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peterkempe

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Jugendwahn muss nicht sein – Nick Wooster, Style Icon

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Man will einfach keine „Best Ager“ Männer mehr zwischen 45 und 60 in vermeintlich lässiger Kleidung sehen, die wie Abercrombie oder Dsquared, um nur einige Beispiele zu nennen, eine 18 – 24 jährige Zielgruppe ansprechen sollte.
Auch übertriebene Sportswear – damit meine ich nicht gute Sneaker – und gerissene „Oligarchen, hip auf Bon Jovie gemachte“-Looks werden ab einem gewissen Alter blöd und vor allem auch nicht nötig.

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Peter’s Cuttings – Die Kofferkünstler vom Faubourg Saint-Honoré: Goyard

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Bild: Goyard

Als ich vor vielen Jahren meinen Corgie Smokie bekam und mich nach dem passenden Equipment umsah, riet mir eine Freundin „Geh doch zu Goyard, die haben die besten Halsbänder und Leinen und machen die nach Maß!“ Goyard? „Das sind die ältesten Koffermacher und Täschner von Paris,“ führte sie weiter aus. Kurz hinter dem Place Vendôme, schräg gegenüber des von Jean Michel Frank ausgestatteten Guerlain Ladens, war mir schon immer eine wunderschöner, holzverkleideter Gründerzeit-Laden aufgefallen, der Koffer und wenige Reisetaschen in einem völlig authentischem Interieur aus dunklem Holz des Fin de siècle anbot.
Die Koffer waren nach bester Handwerkstradition gearbeitet und mit einem beschichtetem Canvas überzogen, der ein wenig an einen schönen Jugendstil Fliesenboden erinnerte.

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Re-Post: Tina Chow – The Fashion Collector

Sie war bekannt als eine Frau des Stils, die Frau des berühmten Gastronomen und Ruhlmann-Sammlers Michael Chow. Sie zierte nicht nur die Gesellschafts- und Mode-Seiten von Los Angeles, New York, London, Paris und Tokio, sondern sie legte auch eine der bedeutendsten Sammlungen an, die mit dem Bestand von Museen wie dem Metropolitan Museum oder dem Fashion Institute Of Technology in New York mithalten kann. Hunderte von exorbitanten Beispielen befanden sich nicht nur in ihrer Sammlung, sondern wurden auch von ihr getragen. Fashion-Experten sahen den Reiz und die Qualität ihrer Sammlung besonders darin, dass es die besten Beispiele dafür waren, die individuelle Vision und die besonderen Eigenschaften der einzelnen Schöpfer und der Häuser zu repräsentierten.

Die Chow-Kollektion umfasste die feinsten und aufwendigsten Stücke der Innovatoren der Mode – wie dem Venezianer Mariano Fortuny, Cristobal Balenciaga, Coco Chanel, Madeleine Vionnet, Charles James, Christian Dior, Jeanne Lanvin, Paul Poiret und Elsa Schiaparelli.
Durch das ständige Ergänzen und die Nähe zu den Designern der Fashion Szene der Achtziger und Neunzigerjahre des zwanzigsten Jahrhunderts, erfasste das Ex-Model praktisch die gesamte Chronik des Modeschaffens durch Meilensteine der Kollektionen und rundete so die Sammlung immer weiter ab.
Schwergewichte der Sechziger wie Pierre Cardin sind ebenso dabei, wie Azzedine Alaia, Romeo Gigli, Sandra Rhodes oder Issey Miyake. Kultdesigner Yves Saint Laurent, Hubert de Givenchy oder Karl Lagerfeld wussten, dass, wenn sie etwas aussuchte, würden das ewig gültige Teile und Key-Items der Mode werden.

Sie zeichnete sich durch admirables Farbempfinden, absolute Stilsicherheit und vor allem den Instinkt aus, die Beweggründe und die Technik eines Kleidungsstücks genau zu erkennen. Für sie war Mode wie Architektur. Aber die Exponate wurden nicht nur einfach gesammelt, Chow ließ sich in den Teilen von den bedeutendsten Fashion-Photographen arrangieren. Sie interpretierte durch Bewegungen genau das, was ihr wichtig dran war, nämlich der Aufbau und die Graphik – dieser wie sie sagte – tragbaren Häuser.
1992 kuratierten die legendären Macher zahlreicher Ausstellungen am Fashion Institute Of Technology, Richard Martin und Harold Koda, Vreeland-Schüler und Assistenten ihrer praktisch begründeten Design-Ausstellungen (vorher wurden Modeausstellungen als nicht würdig befunden) gemeinsam mit Chow eine Retrospektive, in der besonders – so auch der Titel der Ausstellung – das Flair dieser Phantasiegebilde herausgestellt wurde.

Die Schnittzeichnungen, der Aufbau und die Konstruktion wurden den textilen Gebilden gegenüber gestellt und so wurde klar, dass Beispielsweise ein Balenciaga-Abendmantel von der Statik so ausgewogen und bemessen war, dass er der Konstruktion eines hochkomplizierten Bauwerks glich. Man wundert sich heute natürlich, mit wie viel Zeit und Akribie, teilweise über Jahre, solche Kreationen entstanden.

Chow hatte das dritte Auge dafür und meinte, dass Kleidungsstücke lebenslang wie gute Kunst oder Gemälde mit einem verschmelzen und praktisch wie ein Körperteil an einem wirken mussten. Ein Gedanke, der heute fast verloren ist, den ich aber gut nachvollziehen kann und den ich eigentlich für nachhaltig und erstrebenswert halte.

Sammeln, sagte sie einmal, ist das Universum des Wissens, um die Dinge in Gegenständen zu bewahren; und so erzählt beispielsweise das berühmte Kleid mit den aufgestickten Juwelen aus der ersten Chanel-Kollektion von Karl Lagerfeld nicht nur die komplette Geschichte Chanels selber, sondern eigentlich auch die Taktik und Technik der bis heute andauernden Revitalisierung des Stils des Hauses.
Durch ihre asiatische Herkunft hatte man bei Tina Chow ständig das Gefühl, dass sie wie mit einer Zen-Waage die Dinge auf eine Art symmetrisches Netz legte und so diese ur-europäischen und amerikanischen Kreationen neu vermaß. Aber auch hier zeigt sich die Vollkommenheit, denn auch mit diesen kulturellen Maßstäben offenbaren sie ihren Zauber auf dieselbe Weise. Mode und Perfektion sprechen also schon immer die Globalisierungs-Sprache der Kreativität und sind, wenn sie zur Vollkommenheit gelangen, wie ein weltweit funktionierender Code.

Tina Chow starb 1992 einundvierzigjährig an Aids und verbrachte ihre letzten Wochen in dem durch das Exil von Thomas Mann bekannt gewordene Pacific Palisades in Los Angeles. Ihre Sammlung wurde 1993 bei Christie’s in New York versteigert. Glücklicherweise wurden die meisten Stücke von Museen bewahrt. Es wäre sicherlich reizvoll, sie einmal wieder so zu vereinigen, wie sie ursprünglich von der Sammlerin zusammen gestellt waren, denn nur dann wird einem die Einmaligkeit dieser Kollektion und dieser bemerkenswerten Frau bewusst.

Aufmerksame Leser werden es bemerkt haben: Am 14.03.2012 hatten wir genau diesen Artikel veröffentlicht. In Erinnerung an die wunderbare Tina Chow, die am 24.01. ihren elften Todestag hatte, haben wir uns zu diesem Re-Post entschlossen.

Interieur

Cire Trudon & Yaz Bukey – Kerzen-Küsse

Bild: Cire Trudon

Cire Trudon, die französische Kerzenmanufaktur, die seit 1643 von Hand ihre Kerzen und Duftkerzen fertigt, ist bekannt für seine außergewöhnlichen, auf jahrhundertealten Rezepten basierenden Duftwelten.
Die Gläser werden in venezianischen Glasmanufakturen mundgeblasen und wir haben euch ja schon einige der tollen 19 Sorten vorgestellt. Nun gibt es immer wieder auch mal eine Sonderedition oder wie in diesem Fall als Kooperation mit der französischen Trend-Designerin Yaz Bukey. Die türkisch-ägyptische Prinzessin entwickelte eine ganz eigene Interpretation der klassischen Duftkerze und ließ sich dabei von Popmusik der 80er Jahre und der Comic Figuren inspirieren. Es entstand ein ungewöhnlich spannender Duft, der mich daran erinnert, wie es in einer neuen lang ersehnten, hübschen Handtasche riecht, wenn man sie das erste Mal öffnet. Superinteressant und angenehm träumerisch, mit einer Spur von Ledrigkeit.

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Die neue Generation des Jet Sets – Victoria und Edward Tang

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Edward Tang; Bild: Terry Richardson

Während der Haute Couture Schauen letzte Woche in Paris hatte ich die Möglichkeit, verschiedene Kunden zu beobachten und der Sache auf den Grund zu gehen, wer denn nun eigentlich die heutigen Konsumenten und die nächste Generation derer sind, die sich für so teure und aufwendige Stücke interessieren. Neben den bekannten Protagonisten wie z.B. Daphne Guinness und zahlreichen Damen aus Arabien oder Libanon, gibt es aber auch eine junge coole Generation, die sich, unter anderem gemischt mit Prêt-à-porter oder auch mal einer H&M Klamotte, für Couture begeistert.
Jet Set Kinder hießen sie in den 70er Jahren und heute sind es It-Girls und -Boys, wie zum Beispiel Victoria und Edward Tang.

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Modeschätze – Karl bei Coco kreativ

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Bild: Scan vom Stern – „Karl bei Coco kreativ“

Vor genau 30 Jahren erschien in der deutschen Illustrierten „Der Stern“ ein Bericht, der bis heute bei mir aufbewahrt wird und den ich euch gern heute vorstellen möchte. Die Autorin des Artikels, Ursula Harbrecht, ist eine der renommiertesten, sehr sachkundigen Moderedakteurinnen Deutschlands. Der Stern hatte in den 70er Jahren einen engen Draht zu Karl Lagerfeld und war in Deutschland maßgeblich daran beteiligt, dass er so bekannt wurde. Stern-Redakteurin Wibke Bruhns galt als „die“ Lagerfeld Expertin und hatte viele Reportagen über ihn bei Chloé und Fendi gemacht.

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Dover Street Market und Comme des Garçons – Einfahrt der Hermès Calèche

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Patchwork Hermès Carré (180x180cm), 1.500 £; Bild: Hermès

Am 6. Februar 2013 ist es soweit, die Comme des Carrés Kooperation zwischen Rei Kawakubo und dem 175 jährigen Pariser Traditionshaus Hermès geht an den Start. Wir berichteten ja bereits über diese so fulminante Kombination, doch jetzt gibt es zu sehen, was dabei herausgekommen ist.
Exklusiv im Londoner Dover Street Market wird das Prunkstück der Kollektion, ein 1,80 Meter mal 1,80 Meter großes Carré, bestehend aus einer Art Patchwork auf feinster Lyoner Seide gedruckt, verkauft. Es enthält die für Rei Kawakubo bestehende Essenz der Hermès Tücher der letzten fünfzig Jahre.
Außerdem gibt es sechs Motive, die (limitiert auf je 200 Stück) sicherlich sofort zu Sammlerstücken werdenden Quadrate mit Hermès / Kawakubo Symbiosen, wie Gingham-Karo Kombis mit Kettenmotiven, Pferdemotive mit Graffiti-Parole und Panneaux-Motive überprinted mit Polka-Dots.

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Interieur

Peter’s Cuttings – Le Génie de Andrée Putman

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Andrée Putman. Courtesy of the Putman Studio.

Am 19. Januar verstarb mit der 1925 in Paris geborenen Andrée Putman eine der großen Damen der Innenarchitektur und des Designs. Sie war stilprägend für eine ganze Generation von Designern wie zum Beispiel Philippe Starck. Auch mich hat sie ungeheuer beeinflusst – deswegen möchte ich ihr das heutige Cutting widmen.
Schon der Beginn ihrer Karriere war vielfältig, denn die waschechte Pariserin startete als Journalistin des Modemagazins „Elle“. Ihre große Liebe galt aber schon damals dem Produktdesign und sie entwarf daher eine Kollektion von Haushaltsartikeln für die damals sehr angesagte Kaufhauskette Prisunic. Diese Entwürfe standen damals für demokratisches Design, das für jeden erschwinglich sein sollte.

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Paris Fashion Week

Cover the Look – Chanel Haute Couture Make-up by Peter Philips

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Bild: CHANEL

Haute Couture bleibt für viele von uns ein Traum – aber als Inspiration hat sie ihre Strahlkraft wie zu jeder Zeit. Außer den Kleidern setzen natürlich auch die Accessoires, Frisuren und vor allem das Make-up Maßstäbe.
Als am Dienstag die Haute Couture Kollektion von Chanel gezeigt wurde, fiel sofort der Make-up-Look auf, der Karl Lagerfelds „Waldfeen-Märchen“ in die Gesichter der Models zauberte.

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Paris Fashion Week

Granvilles Blütenträume – Christian Dior Haute Couture Sommer 2013

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Bild: DIOR

Im winterlichen Paris, mitten in den Tuilerien, zeigte Raf Simons seine zweite Haute Couture Kollektion für Christian Dior. 400 Meter Teppich führten die Besucher vom Eingang des Parks zu einem intimen Pavillon, der von außen vermeintlich klein, innen aber Großartiges offenbarte. Eine Parklandschaft mit Bosquetten und Kieswegen – ganz wie ein frisch ergrünter Frühlingspark. Die 44 Modelle, die diesmal gezeigt wurden, zeigten deutlich, worum es Raf Simons geht:

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