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Viva la Famiglia!

Domenico Dolce sprach sich in einem Interview mit der italienische Wochenzeitschrift „Panorama“ gegen „synthetische Babys“ und „gemietete Gebärmütter“ aus: „Ich bin schwul, ich kann keine Kinder haben. Ich denke, man kann nicht alles im Leben haben… Das Leben hat einen natürlichen Lauf, es gibt Dinge, die nicht geändert werden. Und eines davon ist die Familie.“ Auch sprachen sich die Designer dagegen aus, dass homosexuelle Menschen Kinder großziehen – „Die einzig wahre Familie ist die traditionelle.“

Nun spricht natürlich nichts dagegen, eine Diskussion über künstliche Befruchtung und Leihmutterschaft anzustoßen – allein schon aus Achtung der Meinungspluralität. Aber ein Baby als ’synthetisch‘ zu bezeichnen ist keine Meinung, sondern schlicht und ergreifend eine Beleidigung und anmaßend. Überhaupt finde ich es befremdend, wenn Kinder in Schubladen gesteckt werden: „artig“, „frech“ und zukünftig „synthetisch“ oder „natürlich“? Das mag vielleicht in der Welt der Herren Dolce und Gabbana noch eine Frage sein, ebenso die Idee einer „traditionellen Familie“, aber alle anderen Menschen dieser Welt sind doch mittlerweile etwas weiter, oder?
Ein Blick auf die Facebook-Seite der „BILD“-Zeitung offenbart: nein, sind sie nicht:
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Bild: Screenshot Facebook

Weil, so schließt also der Kommentator unter dem Facebook-Post zur Diskussion um das Interview messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf. Zumindest in einer Welt, in der ebenso nichts gegen eine jungfräuliche Befruchtung spricht.
Wären solche Kommentare nicht so traurig, könnte man fast sogar drüber lachen. Nicht zum Lachen zumute ist übrigens Elton John, der via Instagram verkündete, dass er das archaische Denken von Dolce und Gabbana genau wie deren Mode als „der Zeit hinterher“ empfindet und nie wieder Kleidung der beiden Designer tragen wird.
Ganze zwei Tage und gefühlte 40 Instagram-Posts hat es dann gedauert, bis sich Stefano Gabbana und Domenico Dolce – ebenso via Instagram – zum Interview äußerten:
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Bilder: Screenshot Instagram

Dass es zu diesem imposanten Shitstorm um die beiden Designer gekommen ist, liegt mit Sicherheit auch daran, dass Elton John mit seinem ersten Instagram-Post den Hashtag „#BoycottDolceGabbana“ ins Leben rief – ein Schicksal, welches Karl Lagerfeld vor zwei Jahren erspart blieb: Homosexuelle Männer sollten lieber Kinder adoptieren als Leihmütter zu engagieren. Allerdings seien zwei Mütter für ein Kind vorteilhafter als zwei Väter. „Ein Kind ohne Mutter, das ist ein bisschen traurig“, sagte Lagerfeld laut der französischen Nachrichtenagentur AFP …

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  • Monsieur_Didier
    16. März 2015 at 20:56

    …oh man, ich fass es nicht… haben die beiden keine anderen Probleme???
    …bevor ich mich da jetzt reinsteiger und in eine Diskussion gehe, die nicht wirklich sinnvoll ist, widme ich meiner selbstgekochten Paprikasuppe und schaue „Big Bang Theory“…
    das verspricht einen spannenderen Abend 😉

  • Felix
    16. März 2015 at 23:29

    Noch schlimmer sind die Kommentare der Bild Leser

  • Stephan Berlin
    17. März 2015 at 00:30

    Auch wenn ich anderer Meinung und kein Sizilianer bin: die zwei können sagen was sie wollen. Es ist doch nur PR…

  • Siegmar
    19. März 2015 at 12:53

    PR und sonst nichts, leider.

  • Horst
    20. März 2015 at 12:39

    @Siegmar und @Stephan meint ihr wirklich, dass das alles PR ist? Ich weiß nicht – ich entscheide mich heute noch gegen Barilla, wenn ich Nudeln kaufe.

  • Horst
    20. März 2015 at 12:59

    Nachtrag: Weil solche Bilder kann doch kein Unternehmen aus PR-Gründne gut finden http://www.dazeddigital.com/artsandculture/article/24165/1/lgbt-protesters-hit-dolce-and-gabbanas-london-store

  • Monsieur_Didier
    20. März 2015 at 14:59

    …oh ja, sehr unschöne Bilder…
    und ganz ehrlich: …wenn man selber schwul ist, sind solche Aussagen wie von Herrn Domenico einfach hirnrissig und zeugen offensichtlich von gestörter Wahrnehmung und einer gehörigen Portion Selbsthass…