Ausstellung

Hokusai x Manga – japanische Popkultur in Hamburg

(Heidi, Japan, 1974; Isao Takahata; Sammlung Linda Manz, © 1975 Zuiyo Production, © 2016 Studio 100 Media GmbH)

Manga – viele Menschen können den Begriff nicht sofort einordnen. Dennoch werden sie zu nahezu 100 % mit Manga-Stilelementen in Kontakt gekommen sein – doch meist, ohne es zu wissen. In den 1970er Jahren entstanden in deutsch-japanischen Koproduktionen zahlreiche bekannte Kinderbuchverfilmungen wie Die Biene Maja, Wickie und die starken Männer oder Heidi, die auf das Animationshandwerk aus Ostasien zurückgreifen. Diese Helden manch einer Kindheit brachten die Ästhetik der Mangas und Animes in die Kinderzimmer Deutschlands – kein Wunder also, das einem noch heute die Figuren der japanischen Popkultur vertraut vorkommen.
In der Ausstellung „Hokusai x Manga. Japanische Popkultur seit 1680“ zeichnet das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg noch bis zum 11. September 2016 die vielfältigen Verbindungen zwischen historischer und zeitgenössischer Populärkultur in Japan nach.
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„Die große Welle von Kanagawa“; Katsushika Hokusai (1760-1849); Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, © Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg)

Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg besitzt eine umfangreiche Sammlung von Farbholzschnitten und Holzschnittbüchern der bedeutendsten Ukiyo-e-Künstler wie Utagawa Kuniyoshi (1797-1861) oder Katsushika Hokusai (1760-1849). Unter Ukiyo-e firmiert ein ganz bestimmtes Genre der japanischen Malerei und der japanischen Druckgrafik. Ich bin mir sicher, dass die wenigsten Leser mit dem Namen Hokusai etwas anfangen können, aber die meisten Leser das wohl bekannteste Werk des japanischen Künstlers – „Die große Welle vor Kanagawa“ – kennen. Es hat sich, ähnlich wie die „Mona Lisa“, ins kollektive Gedächtnis der Gesellschaft eingebrannt und hängt als Druck in fast jedem asiatischen Restaurant. Aktuell ist ein Filter bei der Foto-App „Prisma“ an das Werk angelehnt.
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„Der Held Yokagawa Kanpei Munenori“, Utagawa Kuniyoshi, 1852 © MKG | „Barfuß durch Hiroshima, Hadashi no Gen“, © 1975 Keiji Nakazawa, Band 1, S. 77, Carlsen Verlag 2004

„Hokusai x Manga. Japanische Popkultur seit 1680“ schlägt den Bogen von diesen Holzschnitten und historischen Druckerzeugnissen aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert zu den visuellen Massenmedien des modernen Japan: Manga (Comics), Anime und Computerspiele, begleitet durch aktive Fanszenen und Aneignungspraktiken wie Cosplay.
Mit Cosplay kam ich übrigens das erste Mal Mitte der 1990er Jahren in Japan in Kontakt. In Deutschland kannte man den Verkleidungstrend noch gar nicht, doch ich war sofort gleichermaßen irritiert und fasziniert von dem Look. Leider hat es Cosplay in seiner ästhetischen Komplexität niemals richtig nach Deutschland geschafft: Manchmal erinnern die Cosplayer hierzulande eher an Fasching, als an eine Anime-Figur. Anders natürlich bei einem Cosplay Festival in Japan:
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Cosplay Festival im Kyoto International Manga Museum Japan, 2010; Courtesy: imrc, © Kyoto International Manga Museum

Neben der Darstellung der jeweils eigenständigen Stilelemente untersucht „Hokusai x Manga. Japanische Popkultur seit 1680“ die zeitübergreifenden Gemeinsamkeiten. So zeichnet sich die zeitgenössische Popkultur durch eine ausgeprägte Pluralisierung der Themen, Motive und Genres aus, folgt aber auch den traditionellen Erzählstoffen, wie etwa den berühmten Samurai-Helden oder der Welt der Gespenster und Monster, die immer wieder neu interpretiert werden und die ein beliebtes Motiv von Katsushika Hokusai waren:
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Links: „Der Oiwa-Geist“; rechts: „Der Rachegeist des Kobata Koheiji“; jeweils von Katsushika Hokusai (1760-1849); Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, © Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Die Ausstellung zeigt über 200 historische Holzschnitte und illustrierte Holzschnittbücher, Entwurfszeichnungen, Druckstöcke, Tuschezeichnungen, über 60 japanische Manga-Bücher, hochwertige Reproduktionen und Originalzeichnungen von Manga, sowie Ausschnitte und Animation Cels (Animationsphase auf transparenter Folie) aus Anime-Filmen, Videogames, Cosplay-Kostüme und Merchandise-Artikel aus dem Manga-Anime-Universum. Da wir uns hier auf Horstson ja ab und zu 😉 Modethemen widmen, sei noch erwähnt, dass auch Bilder der Zusammenarbeit zwischen Gucci und dem japanischen Manga-Künstler Hirohiko Araki aus dem Jahre 2013 gezeigt werden …

Hokusai x Manga. Japanische Popkultur seit 1680
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Steintorplatz
20099 Hamburg

Öffnungszeiten: Di–So 10–18 Uhr, Do 10–21 Uhr
Eintritt: 12 € / 8 €, Do ab 17 Uhr 8 €, bis 17 J. frei
Die Ausstellung läuft noch bis zum 11. September 2016

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  • PeterKempe
    1. August 2016 at 19:39

    Fest vorgemerkt! Eh eines meiner Lieblingsmuseen…

  • thomash
    4. August 2016 at 08:11

    super! ich geh noch heute hin. danke für den interessanten hinweis.

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    7. August 2016 at 11:47

    […] 1) Für alle, die in den nächsten Wochen einen Ausflug nach Hamburg planen und ein Faible für japanische Pop-Kunst hegen, hatte Horst am Montag einen Tipp für eine Manga-Ausstellung! […]