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„No Spaß without dancing“ x 20 Jahre Placebo in Berlin

Als die ersten Sekunden zu „Every You, Every Me“ erklingen, flippt das Publikum aus. Zu sehen ist dabei das 1998 erschienene Video zu einem der wohl bekanntesten Placebosongs. Die Zuschauer warten jedoch vergebens auf eine Unterbrechung oder ein abruptes Ende des Videos durch einen Auftritt der Band. So folgt eine Minute Ernüchterung und erstmal noch’n Schluck Bier nehmen.

Ja, Placebo hätten es knallen lassen können beim Intro, aber das haben sie nicht. Es wirkte vielmehr wie ein Abspulen des Songs, den zwar jeder live erwartet hatte, sie aber keine Lust mehr hatten zu spielen. Stattdessen ein rapide geschnittenes Videoschnipsel-Intro durch 20 Jahre Placebo-Bilder, Dunkelheit und dann das gebetsartig blinkende blaue Licht zum Anfangsbeat von „Pure Morning“. Diesen Song haben Molko & Co schon zehn Jahre lang nicht mehr gespielt und nun eröffnet gerade dieser ihre große Geburtstagsparty. Diese verläuft anders als sich das vielleicht einige vorgestellt haben. Der melancholische Teil fällt mit gut 90 Minuten und Songs wie „Special Needs“, „Soulmates“, „Space Monkey“ oder dem mittlerweile Bowie Tribute „Without You I’m Nothing“ recht lang aus, was im Nachgang auch für Kritik sorgt. Eine Konzertkritik zieht sich im Nachhinein zusätzlich daran hoch, dass sich Molko zwischen zwei Songs darüber aufregt, dass ein paar Zuschauer andere Leute schubsen bzw. wohl sehr rücksichtslos rumtanzen. Sätze wie „You f*cking ruining my concentration up here. I’m trying to work.“ oder auch „If you behave like children you can go back to kindergarten“ fallen da. Und ja das hätten Placebo früher wohl nicht moniert, aber hey: Auch Placebo werden eben nicht jünger und warum nicht noch ein bisschen Späterziehung leisten?

Dann ist aber Schluss mit erhobenem Zeigefinger. „Wanna have some Spaß?“ heißt es schließlich und es fliegen einem sämtliche Knaller von „Slave To The Wage“, „Special K“, „Song To Say Goodbye“ oder am Ende „The Bitter End“ um die Ohren. Das Konzert selbst schließt aber nicht mit einem Knall, sondern vielmehr mit einem in der Nacht verhallenden Kate Bush Cover von „Running Up The Hill“. Es endete somit also so wie es anfing: unerwartet. So lange eine Band so etwas noch kann, brauchen wir uns keine Sorgen zu machen.

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  • Horst
    16. November 2016 at 12:55

    Hmmm, ich kann Bands irgendwie auch verstehen, dass sie keine Lust haben, 20 Jahren die selben Songs zu spielen 😀 Lustigerweise hatte ich aber bei The Cure gerade auch auf die alten Knaller gewartet 😉