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Die Wendejacke als Designstatement

Foto: Ten c

Es gibt Kleidungsstücke, die einen ganzen Kleiderschrank beanspruchen. Und es gibt solche, die gleich zwei sein wollen. Die Wendejacke gehört zur zweiten Kategorie – ein bisschen schizophren, aber durchaus sympathisch. Schließlich bekommt man hier gewissermaßen zwei Jacken zum Preis von einer. Zumindest theoretisch. Ob man deshalb weniger Jacken kauft, ist eine andere Frage.

Dass sich aus dem Prinzip ein modischer Moment machen lässt, bewies Violet Chachki 2015 bei RuPaul’s Drag Race. Einmal am Gürtel gezogen, verwandelte sich ihr Tartan-Look in eine zweite Silhouette. Das war kein bloßes Umziehen, sondern ein kleines Theaterstück – mit dem beruhigenden Gefühl, dass Mode manchmal doch noch überraschen kann. Nicht jeder Kleiderwechsel braucht schließlich eine Umkleidekabine.
Im Alltag geht es weniger dramatisch zu. Für Herbst/Winter 2026 zeigen Ten c und COMOLI eine Kollektion, in der Wendbarkeit nicht als cleverer Taschenspielertrick daherkommt, sondern als Teil der Konstruktion. Japanischer Baumwollflanell trifft auf Nylon-Crinkle-Ripstop, gebürstete Wolle auf technische Materialien. Alles bleibt schwarz, was die Sache für Freunde maximaler Farbfreude zwar überschaubar macht, den Blick dafür aber auf das Wesentliche lenkt: Stoff, Oberfläche, Proportion.

Dass das Innenleben eines Kleidungsstücks durchaus öffentlichkeitstauglich ist, wusste Martin Margiela schon in den Neunzigern. In seinen Entwürfen wurden Nähte, Futter und konstruktive Details, die normalerweise verborgen bleiben, zum sichtbaren Teil der Gestaltung. Die Wendejacke ist gewissermaßen die alltagstauglichere Cousine dieser Idee: weniger Dekonstruktion, mehr „Heute mal andersherum“. Eine direkte Verwandtschaft sollte man daraus allerdings nicht konstruieren.
Die Wendejacke ist schließlich keine Revolution. Sie erinnert vielmehr daran, dass Funktion und Gestaltung keine natürlichen Feinde sind. Und dass Vielseitigkeit nicht zwingend nach Trekkingurlaub aussehen muss. Zwei Looks in einem sind schließlich eine ziemlich gute Ausrede für ein weiteres Kleidungsstück. Dass man damit Geld spart, sollte man allerdings nicht unbedingt dem Finanzberater erzählen.

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