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ZU TISCH IN … LONDON

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Links: Preistafel beim The Meatmarket, rechts: Eingangsportal vom Albion; Bilder: Julian Gadatsch

Wo lassen sich französische Köstlichkeiten und der Prunk vergangener Tage finden? Welchen Burger sollte man sich nicht entgehen lassen und wann eignet es sich, in Shoreditch Frühstücken zu gehen? Was sich anhört wie ein weichgekochter Werbeslogan für die Fortsetzung von „Eat Pray Love“, soll eigentlich ein Guide für die besten und bezahlbarsten Cafes und Restaurants in London werden …
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Broadway Market London; Bilder: Julian Gadatsch

Ihr seid auf der Suche nach gutem Essen, meidet hoffentlich wildbedruckte Touristenmenüs und führt gerade bei Städtetrips ein unausgewogenes Nebeneinander von Nahrungsaufnahme und Shoppingexzessen? Gerade in der britischen Hauptstadt habe ich mehrere Anläufe gebraucht, den ein oder anderen „Fehlbiss“ getätigt und bin oftmals beim obligatorischen Pret-à-Manger-Sandwich oder einer Salatbox von Marks&Spencer hängengeblieben. Heute habe ich glücklicherweise meine Familie vor Ort und kann mich nicht entscheiden, wo es zum Essen hingehen soll. Ein kleiner Überblick:

OTTOLENGHI
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Ottolenghi London; Bild: Ottolenghi/ Gemma Bell

Das Auge isst mit – Nachahmungsversuche sind bisher immer in die Hose gegangen, obwohl das hauseigene Kochbuch schon nach dem ersten Besuch mit nach Deutschland geflogen ist. Bei Ottolenghi stapeln sich im wahrsten Sinne des Wortes gesunde Köstlichkeiten: Vegetarische Gerichte, die besten Gewürzmischungen und ausgefallene Dessert- und Gebäcksorten. Nur „Slow Food“ war meiner Meinung nach gestern, hier heißt es „Intellectual Food“ (kann man sich das Wort patentieren lassen?). Das Publikum passt sich dem Angebot an, Protz und Pelz findet man hier selten, dafür umso häufiger gezückte Kreditkarten und dezente Celiné-Täschchen. Mittlerweile gibt es die Restaurants in Belgravia, Islington (meine Anlaufstelle), Notting Hill und zentral gelegen in Soho.

Mehr Infos: ottolenghi.co.uk

BRASSERIE ZÉDEL
Brasserie Zedel Corbin King London
Goldene Raumansicht der Brasserie Zédel; Bild: Brasserie Zédel/Corbin&King

„Vive la France“ – Französische Küche unter Tage? Die Brasserie Zédel liegt nur einen Katzensprung vom Touristenmagneten Piccadilly Circus entfernt. Direkt gegenüber vom Whole Foods Market (hier gibt’s im Übrigen „Go Coco“, das beste Kokosnusswasser überhaupt) und relativ versteckt im Untergeschoss, eröffnete sich mir vor Kurzem eine ganz neue Welt. Der Ausdruck Katakomben wäre mehr als frech, denn die eindrucksvollen Räumlichkeiten dienten einst als Speisesaal des Regents Palace Hotels. Unbedingt empfehlenswert sind die Muscheln und „attention“, die Dessertgröße hat es in sich: Das Mousse au Chocolat reicht mindestens für eine Kleinfamilie! Wer mehr als ein paar Stunden Zeit hat, sollte das angrenzende Theater besuchen und sich zum Abschluss einen Drink in der Bar Americain genehmigen.

Mehr Infos: brasseriezedel.com

ALBION
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Eingangsportal vom Albion; Bilder: Julian Gadatsch

Ihr habt die Nacht durchgemacht oder einfach Interesse an einem entspannten Sonntagsfrühstück? Nichts wie hin zu Albion in Shoreditch: Neben den weltbesten Scones und Kuchen kann man, ähnlich wie bei Dean&Deluca (New York), den Besuch mit einem Einkauf im angrenzenden Ladenbereich verbinden. Die offenen Küche und das Klientel bieten Beobachtungspotential für mehrere Stunden und wenn doch noch weitergehen soll, kann ich den benachbarten A.P.C. und Aesop-Store empfehlen.

Mehr Infos: albioncaff.co.uk

PRINCI
Princi London Credit Andreas Conradi
Schaufenster vom Princi in London; Bild: Andreas Conradi

Jeder, der mich einigermaßen gut kennt, weiß: Ich bin ein Pizzakind. Vermutlich liegt es daran, dass es in meiner Kindheit selten Pizza gab (meinen Eltern sei Dank, sonst würde ich heute garantiert anders aussehen) und ich meine Leidenschaft dafür heute umso ungezügelter auslebe. Der Hamburger Lieferservice kennt meine Telefonnummer auswendig und sobald eine neue Pizzeria eröffnet, bin ich der erste, der begleitend den Finalcountdown runterzählt. Princi in Mailand bleibt bis heute mein Favorit, ein Besuch ist aber glücklicherweise auch in London möglich: In der Wardour Street gibt es eine feine, kleine Niederlassung, die sich mittlerweile zum absoluten place to be entwickelt hat. Eine Sitzplatzreservierung ist nicht möglich, Ellenbogenarbeit weniger ratsam und leere Tische ein Indiz dafür, dass die Welt untergegangen ist. Ich bevorzuge immer die Momente abseits der Stoßzeiten, dann gibt es manchmal sogar leere Plätze mit Straßenansicht. Das Angebot reicht von Antipasti, Backwaren, Desserts bis hin zu den besten Pizzasorten.

Mehr Infos: princi.com

MEATMARKET
Meatmarket Julian Gadatsch
The Meatmarket London; Bild: Julian Gadatsch

Heißhungerattacke beim Vorglühen? Ich trinke zwar keinen Alkohol und nächtliche Feieraktionen lassen mich auch eher kalt, jedoch bietet sich meine Burger-Empfehlung wunderbar für feierwütige Interessenten an: Bei Meatmarket (umweit von Covent Garden) heißt es „Grundlage schaffen“, der Burger ist sehr, sehr lecker. Er ist aber auch sehr, sehr gehaltvoll und protzt mit doppelten Belag sowie sättigenden Beilagen. Ich zähle mich selber eher zu Verfechtern von angepassten Fast-Food-Restaurants wie Byron-Proper Hamburgers, gestehe aber auch eine ungezügelte Fleischeslust nach strapaziösen Sale-Schlachten. Als Tipp kann ich daher nur empfehlen, beides auszuprobieren.

Mehr Infos: themeatmarket.co.uk

BROADWAY MARKET
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Broadway Market London; Bilder: Julian Gadatsch

Im Englischunterricht hat bestimmt jeder schon einmal vom legendären Broadway Market gehört, ich war zugegebenermaßen immer eher unbeeindruckt von den Berichten. Spätestens wenn meine Lehrerin jauchzend die Hände zusammengeklatscht hat und über „Multikulti“, „Straßentanz“ und „tolle Vielfalt“ referiert hat, war der Ofen eher aus als an. Mittlerweile hat sich meine Meinung geändert und ich könnte ganze Samstage in Hackney verbringen. Ich empfehle jedem einen leeren Magen mitzubringen, akzeptables Wetter wäre auch nicht schlecht. Es gibt so ziemlich alles, was das kulinarische Herz begehrt: Fleischgerichte, vegetarisch, vegan, Falafel, Meringue (allein schon wegen der Optik mein meistfrequentierter Stand), Obst, Pizza, Wurst, etc. Neben dem Essen regieren in Hackney die echten „Hipster“ die Straßen. Eigentlich finde ich das Wort grausam, jedoch passt es hier bei mageren Jungs und Adele-Mädchen wie die Faust aufs Auge. Attraktive Menschen en masse, tolle Outfits, der ein oder andere Promi und eine Lässigkeit, die beneidenswert ist. Während ich hektisch an meinem Hemdkragen zupfe, laufen mindestens zehn passende Looks für Scott Schuman an mir vorbei.

Mehr Infos: broadwaymarket.co.uk

HARRODS
Ganz ohne Foto und Klimbim noch ein Tipp für die Schnäppchennasen unter euch: Harrods verkauft bekanntermaßen nicht nur Luxusartikel zum Anziehen, sondern ebenfalls jede Menge Köstlichkeiten. Die Preise sind natürlich gesalzen, ein Rundgang lässt mein Herz jedoch immer höher schlagen. Erst letzte Woche habe ich herausgefunden, dass ca. 15-30 Minuten vor Ladenschluss fast alle Backwaren (bis zur letzten Minuten frisch hergestellt) zum halben Preis über die Theke gehen. Ordentlich zulangen und auf zum Picknick in den Hyde Park!

Mehr Infos: harrods.com

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  • Siegmar
    27. Mai 2014 at 12:27

    der Artikel macht Lust sich mal wieder “ London “ anzutun, ich liebe solche Läden wie das „Alboin“ und wenn es die Qualität von Dean&Deluca hat, dann nichts wie hin.

  • Katja
    27. Mai 2014 at 19:54

    Da bekommt man ja richtig Hunger 😉
    Mal was anderes als Fish and Chips 🙂

  • PeterKempe
    27. Mai 2014 at 21:10

    Love London- Love this Article- Love to Julian!

  • Monsieur_Didier
    27. Mai 2014 at 21:15

    …toller Artikel, ich werde im Herbst einiges davon ausprobieren…
    ABER…
    ob der Hinweis: „…gezückte Kreditkarten und dezente Celiné-Täschchen…“ abseits ist von Hip und Hop und Protz und mal dezent auf die Xxxxx hauen…
    da bin ich mir noch nicht ganz so sicher 😉

  • blomquist
    27. Mai 2014 at 21:26

    Einige der Läden werde ich ganz bald testen!!!

  • thomas
    28. Mai 2014 at 10:37

    na, auf nach london!

  • Julian Gadatsch
    28. Mai 2014 at 16:33

    Vielen Dank für das tolle Feedback & auf nach London, lohnt sich immer!
    @Siegmar: Albion kommt wirklich nah an D&D! Falls es mal zum Reisen nach Bangkok gehen sollte, der neueröffnete D&D dort ist mehr als klasse! ; ))
    @Monsieur_Didier: Da magst du definitiv Recht haben, gehört das C-Täschchen mittlerweile auch zum Protzranking (jedoch wesentlich weniger aufdringlich als so manches omnipräsente Logo)! Im Herbst kann ich immer auch einen Ausflug nach Richmond empfehlen, gerade dann macht es richtig Spaß dort spazieren zu gehen. : )