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Mehrzwecktragetasche, zum wiederholten Gebrauch

(Lars Eidinger für PB 0110; Foto: Studio Tusch)

Lars Eidinger geht unter die Designer. Der Schauspieler hat zusammen mit PB 0110 eine Tasche entworfen. Beides – also die Zusammenarbeit zwischen Eidinger und PB 0110 sowie die Tatsache, dass Eidinger überhaupt etwas ist entwirft, ist eine Premiere. „Ich habe von einem Projekt mit Lars Eidinger geträumt“, so PB 0110-Inhaber Philipp Bree über den Beginn dieser gemeinsamen Geschichte. Er schickt Lars Eidinger eine Audio-Datei mit seinem Traum, es folgt ein Treffen an der Berliner Schaubühne. Das Ergebnis dieses Treffens nennt sich „LE 1“ und ist ab Juni erhältlich.

Die Inspiration zur „LE 1“ liefern Plastiktüten. Zu diesen etwas aus der Mode gekommenen Alltagsgegenstand hat Lars Eidinger eine besondere Verbindung: „Ich habe mich gefragt, welchen Zweck eine Tasche für meine Ansprüche erfüllen müsse und bin darauf gekommen, dass ich oft eher Tüten als Taschen benutze. Tragesäcke ohne Fächer oder Unterteilungen“, wie der Schauspieler erklärt. „Die Aldi-Tüte steht für mich stellvertretend für die Plastiktüte an sich. Ein Klassiker, der im Zuge des neuen ökologischen Bewusstseins vom Markt verschwinden wird.“
Verantwortlich für diesen Klassiker war Günter Fruhtrunk, seines Zeichens abstrakter Maler, Grafiker und Professor bei der Akademie der Bildenden Künste in München. Fruhtrunk „outete“ sich im Jahr 1970 als Designer der Aldi-Nord-Tüte. „Ich habe gesündigt“, kommentierte er gegenüber seinen Studenten dieses kommerzielle Projekt und zahlte dafür 400,- DM in die Klassenkasse.
Ob Fruhtrunk die Tasche aus der Zusammenarbeit von Lars Eidinger und PB 0110 auch als „Sünde“ bezeichnen würde ist nicht bekannt. Der Designer verstarb 1982.

Der Kontrast zwischen dem „billigen“ Design der Aldi-Tüte in einer luxuriösen Ausführung PB 0110 hat durchaus seinen Reiz und gibt gleichzeitig einen Seitenhieb zur Diskussion zur Plastiktüte an sich. Doch es geht nicht um Luxus, wie Eidinger erklärt: „Vielmehr versucht die Tasche den Blick auf die Schönheit des Alltags zu lenken. Oft messen wir Luxusartikeln, die wir vielleicht ein, zwei Mal im Jahr benutzen, einen höheren Wert zu, als Dingen des täglichen Gebrauchs. Es ist eine Verneigung und Wertschätzung dem Alltäglichen gegenüber. Eine Hommage an den Alltag. Natürlich spielt es auch damit, ein Wegwerfprodukt nachhaltig zu machen.“
Auf die Idee, die „LE 1“ wegzuwerfen, würde wohl auch niemand kommen – mit 550 Euro liegt der Preis 2.750-mal so hoch wie für eine normale Aldi-Tüte. Die „LE 1“ ist übrigens – ganz im Gegenteil ihrer Inspirationsquelle – auf 250 Exemplaren limitiert.

  • Hannes
    15. Januar 2020 at 18:28

    Danke für den Beitrag, jetzt bin ich um 550 Euro ärmer und habe eine „Gugg“ mehr. Aber dafür wenigstens nachhaltig.

  • Siegmarberlin
    18. Januar 2020 at 06:45

    Wenn der Preis ok ist, würde ich die Tasche sofort nehmen.

  • Horst
    18. Januar 2020 at 11:08

    @Siegmar 550 Euro.

  • Peter Kempe
    18. Januar 2020 at 13:55

    Philipp Bree ist eine der wenigen deutschen Firmenbetreiber, der wirklich sich Gedanken macht und eine eigene Linie fährt und seine Designs macht. Nicht wie jede andere Taschenmarke nur kopiert und dann seinen Namen ranschreibt oder die Luxusmarken nachmacht. Er verzichtet auf Pseudo-Glam und ist noch richtiges Handwerk aber mit kommerziellen Touch. Solche Firmen sollten in Deutschland gefördert werden. Zumal es ja auch kaum noch welche gibt, weil man über Jahrzehnte alles sterben hat lassen.

  • vk
    18. Januar 2020 at 19:51

    schon sehr nett.
    approved!