Paris Fashion Week

The Chanel Airport – Travel in Style with Chanel Airlines

Chanel Grand Palais Show Space
Bild: Olivier Saillant

Binnen Sekunden konnte man rund um die Welt sehen, was am letzten Dienstag als einer der Höhepunkte der Pariser Prêt-à-porter-Schauen für Frühjahr 2016 gezeigt wurde – Instagram und Co. sei dank. Die Chanel-Schau an sich war wieder der Gesprächsstoff von Paris. Das Grand Palais wurde nämlich – mit einer Aufbauzeit von zehn Tagen – schlicht gesagt zum ersten „Innenstadt-Airport“ der französischen Hauptstadt verwandelt.
2.555 Personen, Kunden, Journalisten und „tout l’Entourage“ von Karl Lagerfeld war eingeladen, die Airport-Atmosphäre zu genießen, die in jedem Detail dem Treiben eines Weltstadt Flughafens entsprach: Bodenpersonal in eigens geschaffenen Uniformen, Bordkarten als Einladungen, Pressedossiers an den Check-in-Schaltern und die Halbgötter der Lüfte, die Piloten, die vor der Schau mit ihren Trolleys an ihren Arbeitsplatz rollen – die Detailbesessenheit von Karl Lagerfeld hat auch diesmal wieder für die perfekte Illusion gesorgt. Selbst auf den Anzeigentafeln waren die Destinationen die letzten Arts et Métiers-Städte vermerkt – von Salzburg bis Dubai war alles dabei. Kein Chanel-Fan konnte seinen Flug verpassen …
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Bild: Karl Lagerfeld

10.30 Uhr, Terminal 2C, Gate 5 am Flughafen Paris-Cambon: Unter der Glaskuppel des Grand Palais flanierte dann die Kollektion entlang der Check-in-Schalter. Passagiere und Stewardessen der Fluglinie Chanel Airlines präsentieren die 99 Looks. Das Thema des Dekors stimmte auf eine Kollektion ein, was 2016 dem Unternehmen gerecht wird. Chanels Mode, die seit 1983 von Karl Lagerfeld entworfen und geprägt wird, ist nicht nur auf der Straße zu Hause, sondern zu jeder Gelegenheit tragbar.
Der moderne Mensch ist ständig in Bewegung. Die Synonyme dafür bieten Flughäfen – den Orten, an denen sich Menschen aus aller Welt begegnen, kreuzen und von A nach B reisen. Für Karl Lagerfeld die logische Konsequenz, die Idee des Settings auf die Codes des Modehauses zu übertragen.
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Bilder: Karl Lagerfeld

Eine Palette mit Blautönen (von Himmel- bis Nachtblau), Weiß, Rot, Metallic-Grau, Schwarz, Drucke: Karl Lagerfeld hat eine sehr feminine Kollektion entworfen, die Bequemlichkeit und Eleganz sowie raffinierte und praktische Accessoires miteinander verbindet. Tweed, Denim, Leder, Spitze, Guipure, Seide und Ottomane schmiegen sich entweder an die von geraden Linien geprägten Silhouetten oder umspielen sie in Form von weiten Röcken über fließenden Hosen. Dazu Baseballcaps, wie zufällig übergeworfene Safety-Belts-Gürtel, Armreifen, in die man seine Handschuhe stecken kann, um sie nicht zu verlieren. Es wird mit den Farbcodes der Air France gespielt; die Stoffe folgen, natürlich in der Luxusversion, den Ausstattungen der Kabine. So gibt es auf Seide Mikro- und Makrodrucke der Anzeigentafeln, die zu neuartigen Dessins verschwimmen. Die aufgelösten Muster der Sitze werden kurzerhand in Webmuster und Stickereien oder zu sommerlichen Tweeds verwandelt.
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Bilder: Karl Lagerfeld

Die Models trugen doppelte Pferdeschwänze, Sandalen mit leuchtenden Plateausohlen oder offene Stiefeletten aus silberfarbenem Leder sowie transparentem Plastik und führen den neuen Trolley „Coco Case“ vor. Dazu eine Handtasche, die ein integriertes Schmuckfach im Boden hat und viel Platz für alles bietet, was man im Handgepäck mitführen möchte. Eine Reminiszenz an frühe Reisetaschen des viktorianischem Zeitalters, mit denen Mademoiselle sicherlich noch als junges Mädchen nach Vichy aufgebrochen ist – natürlich in der „chanelisiert“-gesteppten Optik.
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Bild: Karl Lagerfeld

Mit Karl Lagerfeld macht man gleich zusätzlich eine Reise durch die Geschichte der Airlines und so ist von Emaillepins als Doppel- oder Einzelflieger, Luftfahrtabzeichen bis hin zu kleinen Boardcases alles dabei. Sehr bequeme Jerseys mit Flugzeugmotiven und viele Pullis, getragen oder geknotet in mehreren Layers, laden zur bequemen Reisegarderobe ein, die man je nach Klimazonen schnell überstreifen kann.
Das Schimmern der Flugzeugbleche und der Triebwerke im Sonnenlicht wird bei den Abendensembles in gebundene Oberteile verwandelt, die zu schwarzen Röcken und Hosen kombiniert wird, die an den Nachthimmel der Spätflüge erinnern. Die Oberteile knüpfen an Mademoiselles berühmte Chiffonkleider der Dreißiger Jahre an, wohingegen sie die Schleifen schon seit ihrer Zeit im Kloster von Aubazines trug.
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Bilder: Karl Lagerfeld

Kernstück der Kollektion ist, wie Karl Lagerfeld es selbst nennt, „das perfekte puristische Kostüm“, das die Rue Cambon-Version von heute ohne Kragen, Knöpfe, Taschen und Paspeln zeigt. Genau wie die Mäntel und Cocos berühmte „Canotier“-Hüte in der abgespeckten aber immer erkennbaren Version aus Makro- oder 3D-Tweed. Selbst die Oberflächen der letzten Haute Couture-Kollektion wandern auf die „Boy“-Bags der nächsten Saison. Was gerade noch in der Erprobungsphase der Ateliers war, geht eben anschließend in unseren Alltag über. Genau wie Cocos „2.55“, die in Denim ab Januar zum heiß erwarteten Kultteil wird. Denim ist auch bei Chanel das strapazierfähigste Material, das durch die Jeans zum wichtigsten Stoff des zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhunderts wurde.

Schaut man sich die Kollektion genau an, bemerkt man auch Karl Lagerfelds diesjährige Reise nach Seoul. Seine weißen, mit gefalteten Blüten besetzten Cocktail-Ensembles und die an Origami erinnernden Tunikaoberteile verrieten ein bisschen was von der Kultur vor Ort, die bei ihm, wie alles was er sieht, sofort zu einer inspirierten Transkription auf das französischte aller Modehäuser verarbeitet werden.
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Bilder: Karl Lagerfeld

Wie jede Saison versteht es Lagerfeld, nicht nur eine Chanel-Kollektion zu schaffen, sondern einen in eine Welt eines ganzen „Fashion Planeten“ zu führen, wo es immer so weitergehen könnte. Eine Welt, in der ein Modell nach dem anderen herauskommt und das Ende gar nicht abzusehen ist. Michel Gaubert schafft dazu den idealen Soundtrack und die Verschmelzung der Perfektion ist einem fast unheimlich. Es ist wie ein wunderbarer Traum, den man als Kind träumt und sich wünscht, dass er einen den ganzen Tag begleitet.
Das Schöne ist, dass es Lagerfeld es selbstverständlich ansieht und es wie eine logische Rechenaufgabe in den Interviews zur Kollektion danach erklärt, diesen Traum wahr werden zu lassen. Für ihn scheint es simpel zu sein, die Welt der Marke Chanel immer wieder auf die veränderte Situation von Strömungen und Zeitgeist umzusetzen, ohne von den Werten des Hauses und den Maximen ihrer Gründerin abzuweichen. Dass das harte Arbeit ist, wird sicherlich jeder in seinem Team bestätigen können. Aber die Kunst liegt darin, das leicht erscheinen zu lassen, was in Wahrheit mühsam erkämpft werden muss. Genau so, wie es für mich immer noch ein Mirakel ist, dass eine so große Maschine wie ein Flugzeug ganz leicht durch den Himmel schwebt …

Was am Dienstag im Paris Cambon-Airport gezeigt wurde, wird im nächsten Sommer, und sei es nur durch eine Brosche, eine Tasche oder einen Pulli, jeden Flughafen der Welt ein bisschen in ihn verwandeln, genau wie die unzähligen Instagram-Posts zumindest virtuell schon weltberühmt gemacht haben. Das Faszinierende an den Kollektionen von Karl Lagerfeld ist sicherlich auch, dass Mode zu so einem Ereignis werden kann, das neben all dem Hintergrund mit wahnsinnig viel Ironie funktioniert.
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Bild: Karl Lagerfeld

Modenschauen haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Das Augenmerk, das früher nur auf den vorgeführten Modellen bzw., seit Anfang der Neunziger, auf den vorführenden Models lag, verlagert sich immer stärker auf die Location oder der Selbstdarstellung. Das Schöne bei Karl Lagerfeld ist aber, dass er es schafft, in jedem Einzelteil, so einen Spirit bei Chanel reinbringt, der jeden Instagram-Posts überdauert. Lagerfeld entwirft Stücke, die zu zeitlosen Ikonen werden, weil er nie etwas macht, was aufgesetzt ist und sich vom Kern der Marke entfernt.
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Bilder: Olivier Saillant

Wer Karl Lagerfelds Handschrift lesen kann, wird sicherlich immer einen Weg finden, die Entwürfe in seinen persönlichen Stil einzuarbeiten. Wie bei allen Dingen gibt es aber auch Menschen, die nur die Hälfte verstehen und das führt dann zu Interpretationen, die in den Medien aufgesetzt und kostümiert wirken. Totallooks zeugen nicht von Modeverständnis und schon gar nicht von eigener Kombinationsgabe. Außerdem sind sie in den wenigsten Fällen lässig.
Chanel verstand ihren Stil nie als Uniform, er sollte immer die Weiblichkeit unterstreichen. Das Werteverständnis bei Karl Lagerfeld hat bei ihm immer etwas mit dem Hintergrund, der Machart oder dem zweiten Blick auf das Kleidungsstück zu tun.
Mit Bedacht ausgewählt, ist es eine perfekt tragbare Kollektion, die viele Kombinationen erlaubt und viel Dynamik in die Kleiderschränke bringt. Schade, dass man am Dienstag nicht im Grand Palais abheben konnte, aber die Bodenständigkeit war auch immer eines der Erfolgsgeheimnisse von Chanel.
Ein wunderbarer Start in den nächsten Sommer und eine weitere Etappe durch die Welt von Chanel …

Spring-Summer 2016 Ready-to-Wear Chanel Show

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  • Siegmar
    12. Oktober 2015 at 14:10

    darauf habe ich mich gefreut, wunderbar zu lesen und wie immer klasse Kollektion, die Rock über Hose-Dinger sind etwas gewöhnungsbedürftig. So ein Pin will ich haben.

  • thomash
    12. Oktober 2015 at 14:18

    Ein Ereignis, die Schau und der Artikel!
    Super, wie perfekt Kempe die Handschrift Lagerfelds lesen kann und sie uns dann “vorliest“. Und zwar so gut, wie sonst kaum jemand. Das Gefühl hab ich, wenn ich mich online und sonstwie medial umschaue und die Berichterstattung verfolge.
    Danke!

  • Junikäfer
    12. Oktober 2015 at 17:47

    Die Show war wie immer ein riesiges Spektakel. Mit viel Aufmerksamkeit für Details und komplett durchgeplant.

    Die Kollektion selber finde ich enttäuschend. Sehr altbackend! Ich bin schockiert, wie „alt“ manchmal Lagerfeld für Chanel aussieht. Keine junge Frau möchte sich so kleiden.

    Erstaunlich dann wieder, wie neu, jung und frisch Lagerfeld für Fendi designt. Er kann auch anders…

  • Horst
    12. Oktober 2015 at 18:42

    Ich freue mich auf die Broschen und fand die beleuchteten Schuhe ganz furchtbar 🙂
    Die Sonnenbrillen mag ich übrigens auch! 😀

  • Markus
    12. Oktober 2015 at 19:18

    es ist alles gesagt, alles geschrieben, ganz wunderbar, Peter !!!!! danke für den großartigen Bericht. die Kollektion – fantastisch – ein Feuerwerk der Ideen – das Setting – ganz großes Kino,.. ähem Flughafen….

  • Elke Kempe
    13. Oktober 2015 at 08:57

    Ganz toller Bericht,sehr schöne Sachen,und sicher nicht für die,,Damen,,mit dem falsch verstandenem,,leggingslook ,,gedacht!!
    Danke Dir ,mein Peter?

  • Tim
    13. Oktober 2015 at 13:46

    Ja, ja, alles gut. Kempe gut, karl gut, aber was sind das für Schuhe? Birkenstock? Ziggy Stardust? Bitte um Aufklärung!