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Ann Demeulemeester verlässt ihr Label

ann

Ann Demeulemeester verlässt ihr gleichnamiges Label. Die Designerin, die ihr Label 1985 gründete und gemeinsam mit Dirk Van Saene, Martin Margiela, Dries Van Noten, Dirk Bikkembergs und Walter Van Beirendonck zum Kreis der Antwerp Six gehörte, gab soeben mit einem handgeschriebenen Brief, der per PDF verschickt wurde, ihren Weggang bekannt.
„Eine neue Zeit wird kommen, sowohl für mein persönliches Lebena, als auch für die Marke ‚Ann Demeulemeester'“, schrieb sie.
Konkrete Gründe für den Weggang, oder wie es mit dem Label Ann Demeulemeester weitergeht, sind nicht bekannt.

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  • peter
    20. November 2013 at 17:25

    Super so etwas so mit einem solchen Brief zu machen…… und nicht mit einer gestanzten Presse Mitteilung.

  • Siegmar
    20. November 2013 at 17:54

    traurig Nachricht, sie ist neben Dries van Noten der Star der Anwerpener Szene und eine begnadete Designerin. Hoffentlich nicht der Untergang des Labels.
    Blöder Tag heute, die Nachricht vom Tod von Dieter Hildebrandt, die ich sehr verehrt habe, war schon genug.

  • bernd
    20. November 2013 at 18:20

    Traurig und schade. Ich kann nichts schlechtes über sie sagen.
    Eine meiner Lieblingsdesignerinnen.

  • monsieur_didier
    20. November 2013 at 19:06

    …in der Tat hat so ein Brief Stil…
    ich bin aber sehr überrascht und auch ein wenig irritiert…
    in der dreiteiligen Doku auf Arte wurde Ann Demeulemeester zu dem Procedere des verlassens der eigenen Firma befragt, weil M.M. Thema war…
    wenn man diese Doku sieht fragt man sich, was sie da schon im Hinterkopf hatte…
    sie sagte jedenfalls, sie könne sich nicht vorstellen, für eine andere Firma als angestellte Designerin zu arbeiten…
    lange Rede, kurzer Sinn…
    einfach sehr schade…!

  • bernd
    20. November 2013 at 22:00

    @ didier

    Ja, das stimmt. Es ist schade. Auf der andern Seite. Es ist eine Riesenverantwortung, so ein Ding am Laufen zu halten. Personal, Entwürfe, deren realisation, Anfertigung für Show, Show machen, Presse und viel viel mehr.
    Tatsächlich denke ich, es kauft niemand. Das letzte Stück, das ich von AD hatte war eine Stickjacke und das war 1996. Danach habe ich nichts mehr von ihr gekauft. Neulich wollte ich mal ein Armband, habe es dann aber nicht gekauft. Also, die Frage, wie sollen diese Labels, die bekannt sind, aber eigentlich niemand kauft, überleben?
    Auch bei Dries van Noten war es viele Jahre wacklig, wie er in einem Interview sagte und auch er stand lange vor dem Aus.
    Ebenso Yamamoto, wo lange nichts lief.
    Wie es bei Lacroix ausging wissen wir ja alle (leider!).

    Ich denke daher, auch sie hat lange mit sich gerungen und musste letztendlich diese Entscheidung treffen. Eine Kultfigur zu sein und keinen Umsatz machen, ich denke, das kann sich auch AD nicht leisten. Ähnlich war es sicher auch bei MMM.
    MMM kannte ja ausser einem bestimmten Kreis auch kaum jemand und dieser Kreis hat meist im Ausverkauf gekauft. So lassen sich die Kosten nicht decken.

  • monsieur_didier
    20. November 2013 at 23:23

    @ Bernd…
    ja, das ist so wie Du geschrieben hast…
    ich habe mit großer Verwunderung in den letzten Saisons gesehen, wieviele Teile von Ann Demeulemeester zu teilweise 70 % Abschlag in den Ausverkauf gingen…
    die Verkaufszahlen, und von denen lebt ein Designer schließlich, können nicht kostendeckend gewesen sein…
    das gleiche gilt für Walter v. B., irgendwie munkelt alles immer davon, dass er seine Kollektionsarbeit einstellt, was ich ausserordentlich bedauern würde.
    Seine Arbeit z.B. für die Ballette, sind aussergewöhnlich und wunderschön, aber seine Arbeiten für seine Kollektion hat mich sehr nachdenklich werden lassen…
    wenn ich an die letzte Kollektion denke frage ich mich, wer das tragen soll…
    Phantasie und designerische Freiheit hin oder her, aber irgendwie muss sich das alles auch tragen und es geht nicht nur um das Herstellen von Showpieces…
    und letztendlich denke ich, dass dieses täglichen Kämpfen an vielen Fronten ohne überwältigenden Erfolg irgendwann müde und mürbe machen kann…
    nicht vergessen, Menschen wie z.B. Lagerfeld und Armani sind etwas ganz besonderes…
    ich frage mich immer, wie sie ihren teilweise Jahrzehntelangen Output mit etlichen Linien schaffen…

  • bernd
    21. November 2013 at 01:05

    @ m.didier

    WvB das frage ich mich seit vielen Jahren. Ich habe das früher oft getragen. Ich habe noch einige Pullis und die trage ich. Einmal hat mich ein Taxi nicht mitgenommen, weil ich einen schreiend
    orangenen Pulli in Übergrösse anhatte. Als ich einsteigen wollte, hat der Fahrer schnell die Tür verriegelt und fuhr weiter.

    Armani, Lagerfeld und WvB das sind verschiedene Welten. L und A sind tragbare Designer. Da wird geschaut, was geht, was ist möglich, was kann getragen werden, was verkauft sich. Das ist okay. Die Sachen sind auch toll. Aber es ist keine Mode, die ein Wagnis eingeht. Bei WvB ist das anders. Da ist alles ein Wagnis. Die Show ein Spektakel. Ich kenne seine Arbeit seit Ende der 80er Jahre und frage mich seitdem, wer das (ausser mir und meinen Freunden) je getragen hat.

    Ob man die Sachen wirklich tragen können muss, weiss ich nicht, aber wie du schreibst, macht das Kämpfen sicher müde und mürbe. Und die Leute werden nicht jünger. Ich glaube, das ist ein Faktor. Wenn du immer nur kämpst und es geht kaum weiter, dann ist das anstrengend. Selbst wenn du ein Kultstar bist. Aber davon alleine wird auf Dauer keiner satt.
    Ich denke, das wird heute auch zu oft übersehen und daran zerbrechen viele wohl auch. Ich denke bei AD war das auch so. Mit der Zeit bricht dann auch das alte Publikum weg und die, die vor 15-20 Jahren AD getragen haben, sind jetzt zwischen 35-50 und haben auch andere Schwerpunkte oder Labels. Und die jüngeren tragen andere Sachen, wie z.B. Isabel Marant. Dann wird das eng für einen Designer. Und man muss radikal strukturieren und auch Brüche machen, wenn man weiter auf einen hohen Niveau arbeiten möchte.
    Wir sehen ja wie es selbst bei Stars wie Frau Sander letzten Endes schwierig geworden ist, weiter zu bestehen.

  • Daisydora
    21. November 2013 at 12:07

    Sehr traurig ist das, auch wenn die Kollektion in den letzten Saisons etwas abgebaut hat … wird die Mode dadurch um eine ihrer kreativsten Macherinnen ärmer … vermutlich ist das der Lauf der Zeit, ohne großen und schwerreichen Konzern im Rücken, der einem alles wegschafft, was von der Arbeit an der Kollektion ablenkt, ist Mode auf diesem Niveau heute nur noch schwer zu machen. Ich bedauere diese Entwicklung sehr!

  • bernd
    21. November 2013 at 16:23

    @ daisydora

    Der Konzern hält nur bedingt weg, was von der Arbeit an der Kollektion ablenkt. Der Konzern hat meist eine genaue Vorstellung und die heisst Umsatz.
    Der Konzern gibt dem Designer leider keine „Carte Blanche“.
    Das ist das eigentliche Problem. Ich denke, es gibt wenige wirklich unbeschwerte Kollektionen. Darum dreht sich das Besetzungskarusell auch so schnell.

    Auf der anderen Seite ist dies die grosse Chance, Labels zu entdecken, die sich dem widersetzen, die bewusst klein bleiben, alles selbst machen und der Maschinerie misstrauen.

  • Daisydora
    22. November 2013 at 13:41

    @bernd

    Verstehe …ich wollte das nicht idealisieren … aber vermutlich habe ich immer die fabelhaften Rahmenbedingungen ganz bestimmter Createure vor Augen, die nicht typisch für alle sind … und ich kenne die andere Variante sehr gut und weiß, dass es heute leider nur noch in handverlesenen Ausnahmefällen klappt, als Designer ohne „reichen“ Finanzier alle Erfordernisse zu stemmen … 🙂