Interview

Nachgefragt bei … Jacques-Antoine Granjon

Jacques-Antoine Granjon: Bild: Olivier Roller

Große Erfolge, Lagerbestand und ein zweites Leben dank E-Commerce – Für Horstson habe ich Jacques-Antoine Granjon, den Gründer und CEO von vente-privee.com, zum Gespräch gebeten. In Frankreich vergeht kaum ein Monat, in dem nicht sein Name in Print und Fernsehen erscheint, wohlgemerkt nicht aufgrund von Skandalen, sondern vielmehr wegen seines weltweiten Siegeszug im Onlinehandel. In Deutschland ist Monsieur Granjon jedoch noch nicht ganz so bekannt, Zeit, dass sich das ändert. Der sympathische Franzose polarisiert mit auffälligem Erscheinungsbild und jeder Menge Knowhow, ich bin mehr als gespannt…

Lassen Sie uns über vente-privee.com sprechen: Können Sie sich noch an Ihre Gründungsidee erinnern?
Gleich im Anschluss an mein Studium, ich war damals 23 Jahre alt, habe ich mein erstes Unternehmen gegründet: Gemeinsam mit Freunden und Kollegen haben wir Lagerbestände aufgekauft. Mein Vater hat mich damals mit 15.000 Franc, heute umgerechnet circa 2.500 Euro, unterstützt. Ich habe ein kleines Ladenlokal im Pariser Quartier Le Sentier angemietet – dort wo alle Textilhändler ansässig waren – und den Kontakt zu potentiellen Käufern und Verkäufern aufgebaut. Ich hatte gerade einmal zwei Telefone vor Ort. Bereits kurz nach meiner Ankunft konnte ich 2000 Kleider für einen ziemlich guten Preis erstehen.

Die sie anschließen weiterverkauft haben?
Leider nein. Ich habe sie nicht verkauft bekommen, sie entpuppten sich als Ladenhüter. Trotzdem habe ich mich nicht kleinkriegen lassen und habe das Geschäftsmodell weiter ausgebaut. Es gab Zeiten in denen ich totale Platzprobleme hatte, so musste ich gekaufte Kleidung teilweise vor dem Laden zwischenlagern. Alsbald es anfing zu regnen, wurde alles nass…

Klingt abenteuerlich!
Ich habe mich schließlich auf den Einkauf von großen Mengen spezialisiert, jedoch immer nur mit kooperationswilligen Partnern und Produkten, die lohnenswert zu verkaufen waren. Auch haben wir nicht einfach die typische Restware von großen Unternehmen übernommen, viel mehr haben wir deren Produkte zu attraktiven Preisen ein „zweites Leben“ ermöglicht.
Das ist bis heute das Alleinstellungsmerkmal von vente-privee.com und unseren Partnermarken – wir kaufen Lagerbestände, werten sie durch ansprechende Präsentationsmaßnahmen auf, steigern somit zusätzlich den Bekanntheitsgrad und liefern immer wieder neue Ideen.

Daher die Bezeichnung „zweites Leben“: Wann sind Sie mit E-Commerce in Berührung gekommen?

Es hat „nur“ fünfzehn Jahre gedauert, bis wir mit dem klassischen Handelsunternehmen auch online gegangen sind: Der Launch unserer Website vente-privee.com, damals ein weltweiter Pionier in diesem Geschäftsbereich. Seitdem hat sich der Markt drastisch verändert, heute gibt es mehr als 600 Onlinehändler, die meine ursprüngliche Idee kopiert haben.

Instagram, Snapchat und Twitter: Ihre Meinung zum aktuellen Social-Network-Trend?
Er ist gut und steigert den Bekanntheitsgrad eines Unternehmens. Klar, als wir online gegangen sind, gab es noch kein Twitter oder Instagram. Unser Erfolg basierte damals auf Mund-zu-Mund-Propaganda, bis heute ein entscheidender Faktor, auch in den sozialen Medien.

Wir nutzen unsere Social-Network-Kanäle hauptsächlich, um unsere vente-privee.com-Community und die Öffentlichkeit zu erreichen. In erster Linie vertrauen wir jedoch auf unsere hauseigenen Möglichkeiten zur Kommunikation, so können wir unsere Kunden immer über anstehende Aktionen und Verkäufe auf dem Laufenden halten.
Logistikzentren venteprivee com in Le Blanc-Mesnil Frankreich vente privee com
Eines der Logistikzentren von vente-privee.com in Le Blanc-Mesnil, Frankreich; Bild: vente-privee.com

Stichwort „Aktionen“: Erzählen Sie mir bitte etwas über das Produktangebot von vente-privee.com!
Mein Credo? Alles, was legal zu erwerben ist – außer Kunst, denn dafür gibt es meiner Meinung nach keinen Preis –, kann verkauft werden! Das ist auch der Grund, warum ich unser Produktangebot peu à peu ausweite: Als wir im Jahre 2001 angefangen haben, hatten wir ausschließlich Kosmetik, Spielsachen und kleine Haushaltsgeräte im Angebot.

Gibt es dafür einen Grund?
So war die Auflösung von Modebildern und -outfits einfach zu hoch, als dass man sie ohne größeren Aufwand im Online-Shop hätte laden können. Erst als 2004 die DSL-Geschwindigkeit eingeführt wurde, ergab sich die Möglichkeit eines flächendeckenden Zugangs zu schnellerem Internet. Wir haben uns sofort an die neuen technologischen Bedingungen angepasst, der Umsatz explodierte…
Im selben Jahr haben wir erstmals auch Dessous angeboten: 10.000 verkaufte Produkte innerhalb weniger Tage und das ohne jegliche Beratung oder einer Option, die Modelle vorher anprobieren zu können.

Stimmt, von dem Dessous-Erfolg habe ich gehört!
Heute haben wir ein ganz neues Feld, auf dem wir uns ausprobieren und experimentieren: Smartphones. Der Markt ist ist im wahrsten Sinne des Wortes „mobilisiert“ und entwickelt sich weiter. Mittlerweile macht der Verkauf über Smartphones und Tablets 50 % aus – wir passen uns natürlich an technologische Entwicklungen an. Der Kunde ist König und auf den unterschiedlichsten Kanälen online unterwegs, also auf, auf!

An dieser Stelle kann ich nur beipflichtend nicken…
Um zurück auf deine Frage zu kommen, wir bieten ein breites Sortiment an unterschiedlichen Produkten an: Bekleidung, Schuhe, Accessoires. Egal ob Luxusmarke, international anerkannter Designer oder Kollektionen gängiger Highstreet-Labels – bei uns findet man so gut wie alles. Sportbekleidung und das passende Equipment? Gibt es immer wieder im Angebot, ganz gleich ob Inline Skates, Fahrräder oder passende Golfausrüstung! Wir bieten auch Einrichtungs-, und Dekorationsaccessoires rund ums Haus sowie jede Menge kulinarische Spezialitäten an.

Ertappt! Aus Frankreich, Spanien und Italien? Ich bin bestens über das Angebot an regionalen Köstlichkeiten informiert!
Genau, seit letztem Jahr bieten wir zusätzlich auch Reisen an. Unsere Mitglieder können nun auch Städtetrips, Festivals, Hotels und Kreuzfahrten über vente-privee.com buchen. Nicht zu vergessen, unser vielfältiges Angebot an Unterhaltungsmöglichkeiten: Konzert-, Kino- und Musicaltickets, Sky TV-Abos oder vergünstigte Mitgliedschaften bei Fitnessclubs.
Das ist unumstritten ein breites Sortiment an unterschiedlichen Produkten.
Und das alles mit einer Reduktion von bis zu 70% vom ursprünglichen Preis! Jeden Tag gibt es noch ein spezielles OneDay-Angebot, der Name ist Programm: Eine Marke, ein Produkt und nur an einem Tag erhältlich.

Klingt einleuchtend! Was hat es mit Rosedeal auf sich?
Bei dieser Aktion kooperieren wir ebenfalls mit anderen Unternehmen und Labels, nur verkaufen wir keine Produkte, sondern Gutscheine zum Vorteilspreis: Meistens mit 50% Preisreduktion. Im Umkehrschluss kann das beispielsweise bedeuten, dass du einen Gutschein für 30 Euro bei uns erwirbst und damit anschließend für 60 Euro bei unseren Partnermarken einkaufen gehst. Abschließend hätte ich fast unsere Lounge-Angebote außer Acht gelassen: Spezielle Aktionen für echte Luxusliebhaber wie der Verkauf von „De Beers“-Diamanten.

In Kürze folgt Teil II des Interviews!

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  • Siegmar
    26. August 2015 at 10:55

    gutes Gespräch, kannte ich nicht, ich bin nicht so der online-Käufer. Ganz toll ist das Mao-Porträt im Hintergrund, das hätte ich gerne. Leider wird ja Kunst nicht angeboten, mit einer sehr vernünftigen Begründung 😉

  • Tim
    26. August 2015 at 12:57

    Gutes Gespräch, klar! Aber trotzdem verstehe ich keine „Shoppingklubs“, was anderes ist es ja nicht.
    Bin auf den zweiten Teil gespannt.

  • Interviw: Jacques-Antoine Granjon | Horstson
    29. August 2015 at 12:22

    […] ganz so bekannt, weiter geht’s mit dem zweiten Teil meines Interviews (den ersten Teil gibt es hier zum […]

  • Zu Besuch bei … Vente-Privee | Horstson
    3. September 2015 at 14:23

    […] charmanten Gründer und CEO Jacques-Antoine Granjon (das ausführliche Interview gibt’s hier und hier zum Nachlesen). Ich für meinen Teil schaue mir in der Zeit für Horstson das […]