkanstoß zu ihrem Buch Overdressed – The Shockingly High Cost of Cheap Fashion erfolgte ihren persönlichen AHA-Moment. Auslöser für die Inventur des Kleiderschranks war der Kauf von nicht weniger als 7 Paar Schuhen für jeweils 7 Dollar bei KMart in Manhattan. Weniger als 50 Dollar für 7 Paar Schuhe – und wozu überhaupt 7 Paar Schuhe auf einen Streich? Die herzustellen und am Ende zu entsorgen kostet mehr – wer bezahlt den Rest der Rechnung?
Was darauf an Erkenntnisgewinnen folgte hat die Autorin nach drei Jahren der Recherche und des Schreibens von ihrem Buch auch in erschütternden Zahlen kurz zusammengefasst: Alle Amerikaner kaufen heute 20.5 Milliarden Kleidungsstücke im Jahr, das sind 68 Teile und 7 Paar Schuhe pro Kopf und Nase …. das macht mehr als ein neues Teil in jeder Woche.

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Warum gibt es die Thomaner nicht als Mädchenchor? – Eine nicht ganz bierernste feministische Vorausschau auf das Onlinejahr 2013

Wie lange gibt es den eigentlich schon und hat er dabei geholfen, die Sache der Frauen irgendwie weiter zu bringen?
Nun es geht hier erst mal um den Weltfrauentag. Ganz ehrlich, wenn ich gefragt werde, welche Welttage mir geläufig sind, dann fällt mir nur der Welttierschutztag am 4. Oktober ein. Fragt besser nicht, was der ganz vorne auf meiner Festplatte macht, das rührt vom Grundschulbesuch mitten in Wien her. Vom Weltfrauentag werde ich jedes Jahr auf’s Neue überrascht und so jedes zweite Jahr vergesse ich den wie manche Männer ihre Hochzeitstage.

Rund um die Feiertage lese ich traditionell in alle neuen Bücher rein und schaue nebenbei ungefähr achtzehn Stunden TV an jedem einzelnen Tag. Da entgeht einem nichts und die Schnipsel aller mehrmals gesehenen Dokumentationen und Filme über die Kennedys, Brigitte Bardot , die Thomaner, Catherine Deneuve und über zwanzig weitere nicht unbekannte Frauen und Männer türmen sich zur Verwertung vor mir auf. Stellt euch vor, das Abfallprodukt des TV-Marathons ist nicht nur mein Durchblick zum Unterschied zwischen den fabelhaften Thomanern und den Wiener Sängerknaben. Bei der Wiederholung desFilms Die Thomaner, anlässlich des 800 jährigen Jubiläums des Leipziger Thomaner-Chores fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Es gibt in unserer Musikkultur keine weltberühmten Mädchenchöre und ich glaube, ich weiß, warum das so ist: Die Thomaner sind ganz normale Jungs im gymnasialen Alter von neun bis achtzehn Jahren, die neben ihrer Stimme und der Musikalität etwas noch viel Wichtigeres verbindet und immer weiter treibt: Neben den Lernerfordernissen beim Besuch der Thomasschule (das Gymnasium hat über alle Absolventen gerechnet einen Abiturnotenschnitt von 1,8) und den vielen Chor- und Individualproben und Gesangsstunden und nicht zuletzt den Reisen und etwas Sport zum Ausgleich, suchen diese rund 93 Jungs an jedem Tag nach Exzellenz. Es macht sie glücklich, hart zu arbeiten, um immer besser zu werden. Johann Sebastian Bach allüberall.
Schaut hier kurz rein, ich fand den Film Die Thomaner sehr interessant und kurzweilig
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Man kann sich nicht auf Dauer durchmogeln, wenn etwas so schwer ist und das erfordert eine ganz bestimmte Struktur und auch Zeit, die viele Mädchen nicht haben. Das ist Erziehungssache, glaube ich wenigstens. Mädchen setzen bis heute noch zu oft dort an, wo man angeblich mit wenig Einsatz so weit wie möglich kommen soll … Männer muss man trotz vieler Vorbilder immer noch dazu zwingen, Model werden zu wollen. Bei den Mädchen ist das eine der ersten Ideen.
Schwer vorzustellen, dass man einen exzellenten Thomaner-Mädchenchor aus Mädchen auf die Beine stellen könnte, denen die superpinkfarbene Cinderella-Industrie zuerst ihre Gehirne mit der Idee „Konsum geht über alles“ zugemüllt hat, bis sie dann zu den nervigen Monstern herangewachsen sind, die jeden Pups, den sie eingekauft haben, in dämlichen Hauls abfeiern. Mädchen fehlt die Zeit für das Wesentliche, weil sie sich damit ablenken, um sich und ihr Aussehen zu kreisen. Und daran basteln, bei allen anderen Mädchen, die genauso ticken, gut rüberzukommen. Ich habe eine ganze Reihe dieser Hauls für diesen und andere Berichte vom Anfang bis zum bitteren Ende durchgeguckt und mache mir seither wirklich Sorgen um die Zukunft der Frauen. Mensch Mädels, das kann doch nicht sein, dass in euren Köpfen wirklich keine Synapsensprünge zugunsten eurer Entwicklung zu modernen und selbstbestimmten Frauen stattfinden.

Woher kommen all diese Mädchen ohne Fokus – die scheinen Alice S. irgendwie durchgerutscht zu sein, oder? Für mich haben auch die toll klingenden Botschaften zur neuen Führungsrolle von Mädchen und Frauen bei Bildung und Ausbildung hauptsächlich Unterhaltungswert. Was soll denn das sein, wenn schlechter ausgebildete Männer immer noch besser in die Gänge kommen, als Frauen, denen die bösen Männerbünde und weltumspannenden Seilschaften den dornigen Weg zur Karriere auch noch mit Steinen verstellen. Wo bleibt denn mein Thomaner Mädchenchor, nur an der verkrusteten Kirchentradition kann es doch heute nicht liegen. Und am Geld kann es in einem reichen Erben- und Stifterland wie Deutschland auch nicht scheitern, wenn so schöne Musik dabei herauskommt. Aber vielleicht sollte ich dazu besser mal einen Brief an Alice Schwarzer schreiben.
Kann ein Weltfrauentag pro Jahr dagegen wirksam werden? Wohl eher nicht. Man müsste schon mehrere Ruckreden der richtigen Vorbilder an Mädchen und junge Frauen adressieren, damit sich da in der Breite mal deutlich was ändert. Kein Job für Alice. Die ist gut in Vielem, aber nicht darin, Frauen auch mal auf den Kopf zu die bittere Wahrheit zu ihrem mitunter einfach gestrickten Plan fürs Leben zu sagen.
Und die Frauen, die zum Vorbild taugten, für die ist es so selbstverständlich, als Frauen so wie Männer zu leben, dass ihnen die Unterschiede abhanden gekommen sind, die einen Lernprozess anschieben könnten … Zudem, warum sollten sie sich mit all den Prinzessinnen der westlichen Hemisphäre anlegen. Je mehr Frauen in ihrem künstlichen Kosmos bleiben, desto später wird die Luft für moderne Frauen dünn.
Zu den Jugendzeiten meiner Mutter war das alles viel moderner und besser. Man hat zwar nicht über Feminismus geredet, aber es war für Frauen auch kein unüberwindbares Problem, ein Studium, Kinder und Karriere unter einen Hut zu bringen. Und großes Gedöns musste man da auch nicht drum machen. Es gab unter den namenlosen Frauen und Prominenten zahllose Beispiele dafür, dass es funktioniert. Die Frauen waren meines Wissens nicht hässlicher und unfemininer als heute, obwohl es weder Beauty-Hauls noch solche mit Fashiontipps gab. Die Yellow-Press als Hauptlektüre und Modeblogs mit Tagesoutfits waren auch noch nicht erfunden. Man hatte also Zeit genug. Das bringt mich auf die Idee, es könnten diese Zeitfresser sein, die uns Frauen dran hindern, Karriere zu machen. Zu viel Online-Windowshopping, Soziale Netzwerke, mehrmals wöchentliche Besuche in Drogeriemärkten, Schuhläden und Klamottenshops, Selbstdarstellung in hunderten Videos und auf dem eigenen Blog, das Blättern in der Yellow Press, das Schreiben mehrerer tausend SMS im Jahr …

Könnt ihr euch so futuristisch moderne Frauen wie Catherine Deneuve dabei vorstellen, wie sie sich als Sechzehnjährige in einem unförmigen Mintfarbenen Top und einem unsäglichen Pinkfarbenen Rock, beide Teile von H&M, in einem fast zwanzigminütigen Video (es gibt noch viel mehr dieser Klamotten herzuzeigen) der Online-Weltöffentlichkeit aussetzt? Kafkaesk, die Vorstellung, irgendeine tolle, moderne Frau, die in ihrem Leben etwas erreicht hat und selbstbestimmt lebt, hätte als Teenager oder als junge Frau hunderte Stunden, schon eher tausend pro Jahr mit solchem Schmonzes vergeudet. Das sagt übrigens meine Mutter, die ab und zu fragt, machst du solche komischen uncoolen Blogger-Sachen jetzt etwa auch Kind?
Spätestens in diesen Momenten weiß ich ganz sicher, die wahren Feministinnen gab es schon vor Alice Wirkungsbeginn – und wahrscheinlich haben Brigitte Bardot, Catherine Deneuve, Veruschka von Lehndorff oder Jane Birkin mehr Frauen zu einem selbstbestimmten Leben animiert, als jede dieser offiziellen Streiterinnen für die Sache der Frauen. Meiner Mutter ist auch das egal, die stand ja auch, wenn die übrige Zeit es nicht anders erlaubte, mit Bleistiftrock, tollen Pumps und Preussischblauseidener Schößchenjacke in der Küche, über und über mit tausenden Korallenperlchen bestickt – nur um mich noch schnell vor dem Ausgehen beim Kochen meines geliebten Spinats zu beaufsichtigen … alles kein Beinbruch, man hatte ja noch so viel übrige Zeit. Trotz Karriere, vier schlimmen Kindern, einem Mann, der nie zuhause war, weil er auch Karriere machen wollte .

In diesem Sinne erwarte ich die glamouröse Premiere des Thomaner-Mädchenchores, der mit Pauken und Trompeten und glockenhellen Stimmen auf der Weltbühne erscheint und uns alle umhaut und den Jungschor mitsamt seinen 800 Jahren Tradition am Buckel in den Schatten stellt, an jedem einzelnen Tag in diesem Jahr. Und gebt bitte Bescheid, falls mir das Video vom Premieren-Haul durchgerutscht sein sollte …

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Zu Gast im Bungalow – Michael Bastian

Sie schießen wie Pilze aus dem Boden, meint man zeitweise … aber keiner ist wie der Andere und manche sind eben an sich besser … zum Beispiel der Bungalow in Stuttgart. Auch ein Concept Store mit Onlineangebot. Mit Männermode und dem richtigen Mix an Marken und dem Blick für das Besondere im Alltäglichen.
So schön der Süden der Republik ist, Stuttgart ist leider viel zu weit weg von Hamburg und so konnten wir arbeitsbedingt mal wieder eine schöne Einladung nicht annehmen. Das Bungalow-Team hatte den Designer Michael Bastian eingeladen und dabei bot sich Gelegenheit, ein paar Fragen für unsere Leser zu stellen.

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Wir sind Handwerker! Bitte schreiben sie das. Ein schneller Hermès-im-Spiegel-Lesetipp.


Bild: Spiegel

Wer sich an den Feiertagen ohnehin etwas Zeit zum Lesen der neuen Bücher nehmen wollte, die das Christkind gebracht hat, für den gibt es hier noch einen kleinen 10-Minuten-Tipp: Ein schönes und interessantes Interview mit dem Chef von Hermès im aktuellen Spiegel, ab Seite 74 findet ihr das Spiegel-Gespräch mit dem Vorstandschef Thomas Patrick.

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M wie Medien und Masochismus


Bild: Screenshot New York Times

Mein Plan, erst in einer Art Jahresrückblick auf mehr oder weniger kleine mediale Aufreger einzugehen, die zwischen euch und uns noch unbesprochen geblieben sind, scheitert hiermit teilweise. Aufschub ausgeschlossen.
Unter allen überflüssigen TV-Geschöpfen in meinem geschätzten Gastland, das voll ist mit richtigen Talenten und Leuten, die wirklich was könnn, zählen so genannte „Comedians“ wie Cindy aus Marzahn, zu den Überflüssigsten. Für mich reicht das nicht mal für Gerhard Polt für Arme, was diese Botschafterin des Fremdschämens bei viel zu vielen Auftritten raushaut. Am wenigsten stören mich dabei noch Aufzug und Habitus. Es ist mir vollkommen egal, wie jemand aussieht und was eine so öffentliche Person anhat, die weder Talent, noch Charme noch Esprit noch Geist erkennen lässt.

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Noch mehr Duftendes zum Lesen: „Die Weisen aus dem Morgenland brachten Parfum“

Manche Namen sollte man einfach kennen. Den von Serge Lutens zum Beispiel. In meinem Kosmos der wichtigsten Kreativen der Branche hat er einen festen Platz. Was er als Kreativer bei Christian Dior und Shiseido geleistet hat, würde schon reichen für ein eigenes Buch über einen der wichtigsten Kreateure der Beauty- und Parfumbranche. Er hat unvergessliche Make-Up Looks entworfen, hat sich die Werbung für Maquillage und Düfte ausgedacht, er fotografiert und ist nunmehr seit etwas mehr als zwölf Jahren erfolgreich mit seinem eigenen Parfumhaus Serge Lutens.
Die Schöpfung seines allerersten Duftes liegt aber schon dreissig Jahre zurück. 1982 hat er für Shiseido den Duft Nombre Noir kreiert und zirka zehn Jahre danach eröffnete mitten in Paris „Les Salons du Palais Royal Shiseido“. Eine exquisite Boutique der Düfte und ein bis heute magischer Ort. Wer nach Paris kommt, kann dort ja mal reingehen und sich durch schnuppern. Aber seid gewarnt, da gibt es Düfte, die lassen einen nicht mehr los…
Eigentlich will ich hier nur einen schnellen Lesetipp abgeben. Mal wieder hat Rabea Weihser in der ZEIT ein Interview unter der Überschrift „Die Weisen aus dem Morgenland brachten Parfum“ veröffentlicht. Und in dem erfährt man abseits dessen, was Kreateure in Interviews sonst so gefragt werden und antworten, das was Lutens über Düfte und den kreativen Prozess bei deren Schöpfung wirklich denkt. Vielleicht auch eine gute Vorbereitung darauf, solltet ihr morgen noch Parfum als Last Minute Geschenk kaufen gehen.

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Relevant oder unter Ausschluss der Öffentlichkeit – Sinn und Unsinn von Rankings

Man ist ja als fleißiger Medienkonsument einiges an Kummer gewohnt … zuerst ist der Weltuntergang bisher trotz fester Zusagen ersatzlos ausgeblieben. Oder kam da gestern noch was Berichtenswertes? Und dann flog mir diese amüsante Ente zu: Günter Grass und Alice Schwarzer spitze. Festgestellt hat das CICERO in seinem Ranking 2012. Das da nicht mehr und nicht weniger als das besagen soll, wer im Erhebungszeitraum die Kraft hatte, am besten zu uns durchzudringen.

Im O-Ton: „Wer dringt durch? Wer wird gehört? Zum dritten Mal präsentiert das Magazin CICERO eine Rangliste der deutschsprachigen Intellektuellen. Viele alte Bekannte gehören dazu und einige überraschende Neueinsteiger. Sie haben die Kraft durchzudringen – und sie sind beide Reizfiguren. Günter Grass ist im neuen Cicero-Ranking der 500 wichtigsten deutschen Intellektuellen die Nummer eins. Beste Frau: Alice Schwarzer“.
Soll das nur unterhalten, oder ist das echt ernst gemeint? Es geht um Präsenz im geistigen Raum. Aber wahrscheinlich auch darum, wie weitreichend die Wahrnehmung der Wortspenden bei der Bevölkerung ist. Und wer und wie viele davon Wind bekommen haben.

Irgendwo steht dann, wie diese Ergebnisse erhoben wurden. Gemessen wurde die Präsenz in den 160 wichtigsten deutschsprachigen Zeitungen, im Zeitraum der vergangenen 10 Jahre. Hinzu kommen Zitationen im Internet, Treffer in der wissenschaftlichen Literaturrecherche Google Scholar sowie Querverweise im biografischen Munziger-Archiv.
Zuletzt gab es diese Liste im Jahr 2007. Es wurde also wieder Zeit, uns wissen zu lassen, wer im geistigen Raum präsent ist und es düfte euch interessieren, dass es die große Vordenkerin und Trivialphilosophin Charlotte Roche auf Anhieb auf Platz 67 des Rankings geschafft hat; immerhin konnte sie den wohlstudierten Springer-Vorstandschef Dr. Mathias Döpfner auf Platz 86 verweisen. Selbstredend nur im übertragenen Sinne. Die Rankingwelt ist aber zum Glück nicht ganz in Unordnung geraten, Margot Käßmann, frühere Bischöfin und EDK Vorsitzende, konnte auf Anhieb den rühmlichen 26. Platz erreichen. Da frage ich mich, wie viele der Erwähnungen in den 160 wichtigsten Zeitungen und im Internet bezogen sich auf ihre geistigen Wortspenden? Oder könnte es eventuell sein, dass die Flut der Meldungen zum Fahren in alkoholisiertem Zustand, da mitgezählt wurden. Ich bitte um erklärende Hinweise der ErheberInnen, wir wollen euch ja reinen Wein einschenken.

Und wenn wir schon dabei sind, muss ich hier dringend meine Meinung los werden. Erst mal zu Alice Schwarzer. Früher fand ich die ohne Fehl und Tadel. Ganz ohne Zweifel war und wäre das wichtig, was sie zur Sache des Feminismus zu sagen und zu tun zu hatte und weiterhin hätte. Nur hat sie aus meiner Sicht schon vor Jahren einen . Sie versäumt es, auch mal Klartext mit den Frauen zu reden. Steckt ihre Nase in Dinge, die bei Richtern und guten Gerichtsreportern besser aufgehoben sind. Kooperiert ausgerechnet mit der BILD, die ja wohl nicht gerade das offizielle Organ mündiger und moderner Frauen sein dürfte; und nervt im Rest der Zeit als omnipräsenter Talkshowgast rum, so dass ich mir eine Steigerung dieser PR-Auftritte weder vorstellen mag, noch eine solche für 2013 herbeiwünsche. Was sind das bitte für Spuren, die sie im geistigen Raum hinterlassen hat? Welche Wortmeldungen könnten einem da konkret in Erinnerung geblieben sein?

Mit dem Flaggschiff des Rankings, Günter Grass, macht man sich an der Spitze unangreifbar. Da kann man schwer was dagegen haben, obwohl ich nicht denke, dass Grass noch der politische und gesellschaftliche Mahner ist, der er einmal war. Und wäre es nicht auch wichtig, bis zu den Menschen durchzudringen. Sicher ist das in so einem großen Land schwer, aber wenn man schon so einflußreich ist, dass einem überall der Rote Teppich ausgerollt wird, so bald man dazu anhebt etwas zu sagen oder zu schreiben, dann sollte es doch daran nicht gescheitert sein.
Je länger ich darüber nachdenke und verschiedene Blickwinkel auf dieses Ranking einnehme, desto mehr ärgere ich mich drüber, dass man mit einer möglicherweise zu wilden Mischung aus wissenschaftlicher Erhebung, an vollkommern heterogenem Datenmaterial, am Ende ein Ergebnis erzielt hat, dessen Aussagekraft jedenfalls mir ziemlich gering erscheint.
Ich liebe „unsere“ politisch und gesellschaftlich sehr gegen den Strich gebürsteten Autoren Elfriede Jelinek und Peter Handke, aber ich bezweifle schwer, dass auch nur wenige Prozent der Bevölkerung Deutschlands Interesse daran haben, was beide Vordenker bisher von sich gaben und noch geben. Das beschränkt sich doch bei den meisten auf Namedropping. Handke hatte ja zum Glück erst kürzlich einen runden Geburtstag und die Streiterei rund um Suhrkamp Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz und den Minderheitsgesellschafter Hans Barlach irrlichtert durch Zeitungen und Magazine. Mehr düfte es nicht sein, was den Menschen zu diesen Akteuren im geistigen Raum, den Cicero hat neu vermessen lassen, einfällt. Oder? Handke ist aber knapp vor Martin Walser (was macht eigentlich Martin Walser?) auf der Zwei und Jelinek hinter Schwarzer auf der Fünf. Zwei Frauen unter den ersten Fünf, juchhuuuuu, Alice Schwarzer! Das Ranking erfüllt die inoffizielle Frauenquote.

Es ist irgendwie kafkaesk! Niemad von uns weiß, wer von denen da was genau wozu gesagt hat, aber für meßbare Spitzenergebnisse spielte das dem Anschein nach keine Rolle. In diesem Moment fehlt mir wie in vielen Momenten ein Kollege Jelineks und Handkes. Thomas Bernhard. Der hätte es sich garantiert nicht nehmen lassen, diesen „Preis“* entweder kategorisch abzulehnen oder mit den richtigen Worten zu kommentieren. Weil das ja leider unmöglich ist, hier eine alte Wortspende, über die man möglichwerweise länger nachdenken könnte, als über das, was Alice Schwarzer in der BILD über Kachelmann vor sich hin fabulierte: „Der Nichtstuer als der Geistesmensch ist in den Augen derer, die unter Nichtstun tatsächlich nichts tun verstehen, weil in ihnen während des Nichtstuns tatsächlich gar nichts vorgeht, die größte Gefahr – also der Gefährlichste“ Denken Sie bitte mal drüber nach, liebe Preisträgerin.
Über sachdienliche Hinweise zu erquickenden geistigen Raumfüllern der Preisträger, freue ich mich naturgemäß! Aber erst mal hole ich mir das Heft. Den Zweck hatte dieses Ranking ja wohl.

*Eines der zutreffendsten und auf den Autor bezogen lustigsten Bücher empfehle ich hiermit. Meine Preise, Thomas Bernhard. Nie zuvor habe ich mich über Ehrungen, Preise und deren Verleihung so gut unterhalten und so herzlich darüber gelacht. Wie Preise bei den richtigen Preisträgern mitunter ankommen können.
Hier geht es zu Cicero, bitte lesen.

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Harvey Keitel gibt es nun auch in schnieke – PRADA Menswear Frühjahr/Sommer 2013


Harvey Keitel; Bild: Prada

Mein erster Gedanke: Ist das wirklich der perfekte Cast für PRADA?
Harvey Keitel, Benicio Del Toro, Dane DeHaan und Aaron Taylor-Johnson, letztere Beiden dürfte auf diesen Fotos nur der kleinere Teil der Weltbevölkerung ohne Credits als Prominente erkennen … aber gut, Prominente ziehen ja immer, einerseits, aber andererseits kann man mit nicht ganz so gelungenen Anzeigensujets auch etwas auf dem Markt verschenken. Und da liegt die Latte bei PRADA in dieser Saison ohnehin hoch, weil der typische PRADA Anzug diesmal durchgehend von einer Hose begleitet wird, die einen innen liegenden breiten Effektstreif hat. Das versteht nicht jeder Mann, der sich PRADA leisten kann und will. Dafür braucht man lange und schmale Beine. Das hat noch nicht mal an allen Models in der Schau funktioniert …

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