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Hermès setzt bei der Tasche „Victoria“ auf veganes Leder

(Bild: Hermès)

Vor einigen Jahren wechselte bei einer Auktion für über 100.000 Euro eine Tasche von Hermès den Besitzer: Die Birkin Bag „Himalaya Niloticus“, hergestellt aus weißem Krokodilleder. Der Preis ist hoch, wird aber neben der seltenen Tierhaut durch die mit Diamanten besetzten Schnalle und durch die künstliche Verknappung gerechtfertigt.
Kaum ein Unternehmen steht so für Leder wie Hermès, wenngleich natürlich nicht immer Krokodilhaut verarbeitet wird, sondern meist Kalbsleder. In der Herbst-Winter-Kollektion 2021 stellt Hermès nun die Tasche Victoria in einer neuen Variante vor. Zum Einsatz kam ein innovatives Material, Sylvania aus Fine Mycelium. Hierbei handelt es sich um einen Hybrid aus Natur sowie Biotechnologie und ist ein gutes Beispiel für eine neue Generation von Biotech-Materialien, die ganz ohne den spröden Charme von Öko-Aktivisten auskommen.

Der Forschungsdrang ist nicht neu: Hermès arbeitet seit Jahrzehnten an neuen Materialien. Das Ziel ist, die Ästhetik, Qualität, Langlebigkeit sowie Nachhaltigkeit der Produkte zu verbessern. Dabei hat es sich das Haus zur Aufgabe gemacht, mit seinen Kreationen auf die Bedürfnisse unserer Zeit zu reagieren und die Verantwortung gegenüber unserer Umwelt anzunehmen, denn machen wir uns nichts vor: Nach Pelz wird es Leder an den Kragen gehen.
Die Forschung ist gleichbedeutend mit der Suche nach neuen Materialien, ob sie nun aus der Natur stammen, wie Leder, Seide, Metall, oder durch Biotechnologie umgewandelt werden, wie Fine Mycelium.
Hierfür arbeitete Hermès mit MycoWorks zusammen. Das kalifornische Unternehmen hat mit seinem patentierten Verfahren zur Veredelung von wachsendem Mycelium ein Naturmaterial geschaffen. Sehr vereinfacht gesagt, handelt es sich hierbei um einen Pilz, wobei dafür keine Champignons und Pfifferlinge gezüchtet wurden, sondern um fadenförmige Zellen eines Pilzes oder Bakteriums.
Fine Mycelium, also der Rohstoff von Sylvania, wird in der MycoWorks-Anlage hergestellt. Anschließend wird es in Frankreich von den Hermès-Gerbern gegerbt und veredelt, um seine Stärke und Haltbarkeit weiter zu entwickeln. Für Hermès-Kunden sicher nicht unwichtig: Das Material bekommt eine natürliche Patina. Komplett auf Leder verzichten wollte das Unternehmen aber nicht: Die Griffe sind aus Kalbsleder.

Für Hermès ist der Schritt auf jeden Fall bemerkenswert und man kann gespannt sein, wie die luxusverwöhnte Kundschaft auf diese Innovation reagiert. Preise wie bei der Birkin Bag „Himalaya Niloticus“ werden ganz sicher nicht bei einem veganen Leder erzielt.
Einen spannenden Beitrag zum Thema „Pilzleder“ habe übrigens ich hier gefunden.